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Unternehmenskrise

Stellenkürzungen entsprechen „Wertegerüst“: Bosch verteidigt drastischen Sparkurs

Bosch befindet sich in einer der schwersten Krisen der Unternehmensgeschichte. Der Aufsichtsratschef übt jedoch nur wenig Kritik an der strategischen Ausrichtung der letzten Jahre. Der Stellenabbau entspreche zudem dem „Wertegerüst“ des Konzerns.

Der Aufsichtsrats-Vorsitzende von Bosch, Stefan Asenkerschbaumer (imago images / Arnulf Hettrich)

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In den vergangenen Jahren hat Bosch den Abbau von fast 28.000 Stellen angekündigt. Vor allem an den deutschen Standorten der Autosparte sind gravierende Kürzungen geplant – es handelt sich um das größte Sparprogramm in der 140-jährigen Geschichte des Gerlinger Technologiekonzerns. Von Beschäftigten und Gewerkschaften kommt scharfe Kritik.

Nun hat der Stuttgarter Technologiekonzern erstmals konkret Stellung zu dem gewaltigen Kürzungsprogramm genommen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Stefan Asenkerschbaumer, erklärte in einem aktuellen Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Bosch habe im Zuge der Krise nicht sein Wertegerüst verloren. „Im Hinblick auf unser Wertegerüst ist es wichtig, dass für Robert Bosch immer das langfristige Überleben des Unternehmens im Mittelpunkt stand.“ Für dieses Ziel scheue er keine Opfer.

Schon jetzt hat das Kürzungsprogramm konkrete Formen angenommen. Ende 2025 beschäftigte Bosch weltweit nur noch 412.774 Menschen – das sind 5.085 weniger als ein Jahr zuvor. In Deutschland, wo knapp 30 Prozent der Belegschaft arbeiten, sank die Mitarbeiterzahl auf rund 123.000.

Dabei lohnt es sich, zu hinterfragen, worin das eigentliche „Wertegerüst“ eines großen Konzerns wie Bosch – aber auch der Wirtschaft im Allgemeinen – überhaupt liegt beziehungsweise liegen sollte. Wirtschaft dient dazu, die Bedürfnisse von Menschen zu erfüllen. Unternehmen stellen Güter und Dienstleistungen bereit, schaffen Arbeitsplätze und Einkommen, weil ihre Leistungen nachgefragt werden.

Umsatz, Gewinn und Marge sind dabei nicht bloß betriebswirtschaftliche Kennzahlen, sondern auch Signale dafür, dass ein Unternehmen gesellschaftlich nützliche Leistungen erbringt: Es schafft mehr Wert, als es an Ressourcen verbraucht.

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In eine Schieflage gerät dieses Fundament jedoch, wenn Unternehmenslenker in ihrer Rhetorik das bloße Überleben des Unternehmens zum höchsten Wert erheben. Denn ein Unternehmen, das zwar fortbesteht, aber immer weniger zur Befriedigung von Bedürfnissen beiträgt und zunehmend weniger Mehrwert schafft – indem es weniger Mitarbeiter beschäftigt, weniger produziert und weniger investiert –, erfüllt seinen eigentlichen wirtschaftlichen Zweck immer schlechter.

Letztlich stellt sich die Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass Bosch derart harte Einsparungen vorantreibt. Ein Blick auf die Geschäftszahlen der vergangenen Jahre gibt darauf eine klare Antwort.

Der operative Gewinn sank 2025 um nahezu 50 Prozent und lag nur noch bei 1,7 Milliarden Euro. Damit erzielte Bosch das schwächste Ergebnis seit Jahren; selbst während der Corona-Krise stand der Konzern zahlenmäßig besser da. Bereits 2024 hatte sich die Lage deutlich eingetrübt: Der operative Gewinn fiel damals von fünf Milliarden Euro im Vorjahr auf nur noch 3,2 Milliarden Euro.

