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Zwischen Werkschließungen und Stellenabbau: Jetzt zwingt das E-Auto-Scheitern Volkswagen zur Umstrukturierung

Volkswagen plant tiefgreifende Umstrukturierungen am Elektrowerk in Zwickau – unter anderem infolge der stockenden Nachfrage nach Elektroautos. Nun könnten bis zu 7.500 Arbeitsplätze vor dem Aus stehen.

Volkswagen befindet sich in der Krise (IMAGO/dts Nachrichtenagentur)

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Ab dem Jahr 2030 plant Volkswagen, am Standort Zwickau jährlich rund 15.000 Fahrzeuge zu zerlegen und wiederaufzubereiten. Auf diesem Weg sollen ausgewählte Komponenten – etwa für den Einsatz in Gebrauchtfahrzeugen – erneut genutzt werden. Zudem sollen auf diese Weise wertvolle Rohstoffe zurückgewonnen werden. Die Demontage von Fahrzeugen soll in den kommenden Jahren schrittweise hochgefahren werden. Bereits im laufenden Jahr sollen die ersten 500 Fahrzeuge zerlegt werden.

„Damit wird Volkswagen unabhängiger vom weltweiten Rohstoffhandel, verringert den CO2-Fußabdruck der Fahrzeuge und schafft neue Geschäftsmodelle“, erklärte Andreas Walingen, der im Konzern für die Kreislaufwirtschaft zuständig ist. Für die Umsetzung des Projekts will Volkswagen nach eigenen Angaben bis zu 90 Millionen Euro investieren und damit rund 1.000 Arbeitsplätze „absichern“. Welche Folgen das Vorhaben für die übrigen etwa 8.500 Beschäftigten am Standort haben könnte, ließ der Konzern bislang offen. Theoretisch könnte ein Großteil der Mitarbeiter entlassen werden, da die Stromer-Produktion gleichzeitig stark reduziert wird.

Bislang galt der Standort Zwickau als das größte Elektrowerk des Konzerns. Für den Hochlauf der Elektromobilität spielte der Standort eine zentrale Rolle. Seit 2022 wurden dort ausschließlich Elektrofahrzeuge produziert – unter anderem Modelle wie den Volkswagen ID.3, ID.4 und ID.5, den Audi Q4 e-tron sowie den Cupra Born. Allein im Jahr 2024 liefen 204.000 Stromer vom Band. Woher rührt also der plötzliche Richtungswechsel?

Nach Angaben von Volkswagen sind massive Überkapazitäten der ausschlaggebende Grund für die Neuausrichtung der Fertigungsstätte hin zur Kreislaufwirtschaft. In diesem Zuge soll die Herstellung von Pkw am Standort reduziert und in den kommenden Jahren schrittweise auf andere Werke des Konzerns verlagert werden. Die Überkapazitäten sind in erster Linie auf die stockende Nachfrage nach Elektroautos zurückzuführen. Die Absätze stagnieren: Die Kernmarke Volkswagen lieferte im vergangenen Jahr weltweit rund 382.000 vollelektrische Fahrzeuge aus – ein Rückgang von 0,2 Prozent gegenüber 2024.

Bereits 2024 waren die Neuzulassungen von E-Autos rückläufig gewesen. Volkswagen setzte damals weltweit 383.100 Elektrofahrzeuge ab, was einem Minus von 2,8 Prozent gegenüber 2023 entsprach. Damals waren noch rund 394.000 vollelektrische Modelle ausgeliefert worden. Dass sich der Wolfsburger Autobauer beim Absatz von E-Fahrzeugen so schwertut, hat vor allem mit der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt zu tun – ein Problem, unter dem auch andere deutsche Hersteller wie Mercedes-Benz oder BMW leiden.

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Unvorteilhafte Rahmenbedingungen am deutschen Wirtschaftsstandort tragen maßgeblich dazu bei. Hohe Energie- und Arbeitskosten, ausufernde Bürokratie und Regulierung sowie eine hohe Steuer- und Abgabenquote erschweren es Autobauern wie Volkswagen, in Deutschland wettbewerbsfähige Elektrofahrzeuge zu produzieren. Hersteller – vor allem aus China – profitieren hingegen an ihrem Heimatstandort von deutlich günstigeren Bedingungen. Dort sind die Betriebskosten niedriger, und die Unternehmen werden zudem durch umfangreiche staatliche Subventionen unterstützt.

