Zur Vertuschung der Konjunkturschwäche: China pumpt Milliarden in den Finanzsektor
China pumpt Milliarden in den eigenen Finanzsektor, um die bereits sichtbare Konjunkturschwäche zu kaschieren. Zugleich zeigt sich ein fundamentaler Unterschied zum EU-Interventionismus, denn Peking lässt marktwirtschaftlichen Prozessen weiterhin Raum.
Staatliche Eingriffe in das Kreditgeschäft sind meist ein Signal dafür, dass im Konjunkturmotor nicht alles rundläuft. Entsprechend wirft Chinas milliardenschwere Stützung des staatlich dominierten Finanzsektors Fragen auf: Wie robust ist die Wirtschaft im Reich der Mitte tatsächlich? Und wie steht es um Industrieproduktion und Beschäftigung, wenn Peking den Finanzinstituten mit gewaltigen Kapitalspritzen unter die Arme greifen muss?
Rund 360 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 54 Milliarden US-Dollar, stellt Peking bereit, um acht ausgewählte staatliche Finanzinstitute mit frischem Kapital auszustatten. Neben großen Geschäftsbanken wie der Agricultural Bank of China und der Industrial and Commercial Bank of China profitieren von der milliardenschweren Rekapitalisierung auch Versicherungskonzerne wie China Life Insurance und die PICC Group.
Die Intervention soll vor allem die Eigenkapitalbasis der Institute stärken. Dazu stellt der Staat frisches Kapital über den Erwerb neu ausgegebener Aktien oder über direkte Einlagen bereit. Ziel ist es, die Bilanzen der Finanzhäuser zu stabilisieren und ihren Spielraum für zusätzliche Kreditvergabe zu erweitern.
Offen blieb allerdings die entscheidende Frage, woher die dafür notwendige Kreditnachfrage kommen soll. Denn eine stärkere Kapitalausstattung der Banken schafft für sich genommen noch keine rentablen Investitionsprojekte und verbessert auch nicht automatisch die Renditeerwartungen von Unternehmen und Investoren. Wie aus größeren Bankbilanzen am Ende mehr reale Investitionstätigkeit entstehen soll, kann das Ministerium nicht erklären. Die politische Führung scheint darauf zu vertrauen, dass sich die gewünschte Nachfrage der bereitgestellten Finanzierung schon anschließen wird.
Doch was war geschehen? Was zwang den chinesischen Staat zu einer solch massiven Finanzspritze? Das chinesische Finanzministerium versuchte, Spekulationen über eine Konjunkturschwäche zu zerstreuen. Es gehe ausschließlich um die Solidität und Widerstandsfähigkeit der Banken, so ein Ministeriumssprecher. Im Fokus stehe die Finanzierung neuer Projekte in der Realwirtschaft.
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Auch die dröge Funktionärsrhetorik kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass der Kreditmechanismus der chinesischen Wirtschaft ins Stocken geraten ist. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie lag zuletzt knapp unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und signalisiert damit eine anhaltend schwache Dynamik im verarbeitenden Gewerbe. Peking versucht zugleich, mit Exportförderung und einem vergleichsweise schwachen Yuan die Ausfuhren zu stützen und damit auch Beschäftigung und industrielle Auslastung hochzuhalten.
Wichtig ist zu betonen, dass auch Chinas Wirtschaft auf einem stark kreditbasierten Geldsystem beruht. Anhaltend fallende Preise können die Kreditvergabe bremsen, die reale Schuldenlast erhöhen und damit den Geld- und Wirtschaftskreislauf belasten. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Bankenintervention besondere Bedeutung. Solche Systeme erzeugen in Krisen regelmäßig politischen Interventionsdruck und können dazu beitragen, wirtschaftliche Risiken auf die Gesellschaft umzuverteilen und bestehende Ungleichheiten zu verstärken.
Dennoch ist bemerkenswert, dass der chinesische Kreditsektor angesichts einer hohen Sparquote von rund 20 Prozent und strenger Kapitalverkehrskontrollen überhaupt auf zusätzliche Kapitalzufuhr angewiesen ist. Vieles spricht dafür, dass die anhaltende Deflation im Gefolge der Immobilienkrise tiefere Spuren im Finanzsystem hinterlassen hat, als Peking bislang erkennen lassen will.
Auffallend ist, dass die chinesische Politik immer wieder versucht, auf zentralistische Eingriffe marktwirtschaftliche Steuerungsmechanismen folgen zu lassen. Offenbar ist man sich der Gefahren bewusst, die eine dauerhafte Zentralplanung für das Wachstum mit sich bringt. Denn letztlich entscheiden in China die Banken, wenn auch unter politischen Vorgaben, in erheblichem Maße über die Verwendung des Kapitals. Damit erhält der Markt schließlich zumindest wieder die Steuerung.
Ganz anders stellt sich die Lage in Deutschland und der EU dar. Hier prägt ein wachsender staatlicher Interventionismus die Wirtschaftspolitik, verbunden mit immer stärkerer politischer Steuerung. Darin liegt einer der wesentlichen Gründe für die anhaltende Wachstumsschwäche der europäischen Wirtschaft.
In China lautet das Motto: Prosperität sticht regionale oder sektorale Einzelinteressen. Der Kontrast zur EU-Politik im deutschen Sound könnte schärfer nicht sein: Null Emissionen, Dekarbonisierung durch Staatswirtschaft lautet hier die Devise eines kontinuierlich expandierenden öffentlichen Sektors.
