Werbung:

Werbung:

Deutsche Bahn bekommt Konkurrenz im Fernverkehr – und zieht deshalb vor Gericht

Der italienische Privatzuganbieter Italo will ab 2028 Fernzüge in Deutschland fahren lassen. Der Quasi-Monopolist DB reagiert hierauf mit einer Klage. Offenbar fürchtet der Konzern, angesichts der eigenen Probleme seine Vormachtstellung einzubüßen.

Die ICE-Züge der DB sollen ab 2028 Konkurrenz aus Italien bekommen (IMAGO/Rüdiger Wölk)

Werbung

Das Quasi-Monopol der Deutschen Bahn im deutschen Fernverkehr beginnt zu bröckeln: Noch entfallen rund 95 Prozent der Verkehrsleistungen auf den Staatskonzern, doch der Konkurrenzdruck wächst – und zwar von mehreren Seiten zugleich. Ein besonders ernst zu nehmender Herausforderer kommt aus Italien.

Im Frühjahr wurde bekannt, dass der private Anbieter Italo ab 2028 auf zwei zentralen deutschen Fernverkehrskorridoren eigene Hochgeschwindigkeitszüge einsetzen will – von München über Frankfurt und Köln nach Dortmund sowie von München über Berlin nach Hamburg. Dafür will das Unternehmen rund 3,6 Milliarden Euro in eine Flotte von 26 Hochgeschwindigkeitszügen investieren. Eine Option auf 14 weitere Züge besteht ebenfalls.

Die Deutsche Bahn wehrt sich nun juristisch: Ihre Infrastrukturtochter DB InfraGO hat beim Verwaltungsgericht Köln Klage gegen einen Beschluss der Bundesnetzagentur eingereicht. Die Behörde hatte InfraGO Mitte Juli dazu verpflichtet, auf bestimmten Strecken mindestens ein Viertel der Kapazitäten für Wettbewerber freizuhalten. Im Konfliktfall dürfen dort höchstens 60 bis 75 Prozent der verfügbaren Fernverkehrskapazität an DB Fernverkehr oder ein anderes einzelnes Unternehmen vergeben werden.

Dem Beschluss war eine Mitte Januar eingegangene Beschwerde von Italo bei der Bundesnetzagentur vorausgegangen. Der italienische Anbieter kritisierte darin die Vergabe der knappen Schienenkapazitäten in Deutschland: Das bestehende Verfahren erschwere es Neueinsteigern, auf stark nachgefragten Strecken überhaupt Fahrplantrassen zu erhalten.

Juristisch heikel ist vor allem die Doppelrolle der DB InfraGO: Zwar gehört sie vollständig zum DB-Konzern, als Betreiberin des Schienennetzes ist sie jedoch an das Eisenbahnregulierungsgesetz gebunden. Danach müssen Eisenbahnunternehmen zu angemessenen, transparenten und diskriminierungsfreien Bedingungen Zugang zur Infrastruktur erhalten. InfraGO darf DB Fernverkehr bei der Trassenvergabe also nicht gegenüber konzernfremden Wettbewerbern bevorzugen – ein zentraler Punkt, an dem die Klage scheitern könnte.

Lesen Sie auch:

Hinter der juristischen Abwehrhaltung der DB steht eine weitere unbequeme Wahrheit: Gerade im Fernverkehr hat der Konzern guten Grund, den direkten Vergleich zu fürchten – denn wettbewerbsfähig wirkt seine Fernverkehrssparte derzeit nur bedingt. Im Gesamtjahr 2025 erreichten lediglich 60,1 Prozent der Fernzüge pünktlich ihr Ziel. Auch finanziell steht DB Fernverkehr unter Druck: Der DB-Konzern schrieb 2025 rund 2,3 Milliarden Euro Verlust. Dazu trug unter anderem eine Wertminderung von 1,4 Milliarden Euro auf die Tochter DB Fernverkehr bei.

Auch bei Service und Komfort zeigt sich die Unzufriedenheit vieler Fahrgäste. Die in Schulnoten gemessene Kundenzufriedenheit im DB-Fernverkehr verschlechterte sich im ersten Halbjahr 2026 auf 2,6, nach 2,5 im Vorjahreszeitraum. Auch bei der Sauberkeit besteht Luft nach oben: Im Geschäftsbericht 2025 bewerteten Fahrgäste die Sauberkeit am Sitzplatz wie im Vorjahr mit 2,4, die Zugtoiletten lediglich mit 3,0.

Die direkte Konkurrenz wie Italo könnte dem Staatskonzern vor diesem Hintergrund stark zusetzen und ihm Marktanteile abnehmen, vor allem auch mit Blick auf potenziell günstigere Ticketpreise. Die Vergangenheit zeigt, dass dies kein hypothetisches Szenario ist: Italo – vermarktet durch die im Jahr 2006 gegründete Nuovo Trasporto Viaggiatori S.p.A. (NTV) – gilt als einer der Pioniere im Bereich privater Hochgeschwindigkeitszüge in Europa.

