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Reformpaket

Diese Chaos-Debatte um die Krankschreibe-Pflicht hat Merz angestoßen – Ärzte sprechen von Katastrophe

Bereits ab dem ersten Krankheitstag soll künftig ein ärztliches Attest Pflicht werden. Werden so wirklich Fehlzeiten gesenkt und die Produktivität gesteigert? Ärzteverbände, Krankenkassen und Teile der SPD schlagen Alarm und warnen vor den negativen Folgen dieses Vorhabens.

Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Gesundheitsministerin Nina Warken wollen das deutsche Gesundheitssystem umbauen – und sorgen für mehr Bürokratie. (IMAGO/dts Nachrichtenagentur)

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Um die Produktivität am Arbeitsmarkt zu steigern und die aus Sicht der Bundesregierung zu hohen Fehlzeiten zu senken, sollen die Regeln für Krankschreibungen in Deutschland nun weiter verschärft werden. Die schwarz-rote Koalition hat im Koalitionsausschuss beschlossen, dass Arbeitnehmer künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen müssen.

Gleichzeitig soll die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung wieder abgeschafft werden. Krankenkassen, Ärzteverbände und Teile der SPD laufen Sturm gegen die Pläne.

Die Regelungen für Krankschreibungen sollen grundlegend geändert werden. Der Koalitionsausschuss von Union und SPD beschloss am 1. Juli 2026, dass die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) künftig gesetzlich bereits ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend wird. Bislang gilt: Wer länger als drei Kalendertage arbeitsunfähig ist, muss spätestens am darauffolgenden Arbeitstag – also ab dem vierten Krankheitstag – ein ärztliches Attest vorlegen.

Gleichzeitig soll die telefonische Krankschreibung, die seit Ende 2023 möglich ist, wieder entfallen. Bislang können Patienten, die einer Arztpraxis bekannt sind und keine schweren Symptome aufweisen, ohne persönlichen Praxisbesuch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) erhalten. Darüber hinaus soll laut Beschlusspapier des aktuellen Koalitionsausschusses die unrichtige Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – also das Ausstellen falscher Atteste – nach § 278 des Strafgesetzbuches künftig härter bestraft werden als bislang.

Ein konkreter Zeitpunkt für das Inkrafttreten der Änderungen wurde noch nicht genannt. Zunächst muss ein Gesetz beschlossen werden. Der Bundestag plant aber, dieses bis Ende 2026 zu verabschieden.

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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begründete die geplanten Änderungen mit einem Wettbewerbsnachteil für den Standort Deutschland. Die Zahl der Krankenstände sei zu hoch und würde die Wirtschaftsleistung negativ beeinträchtigen. Man wolle das nicht hinnehmen. Ob die Verschärfungen, die nun umgesetzt werden sollen, die Situation verbessern werden, ist jedoch fraglich. 

Die Kritik an den Plänen ist laut und kommt aus mehreren Richtungen. Der Vorstandsvorsitzende der DAK und frühere Gesundheitsminister des Saarlandes, Andreas Storm etwa, warnte unmittelbar nach der Ankündigung vor den praktischen Folgen: „Die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung steigert die Zahl der Arztkontakte und damit auch die Belastung der Beschäftigten in den Praxen“, erklärte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. In Kombination mit der Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag drohten überfüllte Hausarztpraxen.

Auch der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Beier, bezeichnete die Beschlüsse im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland als „absolute Katastrophe“. Die Koalition nehme ohne jede wissenschaftliche Evidenz eine vollständige Überlastung der Arztpraxen billigend in Kauf. Die zusätzliche Bürokratie sei kaum zu bewältigen. Dass dadurch die Zahl der Krankheitstage sinken werde, sei eine Illusion.

Noch schärfer formulierte es Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), im Gespräch mit der Rheinischen Post. Es grenze an Irrsinn, Abertausende Menschen zusätzlich in die Arztpraxen zu schicken – nur damit dort Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausgestellt würden. „Wer hustet oder eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett – und nicht in die überfüllte Praxis.“

Widerspruch kommt auch aus den Reihen der Koalition selbst. Bundesarbeitsministerin und SPD-Vorsitzende Bärbel Bas kündigte an, die Auswirkungen der im Koalitionsausschuss vereinbarten Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag sorgfältig prüfen zu wollen. „Das war jetzt nicht mein Vorschlag“, erklärte Bas im Interview mit RTL. Man werde nun untersuchen, ob die Maßnahme tatsächlich den gewünschten Effekt erzielt oder möglicherweise eher neue Probleme verursacht. Selbst SPD-Co-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil zeigte sich auffallend zurückhaltend. „Das müssen wir jetzt vernünftig gestalten, was da im Koalitionsausschuss vorgeschlagen wurde“, sagte er im Gespräch mit RTL. Eine uneingeschränkte Zustimmung klingt anders. 

