Dieser Artikel ist kostenlos für alle – dank  Apollo A Icon Freunden von Apollo News »

Apollo A Icon
Dieser Artikel ist kostenlos für alle – dank Freunden von Apollo News »

Werbung:

Werbung:

Warum es gerade jetzt für Taiwan so gefährlich wird

In Taipeh üben Soldaten den Straßenkampf – Taiwan probt den Tag X einer chinesischen Invasion. Diese Gefahr erscheint aktuell aus gleich mehreren Gründen so real wie vielleicht nie zuvor.

Eine Analyse •

Werbung

Taiwan probt den Ernstfall. Soldaten errichten Blockaden in den Straßen der Hauptstadt, stürmen durch U-Bahnhöfe – alle Züge stehen still. Das Internet wird zeitweise abgeschaltet. Feldbetten werden errichtet. Für einen Moment, wenn auch nur für wenige Stunden, herrscht in dem Inselstaat der völlige Ausnahmezustand.

Es ist ein kurzer Einblick in das, was einen erwartet, wenn China angreift. Übungen wie diese sind nicht neu – sie werden in Taiwan zunehmend Teil des Jahreskalenders. Die Sorgen, dass Peking einen militärischen Überfall auf die Insel wagt, sind fast schon Alltag, aber sie erscheinen immer ernster. Das liegt auch daran, dass die Volksrepublik ganz offen davon spricht, dass sie genau das vorhat.

Es ist gar keine Frage, ob Peking eine Übernahme wagt, sondern nur, wann. Das kommunistische Regime spricht selbst völlig offen davon, dass es eine „Wiedervereinigung“ mit der Insel plant, entweder „friedlich“ erzwungen oder eben per Krieg, den man als strikt „innere Angelegenheit“ sieht. In der Taiwan-Frage hat man damit die aktuell wohl beispiellose Situation, dass es der potenzielle Angreifer ist, der ganz offen vom Kriegsszenario spricht – und dieses unverhohlen vorantreibt.

Militärübung auf den Straßen Taipehs

Ernster wird es für Taiwan auch deshalb, weil die lange bekannte Frist für die Invasionsbereitschaft des chinesischen Militärs näher rückt. Staats- und Parteichef Xi Jinping hat seinen Militärs bis 2027 Zeit gegeben, die „Volksbefreiungsarmee“ für eine Invasion der Insel zu rüsten. Und das steht nun kurz bevor. Ob Xi 2027 zuschlägt, steht natürlich auf einem anderen Stern. Den Zeitpunkt kann das Regime schließlich frei wählen.

Das verleiht der Taiwan-Frage ohne Zweifel eine neue Bedrohlichkeit. Auch weil klar ist, dass aus Pekings Sicht eine „friedliche Lösung“ – also eine Unterordnung der Insel unter den Pekinger Staatsapparat im Rahmen einer „Ein Land, zwei Systeme“-Logik – in immer weitere Ferne rückt.

Lesen Sie auch:

Spätestens seit der diktatorischen Gleichschaltung Hongkongs 2020 hat auf Taiwan kaum noch jemand Zweifel daran, dass dieses Modell das Ende von Demokratie und Bürgerrechten bedeuten würde. Zugleich – oder eben auch deshalb – identifizieren sich immer mehr Taiwaner vorwiegend als Taiwaner und nicht mehr als Chinesen. Die deutliche Mehrheit sieht sich inzwischen so und wählt entsprechend.

Seit drei Wahlen in Folge regiert die DPP, die jede „Wiedervereinigung“ mit Peking klar ablehnt und auf taiwanesische Selbstständigkeit pocht. Eine von der Volksrepublik erhoffte prochinesische Regierung blieb aus. Entsprechende Einschüchterungsversuche stärkten eher das pekingkritische Lager auf der Insel. Das wiederum führt dazu, dass es für die kommunistische Partei auf dem Festland immer unwahrscheinlicher wirkt, dass sich eine „Wiedervereinigung“ erzwingen lässt. Eine solche kampflose Übernahme der Insel wäre natürlich für das Regime der präferierte Weg.

Stattdessen stehen die Zeichen zunehmend auf Krieg. China selbst probt das Szenario seit Jahren ausgiebig. Es umringt die Insel regelmäßig mit militärischen Großmanövern, die bis in taiwanesische Gewässer reichen. All das, um den Druck zu erhöhen – aber auch, um die militärische Präsenz rund um die Insel zu normalisieren und so im Falle einer Invasion weniger Vorwarnzeit zu liefern. Längst bekannt ist, dass China selbst in der Wüste Attrappen von Regierungsgebäuden und Straßen Taipehs baut – und deren Erstürmung trainiert.