Doch worin liegen die Ursachen der gravierenden Unternehmenskrise, die Bosch in den vergangenen Jahren immer stärker belastet und letztlich zu massiven Personalkürzungen geführt hat? Klar ist: Die Krise bei Bosch lässt sich kaum verstehen, ohne den Zustand der deutschen Automobilindustrie insgesamt in den Blick zu nehmen.

Durch die starre Fokussierung auf den Absatz von Elektroautos, die deutsche Hersteller unter dem Druck der Europäischen Union in den vergangenen Jahren vorangetrieben haben, sind tiefgreifende Probleme entstanden. Da deutsche Hersteller Stromer oftmals nicht zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten können – vor allem aufgrund der hohen Standortkosten in der Bundesrepublik sowie der zunehmenden Konkurrenz aus China –, kam es bei Volkswagen, Mercedes-Benz & Co. in den vergangenen Jahren zu gravierenden Gewinn- und Umsatzeinbußen.

Chinesische Elektroautos sind nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) bis zu 30 Prozent günstiger als vergleichbare deutsche Modelle. Dieser Preisvorteil hat mehrere Ursachen: niedrigere Energiekosten in der Produktion, staatliche Subventionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und der frühzeitige Aufbau einer eigenen Batterietechnologie.

Die negative Entwicklung in der deutschen Autoindustrie wirkte sich wiederum massiv auf die heimischen Zulieferer aus. Vor allem die rückläufigen Bestellungen der Hersteller sorgten für erhebliche finanzielle Probleme in der Branche.

Da rund 60 Prozent des Bosch-Geschäfts vom Automobilsektor abhängen, geriet auch der Technologiekonzern in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck. Aus demselben Grund sehen sich auch andere deutsche Zulieferer zu massiven Sparmaßnahmen gezwungen: ZF Friedrichshafen streicht bis zu 14.000 Stellen, auch bei Mahle, Continental und Schaeffler laufen umfassende Sparprogramme.

Bemerkenswert ist dabei: An der strategischen Ausrichtung der vergangenen Jahre hatte Asenkerschbaumer dennoch nichts auszusetzen. Trotz der massiven Stellenstreichungen und der anhaltenden Krise, die den Konzern erschüttert, seien die Investitionen in Elektromobilität, Software und automatisiertes Fahren richtig gewesen. Die Botschaft dahinter: Bosch habe verantwortungsvoll gehandelt.

„Ist es ein Fehler, wenn eine Zukunft nicht so eintritt wie erwartet, obwohl 99 Prozent der Marktteilnehmer dieselbe Erwartung hatten? So etwas wird es immer wieder geben“, erklärte der Manager im Gespräch mit der FAZ. Das sei Unternehmertum; Unsicherheit gehöre dazu. Nichts zu tun und lediglich abzuwarten wäre aus seiner Sicht ebenfalls falsch gewesen.

Gleichzeitig betonte Asenkerschbaumer jedoch, dass Deutschland dringend etwas gegen seine gravierenden Standortprobleme unternehmen müsse. Besonders wichtig sei es, die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels immer wieder klar zu benennen. „Wenn wir glauben, dass wir es schon hundertmal gesagt haben, müssen wir es eben zum 101. Mal sagen.“

Die Diagnose liegt auf dem Tisch: Hohe Energiekosten, ein politisch forcierter Technologiewandel ohne stabiles Marktfundament, steuerliche Überbelastung und ausufernde Bürokratie haben die deutsche Automobil- und Zulieferindustrie – einst weltweiter Branchenführer – in die wohl schwerste Verlustphase ihrer Geschichte geführt. Große Konzerne ebenso wie kleine und mittelständische Marktteilnehmer geraten zunehmend unter existenziellen Druck.

