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Mut gibt es nur gegen die Masse

Die angegriffenen Apollo News-Reporter in Erfurt blieben allein im angesicht einer entgrenzten Masse. Menschen traten auf sie ein, die nichts über sie wussten und nur einer Regel folgten: Wenn alle auf einen einschlagen, werden sie schon recht haben.

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Der Tagesspiegel stellt die sehr berechtigte Frage: „Warum haben sich von Hunderten Demonstrantinnen und Demonstranten, die für Demokratie und Menschenrechte kämpfen wollten, nur wenige zwischen die Reporter und die Schläger gestellt?“

In der Tat ist das fast das Wesentliche, das von den Geschehnissen aus Erfurt bleibt. Am Anfang stört die Demonstranten die Kamera unserer Reporter. Dann beschleunigt es sich, bis irgendwann Hunderte einsteigen in einen Mob, der gröhlt und schreit, der mit Flaschen wirft, der immer schneller läuft und schließlich schubst, schlägt und tritt. Der Kopftritt kurz vor Eintreffen der Polizei markiert den Moment, in dem der Furor der Masse zur Siedehitze gekocht ist, in der totalen Entgrenzung zu allem bereit. Am Ende traten Menschen auf unsere Reporter ein, die nichts über sie wussten, die nicht einmal die Entstehung des Konflikts miterlebt haben, weiter angeheizt von Durchsagen von der Bühne. Diese Gewalt folgt irgendwann nur noch einer Logik: Wenn alle auf einen einschlagen, werden sie schon recht haben.

Luisa Neubauer, wenige Meter entfernt von der Tat und bis heute ganz leise, hielt ein Schild hoch: „Sie haben Hass, wir haben Haltung“. Genau das hatten sie nicht. Man hatte eben keine aufrechte Haltung, gestreckt zu Höherem, man bückte sich zum Boden und ließ sich, befreit von allen Zweifeln, gehen im Rudel.

Totalitäre Regime konnten immer vor allem auf die Massenseele bauen, in der das bewusste Gewissen schwindet, der komplexe Charakter eines Individuums ausgeschaltet wird. Eine Masse kennt keine Verantwortung und keine Skepsis, sie ist angesteckt und gleichgeschaltet, gesteuert von plumpen, extremen Gefühlen. Die Masse bringt immer das Schlechteste am Menschen hervor. Nur aus dem Mob heraus waren Bilder wie diese möglich.

Der Ärzte-Bassist Rodrigo González wird vom WDR gefragt, für wen er nicht bremsen würde – „für Nazis“, sagt er lächelnd. Politische Morde sind bekanntlich sehr lustig. Auch das ist ein Phänomen: Die Leute, die am meisten von Weimar sprechen, haben in der Regel noch nicht einmal den Wikipedia-Artikel gelesen. Und so kommt es, dass die Widersetzen-Demonstranten zeigt, wie wenig diese Leute verstanden haben von der sogenannten Erinnerungskultur und ihren Lehren: bspw. von der unbedingten Pflicht des Einzelnen zur eigenen Urteilsbildung. Der Vater eines der Täter entschuldigt den Angriff in Erfurt noch halb mit „Gruppendynamik“ – wollten wir aber gerade nie wieder gelten lassen, dass ja „alle mitgemacht“ hätten? Der Charakter eines Bürgers, wie ihn eine liberale Gesellschaft braucht, definiert sich aus seiner Fähigkeit, sich der Masse zu verweigern, ihrem Sog zu widerstehen und auf einem eigenen Urteil zu beharren.

Der Widersetzen-Sprecher liefert nach fast einer Woche im Stern eine explizite Nicht-Distanzierung von Gewalt und behauptet auch noch, unsere angegriffenen Reporter seien „mit der Absicht“ zur Demonstration gekommen, verprügelt zu werden. Das ist nicht nur ein erschütternder Abgrund an Menschenfeindlichkeit; es zeigt einen Menschen als Sklaven einer politischen Masse, der es – berauscht von totalem moralischem Überlegenheitsgefühl – geschafft hat, sein eigenes Gewissen schlichtweg abzuschalten. Er verzichtet auf jede Nuance von Nachdenklichkeit und bleibt in seinen Positionen total – das geht so weit, dass selbst jeder Anflug von Mitgefühl angesichts von Kopftritten gegen Menschen abgedreht werden kann.