Des Weiteren erhalten sie erleichterten Zugang zu kritischen Rohstoffen, die für die Produktion von E-Autos von zentraler Wichtigkeit sind. In der Folge können chinesische Hersteller wie BYD, SAIC, Nio oder Chery mit einem deutlich besseren Preis-Leistungs-Verhältnis auftreten als ihre deutsche Konkurrenz. Es gelingt ihnen zunehmend, Marktanteile im Bereich der Elektromobilität zu gewinnen – in China, in Deutschland, weltweit.

Fatal ist vor diesem Hintergrund, dass Volkswagen, aber auch andere deutsche Autobauer, trotz der überstarken Konkurrenz aus Fernost keine andere Wahl haben, als weiterhin auf den Absatz von E-Autos zu setzen. Trotz des leicht abgeschwächten Verbrenner-Verbots zwingen die Klimaziele auf EU-Ebene, mit den sich schrittweise verschärfenden Flottengrenzwerten, die Hersteller dazu, den E-Auto-Anteil weiter zu erhöhen. Gleichzeitig muss der Verkauf von Verbrennern – einem Segment, in dem deutsche Marken über Jahrzehnte hinweg den Ton angegeben haben – nach und nach zurückgefahren werden.

Wie stark die forcierte Elektrostrategie Volkswagen belastet, zeigt sich auch mit Blick auf die Unternehmenszahlen. Im ersten Halbjahr 2025 verzeichnete Europas größter Autobauer einen Einbruch des Nachsteuergewinns um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bereits 2024 war der Nettogewinn um nahezu ein Drittel zurückgegangen. Unter dem Strich verdiente Volkswagen mit 12,4 Milliarden Euro rund 30,6 Prozent weniger als 2023.

Vor diesem Hintergrund plant der Konzern neben der Umstrukturierung des Werks in Zwickau zusätzlich andere tiefgreifende Einschnitte. Zur Kostensenkung fährt Volkswagen ein striktes Sparprogramm, das bis 2030 den Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland sowie die Schließung von drei Werken vorsieht. Erst kürzlich kündigte Volkswagen an, die Fahrzeugproduktion im Elektrowerk in Dresden einzustellen. Künftig soll der Standort als Innovationscampus genutzt werden – in Kooperation mit der Technischen Universität Dresden und dem Land Sachsen (Apollo News berichtete).

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24 Kommentare

  • „Ab dem Jahr 2030 plant Volkswagen, am Standort Zwickau jährlich rund 15.000 Fahrzeuge zu zerlegen und wiederaufzubereiten. Auf diesem Weg sollen ausgewählte Komponenten – etwa für den Einsatz in Gebrauchtfahrzeugen – erneut genutzt werden. Zudem sollen auf diese Weise wertvolle Rohstoffe zurückgewonnen werden. Die Demontage von Fahrzeugen soll in den kommenden Jahren schrittweise hochgefahren werden. Bereits im laufenden Jahr sollen die ersten 500 Fahrzeuge zerlegt werden.“

    Sie gestehen ein, dass ihnen nichts weiter übrig bleibt, als die eigenen, gigantischen Schrottfahrzeughalden zu recyceln.
    Soweit, so gut/schlecht. Aber wo soll das letztlich hinführen ???

    • Dahin:

      WELTMARKTFÜHRER
      Werkzeugmaschinen: Deutschland fällt hinter China zurück

      ] Die Automobilindustrie und der Werkzeugmaschinenbau waren die beiden wichtigsten Pfeiler der deutschen Wirtschaft. Das ist vorbei. Unsere Autos fahren nur noch hinterher, jetzt knickt auch das andere große Standbein weg […
      https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/werkzeugmaschinen-china-deutschland/

      ..den zitierten Absatz „…Ab dem Jahr 2030 plant Volkswagen, am Standort Zwickau jährlich rund 15.000 Fahrzeuge zu zerlegen und wiederaufzubereiten…“ sollte man statt Lieferkettengesetz&Co vollumfänglich für alle „Technik“ Importeure+Produzenten einführen und in einer Taxierung, orientiert an „seltene Erden“-Tabellen und ähnliches, an uns „Verbraucher“ rückvergüten.

