Werbung:

Werbung:

Hans-Jürgen Papier

Ex-Präsident des Bundesverfassungsgerichts beklagt Einschränkung der Meinungsfreiheit

Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, beklagt die Einschränkung der Meinungsfreiheit in Deutschland. Vermeintliche Demokratieschützer befänden sich in „Gegnerschaft zur Demokratie im Sinne des Grundgesetzes“.

Von

Hans-Jürgen Papier kritisiert, dass der Staat zunehmend als Versorger auftritt und so Freiheiten einschränkt. (imago images / Jürgen Heinrich)

Werbung

Der frühere Präsident des Verfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, beklagt die Einschränkung der Meinungsfreiheit in Deutschland. Der Staat mache zudem zunehmend Vorschriften, wie Menschen zu leben haben. „Hauptsinn und -zweck des Staates ist die Gewährleistung der individuellen Freiheit“, sagt er im Interview mit der Welt. Freiheit müsse jedoch als Eigenverantwortung und Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl verstanden werden und nicht als „grenzenlose Bedürfnisbefriedigung“.

„Tatsächlich aber wird der Staat zunehmend als Gewährleister von Sicherheit im weitesten Sinne betrachtet“, kritisiert er. Der Staat trete als fürsorglicher Wohltäter auf. „Und damit schränkt er, gar nicht in böser Absicht, die freiheitliche Entfaltung immer weiter ein. Es wird über alle möglichen Vorschriften nachgedacht, etwa wie die Leute sich ernähren und bewegen sollen, was sie sehen und hören sollen und was lieber nicht.“ Dadurch werde auch die Meinungsfreiheit eingeschränkt.

Papier mahnt, dass diejenigen, die von sich sagen, die Demokratie schützen zu wollen, oft „ein Demokratieverständnis haben, das nicht mit dem des Grundgesetzes übereinstimmt“. Das gelte im staatlichen wie im zivilgesellschaftlichen Bereich. „Unbeabsichtigt können gutwillige und engagierte Schützer der Demokratie so, meistens ganz ungewollt, in eine Gegnerschaft zur Demokratie im Sinne des Grundgesetzes geraten.“

Das macht er zum Beispiel am Begriff „unsere Demokratie“ fest sowie an den staatlich ernannten „Trusted Flaggern“. Wenn „Trusted Flagger“ vermeintliche Hassnachrichten im Internet an die Plattformbetreiber melden, müssen ihre Meldungen nach EU-Recht vorrangig bearbeitet werden. Es ist davon auszugehen, dass diese Meldungen oft gelöscht werden, weil Unternehmen wie Facebook oder X sonst hohe Geldstrafen drohen.

Zum Begriff „unsere Demokratie“ sagt Papier gegenüber der Welt: „Der Souverän, von dem die Herrschaft ausgehen soll, wird oftmals von staatlicher Seite oder von staatlich geförderten Gruppierungen nicht als Gesamtheit freier, selbstbestimmter Bürger gesehen, sondern als mit Vorsorge zu bedenkende, auch in gewisser Weise noch zu erziehende Bevölkerung.“ Der Staat trete zunehmend als Vormund auf, der sich um ein Mündel zu kümmern habe. Auch in Demokratisierungsprogrammen spiegele sich die Haltung wider, dass es um „eine Art betreuten Denkens“ gehe. „Das ist nicht der Sinn einer demokratischen Ordnung“, stellt der Jurist fest.

Lesen Sie auch:

Die Entwicklung, mit „Trusted Flaggern“ zu arbeiten, hält er für bedenklich. Denn dadurch entstehe eine „Art private oder quasi-öffentliche Medienkontrolle“, die zu „Einschüchterungseffekten“ führen könne, die „in einer demokratischen Gesellschaft nicht akzeptabel sind“. Zugleich zeigt er sich positiv gestimmt, dass übereifrige Behörden, die leichtfertig Ermittlungsverfahren einleiten, von Gerichten ausgebremst würden.

In dem Interview mit der Welt kritisiert er auch den Umgang des Verfassungsschutzes mit der AfD. Bei den Diskussionen um ein Parteiverbot und über das Verhalten des Verfassungsschutzes, was die Einstufung als gesichert rechtsextremistisch angeht, laufe einiges schief. „Aber auch da sehe ich die Gerichte als funktionierendes Korrektiv. So war es gut, dass das Verwaltungsgericht Köln einem Irrweg des Verfassungsschutzes vorerst Einhalt geboten hat.“ Im Februar hatte das Gericht die Hochstufung der AfD zu „gesichert rechtsextrem“ vorerst gestoppt.

