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5,1 Prozent in einem Jahr: Die Löhne steigen – doch positiv ist das nicht

Vollzeitbeschäftigte in Deutschland verdienten im Jahr 2025 im Median über 4.200 Euro brutto pro Monat – so viel wie nie zuvor. Für Arbeitnehmer und die breite Gesellschaft bedeutet dies jedoch nicht zwangsläufig eine Verbesserung.

Die Bundesagentur für Arbeit vermeldet stark steigende Löhne (IMAGO/Christian Ohde)

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Wie die Bundesagentur für Arbeit am Montag mitteilte, lag das mittlere Bruttomonatsentgelt aller sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten im Jahr 2025 bei 4.217 Euro. Gegenüber 2024 stiegen die Löhne damit um 203 Euro beziehungsweise 5,1 Prozent. Doch diese Entwicklung ist keineswegs ausschließlich positiv zu bewerten.

Zu den Negativfolgen zählen steigende Verbraucherpreise sowie eine Verschärfung des Stellenabbaus in der Wirtschaft beziehungsweise eine Reduzierung der Neueinstellungen. Dabei ist zu beachten, dass der Median aussagekräftiger ist als der Durchschnitt: Er bezeichnet den Wert in der Mitte der Verteilung, bei dem die eine Hälfte der Beschäftigten mehr und die andere Hälfte weniger verdient.

Das deutliche Plus von über fünf Prozent erklärt sich insbesondere durch Entgeltsteigerungen infolge höherer Tarifabschlüsse. Allerdings verteilt sich der Zuwachs regional sehr unterschiedlich. Die Spanne reicht von 4.768 Euro in Hamburg, 4.546 Euro in Baden-Württemberg und 4.530 Euro in Hessen bis hin zu 3.497 Euro in Mecklenburg-Vorpommern. Zwischen dem Spitzenreiter Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern liegt damit ein Unterschied von mehr als 1.200 Euro pro Monat.

Noch deutlicher fällt die Einkommensschere bei der Qualifikation aus. Beschäftigte ohne Berufsabschluss erzielten ein Medianentgelt von 3.133 Euro, Arbeitnehmer mit anerkanntem Berufsabschluss kamen auf 4.069 Euro und Akademiker auf durchschnittlich 6.146 Euro. Auch das Alter wirkt sich deutlich auf das Einkommen aus. So lag das Medianentgelt bei den unter 25-Jährigen bei 3.202 Euro, während Beschäftigte ab 55 Jahren auf 4.362 Euro kamen.

Besonders interessant ist zudem, dass der Anstieg des mittleren Bruttomonatsentgelts im vergangenen Jahr kein einmaliger Sprung, sondern die Fortsetzung einer länger anhaltenden Wachstumsentwicklung ist. Das Medianentgelt lag 2022 noch bei 3.646 Euro, stieg 2023 auf 3.796 Euro, erreichte 2024 bereits 4.013 Euro und kletterte 2025 schließlich auf 4.217 Euro pro Monat.

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Innerhalb von nur drei Jahren erhöhten sich die mittleren Bruttolöhne damit um fast 600 Euro. Laut Daten der Bundesagentur für Arbeit ist das mittlere Bruttomonatsentgelt seit 2011 sogar um 1.211 Euro beziehungsweise 43 Prozent gestiegen. Damals lag es noch bei 2.802 Euro. Diese Zahlen beschreiben jedoch ausschließlich die Entwicklung der Bruttolöhne. Wie viel den Beschäftigten tatsächlich bleibt, entscheidet sich erst nach Abzug von Steuern, Sozialabgaben und unter Berücksichtigung der Preissteigerungen (Inflation).

Vor diesem Hintergrund gilt festzuhalten: So bedeutsam die Lohnsteigerungen auf den ersten Blick auch erscheinen mögen, sie haben auch eine Kehrseite. Unter anderem setzen sie die Lohn-Preis-Spirale in Gang.

Löhne stellen für Unternehmen einen Kostenfaktor dar. Steigen diese Kosten, bleibt vielen Unternehmen und Betrieben nichts anderes übrig, als die höheren Ausgaben über steigende Preise an die Verbraucher weiterzugeben, um profitabel zu bleiben. Das Ergebnis: Höhere Preise führen in der nächsten Tarifrunde erneut zu Forderungen nach höheren Löhnen. Genau diesen Mechanismus bezeichnet man als Lohn-Preis-Spirale – einen Prozess, der sich immer weiter verstärken kann. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das: Steigende Löhne können dazu beitragen, dass die Entwertung des Euro weiter vorangetrieben wird.

