Werbung:

Staatsschulden außer Kontrolle: Jetzt ist Frankreich da, wo Griechenland 2009 stand

In Europa steigen die Zinsen schneller als in Japan und den USA. Sorgenkind Frankreich nähert sich dabei dem Verschuldungsgrad Griechenlands während der Schuldenkrise vor anderthalb Jahrzehnten. Seine politische Klasse ist paralysiert, Haushaltskonsolidierung scheint ausgeschlossen.

IMAGO/Bestimage

Werbung

Weltweit steigen die Staatsschulden ungebremst – von den USA über China bis zu den Staaten der EU; beim Auftürmen öffentlicher Schulden herrscht bemerkenswerter Konsens. Für den Steuerzahler ist das bedauerlich, doch nun rächt sich der Irrglaube, der Staat könne mit seinem schier unbegrenzten Kredit dauerhaft die Verantwortung für das Wirtschaftsgeschehen und das überbordende Sozialwesen übernehmen.

Unter den Sorgenkindern des Schuldenklubs steht vor allem Frankreich unter intensiver Beobachtung. Bereits 2013 senkte die Ratingagentur Fitch den Daumen über Frankreichs Schuldenberg und korrigierte das Triple-A-Rating auf den Wert AA+ – nach zwei weiteren Herabstufungen liegt es inzwischen bei A+.

Mit Verspätung stuften auch die beiden anderen wichtigen Ratingagenturen, Moody’s und S&P, Frankreich kaskadenartig herab. Die zahlreichen Warnschüsse verfingen jedoch nicht: Zum Jahresende wird sich das Land mit einer Staatsschuldenquote von 120 Prozent des BIP den griechischen Verhältnissen zu Beginn der großen Krise 2009 angenähert haben. Griechische Verhältnisse: Die Hellenen drückte seinerzeit ein Schuldenstand von 127 Prozent. Folgt Frankreich dem gegenwärtigen Pfad, dürfte dieser kritische Wert zum Ende des kommenden Jahres erreicht sein.

Frankreich wirkt paralysiert. Parlamentarisch festgefahren, mit regelmäßig wechselnden Regierungschefs, denen aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Parlament eine haushaltspolitische Kehrtwende verwehrt bleibt, taumelt das Land tiefer in die Schuldenfalle hinein. Allein die Zinszahlungen auf den 3,5 Billionen Euro hohen Schuldenberg verschlingen in diesem Jahr etwa 2,8 Prozent des BIP oder rund 60 Milliarden Euro.

Im vergangenen Jahr wies der damalige Premierminister François Bayrou ein Haushaltsdefizit von 5,8 Prozent aus, bloß um noch im selben Jahr an dem Versuch der Haushaltskonsolidierung zu scheitern. Auch sein Nachfolger Sébastien Lecornu wird sein Konsolidierungsziel von 5 Prozent meilenweit verfehlen. Ohne tiefgreifende Einsparungen werde Frankreich die Kontrolle über seine Staatsfinanzen verlieren, warnte der Regierungschef im Juli.

Lesen Sie auch:

Lecornu liegt richtig: Frankreichs Neuverschuldung könnte in diesem Jahr auf 6 Prozent steigen. Der Staatsapparat expandiert im Autopilotmodus. Mit einer Staatsquote von offiziell 58 Prozent und einem überbordenden Sozialwesen zersägt der öffentliche Sektor das ökonomische Fundament, das nötig wäre, um die Haushaltslage in der Zukunft durch harte Reformen und Wirtschaftsliberalisierung rasch zu stabilisieren.

Ökonomisch macht sich Hoffnungslosigkeit breit. Wie in Deutschland steckt die Bauwirtschaft in der Rezession, die Industrie wandert ab. Der französische Mittelstand leidet unter demselben EU-Regime wie die deutsche Konkurrenz. Zentralplanung, Überregulierung und der fiskalische Aderlass haben Konsequenzen: Der private Sektor verweigert der Politik die Gefolgschaft und reduziert seine Investitionen.

Hand in Hand mit seinem deutschen Nachbarn steuert Frankreich auf eine Beschäftigungskrise zu. 80.000 Jobs wurden innerhalb eines Jahres gestrichen – eine verfälschte Statistik, da auch der französische Staat die öffentliche Beschäftigung beziehungsweise die Beschäftigung im öffentlichen Dienst ausweitet.

Es knarzt unüberhörbar im Staatsgebälk. Verwaltung und Regulierungsdschungel wuchern um die Wette – der Staat verdrängt die Privatwirtschaft auf systemgefährdende Weise.