„Under Secretary of War for Policy“, Elbridge Colby (zu Deutsch etwa „Unterkriegsminister für Politik“) bei einer Gedenkfeier in der Normandie

Heikel macht die Lage für Taiwan nun nicht nur das Näherrücken des Jahres 2027, sondern auch die weltweite geopolitische Lage. Der US-Einsatz gegen Iran zieht sich – auch dank eines zunehmend unklaren Kurses – länger hin, als es wohl einige Pentagon-Planer gedacht hatten.

Das bindet Truppen, Kampfjets, Flugzeugträger und vor allem Munition des US-Militärs im Mittleren Osten. Wie lange noch? Das scheint völlig offen. Klar: Ein Wegfall des iranischen Regimes, das 90 Prozent seines Öls nach China exportiert, hätte auch Peking zugesetzt. Aber gefallen ist das Regime nicht, und die Militärpräsenz dürfte nun auch im Pazifik fehlen.

Die Lage ist paradox: Genau vor einer solchen Situation warnte lange Zeit Militärstratege Elbridge Colby, der inzwischen in der Trump-Regierung als Chefstratege des Pentagons sitzt. Colby, den Apollo News vor der US-Wahl 2024 interviewte, propagierte jahrelang seine „Strategy of Denial“ – eine „Strategie der Verwehrung“ eines Hegemons wie China in Fernost.

Zentral dabei: die Verteidigung Taiwans als Teil der ersten pazifischen Inselkette. Darauf müsste man alles ausrichten und andere militärische Verpflichtungen in anderen Regionen der Welt zurückstellen. Heißt: Ukraine-Unterstützung nicht mehr primär durch die USA, sondern nur durch die Europäer; ein Naher und Mittlerer Osten, in dem US-Verbündete wie die Golfstaaten und Israel den Iran zunehmend selbst in Schach halten – ohne große US-Einsätze.

„Bei einem Krieg um Europa müssten die USA ihre Ressourcen zurückhalten“, sagte Colby auch in unserem Interview damals. In einem Kriegsfall mit Russland müssten sich europäische NATO-Länder größtenteils selbst verteidigen und dafür selbst aufrüsten, meinte er. In dieser Hinsicht hat sich inzwischen einiges getan: Viele europäische NATO-Länder haben Rekordversprechen bei den Militärausgaben abgegeben, was Colby auch in Bezug auf Deutschland bereits explizit lobte.

Dem halten Kritiker nun entgegen, dass all diese militärische Umorientierung von Europa zum Indo-Pazifik irgendwo dazwischen im Nahen Osten hängen geblieben ist. Ganz in diesem Tenor grillte ihn vor Kurzem der konservative Kolumnist Ross Douthat von der New York Times in seinem Podcast. Colby verteidigte dort die Regierungslinie und verwies darauf, dass der Iran-Konflikt größtenteils eine Militärintervention aus der Luft mit offiziell begrenzten Zielen sei, die nicht etwa mit den „Nationbuilding“-Ambitionen aus der Bush-Zeit oder dem Irakkrieg zu vergleichen ist. Grundsätzlich ein valider Punkt. Ähnlich verstrickt sind die USA dort bei Weitem noch nicht.

Taiwanesische Soldaten errichten Straßensperren

Die Munition, die nun fortlaufend verschossen wird, ist allerdings trotzdem weg. Solche Ressourcenfragen sind schließlich einer der wichtigen Punkte bei einem potenziellen Krieg um Taiwan. Auch hier hat die Trump-Regierung inzwischen deutlich mehr gemacht als ihre Vorgänger und erste Versuche gestartet, die eigene Produktion hochzufahren sowie mehr und mehr auf neue, günstige Drohnen zu setzen. Aber ob das reicht, kann von außen kaum jemand so einfach sagen.

Und so entsteht für Taiwan ein gefährliches Gemenge: US-Kräfte, die – wenn auch nur temporär – im Mittleren Osten gebunden sind, kommen zusammen mit der chinesischen Deadline für eine Invasionsbereitschaft sowie dem unvermeidlichen amerikanischen Aufrüsten, das die US-Regierung forciert.

