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„Schwachkopf“-Affäre

Ein Gesicht im Kampf für die Meinungsfreiheit: Bis zu seinem Ableben ärgerte sich Niehoff mit der Justiz herum

Stefan Niehoff ist im Alter von 65 Jahren an einem Schlaganfall verstorben. Wegen der „Schwachkopf“-Affäre und juristischer Repressalien suchte er den Weg in die Öffentlichkeit. Er wurde zu einem Gesicht im Kampf um die Meinungsfreiheit.

Stefan Niehoff ist im Alter von 65 Jahren verstorben

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Im Alter von 65 Jahren ist Stefan Niehoff in der Nacht vom Freitag auf Samstag in seinem Elternhaus im unterfränkischen Burgpreppach verstorben. Ursache soll nach übereinstimmenden Medienberichten ein Schlaganfall gewesen sein. Niehoff führte ein Leben abseits der Öffentlichkeit. Jahrelang diente er bei der Bundeswehr. Er war Panzerfeldwebel auf dem Leopard I und Ausbilder von insgesamt 16 Rekruten. „Bis in die 1980er-Jahre hätte ich mich für dieses Land erschießen lassen“, so Niehoff. Diese Worte sagte er im Juli 2025 gegenüber der Welt.

2025 war auch das Jahr, in dem Niehoff sich plötzlich vollkommen unverhofft gezwungen sah, in die Öffentlichkeit zu treten. Nur wenige Monate zuvor sollte sich Niehoffs Leben schlagartig ändern. Am 12. November 2024 um 6.15 Uhr stand plötzlich die Kriminalpolizei mit einem Durchsuchungsbefehl vor Niehoffs Tür. Seine Frau und sein schwerbehindertes Kind wurden aus dem Schlaf gerissen. Auslöser für die Hausdurchsuchung war das längst berühmt gewordene Meme gegen Robert Habeck, in dem der ehemalige Wirtschaftsminister als „Schwachkopf professional“ bezeichnet wurde.

Für Ex-Wirtschaftsminister Habeck war dies jedoch Grund genug, den Rentner anzuzeigen, und die Staatsanwaltschaft Bamberg beantragte bei dem Rentner eine Hausdurchsuchung. Die zuständige Ermittlungsrichterin gab dem Ersuchen auch noch statt. Das Urteil des Amtsgerichts Haßfurt setzte dem Schauspiel dann die Krone auf. Zwar wurde das „Schwachkopf“-Verfahren fallengelassen, Niehoff jedoch wegen verschiedener anderer Posts wegen des Verwendens von „Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen“ und „Volksverhetzung“ zu einer Geldstrafe von 825 Euro verurteilt.

Rechtskräftig war das Urteil nicht. Sein Anwalt Marcus Pretzell kündigte Berufung gegen das Urteil an. Bis zu seinem Ableben musste der Unterfranke sich mit der Justiz herumärgern. Fest steht, dass Niehoff wegen harmloser Posts mittels politischer und juristischer Winkelzüge kriminalisiert wurde und sein Leben und das seiner Familie auf den Kopf gestellt wurde. Doch für Niehoff war von Anfang an klar, dass er hiergegen den Mund aufmachen musste. Gegenüber der Welt erklärte er: „Ich wollte, dass die Sache ein Gesicht bekommt. Dann reagieren die Leute ganz anders, als wenn da nur von einem Stefan N. aus B. die Rede ist, ohne Bild.“ Und weiter: „Ich bin Stefan Niehoff aus Burgpreppach, und ich brauche mich nicht zu verstecken. Weil ich nichts zu verstecken habe.“

Niehoff behielt Recht. Er löste eine deutschlandweite Debatte über eine zumindest in Teilen politische Einseitigkeit der Justiz aus, über den Einsatz von Strafanzeigen durch Politiker, staatlich geförderte Meldestellen und nicht zuletzt über die Privilegierung von Politikern durch den Paragrafen 188 StGB. Niehoff zeigte beispiellosen Mut und wurde zu einer Symbolfigur im Kampf um die Meinungsfreiheit.

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94 Kommentare

  • Oh je, das ist übel. Mein Beileid den Angehörigen und dem Freundeskreis. Es gibt auf YT irgendwo eine Dokumentation über ihn. Sehr sehenswert. Ein absolut fleißiger, wackerer integerer Mann mit den besten Absichten und Ansichten. Eine Persönlichkeit! Ein Vorbild!

