Kinder des Abendlands
Marco Rubio hält in München eine Rede mit einer einfachen und phänomenalen Botschaft: Das Abendland ist unteilbar, es wird nicht vereint durch Politiker, sondern durch die Geschichte. Nur wer den kulturellen Wert des Westens nicht erkennen kann, kann das Verleugnen.
„Wir werden immer ein Kind Europas sein“, sagt Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Die alte und die neue Welt würden „den tiefsten Bund teilen, den es zwischen Nationen geben kann“, und müssten zusammenfinden, um unsere „stolze Zivilisation wiederaufzubauen“.
Für viele deutsche Kommentatoren ist es eine zweischneidige Rede – positiv wird gerade noch das Bekenntnis zum transatlantischen Bündnis gesehen. Schwer verständlich ist für viele Rubios Geschichtsverständnis. Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, Sara Nanni, vergleicht die Rede mit dem Nationalsozialismus, Rubio habe „Blood-and-honor Gaslightening“ als Rede erfunden.
Werbung
Als Friedrich Merz vor einigen Monaten vom Ende des „normativen Westens“ sprach, zeigte sich, dass er und so viele in Deutschland den Westen nur noch als realpolitisches Konstrukt ansehen, als etwas Notwendiges und Praktisches, das aber so schwach ist, dass einzelne Politiker es zerstören könnten. Dabei hängt die Bindung zwischen den westlichen Nationen weitaus weniger an der NATO oder der EU – wesentlich bedeutender für die europäisch-amerikanische Verbundenheit als Obama, Trump oder selbst Kennedy sind Augustus, Petrus, die Agora und der Gesellschaftsvertrag.
Die Antwort des deutschen Konservatismus auf den Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus war einmmal der Abendland-Begriff. Ein Wort, das uns darauf hinweist, dass uns mehr eint als nur die Tagespolitik und ihre Interessen. Unsere gemeinsamen Wurzeln reichen zurück ins Römische Imperium, zur griechischen Philosophie und zur jüdischen Moral – und ihrer wundersamen Verschmelzung, dem Christentum.
Der berühmte amerikanische Freiheitsgeist ist weniger ein Ergebnis von Cowboys und wilden Prärien als von radikal-christlichen Ideen und der Fort- und Umsetzung britischer Errungenschaften – die Revolutionäre kämpften regelrecht unter dem Schlagwort „englische Freiheiten“. Das Erste, was dem konservativen Flügel dieser Revolution auffiel, war ihre, allen Hass und alle Vorurteile des Krieges überschattende, Bewunderung des britischen Weltreichs.
Werbung
Wer den normativen Westen bestreitet, der bestreitet nicht nur die Einzigartigkeit des abendländischen Erbes – der richtet sich gegen den Wert der Geschichte an sich. Der Begriff des Abendlands ist eine existenzielle Botschaft, die uns sagt, dass es nicht egal ist, was Menschen denken – und dass Ideen tatsächlich die Welt verändern.
Es war eine regelrecht apokalyptische Zeit des osmanischen Vormarsches nach Europa, in der die Reformation entstand. Sie verkündete die radikale Botschaft, dass so etwas existiert wie ein Individuum, bis zum Letzten verantwortlich für sich selbst, mit der Pflicht zur eigenen Auseinandersetzung mit der Welt. Es war ein bettelarmes, hungerleidendes Europa, in dem die Ideen der Aufklärung florierten und sich erstmals eine rechtsstaatliche Ordnung herausbildete, die das Eigentum schützt – daraus erst folgte die Industrialisierung und der Aufstieg von Millionen aus der Armut. Ohne die kulturelle und gedankliche Leistung europäischer Generationen wäre die Agrargesellschaft niemals und nirgendwo überwunden worden. Es ist der Glaube an den Wert dieser abendländischen Kultur in all ihren nationalen Facetten, von Kant bis Voltaire, von Locke bis Hamilton, der die sinnstiftende Idee des Konservatismus ist.
Lesen Sie auch:
Henna Virkkunnen
„Hacking Back“: EU-Kommission erwägt erstmals Gegenschläge bei Cyberangriffen
Wenn es nach der Vorstellung von EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen geht, soll Europa bei Cyberangriffen zukünftig Gegenschläge in Erwägung ziehen. Das sogenannte „Hacking Back“ wurde bisher vor allem aufgrund der Angst vor einer Eskalation abgelehnt.Mehr Elektroautos
Grüner Stahl aus Europa: Umweltminister Schneider fordert mehr „Standort-Patriotismus“ von deutschen Autoherstellern
Umweltminister Carsten Schneider fordert die deutschen Autohersteller zu mehr „Standort-Patriotismus“ auf. Sie sollen grünen Stahl aus der EU verwenden. Mit dieser Haltung befindet er sich ganz auf EU-Linie.Marco Rubio hat es in einfachen Worten auf den Punkt gebracht: Die Existenz des Westens ist keine Frage der Tagespolitik. Die westliche Zivilisation ist der größte Schatz, den diese Welt uns bietet, und ihre Völker und Nationen leben, ob sie wollen oder nicht, in einer unzertrennbaren Schicksalsgemeinschaft.
Freund werden
Freund von Apollo News werden