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LMU München

Universität versetzt Corona-Kritiker Professor Meyen vorzeitig in den Ruhestand

Professor Michael Meyen kritisierte die Corona-Politik und immer wieder die deutsche Medienlandschaft – jetzt wurde er überraschend von der LMU München vorzeitig in den Ruhestand versetzt.

Michael Meyen ist nicht mehr Professor an der LMU München (Quelle: Screenshot via YouTube/@Michael_Meyen).

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Die Ludwig-Maximilians-Universität München hat es getan: Michael Meyen ist nicht länger Professor für Kommunikationswissenschaft. Zum 1. April wurde der zuletzt vor allem für seine coronakritischen Beiträge bekannte Professor vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Das teilte Meyen selbst in seinem Blog Freie Medienakademie mit. Per Postzustellungsurkunde habe ihm die Universitätsleitung am 28. März mitgeteilt, dass seine Tätigkeit an der LMU nun ende. Gegenüber Apollo News wollte sich die Presseabteilung der LMU „aus datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht zu dem Fall und der kurzen Frist äußern.

Meyen ist seit einiger Zeit arbeitsunfähig; in einem Artikel zu seiner Pensionierung schreibt er dazu: „Die Entscheidung kommt nicht überraschend.“ Schon mehrfach sah sich Meyen, der in der DDR geboren wurde, zunächst Journalistik an der Karl-Marx-Universität Leipzig studierte und sich nach der Wende der Wissenschaft widmete, Gegenwind ausgesetzt – jetzt hat die LMU einen Schlussstrich gezogen.

2002 trat Meyen seinen Posten an der Münchner Universität an. Spätestens nach Ausbruch der Corona-Pandemie wuchs der – wegen seiner zunächst jungen, ostdeutschen Perspektive ohnehin bestehende – Gegenwind aber weiter an. Zwei Disziplinarverfahren endeten jeweils mit Gehaltskürzungen für den Professor, der in sämtlichen Publikationen kritisch zur Entwicklung der Presse in Deutschland forschte.

Die Reihe der Vorwürfe, die seitens der für disziplinarrechtliche Schritte verantwortlichen Landesanwaltschaft Bayern angeführt wurden, begann 2019. Damals sammelte Meyen – wohlgemerkt privat – Spenden für die als linksextrem geltende und in einigen Verfassungsschutzberichten auf Landesebene geführte Rote Hilfe. Der sich als Solidaritätsorganisation verstehende Verein unterstützt linke Straftäter beispielsweise bei der Übernahme von Prozesskosten und vermittelt Anwälte aus der Szene.

Meyen selbst sagte in einem Video auf seinem YouTube-Kanal, die gesammelten Spenden seien zweckgebunden gewesen und sollten in Verfahren helfen, bei denen die Meinungsfreiheit im Fokus stand, etwa wenn das Zeigen verbotener kurdischer Symbole verfolgt worden war. Die Landesanwaltschaft warf dem Professor vor, die Verwendung der Spendengelder nicht weiter überprüft zu haben.

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Im Frühjahr 2023 wurde Meyen dann in zwei Ausgaben als Mitherausgeber des Demokratischen Widerstands geführt. Die Zeitung war vor allem durch die maßnahmenkritische Szene in der Corona-Zeit bekannt geworden und wurde in diesem Zuge der Delegitimierung des Staates verdächtigt – eine Markierung, die spätestens zu diesem Zeitpunkt auch auf Meyen übertragen wurde. Er hätte gern eine professionelle Zeitung mit aufgebaut, erklärte Meyen ebenfalls auf YouTube. Er habe aber schnell gemerkt, dass sich das Blatt nicht in die gewünschte Richtung entwickle.

Die Landesanwaltschaft untersuchte wegen der angeblichen Delegitimierung des Staates die Verfassungstreue von Meyen. Es sei eine „bestimmte Neigung des Beamten, eine bestimmte Charaktereigenschaft“ festgestellt worden, zitierte Meyen die Landesanwaltschaft. Im Mai 2024 resultierte aus diesen drei Vorkommnissen nach fast einem Jahr Untersuchung die erste Disziplinarverfügung.

