Koalitionskrise eskaliert
Trotz Kabinettsbeschluss: SPD-Fraktion stellt sich gegen geplante Krankenkassenreform
Die SPD-Fraktion hat sich gegen zentrale Punkte der Krankenkassenreform gestellt, denen auch SPD-Minister im Kabinett zugestimmt haben. Leistungskürzungen für Patienten wolle man nicht hinnehmen.
Die SPD-Fraktion hat angekündigt, entscheidende Teile der Krankenkassenreform nicht mittragen zu wollen. Damit spitzt sich die Regierungskrise weiter zu, denn die Abgeordneten stellen sich gegen das, was die Kabinettsmitglieder von SPD und Union beschlossen haben. Dass grundsätzliche Punkte nicht mitgetragen werden, ist unüblich. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Dagmar Schmidt, sagte gegenüber t-online, dass Beitragszahler nicht weiter belastet werden dürften.
„Gute Gesundheitsversorgung darf nicht vom Geldbeutel abhängen – das gilt für Familien mit der beitragsfreien Mitversicherung, für die zahnmedizinische Versorgung und gegen höhere Zuzahlungen. Solche Leistungskürzungen lehnen wir ab“, sagte sie. Gesundheitsministerin Nina Warken hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der das Defizit bei den gesetzlichen Krankenkassen durch Einsparungen ausgleichen und dafür sorgen soll, dass die Beitragssätze stabil bleiben. 2027 drohen Schulden in Höhe von 15 Milliarden Euro; durch die Reform sollen 16,3 Milliarden Euro eingespart werden.
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Der Großteil der Einsparungen – elf Milliarden Euro – soll erreicht werden, indem Krankenkassen, Leistungserbringer und Hersteller weniger Geld ausgeben. Durch Einsparungen bei den Patienten sollen 2,5 Milliarden Euro weniger ausgegeben werden. Um diese Ziele zu erreichen, setzt Ministerin Warken unter anderem auf eine Reform der beitragsfreien Mitversicherung: Diese soll nur noch in bestimmten Fällen für Ehepartner mit Kindern gelten. Außerdem sollen die Zuschüsse für Zahnersatz gesenkt und die Zuzahlungen für Medikamente auf 7,50 Euro bis 15 Euro erhöht werden.
Angesichts dessen sagt die SPD-Politikerin Schmidt: „Im parlamentarischen Verfahren liegt deshalb noch viel Arbeit vor uns.“ Das deutsche Gesundheitssystem sei eines der teuersten der Welt, von der Qualität her aber nur mittelmäßig. „Es muss darum gehen, die vorhandenen Mittel besser einzusetzen, Kosten wirksam zu begrenzen und die Versorgung spürbar zu verbessern.“ Bürger müssten schneller Termine bekommen.
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Deshalb will die SPD-Fraktion „echte Strukturreformen, die Ausgaben und Versorgungsqualität wieder stärker zusammenbringen“, sagte die stellvertretende Vorsitzende gegenüber t-online. Die gesetzliche Krankenversicherung solle weiterhin solidarisch, gerecht und verlässlich sein.
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Der Gesetzentwurf sieht nicht vor, dass die Kosten für Bürgergeldempfänger in Höhe von 12 Milliarden Euro ganz oder teilweise über den Haushalt finanziert werden. Dafür sprechen sich jedoch Unionsfraktionschef Jens Spahn und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann aus.
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„Bürger müssten schneller Termine bekommen.“
Ja, richtig. Aber Bürger dieses Staates!
JEDER Neubürger sollte mindestens 10.000 € in die Sozialsysteme einzahlen. Vorher keine Registrierung, Papiere und so weiter…
Was die Regierenden als Krankenkassenreform betiteln ist nur eine Lüge der Umverteilung. Man verprasselt die Steuergelder in Millionenfacher Weise in aller Welt und erpresst die Steuerzahler erneut. Wir sollen immer mehr arbeiten um immer weniger zu bekommen! Als Ausgleich haben wir dafür Messerjongleure und Frauenfachversteher! Diese Politik treibt Deutschland in den Ruin und Neuwahlen sind Notwendig, aber ohne EU-Überwachung und Einfluss.
Und ich will dieses Politikpersonal nicht länger hinnehmen!
Was hier veranstaltet wird, zeigt dass diese Koalition kurz vor dem Ende steht,
Ihr Wort in Gottes Ohr…..
Das ist ein Gesetzentwurf, der noch durch das Parlament und seine Ausschüsse muss. Gesetzgebung ist das zuvörderste Recht der Bundestagsabgeordneten, selbst wenn es die Erzpfeifen von der SPD-Fraktion sind.
Mal beschwert man sich, der Bundestag sei eine Abnickbude. Ein anderes Mal beschwert man sich, wenn er keine ist. Das kann man alles doch nicht ernst nehmen.
Man sollte meinen, die Fraktionschefs würden sich im Vorfeld mit den Abgeordneten abstimmen.
Man kann aber auch gemeinsam etwas beschließen, was dann keinen Bestand hat.
Das zeigt dann, das die faulen Kompromisse von zwei nicht zusammen passenden Parteien im Grunde nochmal innerhalb der Regierung tragen.
Das bestreite ich alles nicht. Aber Abgeordnete sind an Absprachen nun mal nicht gebunden, auch wenn sie’s oft tun, und auch wenn ich die politischen Vorstellungen der SPD-Fraktion gruselig finde. Bei der Richterwahl letztes Jahr waren viele doch auch froh, dass wenigstens ein Teil der CDU/CSU-Fraktion mal nicht auf Linie war.
@Sonnenblume
Das ist doch Unsinn. Man kann doch nicht alles in einem gedanklichen Eintopf verrühren.
Ich kann CDU und SPD nicht wirklich unterscheiden, bis auf wenige Nuancen. Liegt wahrscheinlich an mir.
„…von zwei nicht zusammen passenden Parteien…“. Wodurch unterscheiden die sich denn?
Nun, in der CDU gibt es einige wenige Abgeordnete, die noch klaren Verstand haben und die Realität erkennen.
In der SPD Fraktion sehe ich da niemanden