Die Entscheidung im Hauptsacheverfahren steht noch aus. In der Begründung zum Eilverfahren heißt es, dass es „einzelne verfassungswidrige Forderungen“ gebe, diese aber nicht „das Gesamtbild der Partei“ prägen würden. Weiter heißt es: „Insbesondere besteht keine hinreichende Gewissheit dahingehend, dass es den politischen Zielsetzungen der Antragstellerin entspricht, deutschen Staatsangehörigen mit Migrationshintergrund nur einen rechtlich abgewerteten Status zuzuerkennen.“ (mehr dazu hier).

mra

Werbung

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

Ohne Account kommentierenKein gesicherter Name, von jedem frei wählbar

Mit Account kommentieren Ihr Nutzername für Sie gesichert & einmalig

Anmelden ›Kostenlos registrieren

40 Kommentare

  • „Und damit schränkt er, gar nicht in böser Absicht, die freiheitliche Entfaltung immer weiter ein.„
    Sehr geschätzter Herr Papier, die Aussage „gar nicht in böser Absicht“, sehe ich fundamental anders!

    Ansonsten möchte ich in diesem Zusammenhang auf folgende Seite aufmerksam machen:

    KRiStA – Netzwerk kritische Richter und Staatsanwälte n.e.V.

    https://netzwerkkrista.de/

    • Diese Webseite ist fundiert und eben hart in der Realität.

      Ein Artikel aus meinem Fachbereich zeigt die Realität und wie sie durch Nicht-Fachkräfte der Politik ausgehebelt und oder durch kleien Änderungen völlig die Aussage verändert wird.
      Siehe Beschönigende / Verändernde Wortzumdeutung (Euphemismus).
      Siehe: Wannsee……………, Campact oder Zentrum für Politische Schönheit.

      Danke guter Stern.

  • Hm, Ihre Quellen müsste man haben, die Info kommt wahrscheinlich von einer Ihrer vertrauenswürdigen NGOs?
    😃

    • Bravo ! Die Quelle sind Leute im Psychiatrie Pausenhof.
      Kenne ich von meiner Tätigkeit her.

  • Bärbel Bohley warnte schon 1991:
    „Alle diese Untersuchungen, die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen – um sie dann zu übernehmen. Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die Störer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere Möglichkeiten, jemanden unschädlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.“

  • Da gibt’s nix zu beklagen, Herr Papier! Man darf nämlich mit fast 100%-iger Sicherheit davon ausgehen, dass auch er die UnsereDemokratie-Parteien gewählt hat.

    • @Zefix passend dazu meldete sich gestern der Systemkünstler Kalkofe aus der „UnsereDemokratie“ und sah die Meinungsfreiheit in Deutschland nicht eingeschränkt. Nein er wär sogar empört.

      • Ich war vor längerer Zeit bei einem öff. Vortrag von ihm, anschliessende Diskussion… war sehr beeindruckt! – klare Worte in seinem Alter
        … Mit Blick auf eine mögliche Impfpflicht übte Papier indes harsche Kritik:
        „In der Debatte um die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen werden viele Bürger den Ausdruck von Hilfslosigkeit und Kopflosigkeit erkennen.
        Ungeachtet der Frage, ob solch eine gesetzliche Impfpflicht verfassungsrechtlich zulässig und überhaupt umsetzbar wäre, wird doch jeder sehen, dass eine berufsspezifische Impfpflicht die vierte Welle nicht mehr wird aufhalten oder gar beenden können.“
        Ein weiterer erheblicher Vertrauensverlust in Hinblick auf die Handlungsfähigkeit des Staates sei zu befürchten. An der Zulässigkeit einer Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen hat Papier zudem starke Zweifel. Auch zu Betriebsschließungen und dem Wert des Eigentums fand der ehemalige oberste Verfassungshüter mahnende Worte. (handelsblatt)

  • Nur für dich!

  • Er bemängelt die höchste Spitze der Spitzen des Eisberges.

  • Ich würde mir wünschen, würden sich ehemalige ranghohe Juristen zusammen tun und eine KlageNGO gegen den Staat bilden.

    Sie haben uns Bürger doch während ihrer Amtszeiten vor dem Staat mit ihren gut begründeten Urteilen zur Seite gestanden. Es sollte keine rechte NGO sein–sondern eine Rechtsstaat-NGO.