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11 Kommentare

  • „Ist es ein Fehler, wenn eine Zukunft nicht so eintritt wie erwartet, obwohl 99 Prozent der Marktteilnehmer dieselbe Erwartung hatten?“

    Wenn die Erwartung nicht aus der endogenen Entwicklung des Marktes sondern aus politischem Druck und der Hoffnung auf Subventionen beruht: Ja, dann ist es ein Fehler.

    • Für Herrn Asenkerschbaumer scheinen die Kunden nicht als Marktteilnehmer zu zählen. Ansonsten käme er wohl kaum auf 99 Prozent.

  • Das sind die neuen „Werte“ der CDU/CSU: Deindustrialisierung, Enteignung, 2 Klassen Gesellschaft Beamte und Grundgesicherte…

  • Konkursverschleppung?

  • Tja, soviel zum Lieferkettengesetz Marke Domino.

  • Nur zu! Die Agentur für Arbeit ist nicht ausgelastet. Danach Jobcenter und dann Frührente! Einfach mal zurücklehnen und chillen.

  • Meine Rede wird laufend bestätigt: Die schlimmsten Idioten haben Abi, und waren an der Uni. Absoluter Realitätsverlust, Arroganz, Ignoranz.
    Die Vorstände bekommen ihr Wahnsinnsgehalt, egal ob die Firma wächst , oder schrumpft. Jeder Bauer , Handwerksbetrieb etc. muss schauen, dass der Laden ordentlich Umsatz macht, damit der eine Zukunft hat.
    Diese Vorstände denken, und handeln nicht nachhaltig, abkassieren,nach ihnen die Sintflut.
    Es gab in meiner Firma mal ein Programm, Abteilungsleiter etc.ein paar Tage in der Produktion mitarbeiten zu lassen, es wurde ganz schnell eingestellt.
    Die Leute traten entweden gar nicht an, oder blamierten sich mehrheitlich bis auf die Knochen, den Gesichtsverlust wollte man dann nicht weiter betreiben.
    Bei vielen Politikern ist es nicht anders, für das wahre Leben nicht zu gebrauchen, entsprechend die Ergebnisse ihres Tuns,

  • Bosch wird intern bis hinunter auf Bereichs- und Werksebene vorbildlich gesteuert. Mit mittelfristiger und langfristiger Perspektive. Bezüglich aller lokalen ausländischen Marktaussichten. Bosch unzureichende Planung oder Überraschungseffekte vorwerfen kann nur ein Ahnungsloser.
    Völlig richtiger Hinweis: „Ist es ein Fehler, wenn eine Zukunft nicht so eintritt wie erwartet, obwohl 99 Prozent der Marktteilnehmer dieselbe Erwartung hatten?
    Und dann muß man noch berücksichtigen, daß in Deutschland 2 Dutzend grüne Wirtschaftsamateure stolz auf ihre destruktiven und erratischen Eingriffe (‚mein Lebenswerk‘) sind.

  • Wer solche Wirtschaftsbosse hat, braucht sich über die Misere im besten Deutschland aller Zeiten nicht wundern. 50% von unserem Dilemma kommen von der Politik, 50% von genau solchen Managern.

  • Das „Wertegerüst“ ist von der e-Termite zerfressen.
    Außen schick wie immer, aber ein Klopfen und es zerrieselt zu Staub.

    Ihr habt FERTIG. Weil Ihr e-CEOs eingestellt habt und nun untergeht, während selbst der IPCC den Klimawahn absagt. Aber ein BaWü, das gerade erst einen GRÜNEN Moslem zum MP gewählt hat, will das wohl so – „Sportpalast“ kommunalisiert.

  • Deindustrialisierung ist das Wertegerüst von Bosch?
    Merkwürdig. Bis vor wenigen Jahren sah das anders aus.

    1973 hatten die 113.000 Mitarbeiter
    2023 absoluter Höhepunkt mit 429.000 Mitarbeitern

    Mehr als dreifache Größe innerhalb von 50 Jahren.
    Wachstum gehörte zu deren Wertegerüst.

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