Trotz Plagiatsaffäre
Mario Voigt bleibt Teil des „Professoriums“: Privathochschule schmückt sich mit Politikern
Die private Quadriga Hochschule in Berlin vergibt Professorentitel an CDU-Politiker – und schmückt sich mit diesen, auch wenn sie längst nicht mehr unterrichten. Der in einer Plagiatsaffäre steckende Ministerpräsident Mario Voigt ist kein Einzelfall.
Als staatlich anerkannte Privathochschule darf die von zwei PR-Unternehmern gegründete Quadriga Hochschule Berlin Professorentitel verleihen – und tut dies auch gern. 2017 profitierte davon Mario Voigt. Er bekam einen Teilzeitjob als „Professor für Digitale Transformation und Politik“. Hauptberuflich blieb er CDU-Landtagsabgeordneter in Thüringen und hatte trotz seiner Professur in Berlin noch genug Zeit, sich um seine politische Karriere in Erfurt zu kümmern. Denn er brachte es dort bis zum Ministerpräsidenten.
Voigts akademische Karriere hat durch die Entscheidung der Technischen Universität Chemnitz, ihm wegen Plagiaten in seiner Dissertation den Doktortitel abzuerkennen, einen Dämpfer erlitten. Ob diese wissenschaftlichen Fehler ihn, wie in ähnlichen Fällen von Annette Schavan bis Karl-Theodor zu Guttenberg, auch sein politisches Amt kosten werden, bleibt abzuwarten.
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Die Quadriga Hochschule hat am Tag nach Bekanntwerden des Titelentzugs auf ihren Internetseiten das „Prof. Dr.“ vor Voigts Namen entfernt. Er taucht jedoch weiter auf der Seite „Professorium“ in einer Porträtgalerie mit dem Titel „Unsere Professoren“ auf. Davon, dass er seit seinem Amtsantritt als Ministerpräsident beurlaubt ist, erfährt man erst, wenn man auf sein Profil klickt. Doch diese nicht ganz unwichtige Angabe wurde dort erst vor wenigen Tagen im Zuge der Plagiatsaffäre ergänzt.
Unter den 16 aufgeführten Professoren der Privathochschule taucht eine weitere CDU-Politikerin auf: Kristina Sinemus. Sie „ist Professorin für Public Affairs & politische Kommunikation an der Quadriga Hochschule Berlin“, heißt es auf ihrer Profilseite der Hochschule. „Im Januar 2019 wurde sie als erste Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung in das Kabinett MP Bouffier berufen, baute das Ministerium auf und leitet seitdem das deutschlandweit erste Ministerium dieser Art. Im Kabinett MP Boris Rhein führt Sie seit 2024 das Amt als Ministerin für Digitalisierung und Innovation fort und ist damit Deutschlands Dienstälteste Digitalministerin.“
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Wie Mario Voigt verdankt Sinemus ihren Professorentitel dem Job an der Quadriga Hochschule. Wie er führte sie ihn auch nach Antritt ihres Regierungsamtes weiter. Und wie bei ihm fehlte bis vor wenigen Tagen auf den Internetseiten der Quadriga Hochschule der wichtige Hinweis darauf, dass ihre Professur derzeit ruht.
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Laut offiziellen Angaben des Wissenschaftsrats, der bei der staatlichen Anerkennung privater Hochschulen eine entscheidende Rolle spielt, waren an der 2009 erstmals anerkannten Quadriga Hochschule zuletzt 13 Professoren im Umfang von 8,25 Vollzeitstellen beschäftigt. Diese Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2019; neuere sind noch nicht veröffentlicht. 109 Studenten waren damals eingeschrieben. „Die Anforderung, dass mehr als die Hälfte der den akademischen Kern bildenden Professuren von Vollzeitkräften besetzt sein soll, wird derzeit knapp erfüllt“, attestierte der Wissenschaftsrat in seiner 2020 abgegebenen Stellungnahme und forderte, mehr Vollzeitprofessoren einzustellen.
