Werbung:

Mitglieder-Brief

„Zu feige, Farbe zu bekennen“: Jens Spahn entschuldigt sich für Umgang mit Leihmutterschaft

In einem Brief an die CDU-Mitglieder seines Wahlkreises entschuldigt sich Jens Spahn dafür, dass er „zu feige“ im Umgang mit der Leihmutterschaft gewesen sei. Er habe es versäumt, öffentlich seinen Sinneswandel zu erklären.

Von

Jens Spahn und sein Partner bekamen ein Kind per Leihmutterschaft aus den USA. (IMAGO/Andreas Gora)

Werbung

Der frühere Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn hat sich in einem Brief an die CDU-Mitglieder seines Wahlkreises für seine Feigheit bei der Leihmutterschaftsdebatte entschuldigt. „Ich war zu feige, bei diesem sensiblen Thema offen Farbe zu bekennen“, heißt es in dem am Donnerstag versandten Brief, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.

Er wolle die rund 2.500 CDU-Mitglieder des Wahlkreises Steinfurt I/Borken I um Entschuldigung dafür bitten, dass er den Widerspruch zwischen seiner privaten Haltung und der früher öffentlich verkündeten Haltung nicht aufgelöst und damit Vertrauen zerstört habe. Er habe zahlreiche Möglichkeiten dazu nicht genutzt, weil er zu feige gewesen sei. „Ich wollte eine schwierige Debatte vermeiden, auch zum Schutz meiner werdenden Familie – und habe damit am Ende eine sehr viel schwierigere Debatte ausgelöst.“

2015 hatte er in einem Interview mit dem Magazin GQ gesagt, dass er sich „mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs“ nur schwer anfreunden könne. Allerdings sagte er auch, dass er nicht wisse, ob er die Demut habe, anzuerkennen, dass er auf natürlichem Wege nicht Vater werden könne. 2020 hatte er sich als Gesundheitsminister gegen eine Ausweitung der Leihmutterschaft ausgesprochen.

In dem Brief erklärt er seine Gründe dafür, ein Kind per Leihmutterschaft aus den USA zu bekommen. Für ihn sei persönlich auch die Entscheidung des Bundesgerichtshofs von 2018 wichtig gewesen, dass eine Elternschaft aus Leihmutterschaft unter bestimmten Umständen anerkannt werden könne. Für die Leihmutter sei ihm wichtig gewesen, dass sie bereits eine eigene Familie habe und sich in einer finanziell stabilen Situation befinde. Es solle keine biologische Verwandtschaft zwischen ihr und dem Kind bestehen und sie solle während der Schwangerschaft medizinisch und juristisch beraten werden.

Doch er habe es versäumt, diesen Sinneswandel und Abwägungsprozess öffentlich darzustellen, obwohl er die Gelegenheit dazu gehabt hätte. Da die CDU sich noch im Februar auf ihrem Parteitag dafür ausgesprochen hatte, am Verbot der Leihmutterschaft, auch der altruistischen, festzuhalten, wurde Spahn vielfach für seine Entscheidung kritisiert. Der Ortsverband von Friedrich Merz forderte in einem Brief seinen Rücktritt. Wegen der Kritik in der Partei trat Spahn am 18. Juli von seinem Amt als Fraktionsvorsitzender zurück.

Lesen Sie auch:

Jens Spahn schreibt in dem Brief, dass er wisse, dass es Jahre brauche, Vertrauen aufzubauen, und dass dieses schnell zerstört werden könne. Eine Entschuldigung oder ein Rücktritt reiche deshalb nicht aus. Aber er werde daran arbeiten, das Vertrauen wiederherzustellen. Mittlerweile sitzt er im Haushaltsausschuss der Unionsfraktion. Leihmutterschaft in Anspruch genommen zu haben, bereut er nicht.

mra

Werbung

Kommentar schreiben

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

Ohne Account kommentierenKein gesicherter Name, von jedem frei wählbar

Mit Account kommentieren Ihr Nutzername für Sie gesichert & einmalig

Anmelden ›Kostenlos registrieren

50 Kommentare

  • Wer als Volksvertreter die geltenden Gesetze für seine Zwecke umgeht, hat in einer Volksvertretung nichts mehr zu suchen !

    25
    • Hat er ja nicht. Das was er gemacht hat, eine Auslandsadoption via Leihmutterschaft, ist auch in Deutschland erlaubt

      0
    • Gequatscht wie ein Linker eben. „Volksvertreter“ müssen genau solche dummen Halblinge sein wie er selbst, keine Cäsaren die Macht machen.

      -2
      • Die Cäsaren-Zeit ist Gott sei Dank vorbei!

        Das heisst nicht, dass ich sein Verhalten gutheiße, aber Sie sind ja nun besonders autokratisch und obrigkeitshörig unterwegs, scheint mir!