Was folgte, war eine Gehaltskürzung um zehn Prozent für 15 Monate. Ab September 2024 war Meyen dann krankgeschrieben. Während dieser Zeit begann der Kommunikationswissenschaftler, Texte und Videos im Rahmen seiner Freien Medienakademie zu veröffentlichen – was ihm letztlich im zweiten Disziplinarverfahren negativ ausgelegt wurde.

Er habe damit die Gesunderhaltungspflicht für Beamte verletzt, hieß es seitens der Landesanwaltschaft. Außerdem wurde die Öffentlichkeitswirkung seiner Publikationen bemängelt. Die Folge: eine erneute Gehaltskürzung um zehn Prozent, diesmal für eine Zeit von 36 Monaten. Gegen beide Verfügungen klagt Meyen derzeit noch; die Verfügungen sind deshalb noch nicht in Kraft getreten.

Meyens Biografie ist äußerst spannend: Die Abteilung Journalistik an der Karl-Marx-Universität in Leipzig galt als Kaderschmiede für systemtreue Journalisten in der DDR. Meyen verstand sich aber nicht als regierungstreuer Journalist. „Fortan wird es möglich sein, so habe ich das damals gesehen, über all die unterschiedlichen Meinungen und Interessen zu diskutieren, die es in einer Gesellschaft gibt. Man wird sich nicht immer einigen können, natürlich nicht, sich aber selbst ein Bild machen können, weil die entsprechenden Informationen und die wichtigsten Interpretationen für jeden zur Verfügung stehen“, erklärte Meyen seine Haltung in einem Artikel bei der Freien Medienakademie.

Diese Philosophie zieht sich durch die gesamte Arbeit des Kommunikationswissenschaftlers. In zahlreichen Publikationen forschte Meyen zur Entwicklung der deutschen Medienlandschaft, sorgte etwa mit Büchern wie „Die Propaganda-Matrix“ für Aufsehen, in denen er die zunehmende Einseitigkeit der deutschen Presse zu erklären versuchte und deutliche Kritik an öffentlich-rechtlichen, aber auch privaten Medienkonzernen äußerte.

Vor allem in Bezug auf die Corona-Pandemie kreidete Meyen diese Entwicklung an und kritisierte auch die Übergriffigkeit des Staates im Kontext der verhängten Maßnahmen und des Vorgehens gegen unliebsame Demonstranten. Für Kritik sorgte bereits vor der Pandemie Meyens angebliche Unterstützung oder Sympathie für israelfeindliche Organisationen. Zwar ist der Kommunikationswissenschaftler selbst nie als Feind des Staates Israel in Erscheinung getreten, die Grüne Jugend München warf dem Professor aber beispielsweise im Dezember 2020 vor, „mit großem persönlichem Einsatz“ die israelfeindliche Boykott-Bewegung BDS zu unterstützen.

Das sah Meyen anders und ging juristisch gegen diese Vorwürfe vor – das Oberlandesgericht München gab ihm 2021 in diesem Punkt recht. Bestehen blieb aber der Vorwurf, „Antisemitismus zu tolerieren“ – begründet wurde das mit einem Interview, in dem sich der Professor von Ken Jebsen befragen ließ, und auch mit Beiträgen für den Verlag Rubikon. Grund für die Kritik an Meyen war ein 2017 gefasster Stadtratsbeschluss in München, der BDS-Initiative keine Räumlichkeiten für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Der Bewegung wird vorgeworfen, gegen den Staat Israel zu agitieren. Meyen hatte sich damals zunächst einer Klage gegen den Stadtratsbeschluss angeschlossen und das mit seinem Interesse an einer pluralistischen Gesellschaft begründet.

Der Kommunikationswissenschaftler setzt sich für ein möglichst breites Meinungsspektrum ein und beleuchtet dafür Medienerzeugnisse, Bewegungen und Organisationen von links bis rechts. Weltanschaulich ist Meyen eher links geprägt, was in seiner Arbeit aber seltener eine Rolle spielt. Vielmehr konzentriert sich der Kommunikationswissenschaftler grundsätzlich auf die Untersuchung der Medien in Deutschland.

Seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand – Meyen wurde 1967 in der DDR geboren – ist auch deshalb fragwürdig, weil an zahlreichen Universitäten in Deutschland teilweise unhaltbare Zustände herrschen, wenn es um die Frage nach dem Umgang mit dem Staat Israel geht. In Berlin gab es monatelang Protestcamps, immer wieder wurden Vorlesungssäle verwüstet und Räumlichkeiten besetzt. Das ging nicht nur von den Studenten aus: So steht die Präsidentin der TU Berlin seit Längerem in der Kritik (mehr dazu hier), an der Humboldt-Universität forderten über 350 deutsche Wissenschaftler einen wissenschaftlichen Boykott Israels (mehr dazu hier).

Dagegen wirkt Meyens Engagement – das sich zudem oft im privaten und nicht durch Steuergelder finanzierten Raum abspielte – ungleich harmloser. Zudem begann die Kritik an dem Professor vor allem nach seiner Kritik an den staatlichen Maßnahmen in der Corona-Pandemie. In der maßnahmenkritischen Bewegung war Meyens Engagement für die Freiheit äußerst populär. Das wurde ihm aber zum Verhängnis: Immer öfter sah er sich – letztlich auch durch seine Universität – Angriffen ausgesetzt.

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20 Kommentare

  • Früher nannte man so etwas Säuberungen!

  • Kann das die Universität überhaupt? Als Professor ist er Landesbeamter und sein Dienstherr ist der Minister.

  • …und das im besten Deutschland aller Zeiten mit der größten Meinungsvielfalt die es jemals gab.
    Die Erde ist eine Scheibe und Schweine können fliegen…

  • Wer gegen den Staat (hier die gewollten und ungewollten Lakaien) sich erhebt, bekommt es eben mit deren Machtmissbrauch zu tun, würden manche sagen.

    Nachgewiesene und gerichtlich festgeselltes Unrecht spielt KEINE Relevanz hierbei.

    Und wie viel von den tatsächlich kriminell agierenden Vertreter wurden zur Rechenschaft gezogen – NULL,
    Manche von jenen haben sogar noch besser dotierte Posten, dürfen all ihr Agieren selbst verteidigen und stellen sich gegenseitig einen Persilschein aus.

    Vlt. ist es auch für jenes Opfer besser, wenn man nicht mehr Teil des korrupten Systems ist, würden manche sagen. Da kann man sich morgens im Spiegel betrachten, was eben anderen ohne Moral und Ethik keine Rolle spielt.

  • Herr Meyen ist für mich ein Leuchtturm in dieser Gesellschaft!

  • Besonders verstörend ist es, dass Universitäten trotz aller Bitten keine Hilfe leisten, wenn Not am Mann ist. Selbst dann, wenn ein Mensch um sein Leben zu kämpfen hat, ist von dort nichts zu erwarten. Fraglich bleibt angesichts dessen, weshalb die öffentliche Hand dennoch deren Tatenlosigkeit zuhauf finanziert? Zwar wurde im Jahr 2024 zuletzt noch von einer Staatssekretärin des Bundesforschungsministeriums die dadurch völlig fehlende Sinnhaftigkeit der materiellen Förderung kritisiert. Aber die Beamtin sah sich daraufhin dem Unmut von mehr als 3.000 wohlbestallten Hochschulangehörigen ausgesetzt und musste ihrerseits in den einstweiligen Ruhestand gehen. Auch künftig sind Bürger damit horrend für etwas abgabenpflichtig, das von vornherein keinerlei grundlegende Lösung vor allem existenzieller Probleme bietet.

  • O-Ton und wer es gerne ausführlich mag (3Teiler)

    Selbst wenn als Diagnose “ME/CFS” explizit genannt ist, so wird doch die offensichtliche Ursache systematisch vertuscht – so wie im Falle der früheren ZEIT- und jetzigen Spiegel-Kolumnistin Margarete Stokowski, die an ME leidet, wozu sie aber sagt “Long Covid, das ist einfacher”. Nein, das ist schlicht und einfach falsch, da ihre Vorgeschichte bis Jänner 2022 durch V-V-V–C (gemäß meiner Kodierung aus Teil I) gegeben ist, d.h. dreimal “gegen” Covid-19 injiziert, also sogar geboostert (2021) und später im Jänner 2022 (wie zu erwarten war) an Covid-19 erkrankt. Allerdings war sie bereits direkt nach dem Booster bereits krank, d.h. sie hatte also Post-Vac vor der nachfolgenden Covid-19 Erkrankung (laut Internet-Interview), die dann zu einer erheblichen Verschlimmerung führte – ganz gemäß der Hybrid-Harms-Hypothesis.

    https://tkp.at/2026/04/05/die-unsichtbarmachung-von-post-vac-teil-ii-der-grosse-long-covid-schwindel/

  • Ist halt auch nur eine weitere Propaganda Institution, also müssen die ihn ja canceln.