Auch außerhalb der Politik formt sich Widerstand gegen die geplanten Änderungen. Auf der Plattform OpenPetition sammelte eine Petition mit dem Titel „Petition gegen die geplanten Reformen der Krankschreibungen“ innerhalb weniger Stunden mehr als 500 Unterschriften. Das erklärte Ziel liegt bei 30.000 Unterstützern. In der Petition wird die Bundesregierung aufgefordert, von der geplanten Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag abzusehen und die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung dauerhaft beizubehalten.

Um die geplanten Änderungen einordnen zu können, lohnt sich ein Blick auf die derzeit geltenden Regelungen. Wer krankheitsbedingt nicht arbeiten kann, muss seinen Arbeitgeber unverzüglich darüber informieren – unabhängig davon, ob bereits ein Attest vorliegt. Nach aktueller Rechtslage muss eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) grundsätzlich erst ab dem vierten Krankheitstag vorgelegt werden. Arbeitgeber können jedoch bereits heute verlangen, dass Beschäftigte schon ab dem ersten oder zweiten Krankheitstag ein Attest vorlegen. Manche Unternehmen machen von dieser Möglichkeit bereits Gebrauch, viele jedoch nicht.

Seit Januar 2022 erfolgt die Ausstellung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zudem digital. Die Arztpraxis erstellt die sogenannte elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) und übermittelt sie direkt an die gesetzliche Krankenkasse (GKV). Der Arbeitgeber ruft die Daten anschließend elektronisch bei der Krankenkasse ab. Beschäftigte müssen daher in der Regel keinen Papierausdruck mehr einreichen.

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20 Kommentare

  • Merz wird sich seiner Linie treu bleiben und weiterhin alles, alles was er gesagt hat widerrufen. Wetten das diese tolle Reformidee zurück genommen wird?
    Dafür hat er schon die nächsten zig Milliarden für die Ukraine zugesagt, damit der Krieg für die nächsten 2 Jahre gesichert ist…

    • Ja, da kann er auf einmal nichts zurücknehmen…Geschenkt ist geschenkt…

  • Wenn schon der Bürokratieabbau herangezogen wird, dann wäre die telefonische Mitteilung beim Arbeitgeber, dass man sich nicht wohl fühlt, die einfachste und kostengünstigste Lösung, wenn man die Belastung für Arztpraxen und Krankenkassen berücksichtigt. Zumindest wenn die Abwesenheit aller Voraussicht nach nur einen Arbeitstag dauern wird. Übrigens finde ich diese Debatte ziemlich verlogen. Ginge es um die Gesundheit und Produktivität der Arbeitnehmer, hätte man sie niemals zur Covidspritze treiben dürfen. Aber wenn Pfizer sich dabei eine goldene Nase verdient, ist alles in Ordnung.

  • Und schon wieder dreht sich eine tapfer besiegte Windmühle schneller als vorher.

  • Ein schriftliches Attest ist etwas anderes als eine Krankmeldung. Durch alle Medien hindurch wird das durcheinandergebracht. Das nur mal nebenbei.
    Kanzler Merz hat schon öfter durchblicken lassen, dass er große Probleme bei der Arbeitsleistung der Arbeitnehmer sieht, er hält sie für faul. Sollten seine Maßnahmen keine Wirkung zeigen, könnte das tatsächliche Problem woanders liegen. Nämlich an den lausigen Leistungen der letzten Regierungen.

  • Gut machen wir doch gerne. Will zum Arzt aber nächster Termin in drei Wochen frei. Was jetzt? In die Notaufnahme? Und natürlich den Knüppel wegen falsches Attest. Also ist dann jedes Arztzeugnis das ich präsentiere Fake? Sie sehen rundum gelugene Reform. Wenn aber die Arzte mitmachen und Arbeitgeber dann wirx man sehen wer am Schluss noch zur Arbeit geht.

  • Dankeschön,
    Mich hat wirklich verwundert, als ich letztes mitgekriegt hab, dass man sich erst ab dem dritten Tag krankschreiben lassen muss, ich bin immer ganz brav zum Arzt gegangen, wenn es sein musste, auch wenn ich das gar nicht hätte müssen. Wenn ich mir vorstelle, wie viel Missbrauch dadurch stattfindet, dass man einfach blau machen kann, ist schon phänomenal. Wahrscheinlich hat man es gemacht, um die Ärzte zu entlasten, aber ich finde das ganze System irgendwie krank. Eine Gesellschaft, bei der man sich drei Tage lang einfach so krankmelden kann, scheint mir kurz vor dem Absturz ins Nichts zu sein.

    • Puh. Also wenn sie das erst kürzlich mitbekommen haben, dann sollten sie den/die Fehler erstmal bei sich selbst suchen, anstatt gleich auf die Gesellschaft loszugehen.

      Es gibt noch viele andere lustige Dinge da draussen. Zum Beispiel geht im Kühlschrank das Licht aus wenn man die Tür zumacht.