        Diesen Umweg, den Trump gerade schmerzlich zu bereuen scheint, kann sich die AfD schon mal sparen und sich nicht an solchen Feldherren-Attitüden orientieren, die Alles nur verschlimmern! Da könnte man sich das Ende auch ersparen oder braucht’s das und wirklich Bürgerkriege, um die Massen wie Augustus wieder gefügig zu machen?

        0
  • Wo finde ich im Baumarkt die Leihmuttern?
    Bei den Spahnplatten!

    (Sorry, der musste irgendwie sein)

    17
    • Da in Deutschland Leihmutterschaft verboten ist, sollte das arme Kind an eine Familie übergeben werden, wo Mama weiblich und Papa männlich sind!

      3
      • In Deutschland ist doch auch die Vielehe oder Kinderehe verboten! Trotzdem wurde das in vielen Fällen vom Verfassungsgericht abgesegnet!

        2
        • ……und vom Sozialamt bezahlt.
          Wobei zweite, dritte und vierte Frau, als Alleinerziehende veranschlagt werden.

          0
      • In Deutschland ist nur die Vermittlung und kommerzielle Vermarktung von Leihmüttern verboten, das trifft das medizinische Personal und Vermittlungsagenturen und sonst niemanden!

        0
  • Wird da etwa die Rückkehr vorbereitet?
    Er will schließlich mal Kanzler werden!

    7
  • Jens Spahn war „zu feige, Farbe zu bekennen“. Endlich einmal eine politische Aussage, die ohne Faktencheck auskommt.

    Öffentlich gegen Leihmutterschaft auftreten, privat genau davon Gebrauch machen und den Sinneswandel vorsichtshalber verschweigen: Das ist nicht „schlecht kommuniziert“. Das ist Doppelmoral mit Familienfoto.

    Und jetzt, nachdem der Laden brennt, entdeckt Spahn plötzlich Reue, Transparenz und Vertrauen. Faszinierend, wie zuverlässig Politiker ihr Gewissen immer dort wiederfinden, wo die Karriere es dringend braucht.

    Bereuen tut er die Leihmutterschaft übrigens nicht. Nur dass er seine Kehrtwende nicht rechtzeitig verkauft hat. Übersetzt: Nicht die Doppelmoral war der Fehler – sondern dass sie aufgeflogen ist.

    Nun will er Vertrauen zurückgewinnen. Viel Erfolg. Wer Wasser predigt, Wein trinkt und anschließend eine Pressemitteilung über seinen „Abwägungsprozess“ schreibt, sollte sich über leere Kirchenbänke und Pulverisierung der Wahlerfolge nicht wundern.

    22
    • Nun Doppelmoral mag vieles sein, strafbar ist sie aber nicht!

      0
  • Er hat als Regierungsmitglied, wie auch Herr Streeck, gegen geltendes Recht verstossen! Jetzt wird nur noch über den Beschluss der CDU diskutiert und abgelenkt! Der Kanzler, als Volljurist hat eine Woche lang nicht gehandelt obwohl Ihm der Rechtsbruch bekannt sein musste. Zudem ist es schwer glaubhaft, dass Merz nicht mit seiner Frau Charlotte darüber gesprochen hat… Als Richterin und Direktorin eines Amtsgerichtes ist diese Verweigerung der Umsetzung geltenden Rechts nur sehr schwer erträglich. Diese Partei ist nicht mehr wählbar und unglaubwürdig!

    17
    • Da das Ganze in den USA stattfand, kann er nicht gegen hier geltendes Recht verstoßen haben.
      Sein persönliches oder auch moralisches Verhalten/Widerspruch steht auf einem anderen Blatt.
      Nicht wählbar ist die CDU in vielerlei Hinsicht und Spahn sollte keinerlei „Karriere“ mehr machen dürfen.
      Das gebietet schon sein Verhalten während Corona.
      (und damit ist nicht nur der „Maskendeal“ gemeint, sondern auch auf Grund seiner diversen Äußerungen und Verhalten)

      5
    • Sorry, aber das ist falsch!
      In Deutschland ist nur die Vermittlung und kommerzielle Vermarktung von Leihmüttern verboten, das trifft das medizinische Personal und Vermittlungsagenturen und sonst niemanden!

      0
  • das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Kinder Menschen sind, die man nicht einfach einkaufen kann! Kinder sind keine Ware!
    Auch Kinder haben Rechte! In erster Linie haben sie ein Recht an der eigenen biologischen Identität. Das findet sich sogar in der UN-Kinderrechtscharta!
    Gerade in den USA, wo man mit 2 Frauen arbeitet, um genau diese Identität zu verschleiern, tritt man die Rechte von Kindern massiv mit Füßen.

