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Lüftschlösser aus Schulden: Wie der Rechnungshof die Finanzplanung des Bundes zerlegt

Wie tief steckt Deutschland bereits in der Schuldenspirale? Der Bundesrechnungshof warnt vor den Folgen der ausufernden Haushaltspolitik. Die Bundesregierung setzt die Kreditwürdigkeit des Landes aufs Spiel – mit fatalen Folgen für ganz Europa.

Die Pläne von Finanzminister Klingbeil und Bundeskanzler Merz sorgen beim Bundesrechnungshof für Kritik (IMAGO/)

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Vor fast fünf Jahren endete ein Bullenmarkt bei Staatsanleihen, der rund 40 Jahre lang angehalten hatte. In dieser Zeit konnten sich große Staaten wie die USA, Japan und Großbritannien sowie die Länder der Europäischen Union problemlos Geld leihen. Die Aufnahme neuer Schulden war für sie daher lange Zeit eine reine Formsache.

Käufer fanden sich stets, und auch die zwischenzeitliche Unterbrechung durch die Finanzmarktkrise änderte nichts an der grundsätzlichen Schuldenorientierung der Politik: Ob Wohlfahrtsstaat oder grüne Transformationsfantasien – mit der staatlichen Schuldenpumpe ließ sich beinahe jede politische Kuriosität finanzieren.

Es ist reine Finanzmagie: Seit dem Zinsschock durch den amerikanischen Notenbankchef Paul Volcker im Jahr 1981 fielen die Zinsen. Die Inflation, die unmittelbaren Kosten einer großzügigen Schuldenaufnahme, verteilte sich auf die Bevölkerung. Für die Staaten und ihr Bedürfnis nach weiteren Schulden war dies lange Zeit kein Problem.

Doch seit 2021 steigen die Anleihezinsen wieder deutlich an, auch bei uns in Deutschland. Derzeit liegen die Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen bei etwa 3,4 Prozent, während die offizielle Staatsverschuldung bis zum Ende der Legislaturperiode wohl die Marke von 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) überschreiten wird.

Inflationsbereinigt liegen die Renditen damit hauchdünn über der Nullmarke. Tatsächlich positive Realzinsen verträgt der überdehnte Staatsapparat jedoch nicht mehr. Auch die Wirtschaft ist durch die langen Jahre der Nullzinspolitik in weiten Teilen so stark „zombifiziert“ – also nur noch durch billige Kredite künstlich am Leben gehalten – dass ein weiterer Zinsanstieg die betroffenen Unternehmen zum Kollaps bringen könnte.

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Hat die Schuldenschwemme der Corona-Lockdown-Zeit dem Anleihemarkt möglicherweise das Genick gebrochen? Wahrscheinlich. Deutschland wird in diesem Jahr weitere 5,3 Prozent an neuen Schulden benötigen, um seinen ambitionierten Staatszielen nachzugehen. Kalkuliert man die kommunalen Schulden, das Sondervermögen und das Defizit der Sozialkassen mit ein, wird diese Zahl im kommenden Jahr auf mindestens 5,7 Prozent ansteigen. Grund genug für massive Kritik durch den Bundesrechnungshof.

Die Rechnungsprüfer beziffern die Deckungslücke des Bundes für das kommende Jahr auf 160,7 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019, so die Ökonomen, habe sich diese Zahl damit mehr als verfünffacht. Ein fiskalpolitisches Desaster, das Friedrich Merz mit seinem Schuldenminister Lars Klingbeil zu verantworten hat.

Die Mathematik der Rechnungsprüfer scheint optimistisch: Bereits in der ersten Jahreshälfte betrug die Schuldenaufnahme des Gesamtstaates 100 Milliarden Euro. Besagter Wert käme wohl nur zustande, wenn in den kommenden Monaten ein Wunder geschieht.