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All diese Szenen zeigen, welches Potenzial des Wahnsinns unter einer dünnen zivilisatorischen Decke liegt – und welche Kraft die bürgerliche Gesellschaft aufwenden muss, damit sie nicht in einen Mob kippt, wie wir ihn in Erfurt erlebt haben. Dafür gibt es gerade in diesen Tagen nur ein Rezept: den Rechtsstaat. Er wird im Kern von all diesen Gewalttätern herausgefordert – auch von jenen, die uns nun auch mit einer Jagd auf unsere Mitarbeiter nach Feierabend aus Berlin vertreiben wollen. Sie wollen ihr eigenes politisches Gesetz durchsetzen. Das harte Durchgreifen der Polizei in Erfurt war das Beste, was für diese Demokratie und das Zusammenhaltsgefühl in der Gesellschaft in den vergangenen Monaten getan wurde. 

Unsere Reporter in Erfurt sind alleine geblieben gegen einen Mob in einer Trance der Gewalt. Auch das ist das Bild, das bleibt: nur wer bei sich ist, kann nachdenken, nur der Einzelne hat ein Gewissen. Und Mut gibt es nur gegen die Masse.

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22 Kommentare

  • (1/2) Jeden Sonntagmorgen bin ich gespannt auf das neue Editorial von Herr Mannhart. Der heutige Beitrag gehört für mich zu seinen besten. Er beschreibt eindringlich ein Problem, das unsere Gesellschaft seit jeher begleitet: die Neigung vieler Menschen, Meinungen, Stimmungen und vermeintlichen Wahrheiten zu folgen, anstatt sich ein eigenes Urteil zu bilden.

    Die Ereignisse in Erfurt und die Bilder der dortigen Jagdszenen machen deutlich, wie schnell sich Gruppendynamiken entwickeln können. Wo zunächst ein gemeinsames Denken entsteht, kann daraus gemeinsames Handeln werden – bis hin zur Ausgrenzung und Einschüchterung Andersdenkender. Eine freiheitliche Gesellschaft lebt jedoch davon, dass unterschiedliche Meinungen respektiert und Konflikte im Rahmen von Recht und Gesetz ausgetragen werden.

    • (2/2) Die Diskussionen der vergangenen Jahre – etwa über die Coronamaßnahmen, die Energiepolitik oder die Chatkontrolle – haben gezeigt, wie wichtig es ist, kritisches Denken zu bewahren und auch abweichende Positionen auszuhalten. Demokratische Debatten gewinnen nicht durch Gleichförmigkeit, sondern durch den offenen Austausch von Argumenten.

      Chapeau, Herr Mannhart! Ich wünsche diesem Editorial viele Leser – und vor allem die Bereitschaft, über seine Botschaft nachzudenken.

      • und?
        hat sich was geändert?
        nein!
        der immer gleiche Gaul wird von verschiedenen Seiten aufgezäumt und geritten.

        • Und immer schön weiter im ideologischen Gebetskreis …

          1
  • William Golding: „Der Herr der Fliegen“. Erschienen 1954.

    • Das zitieren dann Leute, die jenseits der Schullektüre nie etwas gelesen haben.

  • Ich finde es gut, dass dieses Bild nicht gepixelt wurde. Wer in der Öffentlichkeit Straftaten begeht, hat kein Recht auf Anonymität.

  • Warum habt ihr alle mitgemacht, war die Frage der 68er an ihre Eltern zur NS Zeit. Ihre Enkel in der gewaltbereiten Antifa sind jetzt genauso faschistisch und gewalttätig. Schon der RAF Terror zeigte, wozu diese Linkssozialisten in der Lage sind und ihre Linken Anhänger bei den Morden Beifall klatschten.

    • Genauso, Juerge! Die Zeit ist eine andere, aber wieder passiert es so wie damals.