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Vollzeitprofessor war Mario Voigt nie, sondern er war an der Quadriga Hochschule stets in Teilzeit tätig. Laut der vom Thüringer Landtag veröffentlichten Angaben zu Nebentätigkeiten von Abgeordneten lag sein zu versteuerndes Einkommen als „Professor für Digitale Transformation und Politik“ zwischen 1.000 und 3.500 Euro im Monat.
„Während seiner Tätigkeit an der Hochschule war er ein von den Studierenden geschätzter und bestens bewerteter Hochschullehrer“, schreibt die Quadriga Hochschule in ihrem aktuellen Statement zum Doktortitelentzug. „Er hat mit uns abgestimmt, dass er seine Titel vorerst nicht trägt.“ Eine Apollo-News-Anfrage zu Voigts Tätigkeit – wir wollten unter anderem wissen, welche Lehrveranstaltungen er angeboten hat – ließ die Berliner Privathochschule bislang unbeantwortet.
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Huch, einem Menschen mit einem solchen Blick möchte man nicht nachts im Mondschein begegnen…
der würde einem hungernden Wolf noch das Mettbrötchen entreißen…
Mit dem kann man sich schmücken? Das sagt eine Menge über die Universität aus!
ja, um sp ein „Institiut“ mache ich einen sehr großen Bogen!
Dies war auch mein Gedanke. Aber vielleicht erhält man ja auch Fördergelder, auf die man nicht verzichten kann, sonst könnte das Institut einpacken.
Orden im Sozialismus .
Jeder mit klarem Menschenverstand versteht diese Kennzeichnung !
Heute werden Betrüger im besten Deutschland aller Zeiten belohnt.
Wofür rackern sich die Studis ab, wenn sie sehen, dass nicht Leistung, sondern Vitamin B an der Hochschule zählen? Was sind ihre akademisch erworbenen Titel denn noch Wert? Und warum darf da eine Lehrperson lehren, welche die Voraussetzungen für ihren Posten nicht erfüllt; mehr noch: diese ergaunert hat?
Ein Herr Hadmut Dxxisch.de weiß einiges zu dem Thema zu sagen. Also, über den Wert, den akademische Titel heutzutage überhaupt noch haben….
Es ist alles nicht mehr zu fassen. Eine staatlich anerkannte Privathochschule verleiht also Professorentitel an Personen wie Voigt, die nicht für Redlichkeit und Ehrlichkeit bei Doktorarbeiten und eigenem Fachwissen stehen. Nicht mal eine Rüge oder Abmahnung ist erfolgt. Stattdessen bleibt er auch noch Teil des „Professoriums“. Ab sofort kann jeder den Doktortitel tragen und sich an staatlichen Privathochschulen den Professortitel verleihen lassen. Die CDU ist die Partei der Täuscher und Betrüger
Schmarotzer aller Orten…
Uni = Leeranstalt. Hat fertig.
Berlin mehr ist nicht mehr dazu zu sagen.
Abschlüsse von Privatuniversitäten sollten wieso nicht anerkannt werden besonders bei solchen Leerkräften.
Akademischer Fortschritt: Privat-Uni etabliert Professur für „Postfaktische Wissenschaftspflege“
Sensation an der Berliner Elite-Hochschule: Trotz der lästigen Kleinigkeit eines aberkannten Doktor-Titels bleibt Mario Voigt fest im Sattel seines Professoriums. Experten sprechen von einer wissenschaftlichen Revolution. „Wer braucht schon einen Beleg für wissenschaftliches Arbeiten, wenn er ein Parteibuch und ein gewinnendes Lächeln hat?“, erklärt ein Sprecher der Hochschule, während er eilig neue Briefköpfe ohne das lästige „Dr.“ druckt. Voigt beweise eindrucksvoll, dass man in der modernen Politik Karriere und Lehre völlig losgelöst von profanen Dingen wie „Nachweisen“ oder „Leistung“ betreiben kann. Die Studenten sind begeistert: Im neuen Modul „Karriereplanung durch Aussitzen“ lernen sie direkt vom Meister, wie man sich auch ohne Fundament ganz oben einmauert.
Der Titel „Putschist“ wäre treffender!