Dass dieser Mechanismus in der Realität wirkt, zeigen Daten des Bundeswirtschaftsministeriums. Anfang des Jahres veröffentlichte dieses in seinem Online-Statement „Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Januar 2026“, dass der Preisauftrieb sich „weiter in Richtung Dienstleistungen“ verlagere und zunehmend von der Binnenwirtschaft bestimmt werde, insbesondere von „Löhnen und Kosten in personalintensiven Bereichen“. Zwischen Dezember 2025 und April 2026 zog die Inflationsrate wieder deutlich an. Lag sie im letzten Monat des Vorjahres noch bei 1,9 Prozent, stieg sie bis April 2026 auf 2,8 Prozent. Mittlerweile hat sie sich zwar wieder etwas abgeschwächt und lag im Juni 2026 bei 2,3 Prozent, befindet sich damit jedoch weiterhin oberhalb des Inflationsziels der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent.

Auch ein detaillierterer Blick auf weitere Daten bestätigt den Effekt der Lohn-Preis-Spirale. Die Produktivität hält mit steigenden Lohnkosten nicht Schritt. In der deutschen Industrie stiegen die Lohnstückkosten – also die Arbeitskosten je produzierter Einheit – zwischen 2018 und 2024 um 18 Prozent. Deutschland wies damit im Jahr 2025 unter 27 Industriestaaten laut Daten des Informationsdienstes des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd) die vierthöchsten Lohnstückkosten auf. Während die Lohnstückkosten kontinuierlich steigen, entwickelte sich die Produktivität deutlich schwächer. Nach Daten der Investmentbank ING verlangsamte sich das Produktivitätswachstum zwischen 2017 und 2024 zunehmend und fiel in den Jahren 2022, 2023 und 2024 sogar negativ aus.

Außerdem tragen steigende Löhne indirekt – gemeinsam mit höheren Energiekosten, wachsender Bürokratie sowie einer steigenden Steuer- und Abgabenlast – zur Verschlechterung der Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt bei. Denn Unternehmen versuchen, die steigenden Kosten nicht nur durch Preiserhöhungen auszugleichen, sondern auch durch Einsparungen in Form von Stellenstreichungen beziehungsweise einer Reduzierung neuer Stellenangebote und Einstellungen.

Die Zahl der Stellenausschreibungen beziehungsweise offenen Stellen in Deutschland ist zuletzt deutlich zurückgegangen. Im ersten Quartal 2026 gab es laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 1,15 Millionen offene Stellen – rund acht Prozent weniger als im Vorquartal und etwa zwei Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Im Januar 2026 waren insgesamt 3,085 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet – der höchste Wert seit fast zwölf Jahren. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,6 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2025 lag die Zahl der Arbeitslosen bei 2,948 Millionen und erreichte damit den höchsten Jahreswert seit 2013. Inzwischen hat sich die Lage zwar leicht entspannt: Im Juni 2026 waren in Deutschland rund 2,93 Millionen Menschen arbeitslos. Das Niveau bleibt jedoch weiterhin hoch und gibt keinen Anlass zur Entwarnung.

Wer einmal aus dem Arbeitsmarkt herausfällt, findet häufig nur schwer oder gar nicht wieder den Weg zurück in eine Beschäftigung. Im Juni 2026 galten 1,13 Millionen Menschen als langzeitarbeitslos. Damit waren rund 28 Prozent aller Arbeitslosen länger als zwölf Monate ohne Beschäftigung – gut vier Prozent mehr als im Vorjahr (mehr dazu hier).

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19 Kommentare

  • Diese Spirale nach oben ist absolut brutal. Mehr mehr mehr. Mieten teils 50% plus als vor 10 Jahren. Benzin über 2,20 Euro, das sind 100% Steigerung die letzten 10-15 Jahre. Ein Becher Bier bei der WM 18 Dollar! Wo soll das hinführen? Wer hinterfragt dieses System im Kern? Keine Sau! Einige wenige Gewinner und viele Verlierer. Schlecht!!!

    • Vor allem am Ende bleibt unterm Strich das Gleiche! selbst wenn ein Postbote 4k pro Monat verdient. Alles geht nach oben. Völlig sinnfrei und führt massiv zu schlechter Laune! 40% Steuern, die sich der Staat nimmt und teils willenlos verpulvert tun zusätzlich weh!

      • @Low
        Nein bleibt es nicht! Das ist ja der Trick.
        Die Steuern werden aufgrund des nominalen Wertes festgelegt. Eine Inflationsbereinigung findet auch nicht Statt. Darum ist heute jemand der leicht über dem Durchschnitt verdient auch schon im Spitzensteuersatz. In wenigen Jahren werden Durchschnittsverdiener da landen und dann nach und nach alle anderen.
        Es ist eine reine Rechenaufgabe herzufinden ab wann ein Mindeslohnverdiener im Spitzensteuersatz landen wird.
        Die die Kombination von Inflation und nicht inflationsbereiniger Steuer mit Progression führt dazu, dass einem auch bei nominal steigenden Löhnen weniger Kaufkraft bleibt.

    • Nur noch ein sozialistisches mit zusätzlichem schulden Öl erzeugtes Strohfeuer bevor der Ofen dann Ganz aus ist !
      Mal schauen was danach kommt !?

    • Rückblickend , auch im Ausland, können sie von 100% Inflation alle 10 Jahre ausgehen … und Ihrer angesprochenen Mieten sind doch eher unterinflatorisch gestiegen –im Gegensatz zu zB Autopreisen .