Das Unternehmen trat in Italien im Jahr 2012 gegen den Staatskonzern Trenitalia an und veränderte den Markt grundlegend. Auf der Strecke zwischen Rom und Mailand sanken die Durchschnittspreise noch im selben Jahr um 30 Prozent gegenüber 2011. Das Fahrgastaufkommen stieg, und beide Anbieter steigerten ihre Qualität, um Kunden zu halten. Italien gilt europaweit als Beleg dafür, dass Wettbewerb auf der Schiene durchaus Vorteile für Fahrgäste mit sich bringen kann.

Besonders beachtlich: Italo ist dabei längst nicht der einzige Herausforderer, der sich gegen die Deutsche Bahn stellt – auch der Mobilitätskonzern FlixTrain rüstet für den Konkurrenzkampf auf. Aktuell ist der Marktanteil von FlixTrain im deutschen Fernverkehr noch marginal, doch das soll sich schon bald ändern.

Vergangenes Jahr hatte das Unternehmen den Kauf von bis zu 65 Zügen des spanischen Herstellers Talgo angekündigt, die ab 2028 geliefert werden sollen. Doch schon jetzt wird der Wachstumskurs aktiv vorangetrieben. „Wir werden die Größe unseres Angebots bereits in den nächsten zwei Jahren bis zum Einsatz der neuen Talgo-Züge verdoppeln“, sagte Flix-Chef André Schwämmlein im Frühjahr im Gespräch mit dem Spiegel.

Für 2027 liegen bereits konkrete Details vor. Auf der Verbindung zwischen Berlin und Hamburg plant das Unternehmen bis zu zehn tägliche Fahrten im Zwei-Stunden-Takt. Damit soll die Zahl der wöchentlichen Abfahrten gegenüber dem bisherigen Angebot um rund ein Drittel steigen.

Bei aller Euphorie über die möglichen Vorteile von mehr Wettbewerb ist allerdings auch etwas Ernüchterung angebracht: Am wohl drängendsten Problem vieler Fahrgäste – der mangelnden Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit – wird der Markteintritt neuer Anbieter zunächst wenig ändern. Denn zusätzliche Konkurrenz auf der Schiene kann eines nicht ersetzen: den dringend nötigen Ausbau und die Sanierung des Netzes.

Die Schieneninfrastruktur bleibt in einem schlechten Zustand: Der Netzzustandsbericht 2025 bewertet sie wie schon im Vorjahr mit der Gesamtnote 3,00 – trotz milliardenschwerer Investitionen und zahlreicher Baustellen. Allein 2025 flossen laut DB 23,7 Milliarden Euro in Ausbau, Erneuerung und Instandhaltung von Netz, Bahnhöfen und Energieanlagen. Wie schleppend große Schienenprojekte dennoch vorankommen, zeigt auch Stuttgart 21, dessen Eröffnung inzwischen auf Ende 2031 verschoben wurde. (mehr dazu hier).

Werbung

Kommentar schreiben

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

Ohne Account kommentierenKein gesicherter Name, von jedem frei wählbar

Mit Account kommentieren Ihr Nutzername für Sie gesichert & einmalig

Anmelden ›Kostenlos registrieren

25 Kommentare

  • Konkurrenz könnte zu besseren Leistungen und niedrigeren Kosten führen. Also darf das für Deutsche
    grundsätzlich nicht gelten. Schließlich müssen überbezahlte deutsche Beamte auch keine Leistung bringen und verdienen (incl. Pensionen) überproportional gut.

    • Wer freiwillig in D. einen Cent verbrennen will, sollte wirklich gerichtlich davon abgehalten werden. würden manche anraten.

      Wie stellen sich das die Italos vor, wenn sie KEINE Kontrolle übers Netz und vor allem Personal haben???

      Die werden mit Sicherheit KEINE faire bzw. bessere Konditionen/Behandlung erfahren und ebenfalls die marode Infrastruktur haben.

  • Ich war in diesem April in Japan …. macht die DB ersatzlos zu und überlaßt das den Japanen, die können das.

  • Und wieder bekommen die einen auf den Deckel.

  • „Der italienische Privatzuganbieter Italo will ab 2028 Fernzüge in Deutschland fahren lassen.“

    Ich weiß warum.
    Und ich weiß warum die DB um die Existenz bangt.
    Weil die italienische Eisenbahn Kundenservice, Geschwindigkeit und klimatisierte Züge haben.

  • Italienische Züge fahren 300 Km/h, sind klimatisiert und haben Kundenservice.
    Deutsche ICE der DB haben 140 Km/h, mit ausgefallener Klimaanlage und ihr Kundenservice ist an Bord ausgefalllen.
    Gegen diese „Konkurrenz“ muss die DB juristisch vorgehen.