    • Das endete da wo es ’89 aufgehört hat im Osten. Mit den Fahrzeugen… Die wurden nämlich nach 25 Jahren wieder neu aufbereitet. Alles wurde runderneuert…. Und wenn es ging auch eine neue moderne Karosserie drauf gesetzt für die nächsten 25 Jahre… Das machen die bei VW im Westen aber auch schon länger das berühmteste Beispiel war dieser Audi R8 was eigentlich ein Lamborghini war… War nur ein anderes Häuschen oben drauf. Oder Porsche Cayenne, Audi Q7 und T Rock, plus VW Bus alles gleich nur andere Felgen drauf… Die Räder passen meist auch untereinander zwischen den Marken von VW.😉 Skoda Fabian war doch auch bloß ein Golf… Oder dieser New Beetle war auch ein 4rer Golf.

    • Wen juckts?

      ES IST DSCHUNGELCAMP!

      Der deutsche Michel fokussiert die Resthirnaktivität die nächsten zwei Wochen nur noch darauf, wer welche Elefantenhoden isst.

    • Für Indien ist das Abwracken von Containerfrachtern und Öltankern ein Geschäftsmodell.
      Machen wir es entsprechend: Bauen keine Autos mehr, sondern wracken sie ab.
      Hat den besonderen Charme, dass man ohne Ingenieure und Computer auskommt – ein paar Migranten mit Schraubenschlüsseln tun’s auch.
      „Volkswagen Autoverwertung und Wertstoffrückgewinnung AG“ – klingt doch gut.

  • Kreislaufwirtschaft? Von der Produktion direkt ins Recycling und dann von vorne?

  • Es liegt nicht nur an den Klimazielen und Verbrenner-Verboten.
    Ursache sind diverse Management-Fehlentscheidungen, zu hohe Gehälter, veraltete Prozesse und nicht zuletzt immer schlechtere Qualität bei zu hohen Preisen.
    Toyota produziert pro Mitarbeiter fast doppel so viele Autos wie VW und Japan ist auch kein Niedriglohnland und hat auch hohe Energiekosten.
    Wer heute ein qualitativ gutes Auto aus dem VW Konzern kaufen möchte, der greift zu Skoda, günstiger, deutlich bessere Qualität.
    BMW hat nicht die Probleme, die VW hat, könnte an der Qualität und den besseren Managmententscheidungen liegen 🙂
    Mir tun die Mitarbeiter bei VW leid, die nicht die horrenden Abfindungen bekommen, die erfolglose und nichts-könnende Manager bei VW erhalten.

  • Umstrukturierung ? Ha, ha…

    Wer nicht wettbewerbsfähig ist (mit den Chinesen), kann lange „strukturieren…bis eben zum Insolvenzantrag !

    Verbrenner dürfen bald nicht mehr gebaut werden und E-Mobile sind schlichtweg nicht einmal annähernd konkurrenzfähig.

    Vielleicht bauen die künftig Lastenfahrräder ?

  • Mitten in der „großen“ Transformation wird VW jetzt zur Umstrukturierung gezwungen? Laut Merz arbeiten die Deutschen zu wenig, Müssen die VW Arbeiter sich jetzt in China anmelden, damit sie auf die Jahresstunden von Merz kommen?

  • Die zwei größten Feinde von VW: Markt und Physik.

  • Völliges Vorstandversagen. Wird Zeit, dass Niedersachsen seine Anteile endlich abgibt.

  • Tolle nette Ideen. Nur lese ich nichts von einem richtig starken konkurrenzfähigen Produkt, das jeder haben will.
    All die genannten Pläne begeistern weder Kunden noch Aktionäre.
    Viel Glück, aber so wird das nichts.

    • solche produkte kommen eben heutzutage aus china.
      das e-auto ist nicht abgehaengt,
      seine zulassungszahlen waechsen seit 2025 in den meisten laendern schneller als benziner und diesel.
      es ist eben ein produkt, an das die menschen sich ebenso gewoehnen muessen wie an led-lampe und computer.

      aber mit den chinesen kann niemand konkurrieren.
      auch nicht die ehemaligen zugpferde deutscher herkunft.

      und das ist wohl so beabsichtigt gewesen.
      haette man D, bzw. europa sonst sehenden auges von den guenstigen energiequellen wegsanktioniert?
      unter frenetischem jubel der industrievorstaende und manager.
      die verschuetten jetzt krokodilstraenen.