    Wir leben in der DDR 2.0 und bis 2030 wird es jeder einzelne merken.

  • Hat zu den Medien einige gute Punkte gebracht! Aber am Ende vom Tag auch egal, der hat sein Geld verdient und gut ist! Kritische Geister an den Unis, gibt es kaum noch! Sind auch nicht erwünscht, was auch jeder in der Branche weiß…..

    • So ist es. Aber gerade an den Universitäten ist diese Entwicklung fatal.

  • Idi Amin – afrikanischer Despot:
    Ich garantiere die Meinungsfreiheit, aber nicht die Freiheit nach der Meinungsäußerung.
    Vorbild der deutschen Politik und Justiz.

  • Ich war auch Corona Kritisch.
    Ich will jetzt Rente
    Ich bin Regierungskitisch, gibt das ein Prämie?

  • „…war Meyens Engagement für die Freiheit äußerst populär. Das wurde ihm aber zum Verhängnis:“ Was für ein Dejavue!

  • Eine absolute Schweinerei, wie der Staat heutzutage mit Dissidenten jedweder Art umgeht.

    Wie gewählt, so geliefert. Der Michel rafft es einfach nicht.

  • Es ist nicht „fragwürdig“, wie in dem Artikel geschrieben, wenn jemand, der seit über 1 ½ Jahren krankgeschrieben ist, in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wird. Das ist im Interesse der Steuerzahler und der Funktionsfähigkeit einer Universität notwendig (die Uni kann die Stelle ja sonst nicht neu besetzen und muss sich mit Lehrstuhlvertretern oder Lehrbeauftragten behelfen). Wenn ich lese, dass der Mann die „Rote Hilfe“ unterstützt hat, wundert es mich zusätzlich, dass er auf Apollo-News zum Märtyrer hochstilisiert werden soll.

  • Nun, da niemand, wohl auch nicht die Redaktion, Einblick in die Verfahrensakten bzgl. der Gehaltskürzungen und die darin erhobenen Vorwürfe hat(te), verbietet sich jede – auch mutmaßliche – Meinungsäußerung dazu mangels Kenntnis.

    Daß ein Beamter nach rund 18-monatiger Krankschreibung in den Ruhestand versetzt wird, ist nicht zu beanstanden. Dabei hängt es von der konkreten Heilungsprognose ab, ob in den einstweiligen oder endgültigen Ruhestand versetzt wird.

    Ein direkter Zusammenhang mit den Meinungsäußerungen des Professors scheint – egal wie plausibel das sein mag – nicht beweisbar und ist daher rein spekulativ.

    Alles in Rechnung gestellt ist das nur deshalb eine „Nachricht“, weil man sich von der Meinung des Betroffenen zu bestimmten Fragen im Zusammenhang mit der „Corona-Geschichte“ bestätigt sieht.

  • Warum suchen solche angeblich Intelligenten Menschen ihr Heil immer bei anderen Völkern? Wenn man für PKK-Kurden und die Rote Hilfe sammelt hält sich mein Mitleid in Grenzen!… Diese Verstrahlten Ostermärschler wurden im Anti-Corona-Protest zu sehr toleriert.

  • Seit mehr als 1,5 Jahren ist der Herr Professor zu krank um seine berufliche Arbeit zu machen, aber die Arbeit mit seinem Blog, in verschiedenen Medien, Videos und allgemein als Aktivist ist problemlos möglich ?

    • Vielleicht durfte er seine Arbeit an der Uni nicht mehr machen? Vielleicht war er zu unbequem für die Uni?

  • Da muss man sich schämen, dass so etwas an einem Ort geschieht, an dem die Weiße Rose ihren Ursprung hatte. Pfui Teufel LMU!

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