Eine Aufrüstung – und vor allem Umorientierung zu günstigeren Waffensystemen – ist dabei an sich keine amerikanische „Provokation“ gegenüber Peking, das selbst in deutlich schnellerem Maße sein Militär aufbaut. Gefährlich ist in diesem Kontext eher, falls China auf den Gedanken kommt, man sei jetzt beim Aufrüsten noch vorn – und müsse handeln, ehe man womöglich in einigen Jahren überholt wird und es mit einem besser vorbereiteten US-Militär zu tun hat. Kurz gesagt: Lieber zu früh als zu spät zuzuschlagen, ist eine Tendenz, die es historisch in Kriegen durchaus häufig gab.

All das wirft ein düsteres Licht auf die aktuellen Militärübungen Taiwans – die Gefahr einer chinesischen Invasion ist realer denn je.

Werbung

Kommentar schreiben

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

Ohne Account kommentierenKein gesicherter Name, von jedem frei wählbar

Mit Account kommentieren Ihr Nutzername für Sie gesichert & einmalig

Anmelden ›Kostenlos registrieren

20 Kommentare

  • TSMC ist der größte Chiphersteller der Welt, bei dem auch Nvidia und Apple fertigen lassen. Wenn dieses Asset durch Bombardierungen zerstört wird, hat die Welt eine mächtige Chipkrise.

  • Was passiert nach der Inselübernahme dann hier mit den ganzen E-Autos aus China, welche regelmäßig Updates und diverse Wartung für die Weiterfahrt benötigen?

  • Umwahrscheinlich, und ich bin schon neugierig wie eine Katze wie die Chinesen dies bewerkstelligen wollen ? Die Nachbarn werden da auf gar keinen Fall zuschauen ;o))

    • China ist umgeben von Südkorea, Japan, Taiwan, Phillipinen, Vietnam, Indonesien, Thailand und Indien. Alles außenpolitisch keine Freunde der Volksrepublik.

      Und die PLA würde massive Verluste erleiden, weil die taiwanesischen Stellungen nur darauf warten, dass eine Invasionstreitmacht relativ langsam über See kommt und gute Ziele abgibt.

      1979 hat sich China beim viel kleineren Nachbarn Vietnam eine blutige Nase geholt.

      Sollte sich Xis Abenteuer um Taiwan dann verzögern, die Binnennachfrage schleppend bleibt, der Westen chinesische Waren boykottiert, dann werden Unruhen in Mainland China ausbrechen und die CCP wird weg sein vom Fenster.

      • Ganz einfach: Seeblockade und Exportstopp für Seltene Erden und kritische Metalle, z.B. Wolfram, das für die Herstellung von Marschflugkörpern und panzerbrechender Munition benötigt wird. Den USA gehen ja schon gegen den Iran die Raketen aus.

  • WK 3 ist im Anmarsch.

    • Der läuft längst. Seit 2014, auf einigen Schauplätzen verdeckt, auf anderen mittlerweile ganz offen. In der Ukraine, in Westasien, in Afrika.

  • Morgen ist China in Taiwan, der Russe in Berlin, die Amis auf Grönland und die Deutschen in Polen

    • „der Russe in Berlin, … und die Deutschen in Polen“

      Sozusagen ein fliegender Seitenwechsel. Und alle Fragen sich, was machen wir hier,😊

      • Ja, hab extra die Amis mit reingenommen, damit es nicht jeder sofort merkt.

    • Polen gibt es gar nicht-es ist größtenteils Ostdeutschland !

      • hihi. ………………..

  • Trump hat Taiwan und die Golfstaaten für Israel geopfert. Und wofür? Iran ist jetzt stärker als vorher. Ein Totalversager.

    • Europa hat versagt, da es nicht Freund und Feind unterscheiden kann

  • Wenn es möglich wäre die Rotchinesen zusammen mit den Afrikanern auf den Mars umzusiedeln,würde es auf unserer Erde ruhiger werden !!!

  • Wisst ihr liebe Apollaner, bei Geopolitik seid ihr wirklich die letzten die etwas Produktives beizutragen hätten. Euer liberaler Schülerblog Zirkusakt war ja ganz lustig wenn es um die kleinen Nachrichten in Deutschland geht, aber bei China und den USA habt ihr wirklich nix mitzureden. Das sind Verhältnisse die so viel überdachen bei denen ihr euch schon als unwissend, inkompetent, anbiedlerisch und oft einfach verwirrt gezeigt habt.

    • Und wie KONKRET widerlegst Du diesen fundierten Artikel?

      • Einfach mal den gesunden Menschenverstand nutzen und sich aus Dingen heraushalten, die uns nix angehen – Hätte uns bei den Ukros auch nicht geschadet…

        • Was hat diese Antwort mit meinem Posting zu tun?!

          Komplett absurd.

          0

Werbung