  • Wiederverwertung von raren Komponenten ist angesichts dem Magel an seltenen Erden garnicht dumm.
    Das löst aber das Absatz Problem und die einseitige Ausrichtung auf eAutos nicht.
    Wer will, kann sich das ja mal von einem Bot seiner Wahl genauer erklären lassen.
    Ich wusste zB nicht, das „seltene Erden“ fast überall vorkommen.
    Aber man muss wohl sehr viel Gestein bewegen und das dann heftigst chemisch „spülen“ oder behandeln.

  • Das Verbrenner Verbot muss weg.
    Die Klima Steuern, die Benzin immer weiter verteuern, müssen weg.
    Dafür sollten sich alle deutschen Autobauer geschlossen einsetzen.
    Für dieses Anliegen würde ich demonstrieren, dafür würde ich auf die Straße gehen.
    Wenn die deutschen Autobauer aber weiter auf e-Autos setzen, der Klimalobby
    folgen, nicht aufbegehren, nicht aktiv werden, nicht dagegen ankämpfen,
    dann sind die jetzigen Probleme hausgemacht.
    Zumindest ZWEIGLEISIG würde sehr viel Sinn machen.
    Ich werde meinen Verbrenner fahren, bis er nicht mehr bezahlbar ist,
    oder auseinander fällt.
    Danach würde ich aus Prinzip bzw Protest bei der chinesischen Konkurrenz kaufen.
    Selbst Schuld.

    • dein anliegen teile ich absolut!
      jeder soll fahren , was er will.
      ohne umverteilung von steuern durch subventionierung bestimmter fahrzeuge.
      ohne druck und erpressung.
      alles auf freiwilliger basis.
      dann wird sich herauskristallisieren, was die bevoelkerung wuenscht.

      ford will uebrigens zukuenftig ein sehr guenstiges, kleines e-auto produzieren.
      eine art ford fiesta auf renault 5 basis, vollelektrisch.
      soll 2028 kommen.
      bis dahin wird noch viel wasser den rhein hinabfliessen….

      https://www.merkur.de/wirtschaft/medienberichte-ford-bringt-beliebten-kleinwagen-als-elektroauto-zurueck-zr-94121768.html

  • Die Realität zwingt warscheinlich schon jetzt dazu, auf Halde gebaute E-Karren zu zerlegen und den Rest etwa für E-Speicher an den ebenso unsinnigen Windmühlen zu platzieren.

  • Die Verantwortung dafür tragen die spd,Gewerkschaften, Betriebsrat, Land niedersachsen

  • Der VEB Volkswagen konnte gar nicht grün genug sein und ist Politikern sowas von hinten reingekrochen, dass man sich heute einer gewissen Schadenfreude nicht verschließen kann.
    Schade, dass der Arbeiter am Band die Suppe auslöffeln muss, während Politiker, Manager und Vorstände sich schadlos halten können.

  • Wie lange dauert das denn noch bis die endlich pleite sind….. Dieser Konzern ist die berühmte Mumie mit Herzschrittmacher… Deutsche Auto’s sind nicht mehr die Zukunft , egal wie lange noch durch irgendwelche Umstrukturierung herumgedocktert wird. Dazu müsste das ganze Land Umstrukturiert werden und das ist mit den Altparteien nicht in Sicht…. Es wartet jetzt eigentlich alles nur noch auf den Riesengroßen Knall.💥

  • Deutschland ist das europäische Ghana.

    Wir werden führend in der Zerlegung von Elektroschrott also auch E Autoschrott
    Vielleicht werden wir sogar Weltmeister darin.
    Und mit dem Lastenrad bzw Ochsenkarren transportieren wir das Zeug zur Galeere und dann ab Richtung China

  • VW soll meinetwegen KAPUTT gehen! Ich kaufe Toyota, das ist noch Qualität. Deutsche Ware ist im besten fall minderwertig, im schlimmsten fall nicht zu gebrauchen.

    • Man darf nicht vergessen, in den 80er und 90er Jahre, hat gerade VW, aber auch die anderen Hersteller, die deutschen Kunden abgezockt! Ich erinnere daran das im europäischen Ausland die gleichen Autos fast 10000 DM billiger waren. Als dann die Kunden z.B. in Dänemark die Autos kauften (Grauimporte), klagte die Autoindustrie dagegen und verlor. Aber vorher jahrelang kassiert.
      Oder der Skandal bei VW mit den Leiharbeiter, in den 90er. Die wie Menschen zweiter Klasse behandelt wurden, auch von der Belegschaft. Ging damals durch die Medien.
      Vielleicht kommt jetzt das Rückspiel.
      Mitleid nein.

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