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    • Gedreht hat den Film Alexander Tuschinski. Der Titel ist : Schwachkopf-Affäre.
      Sehr sehenswert.

      • Danke für den HInweis @ Herr Waas!

      • Danke für die Präzisierung

    • Der Film ist ein schönes Andenken an den Kämpfer für die Meinungsfreiheit Stefan Niehoff, Herr Waas.

      Der Dokumentarfilm ist international bekannt (er lief z.b. auch in Indien)
      und hat es 2025 sogar auf das

      independent Filmfestival in Los Angeles

      geschafft !!
      ( ganz im Gegensatz zum Habeckschen Film-flopp …)

      Schwachkopf Affaere tale of a meme

      https://www.youtube.com/watch?v=2xvAFT-7jJo

  • Möge etwas wichtiges nach ihm benannt werden.
    Eine Straße oder Platz soll seinen Namen tragen.

    • Ein Hörsaal an Habecks neuer Wirkungsstätte in den USA – inklusive künstlerisch gestalteter Bronzetafel zur Geschichte eines Verfechters einer demokratischen Gesellschaft…?! So etwas lesen zwar nicht viele Menschen aber jene die es lesen…

      • Ein Verfechter der Meinungsfreiheit! Ruhe in Frieden

      • Warum darf der Fährenflüchtling überhaupt noch in die USA einreisen ???

        • @Ketzer:
          Von dessen (potentiellen) Engagement an dieser US-Uni hört man inzwischen gar nix mehr.
          Warum das eventuell sein könnte?
          Weis man nicht – ein fragender Kommentar meinerseits dazu wurde leider nicht frei gegeben…

          2
  • Herzliche Anteilnahme und viel Kraft der Familie. Dieser psychische Terror hat dem armen Mann sicher schwer zugesetzt.
    Sicherlich hat die politische Verfolgung dazu beigetragen.

    • Wer weiß, was da sonst noch alles gelaufen ist…

  • So ein Dauerstress mach einen kaputt, das schüttelt man nicht einfach ab.

  • Eine kleine Korrektur: Er hinterlässt nicht nur Frau und Tochter, sondern auch seinen Sohn.

  • Rückblickend wiegt besonders schwer, dass ihm kostbare Zeit mit seiner Familie verloren ging, da er sich stattdessen mit Strafverfahren befassen musste. Den Angehörigen gilt mein aufrichtiges Beileid.

  • Wer selbst mal wegen eines kritischen Kommentares vom Staat Post bekommen hat, der weiß was das mit einem macht.
    Der Fall bei ihm war da ja noch eine Spur härter.
    Bei mir war es nur Post und ein Verfahren für die bitterböse Beleidigung: „Politdarsteller“.
    Da hat sich der Kommunalpolitiker aus Niedersachsen so gekränkt gefühlt, dass der staatsschutz ermitteln sollte.

    • Es macht mich fassungslos, dass Sie wegen „Politdarsteller“ Ärger bekommen haben.
      Als Herr Niehoff damals vom Wirtschaftsministerdarsteller wegen „Schwachkopf“ angezeigt wurde, ist mir vor Erstaunen fast die Kinnlade runtergefallen.

    • Auf Grund des Ausduckes „Politdarsteller“?
      Unfassbar!
      Wie ist das Verfahren geendet?

      • Korrektur: „Ausdruckes“

  • Mein Beileid an seine Angehörigen! 🕯

  • Liebe AN
    Wie wäre es mit einer SPENDENAKTION für die Hinterbliebenen des tollen Stefan Niehoff?

    • Edit
      Läuft schon

      „Wir möchten hiermit nun für die Hinterbliebenen von Stefan Niehoff um Spenden für die Kosten seiner Beerdigung bitten.
      Stefan Niehoff ist heute Nacht verstorben, nachdem er für die Meinungsfreiheit gelebt und gekämpft hat. Wir verdanken ihm viel und setzen seinen Kampf fort.“
      Marcus Pretzell

      https://www.gofundme.com/f/mit-stefan-niehoff-fur-unser-aller-meinungsfreiheit

      • Wahnsinn!!!

        Als ich gegen 16 Uhr dort nachgesehen habe, waren es ganze 165€.

        Und jetzt:

        57.426 € gesammelt des Spendenziels von
        60 Tsd.

      • Wer hier spendet, sollte wissen das es hier NICHT um eine einmalige Spende handelt.