Für den sozialistischen Oppositionschef Jean-Luc Mélenchon ist dies kein Problem: Schuldenschnitt durch die Eliminierung von Frankreichs Anleihen bei der EZB, so lautet sein naiver Lösungsvorschlag. Staatsfinanzierung mit dem Gelddrucker – auf einen derart destruktiven Unfug stoßen Politiker wohl erst im Schlusskapitel unseriöser Staatsführung.

Dass ein solcher Hazardeursakt die Kreditwürdigkeit Frankreichs auf Jahrzehnte zerstören würde, spielt in den Reihen dieser Herrschaften keine Rolle mehr. Das süße Gift des billigen Kredits hat große Teile der politischen Eliten der EU in einen regelrechten Machbarkeitsrausch versetzt, der sich nun in der Unfähigkeit zur Kurskorrektur manifestiert.

Frankreichs Fiskalpolitik wirkt auf den Beobachter wie ein Crash in Zeitlupe. Unfähig zur Reform, ideologisch – sozialistisch – verbohrt, ignoriert die politische Führung die veränderte Großwetterlage an den Anleihemärkten. Mit jeder neuen Anleiheemission steigen die Finanzierungskosten des Landes. Die seit fünf Jahren steigenden Zinsen treffen nun auf die Refinanzierung der bestehenden Schulden und die wachsende Neuverschuldung durch das Schuldenlabyrinth des Staates. Frankreich musste in diesem Jahr unter den großen Volkswirtschaften einen der stärksten Anstiege bei den Renditen seiner zehnjährigen Staatsanleihen hinnehmen.

Die zehnjährige französische Staatsanleihe rentiert derzeit bei rund 4,25 Prozent. Vor fünf Jahren, am 8. September 2021, waren es gerade einmal 0,02 Prozent. Für Haushaltspolitiker waren das kurzfristig paradiesische Zeiten – herbeigeführt durch die Manipulation der Zinsstruktur durch die Europäische Zentralbank.

Wie das Kaninchen vor der Schlange scheinen auch Frankreichs Haushaltspolitiker angesichts des Einbruchs der Realität an den Märkten erstarrt zu sein, die die Rendite der Staatsanleihen konsequent in die Höhe treiben. Hinzu kommt die Inflation, die nicht einfach von Zauberhand verschwinden wird – im August lag sie bei 2,7 Prozent. Der Druck auf die Zinsen wird weiter steigen.

Unaufhaltsam schrumpft der politische Handlungsspielraum, und eines scheint klar: Angesichts des politischen Stillstands dürfte Austeritätspolitik ausgeschlossen sein. Zudem findet im kommenden Jahr die französische Präsidentschaftswahl statt. Sie wird zeigen, welchen Weg das Land einschlagen wird, falls Marine Le Pen vom Rassemblement National das Ruder in die Hand nimmt.

Wollte die Politik einen erschütternden Crash der Staatsschulden tatsächlich verhindern, bliebe wohl als letzte Option nur noch die finanzielle Repression der Bürger. Anders gesagt: Der Vermögenstransfer vom privaten in den öffentlichen Sektor hinein wird massiv beschleunigt.

Die EZB würde dann große Mengen Staatsanleihen übernehmen und auf diese Weise neues Geld in Umlauf bringen, was die Inflation in der Eurozone weiter anheizen würde. Für den größten Schuldner, den Staat, bringt diese Politik einen Seignioragegewinn – einen verdeckten Wohlstandstransfer von den Gläubigern zum Schuldner.

Dieser politische Ansatz ginge einher mit Kapitalverkehrskontrollen, etwa über den digitalen Euro, hohen Abgaben und der Unterdrückung einer realen Rendite am Anleihemarkt. Für den Staat wäre dies wohl die beste aller Welten. Es ist tragisch: So weit scheint die Erosion von Freiheit, Marktwirtschaft und der bürgerlichen Gesellschaft in Wahrheit bereits fortgeschritten zu sein.

Werbung

Kommentar schreiben

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

Ohne Account kommentierenKein gesicherter Name, von jedem frei wählbar

Mit Account kommentieren Ihr Nutzername für Sie gesichert & einmalig

Anmelden ›Kostenlos registrieren

21 Kommentare

  • Vielleicht sollte mal einer den Franzosen sagen das sie bis 67 arbeiten müssen weil DE auch blank ist…. da kann ich nur hoffen das wir Entwicklungshilfe aus China und Indien bekommen.

    22
  • Wie hat das Merkel gesagt „scheitert der Euro scheitert Europa“. Deutschland kann es diesmal nicht mehr richten. Der eigentliche Grund warum LePen gegen die AfD schiesst ist, dass sie genau weiß, dass die AfD in der Bundesregierung eine straffere Geldpolitik fahren würde. Dann hätte Frankreich ein noch größeres Problem. Die wollen unbedingt die Eurobonds.