    • Ich habe das in meinem Arbeitsleben vielleicht zwei, dreimal genutzt.
      Zb. es kündigte sich an Dienstag oder Mittwoch schon an, die Erkältung. Donnerstag mit Hals zu und Rotznase nach Hause und Früh ins Bett. Meine Kollegen sagten schon, du siehst echt nicht gut aus. Freitag morgen, nee das geht heute nicht. Das Wochenende zur Erholung genutzt an Montag war es wieder besser, dass ich auch wieder los konnte.
      Natürlich hätte ich den Freitag auch in Wartezimmer verbringen können. Ob das der schnellen Genesung zuträglich wäre?
      Was wäre die Konsequenz, bei einem krauserischen Arzt eine AU auf den Freitag. Bei einem großzügigen Arzt gleich noch die ganze kommende Woche.

  • Arbeitnehmer, die sich übergeben müssen, weil die Bundesregierung externer Interessen neue perfide Vorhaben umsetzen will, wissen, dass sich ihre Mägen einen Tag später wieder einigermaßen beruhigt haben werden. Da ist es doch besser, sie melden sich für einen Tag krank. Gingen sie zum Arzt, würden sie möglicherweise länger nicht zur Arbeit gehen.

  • aus meiner Sicht als Arbeitgeber:

    Früher: Anruf, teils am Vorabend, mit
    „chef, sorry , bin krank, muss mal den Tag im Bett oder dem Klo verbringen. wenn’s 2 werden, melde ich mich.“.
    oft macht den Anruf die Partnerin.
    alles cool, so haben wir es zig Jahre gemacht, alle waren zufrieden.

    jetzt laut Willen von der Pinocchio -Koalition:
    das gleiche mit dem Anruf….
    PLUS das Risiko, das mein Arbeitnehmer entweder gleich die komplette Woche krankgeschrieben ist.
    Oder der Arzt ihn NICHT krankschreiben will und das dann zum Beispiel Montag morgens um 10.00, während ich ihn für den Tag ja bereits in der Arbeits-Planung nicht mehr drin habe.
    was soll dann passieren?
    soll der dann um 11.00 überraschend doch in der Firma sein? daheim bleiben,unbezahlt?
    soll ich den Kram mit den zusätzlichen Krankmeldungen dann täglich verrechnen und Nachweisen und damit einen weiteren Mosaikstein an Bürokratie mit bauen?
    wir haben Montag Treffen mit der Belegschaft und sind uns einig: Merz kann uns mal…😎

  • Das ist Fritze wie wir ihn kennen.
    Zwei Schritte vor, drei Zurück, ein Schritt vor, zwei Zurück, ein Schritt vor, zwei nach vorne.
    Und wer jetzt nicht mitgezählt hat, der hat ganz schnell die Orientierung verloren.
    Oder wie Jean Claude Junker schon wusste, wir stellen etwas in den Raum und warten ab, ob es Geschrei gibt. Wenn nicht …
    Zum Glück funktioniert das nicht mehr so einfach.
    Und schon gerät der Fritze ins schleudern und schwimmen.

  • Da haben die Ärzte Recht… Dieser Pinocchio ist eine komplette Katastrophe für unser Land.

  • Stromberg wird seinem Klarnamen gerecht. Was wird uns immer wieder gesagt ? Erst denken dann reden.

  • Also eines muss man sagen: Unsere Regierung arbeitet wirklich an den ganz ganz großen Problemen unserer Zeit, an den Dingen die endlich und superdringend gelöst werden müssen.
    Nicht.
    Es ist ein Narrenspiel, ein sehr trauriges Narrenspiel.

  • Na, wenn die Menschen Dilettanten, Ideologen und fachliche Versager in der Merheit wählen, befinden wir uns in Deutschland.

  • Die Regierung will jetzt die Schuld des wirtschaftlichen Niedergangs der Bevölkerung in die Schuhe schieben.
    Wenn VW 100.000 Mitabeiter entlässt und freiberufliche Siftwareentwickler keine Jobs mehr bekommen, dann liegt das sicher nicht an Krankschreibungen.
    Dieses Schmierentheater kotzt mich nur noch an.
    Merz muss weg, dringend und schnell!

  • Ich muss kübeln, wenn ich dieses arrogante Grinsen sehe.

  • Der Schwachkopf Schwarzkopf Nachfolger bleibt uns solange an den Klöten haften bis er abgewählt ist.

  • Der vom echten Leben schon lange völlig entkoppelte Opa Friedrich Merz dachte sich „den Faulpelzen mal Beine machen!“. Was er mit seiner dusseligen Regelung anrichten würde, hatte er nicht auf dem Zettel und es hat ihm auch niemand gesagt. Dass Merz – der von sich sicher glaubt, er wäre der klügste, schönste und schlauste – auch noch denkt, das wäre der Zustand, wie er vor Corona geherrscht habe, spricht Bände darüber, wie viel Ahnung Friedrich Merz vom Leben hat, nämlich NULL!

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