    Oder müssten sie dann um ihre Pensionen fürchten?

    • Aber bitte ohne Herrn Voßkuhle

  • Wenn sie im Ruhestand sind, dann trauen sie sich die Wahrheit zu sagen.

    • Wenn er sich wirklich „trauen“ würde, müsste er tätig werden und die verklagen, die das GG mit Füßen treten. Der traut sich gar nichts außer ein wenig freundlich verpackte Kritik. Ein Mann der einmal den Posten eines Präsidenten des Verfassungsgerichts war, muss wissen was zu tun ist und es auch durchziehen.

  • Papier ist ein Ehrenmann.
    Was er kritisiert ist die weibliche Strategie: Sicherheit vor Freiheit, Verbieten vor Risiko, Zensieren bevor jemand sich beleidigt fühlt, Vater Staat als Garant für Ängstliche. Konformität vor Individualismus. Gruppenzwang vor Einzigartigkeit, Vermeidung von Neid vor Exzellenz und Entfaltung.

    • @Mathematiker
      Ich würde gern „weibliche Strategie“ hier gern durch feministische Strategie ersetzen. Warum? Was Sie aufzählen sind typisch weibliche Denk-/Verhaltensmuster in unterentwickelter Form, also sozusagen der Werkszustand. Gleiches gibts auch bei Männern, da werden so einigen auch typisch männliche Muster einfallen in unterentwickelter Form, zB Hang zur Gewaltanwendung. Und hier kommen wir zum Feminismus, denn für mich sind Feministinnen hängengebliebene Frauen, sie mögen erwachen sein, fest im Leben stehen, aber innerlich sind sie ihrgendwo zwischen 10-14 Jahren hängengeblieben. Die Verhaltensmuster sind unterentwickelt, noch auf Werkszustand sozusagen, primär gefühlsbasiert anstelle von Logik in einen rationalen Rahmen gelenkt. Und wenn Sie Ihre Punkte mal unter diesem Blickwinkel betrachten, merken Sie das vieles was Sie geschrieben haben typisch für ein weibliches Kind in dem Alter ist.

      • Können sie so machen.
        Für mich ist jedoch Feminismus nur die Hooliganform des Gynozentrismus.
        Und solange unsere Gesellschaft gynozentrisch bleibt, bedienen wir überwiegend weibliche Bedürfnisse und Wünsche.
        Die Wahl der Sicherheit statt der Freiheit ist dabei kein Problem fehlender Logik. Es ist eine Entscheidung (Meiner Meinung nach die falsche, Benjamin Franklin hätte mir bestimmt zugestimmt).

  • Inschrift auf dem Holocaust Memorial in Washington DC: „Denken Sie daran: Es begann nicht mit Gaskammern. Es begann damit dass eine Partei die Medien kontrollierte. Eine Partei entschied was Wahrheit ist. Eine Partei zensiert die Rede und bringt die Opposition zum Schweigen. Eine Partei teilt Bürger in „uns“ und „sie“ und fordert ihre Unterstützer auf „sie“ zu kujonieren. …“ Frei ins Deutsche übersetzt.

  • Im Amerika herrscht viel weitgehendere Meinungsfreiheit als bei uns, und dort wurden auch die Sozialen Netzwerke erfunden und gegründet.
    Bei uns hat man allergrößte Angst vor diesem öffentlichen Stammtisch, denn in „unserer“ Demokratie ist Meinungsbildung schließlich Sache der Parteien und des ÖRR, an dem sich opportunistische, private „Qualitätsmedien“ orientieren. Und die fetten Kirchen gehören auch noch dazu. Alles ist versäult. Da wirkt es schon sehr bedrohlich, wenn die wahre Meinung und Ansicht von Kreti und Pleti auf einmal öffentlich zu lesen ist.

  • Hoffentlich hat Herr Papier einen Bademantel griffbereit….

  • Wo ist das Tipp-Ex?

  • Es sind ganz schön viele Jura-Profs., Staatsrechtler, Juristen, Journalisten die auch der Meinung sind, dass die Meinungsfreiheit in unserem Land immer mehr in Schräglage gekommen ist und das mit Einführung der Denunzianten-Stellen die gezielt tätig unterhalb der Strafbarkeitsgrenze tätig sind. Was einer echten Demokratie unwürdig ist. Und es wird immer mehr ausgeweitet, was vermuten läßt, dass die die sich gegen dies einsetzen Mundtot gemacht werden sollen.