    10
  • Bei Friedrich Merz scheint nur eines unverhandelbar: Friedrich Merz an der Macht.

    Versprechen? Verbrauchsmaterial.
    Rote Linien? Weggewischt.
    Prinzipien? Bei Bedarf entsorgt.
    Rückgrat? Offenbar koalitionsfähig.
    Hauptsache Kanzler.

    Gestern SPD-Schreck.
    Heute SPD-Türöffner.

    Gestern Kurswechsel.
    Heute Kehrtwende.

    Gestern große Worte.
    Heute großes Vergessen.

    Die SPD bekommt ihre Politik.
    Merz bekommt die Macht.

    Der Kanzlerstuhl steht. Sein Wort liegt darunter.

    14
  • Frankreich hat gegenüber Deutschland aber 2 Vorteile: Erstens ist die Demografie besser und zweitens nutzt das Land weiterhin Atomenergie.

    0
  • Na, jetzt sind wir aber wirklich gespannt, wer die Zeche zahlen wird! Ich hätte ja da mal einen Verdacht!

    2
  • Dexit, ansonsten gehen bei uns die Lichter ganz aus.

    2
    • Die Lichter sind bereits aus! Es will nur keiner wahrhaben!

      2
  • Zum Schluss zahlts eh der Deutsche. CDU und der Rest der Einheitspartei werden schon dafür sorgen.

    15
  • Wir sollten endlich auf Eurobonds umsteigen, dann geht es schneller in die Pleite. Dann zahlt auch keiner mehr für den anderen, wie auch. Dann gibt es auch keine Eu Erweiterung, warum auch? Wenn es keine Empfängerstaaten, keine Zahler mehr gibt.

    1
  • Hier wird bestimmt Deutschland wieder an erster Stelle stehen und für die Schulden haften .
    Jeder weis doch mittlerweile wie es läuft .
    Zum Schluss werden wird dann enteignet und keiner hat es gewusst.

    3
  • Dummland wird Frankreich retten. Zum Dank dafür bekommen wir dann mittels Lastenausgleich fette Zwangshypotheken reingewürgt.

    15
    • Wo findet man eigentlich die Paragraphen 16 bis 227 (Ausgleichsabgaben) zum Nachlesen und warum werden die nicht angezeigt?

      0
  • Deutschland muß raus aus dem Euro und raus aus der EU !

    15
  • Wo Sozen regieren geht alles zu Grunde.
    Dann noch Islamisten und alkes wird zerstört.

    8
  • Frankreich muß selbst mit Ihrem bekloppten Präsidenten und der Linken Mischpoke klarkommen. Frankreich drängt sein Jahren auf eine Schuldenübernahme aller EU Länder durch die EU ! Wir haben keine Rettungsschirme mehr im Angebot.
    Funfakt :
    Obwohl Deutschland beim rechnerischen Durchschnittsvermögen auf Platz 13 weltweit liegt, stürzt es beim Median auf Platz 30 ab. Hinter allen EU Ländern ! Das hat zwei wesentliche Gründe: Geringe Eigentumsquote ! In Deutschland leben im EU-Vergleich sehr viele Menschen zur Miete. Da Immobilien den Löwenanteil privater Vermögen ausmachen, fehlt der breiten Masse dieser Vermögenswert.
    Starke Vermögenskonzentration: Die reichsten 10 % der Deutschen Haushalte besitzen in Deutschland rund 60 % des gesamten Vermögens. Dadurch entsteht ein hoher statistischer Durchschnitt, der die reale Situation der meisten Bürger (Median) nicht widerspiegelt ! Frankreich liegt beim Median auf Platz 15 !!!

    7
  • UND eben nicht mehr so zu retten wie damals Griechenland. Weil viiiiiel zu gross.

    Frexit sofort!!!!

    7
  • Und sie werden kommen über das Meer, wie Heuschrecken, aber es werden keine Tiere sein.

    Die Sozen haben den Untergang eingeläutet.

    3
  • Da dürfte es wohl nicht mehr lange dauern bis der Fritz den F r o s c h f r e s s e r n einen fetten Scheck ausstellt und mit seinem dauernassen Schlappmaul verkündet dass der Boche den Gürtel enger zu schnallen hat.

    6
  • Und dank Pinocchio und seine Union sind wir da auch bald.

    2
  • In der Konkursmasse von Frankreich befinden sich immerhin noch ein paar Atomwaffen. Aber zunächst müsste man die Konkursverschleppung ahnden und einen Konkursverwalter einsetzen.

    0
  • Ist das, dass Land in dem das Wasser die Frösche schwul machen?

    1

Werbung