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Airlines auf der Flucht: Deutschland verliert Flugzeuge, Strecken und Passagiere 

Ryanair streicht erneut Kapazitäten in Deutschland – diesmal trifft es vor allem den Hauptstadtflughafen BER. Die irische Airline begründet den Schritt mit den hohen Steuern und Gebühren am deutschen Standort, die im europäischen Vergleich kaum noch tragbar sind. Doch der Rückzug ist kein Einzelfall.

Flugzeug der Lufthansa am Frankfurter Flughafen. (IMAGO/greatif)

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Der deutsche Luftverkehrsstandort droht Schritt für Schritt in sich zusammenzufallen. Weil Steuern, Gebühren und Abgaben im europäischen Vergleich auf Spitzenniveau liegen, meiden immer mehr Fluggesellschaften deutsche Flughäfen und ziehen ihre Kapazitäten ab.

Nun hat Ryanair zum wiederholten Male Kürzungen angekündigt. Wie das Unternehmen am 8. Oktober mitteilte, werden im Winter 2026/27 in Deutschland rund 700.000 Sitzplätze weniger angeboten als im Winter 2025/26. Das entspricht einem Minus von zehn Prozent.

Besonders hart trifft es Berlin. Ryanair schließt seine Basis am Hauptstadtflughafen BER zum 24. Oktober und verlagert die sieben Flugzeuge, die dort noch stationiert sind, an Flughäfen in anderen EU-Staaten. Das Sitzplatzangebot in Berlin sinkt dadurch im Winter um 50 Prozent. Die zwölf Verbindungen nach Bologna, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, Marseille, Palermo, Pisa, Reggio Calabria, Tallinn, Thessaloniki, Triest und Vilnius werden komplett gestrichen.

Auch in Hamburg werden Kapazitäten abgezogen. Am Flughafen der Hansestadt kürzt Ryanair das Sitzplatzangebot im kommenden Winter um fünf Prozent. Den kompletten Kahlschlag erwartet Bremen. Ab April 2027 stellt Ryanair sämtliche Flüge von und nach Bremen ein. Nach Unternehmensangaben entfallen dadurch jährlich weitere 500.000 Sitzplätze.

Eine Ausweitung des Angebots gibt es dagegen an kleineren Flughäfen, die daran arbeiten, ihre Entgelte zu senken: In Memmingen steigt die Kapazität um zwölf, in Köln um zehn Prozent. In Friedrichshafen und Saarbrücken werde die Gesellschaft erstmals auch im Winter fliegen.

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Die steigenden Entgelte und Abgaben am deutschen Luftverkehrsstandort sind Hauptgründe für die Kürzungen. Laut Ryanair sind es vor allem die hohe Luftverkehrsteuer sowie die Flughafen-, Sicherheits- und Flugsicherungsgebühren, die das Unternehmen finanziell belasten und zu Umstrukturierungen des Angebots bewegen.

Ein eindrückliches Beispiel: Am BER seien den Angaben der Airline zufolge die Entgelte seit 2019 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Für die Jahre 2027 bis 2029 hat der Flughafen eine weitere Erhöhung um zehn Prozent angekündigt. Wie das irische Unternehmen in einer Stellungnahme im April dieses Jahres mitteilte, sei infolge der „ungerechtfertigten und übermäßigen Gebührenerhöhungen‟ des Berliner Flughafens seit 2019 auch das Luftverkehrsaufkommen um nahezu 30 Prozent eingebrochen.

Neu ist der Rückzug aber nicht. Ryanair kürzt sein Deutschlandgeschäft aufgrund der unprofitablen Rahmenbedingungen seit Jahren sukzessive zurück. Im August 2024 kündigte die Airline an, ab Sommer 2025 am BER 20 Prozent der Kapazität zu streichen und zwei von neun dort stationierten Flugzeugen abzuziehen. Dies wiederum ging ebenfalls mit der Streichung von Strecken einher, sechs an der Zahl: Brüssel, Chania, Kaunas, Krakau, Luxemburg und Riga – als direkte Reaktion auf die kurz zuvor angekündigten Erhöhungen von Luftverkehrsteuer und Sicherheitsabgaben.

Wenige Monate später wurde bekannt, dass für den Sommer 2025 insgesamt 1,8 Millionen Sitzplätze und 22 Strecken wegfallen sollten. Dortmund, Dresden und Leipzig wurden komplett aufgegeben, in Hamburg sank das Flugangebot besonders stark, um 60 Prozent. Im Winter 2025/26 fielen weitere 800.000 Sitzplätze und 24 Strecken an neun deutschen Flughäfen weg. Über die ersten Drohungen der Airline hatte Apollo News bereits im Voraus berichtet. Mehr dazu hier.