        • Man kann auf einmalig umstellen. Aber mir kommt es seltsam vor, dass gofundme 11,75% auf den Spendenbetrag aufschlägt und es als „freiwillig“ bezeichnet. Außerdem muss man aufpassen, dass man es nicht auf „dauerhaft“ belässt, wenn man es nicht möchte.

          7
        • Richtig
          Das ist eine alte Aktion.
          Für Abwalts-, Gerichtskosten, Bußen….

          Jetzt für die Beerdigung, die Familie

          Anabel Schunke auf X: „Marcus Pretzell hat die alte Gofundme-Kampagne mit einem Update versehen, da es beim letzten Mal fast zwei Monate gedauert hat, bis man Zugriff auf das Geld hatte. Hier ist jetzt schon alles verifiziert und funktioniert. Die Spendenaktion erfolgt im Einverständnis mit der Frau https://t.co/nYDHyIClY8“ / X https://share.google/pkEuyg1IbJxjTnb3L

          5
    • Wer soll das organisieren?

      • Läuft schon
        S.o.a. Kommst

        Wäre nur schön, wenn AN verlinken/supporten könnte.
        Mit einem Extraartikel

  • Ich finde die sind es nicht wert dass man seine Gesundheit ruiniert, aber das ist leichter gesagt als getan

    • Dazu will ich mal was anmerken:
      Seine Gesundheit wurde ja nicht von ihm selbst ruiniert, sondern durch seine Verfolger!
      Beginnend mit dem Herrn Schwarzkopf, der sich im Sinne des (2021 verschärften) Majestätsbeleidigungs-Paragraphen angegriffen fühlte, folgend von übergriffigen Staatsanwaltschaften.
      Insofern: Ich find Ihre Anmerkung hier dazu etwas duckmäuserisch.
      Und ich meine zusätzlich: Das, was da mit dem nun Verstorbenen passiert ist, sollte seinen Verfolgern, speziell dem Initiator dieser Verfolgung, auf ewig anhängen – als Last wegen deren Verhalten

  • In Fällen mit direkter politischer Relevanz für die Kartellparteien trägt die Justiz keine Augenbinde mehr. Das aktuelle Opfer steht für vieles, was in diesem Bereich falsch läuft.

  • Im Badischen Revolutionslied (1948/49) von Friedrich Hecker heißt es: „Schmiert die Guillotine mit Tyrannenfett!“

    Das Zitat aus dem sog. „Heckerlied“ sei nicht als Aufforderung meinerseits verstanden, sondern mag als Beispiel studentisch-revolutionären Liedguts des Vormärz in Erinnerung gerufen werden.

    • Tippfehler: 1848/49 natürlich.

  • RIP, mein Beileid. Ich hoffe der Tochter gehts gut und sie verkraftet das.
    Ich hoffe die Verantwortlichen werden das Karma zu spüren bekommen.

  • Nun, zunächst der Frau und der Tochter mein aufrichtiges Beileid – vielleicht als ansatzweisen Trost: Länge ist Schicksal, Größe ist Verdienst. Sie hatten einen wirklich großen Mann als Ehemann und Vater.

    Er hat diesem Land gedient, als es noch Vaterland war. Danach ist es ihm wohl ähnlich ergangen wie mir: Allmählich kommt einem die Heimat abhanden – nicht wegen etwas Konkretem, Einzelnen, sondern schrittweise, nach und nach, bis man irgendwann feststellt, daß man nicht mehr in dem Land lebt, in welchem man aufgewachsen ist und dem man gedient hat.

    Und wenn man diesen „Heimatentzug“ ins Wort bringt wie Ihr Mann/Vater, wird man von der Kamarilla, die sich dieses Staates bemächtigt hat, auch noch kriminalisiert.

    Sollten Sie einer Hilfe bedürfen, wird man Ihnen hier sicher meine E-mail-Adresse zur direkten Kontaktaufnahme mitteilen.

    Bis dahin wünsche ich Ihnen nebst viel Stärke vom Guten das Beste und den festen Glauben, daß wir uns alle in der Anschauung Gottes wiedersehen.