Bis 2030 sieht es noch trüber aus. Bis dahin wird sich der Kalkulation zufolge eine weitere Finanzierungslücke von 106 Milliarden Euro ergeben haben. Das sind Schulden, die zur bereits eingeplanten Neuverschuldung hinzukommen, da man in Berlin großzügig rechnet und unrealistische Annahmen hinsichtlich des Wirtschaftswachstums und des sich daraus ergebenden Steueraufkommens als Kalkulationsgrundlage wählt.

Lars Klingbeil mimt den Berufsoptimisten: Dass das Gewerbesteuer- und Körperschaftsteueraufkommen, die klassischen Konjunkturabgaben also, bereits einen negativen Trend aufweisen, bringt Klingbeil hiervon nicht ab. Neue Steuern sollen die Lücken schließen: von Alkohol-, Zucker- und Tabakabgaben bis hin zum Steuersatz für „Superreiche“ und zum Ende von Erbschaftsteuerausnahmen – alles wird dafür getan, um bloß den Reformdruck von der Politik zu nehmen.

Doch lässt sich auch der Kapitalmarkt von diesem Trick der Bundesregierung beeindrucken? Investoren haben ein feines Gespür dafür, wenn plumpe Schuldenaufnahmen medientauglich umetikettiert werden sollen. Deutschlands alternde Bevölkerung, seine gescheiterte Migrationspolitik, die leichtfertige Deindustrialisierung des Landes und seine katastrophale Energiepolitik sprechen gegen sein noch immer unangefochtenes Triple-A-Rating. 

Wer etwas weiter vorausblickt, sieht bereits zahlreiche Eisberge am Horizont. Und er sieht ein Staatsschiff, dessen von sich selbst überzeugte Crew, angetrieben von der Illusion einer grünen Staatswirtschaft, noch mehr Kohlen in die Kessel schaufelt und vollkommen unbeeindruckt und ohne jedes Zögern selbstbewusst auf die Eisberge zuhält.

Aus der Schuldenspirale leitet der Bundesrechnungshof eine ökonomische Binsenweisheit ab: Mit den steigenden Zinsen verteuert sich, je nach Fristigkeit der Schulden, Zug um Zug auch der Schuldendienst des Staates. Die wachsende Zinslast, die im laufenden Jahr rund 30,3 Milliarden Euro beträgt und bis zum Ende der Legislaturperiode 2029 nach aktueller Finanzplanung auf 68,1 Milliarden Euro anwachsen könnte, droht andere Ausgaben zu verdrängen.

Der Stabilitätsrat erwartet für 2030 eine gesamtstaatliche Schuldenquote von 78,25 Prozent des BIP. Versteckte Schulden wie die Sondervermögen schieben diese Quote auf wenigstens 90 Prozent. Bei einem konservativ angesetzten Zinssatz von 4 Prozent für zehnjährige Anleihen ergäbe sich dann eine Zinslast von 150 bis 160 Milliarden Euro im Jahr – das wäre der Schlusspunkt unter der Schuldenorgie. 

Eine wilde Spekulation, doch ist sie so unrealistisch? Niemand bremst mehr die Neuverschuldung. Und käme es zu diesem Szenario, ginge es ans Eingemachte, und ein Umverteilungskampf könnte entbrennen, der dieses Land schwer erschüttern würde.

Die Politik ist an das süße Gift der billigen Schulden gewöhnt: Gibt es ein Problem, wird es mit neuem Kredit zugedeckt. Dass dies die Privatwirtschaft schwer belastet und Abgaben wie auch die Inflation immer weiter befeuert, spielt keine Rolle. Nach wenigen Jahren winkt für die Berufspolitiker der Füllhornbrigade bereits die Luxuspension.

Deutschlands Schuldenspirale wird auch bei 90 Prozent nicht zum Halten kommen. Dieser Zug ist abgefahren. Mit steigenden Schulden ziehen auch die Zinsen am Anleihenmarkt weiter an. Für Deutschland wäre das Vier-Prozent-Szenario ein traumhafter Best Case, da sich bis zum Ende der Dekade im Süden Europas neue Schuldenherde entzünden werden, die zu einer neuen Euro-Schuldenkrise führen werden.