    • Und die Opas bilden sich ein, sie hätten mit der Gewalt der Enkel nix zu tun.

      Übrigens: „Wenn alle auf einen einschlagen, werden sie schon recht haben.“
      Die verbale Variante dieser Weisheit kann man übrigens hier tagtäglich im Kommentarbereich beobachten. Daher kann man bei Euch nur froh sein, dass Ihr dank Rollator nicht weit kommt. Aber sonst seid Ihr der gleiche … wie die Antifa, die Ihr so verachtet.

  • Die gesetzlosen Desperados, auch Antifa genannt, sind eine Gefahr für freie Gesellschaften. Von der linken Ideologie zerfressen und in den Hochschulen instrumentalisiert, sind diese rücksichtslosen Gesellen sogar zu äußerster Gewalt bereit. In den USA hat man dies erkannt und geht nun unter Donald Trump gegen sie vor. In unserem Land werden sie noch mit Steuergeldern gepäppelt. Der Staat bezahlt Terroristen zum „Kampf“ gegen Andersdenkende und die Opposition. Und das unter einem Unions-Kanzler. Der Zweck heiligt die Mittel. Ein gefährliches Spiel auch und gerade für den Staat. Die Unterwanderung hat schon begonnen. Zeit für den politischen Wandel, bevor es zu spät ist.

  • „Der Charakter eines Bürgers, wie ihn eine liberale Gesellschaft braucht, definiert sich aus seiner Fähigkeit, sich der Masse zu verweigern, ihrem Sog zu widerstehen und auf einem eigenen Urteil zu beharren.“

    „Charakter“ und „eigenes Urteil“ kann ich tatsächlich kaum noch entdecken im alltäglichen Leben.
    Traurig aber wahr

  • „Sie haben Hass. Wir haben Haltung“ – was Luisa Neubauer da behauptet, nennt die Psychoanalyse Projektion. In Wirklichkeit hatte der Mob der Kopftreter Hass und keine Haltung. Neubauer schiebt ihren eigenen Charaktermangel uns in die Schuhe. Typisch linksgrün. Typisch totalitär.

    • BSW ist nicht anders als die Linke, die weitüberschätzte Wagenknecht ist auch nur ein Kind des Kommunismus.

  • Ist das Thema nach zwei Wochen nicht endlich ausgereizt? Jedes Mal schlägt mir seither ein Mimimi entgegen, wenn ich diese Seite öffnen.

  • Die windigen „Künstler“ der Musikbranche sollten mal die Politik weglassen, denn davon verstehen die nun wirklich nichts, biedern sich aber auf beschämende Weise dem System an. Über Luisa Neubauer muss man nichts schreiben, die ist ganz einfach nur hohl und hat nichts vorzuweisen.

  • Der Fascchismus hat weiterhin einen Namen ANTIFA und LINKS, der Ursprung der Nazis

  • AN kann die Welt nicht von den Linken befreien.Deshalb solltet ihr euch von diesen kaputten Kreaturen fernhalten.
    Heldenhaftigkeit ist da fehl am Platz und wer die Gefahr unterschätzt kommt darin um.
    Wofür?????
    Es reicht jetzt wirklich mit der Gebetsmühle.
    Noch zu wenige Spender?

    • Da ist es wohl jemandem unangenehm, dass über den Mordversuch durch Linksterroristen berichtet wird.

    • Und Sie toben sich hier unangenehm aus, ohne zu zahlen!
      Aber so sind Linke!

      • „Eine Masse kennt keine Verantwortung und keine Skepsis, sie ist angesteckt und gleichgeschaltet, gesteuert von plumpen, extremen Gefühlen. […]
        Der Charakter eines Bürgers, wie ihn eine liberale Gesellschaft braucht, definiert sich aus seiner Fähigkeit, sich der Masse zu verweigern, ihrem Sog zu widerstehen und auf einem eigenen Urteil zu beharren.“

        Dazu gehört, dass man nicht von vornherein kategorisiert („Aber so sind Linke!“), sondern sich sachargumentorientiert äußert.
        Was sagen Sie also inhaltlich zur Gebetsmühle?

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