    • Dem kann ich mich nur vollumfänglich anschließen.
      Habe auch 8 Jahre lang gedient, mich zu den ersten zwei Auslandseinsätzen der BW gemeldet, eine Auszeichnung erhalten (die mich auch bis heute stolz macht) und eine einzigartig gute, hoch spannende und werterhaltende Zeit dort gehabt.
      Wie es Herr Niehoff wohl schon sagte – damals war man auch Soldat, um ohne mit der Wimper zu zucken zur Waffe für die Verteidigung unseres Vaterlandes zu greifen.
      BS bin ich letztlich trotzdem nicht geworden, weil ich mich zwischen Berufssoldat (dann mit einigen erheblichen Folgen für mein damaliges Leben) oder meinem Wunsch-Studium entscheiden musste.
      Heute würde ich keinen Finger mehr an der Waffe für dieses linksgrün dreckverseuchte und islamisch höchst infiltrierte Land krümmen. Für diese 4-Parteien-Mafia-Verb recher in Berlin in den Kampf? NIE WIEDER.
      Für mich gibt es nur noch eine politische Hoffnung – und die sollte mittlerweile wirklich JEDEM einleuchten.
      Alles Für unser Deutschland.

  • Danke für die Würdigung.
    Eine bittere Nachricht.
    Stefan Niehoff, dieser mutige aufrechte Mann hat mächtigen Schwachköpfen den Spiegel vorgehalten und ihre Entlarvung zu einem befreienden Lachen landauf und landab werden lassen.
    Standhaft hat er dem Unrecht die Stirn geboten, Schikanen durchlitten und sich nicht verbiegen lassen.
    Möge die Niedertracht seiner Verfolger sie selbst eines Tages einholen.

    Gott segne ihn.

  • Es tut mir sehr leid, für ihn und seine Familie.
    Er hat, ohne es zu wollen, viel bewegt:
    Durch den Umgang mit ihm ist deutlich geworden, wie eng die Kritikkorridore für Bürger sind.
    Und wie empfindlich Politiker auf Kritik reagieren, die sie offensichtlich nicht als abwegig abschütteln können.

  • Eben wollte ich über „gofundme“ (s. unten Kommentare) etwas spenden. „Gofundme“ erhebt einen Zuschlag von 11,75% auf den Spendenbetrag für sich und bezeichnet dies als „freiwillig“, obwohl diese Option nicht abgestellt werden kann. Hat dazu jemand Informationen?

    • Die Voreinstellung kann man ändern:
      Den Punkt auf dem Balken ganz nach links verschieben, dann erscheint 0

    • Das klingt eher nach Betrug. Ich würde niemals an solche Org spenden!

  • Das Regime hat ihn in den Tod getrieben. R. I. P. 😢

  • Der Staat hat einem verdienten Veteranen das Leben schwer gemacht. Es bleibt der üble Beigeschmack, dass Politik und die beteiligten Beamten eine Mitschuld an seinem Tod tragen. Aber die Jugend soll wieder die Uniform anziehen und alle sollen Opfer bringen und „kriegsbereit“ werden.

    Wenn man das will, dann rate ich zu einem respektvollem Umgang mit allen Veteranen.

  • Eine Frage an die Journalisten: Hat er wirklich nur 16 Rekruten ausgebildet? Oder ist das mal wieder eine Fehlleistung?

    • Es sind 16 Panzersoldaten pro Durchgang… Das können so zwischen 3-6 Monate sein kommt nämlich darauf an was es für ein Panzertyp ist…

  • GUTE SACHE!

    „Wir möchten hiermit nun für die Hinterbliebenen von Stefan Niehoff um Spenden für die Kosten seiner Beerdigung bitten.
    Stefan Niehoff ist heute Nacht verstorben, nachdem er für die Meinungsfreiheit gelebt und gekämpft hat. Wir verdanken ihm viel und setzen seinen Kampf fort.“
    Marcus Pretzell

    https://www.gofundme.com/f/mit-stefan-niehoff-fur-unser-aller-meinungsfreiheit

  • Man könnte ja fast sagen, er wurde in den Tod getrieben… von „unserer Demokratie“
    Fürchterlich.
    R.I.P.

  • Ich wünschte ich hätte hier Habeck gelesen.

    • Es fiel mir schwer – schon wegen der potentiellen Verfolgung.
      Hab mich aber doch entschlossen, Ihrem Post ein „Daumen hoch“ zu geben.

  • „Bis zu seinem Ableben ärgerte sich Niehoff mit der Justiz herum“
    Das Besondere daran ist, er hat nichts Unrechtes getan.

  • So traurig – Stefan Niehoff-Strasse(n) / demnächst auch in deinem Ort?

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