  • Was für eine Behauptung ist das denn? Wie sollte die AfD das denn machen?
    Wie wir aktuell sehen klappt das ja nicht mal dann „!vollständig“ wenn man die Medien auf seiner Seite hat und sie mit 10Mrd p.a. kauft und zu Propagandamedien umbaut. Glauben sie wirklich die in dem Fall als Opposition da stehende Linke und das damit verbundene Kartell würde dann plötzlich die Füße still halten? Erst recht nicht die gewaltbereite Antifa.
    Oder glauben sie die AfD könnte sich in Regierungsverantwortung komplett über die linksbesetzten Gerichte hinwegsetzen oder gar eine eigene Exekutive installieren?
    Wo steht denn im Parteiprogramm oder den Anträgen IRGENDETWAS das sich GEGEN die Meinungsfreiheit richtet? Das kommt alles ausschließlich vom Kartell und dem KAMPF GEGEN die AfD.
    Diese Schwarzmalerei mit der man ihr totalitäre Ambitionen unterstellt sind doch in der Praxis gar nicht umsetzbar selbst wenn sie das wollen würde-was völliger Quatsch ist.

    • Der Kommentar auf den ich geantwortet habe wurde gelöscht-meine Antwort nicht.
      Das reißt sie aus dem Zusammenhang.
      Es wurde behauptet die AfD würde die Meinungsfreiheit noch mehr einschränken wenn sie in Regierungsverantwortung käme.
      Das Apollo Antworten alleinstehend dastehen lässt gefällt mir gar nicht-den Umgang damit muss ich noch überdenken

  • Späßle gmacht?

  • Scheinbar ist der Versand mit Leuten wie Herrn Papier
    in den Ruhestand gegangen.

  • „Er mahnt…“ Warum verklagt er nicht mal die, die gegen Recht und Gesetz handeln, dazu fehlt wohl dann doch das Rückgrat.

  • Sind es nicht Vorzeigedemokraten mit Weizelbündel an der Haustüre wie Du, die sich jedwedem kontroversen Diskurs verweigern?

  • Mein Gott, was wird hier herugelabert. Der Mann spricht einfach nur Wahrheiten aus. Wer es noch nicht begriffen hat schaut einfach zu viel zwangsfinanzierten Staatsfunk…

  • „Vermeintliche Demokratieschützer befänden sich in „Gegnerschaft zur Demokratie im Sinne des Grundgesetzes“.“

    Tja, so sprach der LETZTE Präsident des BVerfG, der keine grünlinke Agenda in die Gesellschaft drückte

    Schade, das Papier die Ungnade der frühen Geburt hatte.

    Obwohl andererseits : Heutzutage könnte er wohl nicht mehr Präsi des linken Deutschen Wächterates über die völlig enthemmte noch linkere Politik werden, die ihre staatlich durch- finanzierten Sturmtruppen im Gewand der NGO, die Furchen in die Gesellschaft machen lässt, wie die pseudo- Biologen -Walrettter dem Bundes-Timmy die Furchen Richtung Norden baggern.

    Hole alle meine Sonnen-Hüte aus dem Schrank und ziehe sie vor Hans Jürgen Papier, wie immer 😉

    Goed gedaan

  • Herr Papier ist ein vornehmer Herr aus einer besseren Zeit, als Verfassungsgerichtspräsidenten noch staatstragende Verantwortung ausfüllen konnten.
    Nur hier formuliert er zu zurückhaltend und höflich:
    „Unbeabsichtigt können gutwillige und engagierte Schützer der Demokratie so, meistens ganz ungewollt, in eine Gegnerschaft zur Demokratie im Sinne des Grundgesetzes geraten.“
    Nein, es geschieht eben nicht unbeabsichtigt, sondern mit voller Absicht und auch absolut gewollt, denn eine radikal-ideologische Verblendung von immerhin erwachsenen und mündigen Aktivisten kann und darf man nicht als guten Willen und Engagment ausgeben. Es handelt sich nicht um kleine Kinder, sondern um zunehmend Gewaltbereite, die die nächste Generation der RAF bilden wollen.

  • You dont say……

  • Dümmliches Jugedliches Atifa Gewäsch.

  • Da sollte der Verfassungsschmutz mal ein Auge drauf werfen!

Werbung