Dann wird auch der Anleihenmarkt den Daumen über Deutschlands Schuldengebilde senken. Es werden anonyme Investoren sein, die politische Experimente wie den Green Deal und die unbegrenzte Migration von einem auf den anderen Tag beenden. Alles deutet darauf hin, dass ein solches klärendes Gewitter nicht mehr zu vermeiden ist. Danach wäre es an der Zeit, sich neu zu besinnen und etwas Neues zu erschaffen.

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26 Kommentare

  • Gelungener Kommentar. Problem: Wie viele Mitglieder der Bundesregierung verstehen diese Zusammenhänge?

    • Wenn man sich die Redebeiträge im BT anschaut…fast niemand!
      —
      Alter Spruch – Seit 1911
      „Deutschland wird zahlen“
      Wer viel Zeit hat, ges. Video ist sehr aktuell, od. reinschnuppern
      https://www.youtube.com/watch?v=B3-HM6ut-xU&t=1877s 1 Std.

    • Man muss sie sich nur anschauen, dann ist alles klar. In der freien Wirtschaft wäre die unvermittelbar und würde in der Grundsicherung landen. Das wissen sie auch, deshalb kleben sie auch so an ihren Posten.

      • Jup, besonders Panik-Weidel tut sich mit Zahlen immer etwas schwer 😀

  • Deutschland war bisher der EU-Stabilitätsanker, den Merz/Klingbeil nun gekappt haben. Gleichzeitig kippt Frankreich. Die EU treibt nun, von Traumtänzerinnen gesteuert in stürmischer See. Da sollten wir schauen, dass wir in die Rettungsboote kommen.

  • Hinter der Kriegstüchtigkeit erscheint die Vernunft in Form der Kriegsunfähigkeit.
    Gott sei Dank! Noch-Kanzler Merzel wird versuchen, noch mehr Schaden anzurichten. All das, ganz zum Wohle des Deutschen Volkes.

  • Die Staats-Zinsen an die Banken sollen wohl für günstige Unternehmer-Kredite sorgen, die damit die Konjunktur ankurbeln, oder?

  • Der Finanzdruck der Kommunen ist heute schon ernst. Insbesondere die kreisfreien Städte wissen nicht mehr, wie die vom Bund geschaffenen Leistungen finanziert werden sollen. Während das Defizit in den Kassen leicht den Versicherten anzulasten ust, müsste der Bund die Zahlungen an die Selbstverwaltungsträger entrichten, was er nicht tut, weil er selbst bis an zur Halskrause im Wasser steht.

    Es gibt keinen Ausweg ohne Schmerzen mehr. Zuerst wird es die 3,6 Millionen Grundsicherungsempfänger treffen. Sie sind arbeitsfähig und erhalten ein bedingungsloses Grundeinkommen. Für Wirtschaftsflüchtlinge wird es nur Brot, Bett und Seife geben. Und dennoch fehlen dann immer noch geschätzt 70 Mrd. Euro für einen ausgeglichenen Bundeshaushalt.

    Die nächste Bundesregierung wird die härtesten Einschnitte seit Bestehen der Bundesrepublik veranlassen müssen! Game isch over!

  • Die linken feiern diese beiden Hanseln auf dem Bild.
    Nie gabs mehr Geld für unbrauchbare Gestalten wie heute.
    Die könnte man nicht mal in Gaza einsetzen und den Boden zu wässern.
    Aber die Deutschen wolle es so.

    • Du denkst dir völligen Blödsinn aus und machst dann basierend darauf das Deutsche Volk schlecht.

      Hätten wir jemals eine rechtsradikale Regierung in Deutschland, dann würdet ihr ganz schnell für eure antideutschen, volksschädigenden Vergehen gegen das Vaterland kassiert werden. Du solltest daher „diesen beiden Hanseln“ auf den Knien danken, dass sie es so gut mit dir meinen und dich Luft saugen lassen.

      -17
      • Ich habs nun 2x gelesen, aber ich habe noch immer nicht verstanden. Was möchtest du mitteilen?
        Versuchs nochmals. Danke!