    4
  • Warum soll der noch mit Steuergeldern belohnt werden?

    3
  • ‚Leihmutterschaft‘ ist ein Euphemismus für Kinderhandel. Kommerzieller Kinderhandel gehört weltweit verboten und geächtet.
    Der Mensch als Ware im Kapitalismus. Industrielle Baby Produktion.
    Und dann die Auswüchse:
    wegen Behinderung des Kindes oder Trennung der Besteller Eltern nicht abgeholte Babys, Klage gegen Leihmütter weil sie nicht abtreiben wollten wegen einer leichten Behinderung. Entrechtung der Leihmütter, die zu 99% aus armen Ländern mit wenig Bildung kommen.
    Und wie mag es jungen Menschen gehen, die erfahren, dass sie von einer Leihmutter weg gegeben und verkauft wurden?!

    2
  • Da wird einen ja die Vatermilch sauer….

    14
    • Logo, das Kaufbaby ist vermutl. eh tagsüber in der Krippe, dort gibts Fläschchen.

      1
  • Warum hat er nicht ein bereits geborenes Kind adoptiert statt extra eines zu „bestellen“? 🤔

    0
  • Der Gesundheitsminister der Herzen hat gesprochen. Howgh!

    3
  • Träfe die Formulierung Anbiederung hier zu?

    2
  • Oh nein, bitte kein Comeback von ‚Mutter Spahn‘

    1
  • Nicht verwunderlich. Jens Spahn und sein Baby. Aber im ÖRR sagte einmal eine Frau im DDR-Plattenbau, dass zu DDR Zeiten noch in jeder Wohnung Kinder waren und heute in keiner einzigen. Klar, Geburtenrate steigern ist völkisch. Die Leute sollen also an Einsamkeit untergehen und wer das Geld hat kauft sich ein Kind. Einsamkeit ist so gefährlich wie rauchen und führt zu schnellerer Alterung, Anfälligkeit für Demenz und einem früheren Tod!

    1
  • Jens Spahn ist offen, das muss man ihm lassen und das ehrt ihn auch.

    ABER: Er hat mit „Feigheit“ nun einen schweren charakterlichen Mangel zugegeben. Der Brief enthält keine Gründe, zu glauben, dass Jens Spahn jetzt kein Feigling mehr ist. Und zurückgetreten ist er nur von seinem Prestige-Posten – nicht als Parlamentarier.

    Jens Spahn sollte auch als Parlamentarier zurücktreten. Wir müssen den Anspruch haben dürfen, dass im Parlament nur unsere Besten sitzen. Zu akzeptieren, dass das Gegenteil die Realität ist, wäre die Definition von Zynismus.

    0
  • Maaaama du sollst doch nicht um deinen Posten weinen….
    bald wird das Schicksal wieder euch vereinen…

    0
  • Da riecht einer, dass die Kacke am Dampfen ist, doch interessantere Möglichkeiten als Consulting für Peter Thiel.

    6
  • Nach Merkel, Merz, kommt Spahn.
    Wie unwürdig soll es noch werden.
    Die ganze Bagage lügt sogar beim ATMEN!

    14
  • „Eine Entschuldigung oder ein Rücktritt reiche deshalb nicht aus. Aber er werde daran arbeiten, das Vertrauen wiederherzustellen.“ Wie bitte? Indem er jetzt nach den Masken-Deals im Haushaltsausschuss sitzt? Zurücktreten wären schon ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. So will er nur seinen Platz am Futtertrog absichern. Seine „Erklärung“ glaube ich ihm nicht. Wer einmal lügt, dem….

    8
  • Solche Leute ohne Charakter dürfen NIE wieder ein Amt bekleiden ! Niemals !

    6
    • Da können Sie die gesamte Politik Mischpoke abziehen!

      0
  • Spahn who?

    6
  • Ok, Herr Spahn. Sie hatten das Wort. Und jetzt raus. Da vorne hat der Maurer das Loch gelassen, auf Nimmerwiedersehen und alles Gute für die Zukunft.

    6
  • Der Ex-Maskenhändler hätte ja „nornal“ mit einer Frau ein Kind zeugen können. Nichts einfacher als das! Passiert täglich hundertemale.
    Dann wäre jetzt alles gut.
    Inkl. Hoffnung auf Bu-Kanzlerschaft.

    2
  • Sepp Müller hat auch einen Ehemann und einen Sohn; diesen aus einer Beziehung mit einer Frau. Jens Spahn ist, m.E., nicht nur feige …

    1
  • Eine Entschuldigung ist nicht nötig!
    Einfach aus der Öffentlichkeit wegbleiben,irgendeine Dorfsparkasse kann Spahn vielleicht am Kundenschalter brauchen…..in der Politik hat er nichts mehr zu suchen…..

    4

Werbung