      Wenn Sie mal nach „wtf happens 1971“ suchen — der Goldpreis stieg jährlich um 7,9% bis so 2018 .

    • @Micky: Bei der Inflation, die Sie beschreiben, gewinnt nur exakt einer:
      ein hoch verschuldeter Staat! Dessen Schulden werden durch die Inflation entwertet. Alle, wirklich alle, anderen verlieren.

      • meine Schulden werden auch weniger

  • Die Lohn-Preis-Spirale dreht sich doch bereits seit langem immer schneller, beflügelt von regelmäßigen Mindestlohnerhöhunen (30% in 3 Jahren).
    Vor allem die Zulieferer des Deutschen Einzelhandels mit der Macht der „Big Four“ (Lidl/Schwarz, Aldi, Edeka, Rewe) bleiben auf der Strecke, wenn sie noch in Deutschland produzieren.
    Für diese „woken“ vier gilt nur der Preis und dieser ist in hochsubventionierten EU-Ausland nun einmal deutlich niedriger.
    Neben Energie sind die Lohnkosten der Sargnagel in Deutschland.

  • Den Deutschen kann man erzählen, dass Sie reicher werden durch Gehaltserhöhungen. Leider redet niemand von Kaufkraft und Inflation. So ist es nur ein Hamsterrennen in einem Hamsterrad, welches kaum vorwärtskommt. In Wirklichkeit sind viele Bereiche wie Dienstleistungen ein Tauschhandel, der durch ständig steigende Steuern und Abgaben belastet wird. Bei einigen Dienstleistungen hat die Kaufkraft seit den 70er Jahren daher sogar abgenommen, weil heute viele sinnbefreite Besprechungsjobs finanziert werden müssen. Aber auch der Wechselkurs der Währung kann die Lohnerhöhungen wieder kompensieren wenn die Produktivität nicht steigt.

  • Das passt halt nicht mit dem Wirtschafts-„Wachstum“ zusammen. Also ist davon auszugehen, dass dieser Anstieg aus Schulden bezahlt wird.

  • Die höchsten Steigerungen haben Bgler und Verwaltungsbeamte 💰

  • Also wenn man typische Gehaltsabschlüße leist , dann heißt es zwar : zB eben diese 5% ABER über 26 oder gar 36 Monate —womit dann „nur“ 2,x oder weniger PRO Jahr anliegen ……

  • 5%? Im Schnitt? Wohl kaum

  • An anderer Stelle wird der Deutsche Arbeitnehmer mit immer neuen Steuern weiter wie eine Zitrone ausgepresst

    • Richtig , einfaches Beispiel , wo „ihr“ Geld denn so hinfließt

      Die verdienen 100 Euro , davon „weg“ schnell 47%

      jetzt machen sie mal zwei signifikant beispielhafte Einkäufe Sie gehen tanken für 30 Euro , wie hoch sind die „Abgaben“ ? oder für 10 Euro „Kippen“ , auch hier

      unterm Strich zahlen sie letztlich locker 75-80% Steuern und Abgaben . besonders krass natürlich solche Sachen wie “ Grunderwerbsteuer“ oder die eben Grundsteuer schlechthin ..also eine dauerhafte Mietsteuer auf ihr Wohneigentum

  • der sensible Lars hat schon Verwendung für die 5,1 % Lohnerhöhung für „gendergerechte“ Toiletten in Nigeria.

  • Die „Lohn-Preisspirale“ ist völlig irrelevant. Das Einzige was zählt ist die Kaufkraft der Löhne. Außer für Zahlenlegasteniker ist es daher scheiß egal wenn die Preise jedes Jahr um 30% steigen, solange das die Gehälter ebenfalls tun. Ein Problem ist das erst wenn die Gehälter nicht mehr mithalten können.
    Die Zahl der Arbeitslosen ist im langfristigen Mittel immer noch niedrig. Ziehen wir den Importschrott ab ist immer noch Vollbeschäftigung. In meinem großen und heterogenen Umfeld in einer „strukturschwachen“ Region ist die Quote 0. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (also ohne Minijobs) verharrt weiterhin auf dem höchsten historischen Niveau. Was der Autor, wie alle Crash-Propheten, völlig unterschätzen ist schlicht die enorme Substanz im System.
    Es wird ja immer von „Krise“ gelabbert, aber noch haben wir keine. Und für Opportunitätsverluste (wäre es anders gelaufen, könnte es besser gehen) haben Menschen kein Gefühl, weshalb man die ignorieren kann.

  • Der Hamburger Schokoladenhersteller Paulsen meldete jetzt Insolvenz an, ebenso ein bekannter Klebebandhersteller.

    Das Insolvenzausfallgeld beträgt inzwischen die Höchstsumme von noch nie erreichten zwei Milliarden Euro!

    Aber alles ist ja gut…

  • Damit steigen auch die Steuereinnahmen. Eine Steuersenkung wäre sinnvoller und effektiver. Aber da hat der gierige Staat nichts davon.

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