        • Ich gebe dir Recht, auch Ich kann mit diesem Kommentar nichts anfangen, aber bei diesen Typen kein Wunder, die nicht einmal das Grundschulniveau.

          8
  • Die Verkürzung der Restschuldbefreiung bei Privatinsolvenuen auf nur noch 3 Jahre war schon ein massiver Fehler, dadurch entgehen auch der deutschen Wirtschaft jährlich minimum 2 Milliarden Euro. Dieses Geschwür der Hemmungslosigkeit zieht sich auch in diese Kreise wenn ich seit Jahren diese Schulden sehe.

  • Wohlfahrtsstaat oder grüne Transformationsfantasien… wo der Autor das wohl in den USA sieht? Weiter gelesen habe ich nicht, wer so Buzzwords verwendet ist nicht lesenswert.

  • Die deutsche Aversion, geradezu Neurose, vor Schulden, macht sie unfähig für die Finanzmärkte des 21. Jahrhunderts. In den USA werden ständig Schulden gemacht und dann erst finanziert. Die großen Vorbilder, die man hier anpreist, wie Elon Musk und Donald Trump, sind genau so zu ihrem Vermögen gekommen. Durch Verschuldung. Schulden machen um alte Schulden abzubezahlen. Niemand bunkert Bargeld in seiner Matratze.

    -18
    • Ich möchte aber nicht für Idioten, wie dich, Steuern bezahlen.
      Zu hoch für dich?

      • Es ist offensichtlich zu hoch für dich zu begreifen das niemanden juckt was du willst. Es interessiert niemanden wofür und wofür nicht du Steuern bezahlen willst. Steuern sind keine freiwillige Spende. Steuern zahlen ist das wofür du gerade noch gut bist. Allzu produktiv scheinst du ja nicht zu sein, wenn du um 15:45 so einen jämmerlichen Stuss ins Internet schreiben kannst, anstatt deiner Arbeit nachzugehen.

        -15
        • Ich habe um 5 Uhr meine Schicht im Spital begonnen um deinen Müll zu finanzieren.
          Es reicht mit deinen Beleidigungen, du kranker Asi.

          11
        • Allzu produktiv scheinst du ja nicht zu sein, wenn du um 15:48 so einen jämmerlichen Stuss ins Internet schreiben kannst, anstatt deiner Arbeit nachzugehen.
          Diese Ermahnung an andere, einer Arbeit nachzugehen, statt sich an der öffentlichen Angelegenheiten zu beteiligen, kenne ich seit langem von der „Antifa“, denn die leben grundsätzlich von Stütze. Dieser Maximal-blöd scheint so etwas wie die unterste Schwundstufe in der „Antifa“-Hierarchie zu sein.

          8
    • Dein Inflationsgeld kannst behalten!

    • Dann agierst du so wie der Staat, nehme ich an und gibst erst mal dein monatlich zur Verfügung stehendes Geld an Freunde, Nachbarn und Fremde und wenn du merkst, dass für dich nichts mehr übrig ist, gehst du zur Bank und holst dir einfach Geld, machst Schulden, denn DEIN Geldhaben ja die Anderen, oder?
      Ziemlich dumm würd ich sagen und hoffentlich hast du keine Kinder!

      • Keine Bank gibt dem Kredit, der lebt von Stütze, von unserer Arbeit.

        • Der macht das auch nicht so wie der Staat, weil das NIEMAND so macht.
          Im Kleinen ist das „Meine Familie zuerst“ völlig legitim, nur sobald man das aufs Große überträgt und „Unser Land zuerst“ fordert, ist es ganz schlimm!

          4
      • Der Asi lebt a) vom Daddy, b) von Stütze, oder c) von Versorgungskassen.
        Ich denke a) plus b) – gearbeitet hat der in seinem ganzen bemitleidenswerten Leben noch nicht, und wird es auch nie. Also ein „vollwertiges“ Mitglied der Gesellschaft und wegen seinem Mangel muss er über andere herfallen.

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