Trotz der umfangreichen Kürzungen, die am deutschen Standort in jüngster Vergangenheit vollzogen worden sind, steht Ryanairs Angebot gegenüber der Bundesregierung weiterhin: Würden die Luftverkehrsteuer abgeschafft und die Zugangskosten halbiert, wolle man neue Basen in Deutschland eröffnen, 30 zusätzliche Flugzeuge vor Ort stationieren und das Passagieraufkommen auf 34 Millionen pro Jahr verdoppeln. Außerdem würde die irische Fluggesellschaft mehr als 1.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Besonders schwer wiegt für den deutschen Luftverkehrsstandort, dass Ryanair mit seinen rigorosen Kürzungen nicht alleinsteht. Auch andere Fluggesellschaften wie Easyjet und die Lufthansa-Tochter Eurowings haben in den letzten Jahren an deutschen Flughäfen Strecken gestrichen und ihr Angebot teilweise reduziert. Nach einer Erhebung des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) sank die Zahl der von europäischen Punkt-zu-Punkt-Airlines in Deutschland stationierten Flugzeuge von 190 im Jahr 2019 auf 130 im Jahr 2025. Der Verband beziffert die Folgen auf mehr als 10.000 verlorene Arbeitsplätze und den Verlust von über vier Milliarden Euro jährlicher Wertschöpfung. Auch zu diesem übergeordneten Negativtrend tragen zu großen Teilen die hohen staatlich veranlassten Standortkosten bei.

Das Verkehrsaufkommen liegt unter anderem dadurch bedingt an vielen großen deutschen Flughäfen weiterhin deutlich unter dem Niveau des Vor-Corona-Jahres. Im Jahr 2019 – ein Jahr vor der BER-Eröffnung – zählten die damaligen Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld zusammen mehr als 35,5 Millionen Fluggäste. Der BER kam 2025 nach Angaben des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg auf nur 26 Millionen. Die Zahl der Starts und Landungen lag mit knapp 185.000 sogar um 33,5 Prozent unter dem Niveau von 2019.

Dabei sollte der BER bei seiner Eröffnung im Oktober 2020 – neun Jahre später als geplant und mit Gesamtkosten von rund sieben Milliarden Euro statt der ursprünglich veranschlagten zwei Milliarden – zum internationalen Tor der Hauptstadtregion und zu einem bedeutenden deutschen Flughafen neben Frankfurt und München werden. Ein echtes Drehkreuz ist der Flughafen jedoch nie geworden. Vom BER starten derzeit je nach Saison nur wenige Langstrecken-Direktverbindungen.

Auch die ehemals großen Drehkreuze Frankfurt und München haben das Vorkrisenniveau bis heute nicht wieder erreicht. Frankfurt zählte 2025 rund 63,2 Millionen Passagiere, über zehn Prozent weniger als 2019 mit rund 70,6 Millionen. In München gab es 2025 43,4 Millionen Passagiere. 2019 waren es noch rund 48 Millionen.

Das große Wachstum im internationalen Flugverkehr findet längst an anderen Drehkreuzen statt. Dubai fertigte 2025 rund 95,2 Millionen Passagiere ab – so viele internationale Fluggäste wie kein Flughafen zuvor. Der neue Istanbuler Flughafen kam auf 84,4 Millionen Passagiere. Doha erreichte mit 54,3 Millionen ebenfalls einen neuen Rekord.

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1 Kommentar

  • Köln wird bedacht, weil sie daran arbeiten, ihre Entgelte zu senken?
    Wow… CGN ist eine absolute Apotheke, wenn es ums Fliegen geht, daher bin ich über diese Aussage erstaunt. Man kann aber auch sagen, dass es ja sehr einfach ist mit Reduzierungen, wenn man 200-300% zu teuer ist… 😀

    Als eigenes Beispiel für den bevorstehenden Urlaubsflug mit Frühbucherpreisen:
    Es geht in Richtung Süden auf eine sonnige Insel mit 4 Personen. Gleiches Hotel, gleiche Reisetage.

    CGN: 2.700€
    DUS: 2.600€
    BRU: 1.400€

    Dafür fahre ich gerne 1h länger mit dem Auto zum Flughafen…

    Von daher dürfen die Airlines gerne die deutschen Flughäfen kaputt-boykottieren, damit diese mal ordentlich Druck auf die Politik machen, bevor sie ganz schließen müssen. Ab Deutschland fliegen macht überhaupt keinen Spaß mehr – wie so vieles inzwischen.

    Aber so ist es eben mit dem Sozialismus: Bevor er (mal wieder) implodiert, werden die Leute verarmt, Spaß und Freude unbezahlbar gemacht und von Erfolgen phantasiert.

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