    Ich würde es besser finden wenn Italo den deutschen Schienenverkehr übernimmt.

  • Verständlich. Man stelle sich vor, die Züge der Konkurrenz führen pünktlich, wären sauber, sicher und würden wieder den Service früherer Zeiten bieten…Das wäre doch unerträglich.

    • Das macht Italo auch noch.

  • Guter Gag.

  • Wenn eine italienische Bahn auf der deutschen Eisenbahn fährt. Ist die Konkurrenz für deutsche Züge zu groß.
    Mit einem Ticket bei der italienischen Bahn in der Region für 10€.
    Ihr könnt da nicht mithalten.

  • DB Fern könnte klagen – gegen die Konkurrenz. Aussichten?

    DB InfraGO sollte MEISTbietend vergeben. Ggf. eben an die Italiener.
    Was bitte haben die hier für Probleme?

    Wenn dann der Frecche durchfährt statt daß der ICE hält „Leider ist das Display ausgefallen. Wir booten neu“ sollten die Kunden es zufrieden sein.

  • Der neue Anbieter pickt sich wahrscheinlich wieder nur die Rosinen raus (die profitabelsten Strecken). Dann gibt’s 2 Möglichkeiten:
    1. Auf weniger profitablen Strecken gibt’s keine Fernzüge mehr weil die Bahn das nicht mehr so gut querfinanzieren kann.
    2. Die Regeln werden so geändert, dass die neue Konkurrenz auch auf weniger profitablen Strecken fahren muss.

    PS: Man hätte erwähnen können, weil bei der Privatisierung der Bahn in UK so alles schiefgelaufen ist.

  • An der Pünktlichkeit muß auch Italo scheitern, wie es der Artikel zum Ende hin sagt. Denn auch die neuen Züge müßten sich in die desolate Infrastruktur einfügen. Und wenn eine Weiche ausfällt, ist es egal, von welchem Unternehmen der Zug ist, der nicht weiterfahren kann.
    Wo Italo die Deutsche Bahn aber demütigen könnte, ist der Service. Der ist bei der Deutschen Bahn schlicht unterirdisch, ob man an Bordbistros oder Zugtoiletten denkt. Er ist eine Schande für ein zivilisiertes Land. Auch die Kommunikation mit dem Kunden, wenn etwas schiefläuft, ist von unglaublicher Arroganz und ungehöriger Schnoddrigkeit geprägt. Es herrscht von der Leitung oben bis zu dem Personal unten eine Kultur der Verantwortungslosigkeit. Alle stehen dumm rum und sagen: Ich kann nichts dafür. Und das stimmt einfach nicht. Zwar ist ein Zugbegleiter nicht schuld, wenn ein Zug wegen einer Signalstörung liegen bleibt. Wie er das aber kommuniziert und welche Hebel er in Gang setzt, dafür kann er durchaus etwas.

  • Ich finde diese Schlechtrederei schlichtweg widerlich !
    Auch wenn nur 60% der Züge pünktlich ihr Ziel erreicht haben, so haben sie es immerhin doch erreicht !!!!!

    • Und Züge, die ausfallen, werden in der Statistik nicht gezählt, da sie ja nicht verspätet sind.

    • Ja … im Prinzip kommen die Züge auch irgendwann an.
      .
      Die Betonung lag auf „irgendwann“ ……..

    • Genau! Egal wann. Immerhin verfahren sie sich in der Regel nicht! SO geht Bahn.

  • Ich war letztes Jahr in Sizilien und da funktioniert die Bahn wunderbar.
    Egal ob die Automaten oder die Pünktlichkeit, es gab nichts zu meckern. Da kann sich die deutsche Bahn eine Scheibe dran abschneiden.

    • Meine Ost-Rennbahn vom VEB Pressformwerk Dresden aus dem Jahr 1970 war auch konkurrenzlos.

  • Ich freue mich schon auf die feuerroten Italo Züge. Die werden der DB schon mal zeigen, wie preiswert und pünktlich Bahn fahren sein kann – übrigens alle mit Klimaanlage und 4 Toiletten pro Unit.

    • neulich liefen 2 berichte.

      einer über den italienischen Schnellzug von Mailand (der Bahnhof sieht aus wie geleckt, absolut toll)über Rom nach Palermo.
      Der Reporter fuhr im vip wagon, erste Sahne.

      Das andere war ein österreichischer Nachtzug von Stuttgart nach Venedig.
      sehr komfortabel und das Geld wirklich wert.

      Da kann DB in beiden Fällen noch ganz viel lernen

      • Das die Bahnhöfe wie geleckt aussehen, hängt wahrscheinlich auch an der Kundschaft!

  • Bahn fahren ist lebensgefährlich. Ich nutze die Konkurrenz namens SUV. Die ist sauber, pünktlich und vor allem schnell

  • Italienische Bahnen fahren 300 Km/h.

  • ohne funktionierende WC und Bar hat man halt schlechte Karten

Werbung