Dass sich an diesem Grundprinzip wenig ändern dürfte, könnte bereits das nächste Siebenjahresbudget der EU zeigen: Rund zwei Billionen Euro sollen dann durch die unterschiedlichen Kanäle der europäischen Förder- und Industriepolitik fließen. Damit würde die wirtschaftspolitische Steuerung durch die EU-Bürokratie weiter ausgebaut und zugleich in wachsendem Maße auf kreditfinanzierte Programme gestützt.
Hinzu tritt die Ebene der nationalen Förderpolitik. Der Freiburger Ökonom Lars Feld rechnet vor, dass im vergangenen Jahr sieben Prozent des deutschen BIP, was einer Summe von 321 Milliarden Euro entspricht, als direkte und indirekte Subventionen, Kredithilfen und Fördermittel in die Kanäle der Günstlingswirtschaft und der Rüstungsindustrie strömten.
Über 400.000 deutsche Unternehmen hängen unmittelbar am Subventionstropf, Hunderttausende weitere profitieren mittelbar entlang der Lieferketten von staatlicher Förderung. Auf diese Weise wird Wettbewerbsfeindlichkeit regelrecht alimentiert: Ökonomische Bequemlichkeit und politische Abhängigkeit werden zur Schutzschicht einer wachsenden Zahl von Profiteuren, die wenig Interesse an einer Rückkehr zu stärker marktwirtschaftlichen Strukturen haben.
China setzt letzten Endes auf Marktprozesse, um sein ökonomisches Ergebnis zu verbessern. Berlin und Brüssel haben an die Stelle eines ökonomischen Wachstumsziels die Kuriosität der Klimarettung durch Degrowth-Politik gesetzt. Es ist nicht verwunderlich, dass China unter diesen Bedingungen das ökonomische Spielfeld als Sieger verlassen wird.
China interveniert, um Marktprozesse wieder in Gang zu bringen; Brüssel und Berlin dagegen intervenieren zunehmend, um Marktprozesse durch politische Steuerung zu ersetzen. Problematisch ist dabei, dass mit dem wachsenden Interventionismus auch politische Macht immer stärker gebündelt wird. Am Ende könnte Europa das Schlechteste aus beiden Welten drohen: ein immer stärker zentralisiertes Machtzentrum, das seine Stellung durch wirtschaftliche Steuerung weiter festigt – die Rezeptur für eine ökonomisch und kulturell erstarrte Gesellschaft.
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Chinas Konjunkturschwäche wäre in Deutschland ein Aufschwung. Es ist selbstverständlich, dass ein so starkes Wachstum, wie in China, auch mal eine kleine Pause einlegt. Solange diese vorwiegend den Finanzsektor betrifft, ist das kein Beinbruch.
Chinas Finanzschwäche ist in der Tat kein Beinbruch sondern stellt eher die Gefahr eines Genickbruchs dar – für die direkt betroffenen Kreditnehmer und Konteninhaber sowieso und für die Regierenden potentiell. Das ist auch der Grund weshalb selbst die doch recht durchsetzungsstarke chinesische KP hier durchaus sensibel reagiert. Wer wissen will, wie das so ausschaut – in der ökonomischen Realität, der schau‘ sich mal einen chinesischen ETF über mehr als nur fünf Jahre an oder lese die Geschichte von Alibaba. Verallgemeinert kann man sagen, daß in China ein gewaltiges Schneeballsystem seinem Erwachen entgegen schlummert. Wir sind hier alle gespannt, was passiert wenn der Ball auseinanderbricht. Wobei – so viel Phantasie sich die Folgen vorzustellen erfordert das Szenario nicht…
Das ist nun nichts so wirklich Neues. Jeder der sich im Umfeld Chinas bewegt, dort auch schon investiert hat kennt die Schwächen des chinesischen Finanzsystems. Im Februar 2020 stand ich am Schalter meiner Hausbank, als ein junges Paar eingeschweißte chinesische Banknotenbündel auf einem kleinen Push Cart zur Einzahlung brachte. Beide unterhielten sich recht offen und in schlechtem Thai – will heißen eine der beiden Personen dürfte Thai, die andere chinesischer Staatsangehörigkeit gewesen sein. In Cambodia sind dieses Jahr mehrere Banken mit chinesischem Background ins Trudeln geraten, wurden zum Teil geschlossen was offenbar auch für wenigstens zwei Zahlungsdienstleister gelten mag.
Wer dazu ein wenig mehr lesen mag – das Buch ist weiss Gott nicht neu:
https://www.worldofbooks.com/en-gb/products/china-s-great-wall-of-debt-book-dinny-mcmahon-9781408710364?sku=GOR009004988&gad_source=1&gad_campaignid=23480969191&gclid=EAIaIQobChMI4KG5npTjlgMVXZpmAh0RehE0EAQYASABEgIi2fD_BwE
AfD Wutbürger ist Sextourist und lebt im asiatischen Ausland, wer hätte es gedacht.
Gefangen im monitären Hamsterrad und das auf Ewigkeit.
Armes Asien.
Diese Praxis ist in China nichts neuen und der Staat ist da immer der Nullzins Kreditgeber.
Das Wallstreet Journal, NPR und WIRED haben berichtet, dass es keine Beweise dafür gibt, dass China die Gegner von Rechenzentren in den USA finanziert und die ganze Apollo Geschichte zu dem Thema war erfunden und gelogen.