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Jetzt belehren sogar die Griechen die Schuldenkönige Merz und Klingbeil in Sachen Haushalt

Griechenlands Finanzminister Kyriakos Pierrakakis erteilt dem Schuldenduo Merz und Klingbeil eine fiskalpolitische Lehrstunde. Ausgerechnet der einstige Schuldensünder Griechenland ruft die Bedeutung von Sekundärtugenden in der Haushaltspolitik in Erinnerung.

IMAGO/Andreas Gora

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Der eine oder andere mag noch die Bilder der großen Schuldenkrise vor anderthalb Jahrzehnten vor Augen haben: Deutsche Politiker, angeführt vom damaligen Finanzminister Wolfgang Schäuble, reisten in regelmäßigen Abständen nach Athen, um dort nach dem Rechten zu sehen. „Schuldensünder“ Griechenland war auf die schiefe Bahn geraten, hatte sich zu hoch verschuldet und wurde kurzerhand zum Sündenbock der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise erkoren. Das war einfach – lenkte es doch ab von den eigenen Versäumnissen.

Rache ist süß. Sie schmeckt umso süßer, je länger man auf ihr Erscheinen warten musste und je tiefer der Schmerz der vorausgegangenen Demütigung saß.

Dass ganz offensichtlich bei manchem noch eine Rechnung offen war, ließ Griechenlands Finanzminister Kyriakos Pierrakakis am Montag im Handelsblatt-Interview durchblicken. Als das Gespräch auf die Schuldenfrage hinlenkte, bemerkte Pierrakakis, der zugleich Vorsitzender der Eurogruppe ist, dass Reformen in der Haushaltspolitik anfangs vielleicht schmerzhaft seien, sich aber politisch und wirtschaftlich langfristig auszahlten.

Recht hat der Mann. Und in Berlin sollte man auf ihn hören, da der Schuldenclub um Friedrich Merz sehenden Auges mit einer Neuverschuldung von über fünf Prozent im kommenden Jahr den Haushalt gegen die Wand fahren wird.

Es klingt tatsächlich nach einer offenen Rechnung, wenn der Grieche großzügig und mit blumigen Worten Deutschlands wirtschaftliches Potenzial lobt und zugleich bemerkt, das Land sei aber nicht unantastbar: „Deutschland ist die industrielle Lokomotive Europas“ – Pierrakakis legt den Finger erbarmungslos in die Wunde. Denn es kann ihm nicht entgangen sein, wie schnell sich das Land ökonomisch zugrunde richtet, wie schnell es sich im Klimawahn deindustrialisiert und sich vom Land der Tüftler und Ingenieure zu einer Freiluftanstalt von Moralisten und Degrowth-Ideologen wandelt.

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Während Deutschland den Weg in die Zweitklassigkeit angetreten hat, wächst sich Griechenland schrittweise aus seiner Dauerkrise heraus. Das Problem der lokalen Ökonomie ist nach wie vor der Euro: Die Griechen benötigten eigentlich eine deutlich abgewertete Währung, um international besser bestehen zu können. Nach der Einführung des Euro und den durch den deutschen Kreditanker verbilligten Darlehenszinsen rutschte das Land in eine artifizielle Schuldenfalle – das Land der Prasser und Lebemänner, so die üble Erzählung.

Deutsche Banken und Versicherer hatten sich damals mit bis zu 45 Milliarden Euro in griechischen Anleihen engagiert – Geld, für das am Ende der deutsche Steuerzahler geradestehen musste. Verzerrte Zinsen durch die Euro-Einführung und der leistungsheterogene Euro-Schuldenclub mussten zwangsläufig zu einem solchen Desaster führen.

Und das nächste Debakel bahnt sich bereits wieder an: Die Schulden steigen allerorten, die Zinsen ziehen an. Der Anleihenmarkt reagiert mit dem Verkauf von Staatsanleihen und treibt so den Schuldendienst über steigende Zinsen in die Höhe. Waren Griechenlands Bemühungen um Sparsamkeit letzten Endes vergebens?

Dass jetzt der Moment der großen Schuldenabrechnung gekommen ist, ist eher unwahrscheinlich – es besteht noch eine Menge Spielraum, um die Staatsschuldenkrise bis zum Bersten auszureizen. Dennoch erinnert vieles an die Zeit vor 15 Jahren, als der Anleihenmarkt ähnlich reagierte und sich die Immobilienkrise in den USA über den Marktmechanismus auf die fragilen europäischen Staatsanleihen übertrug. Griechenland als kleinste Ökonomie der EU mit den höchsten Staatsschulden traf es damals als Erstes, bevor die Dominosteine fielen.

Schäubles griechischer Konterpart jener Zeit hieß Giannis Varoufakis: ein intellektueller, überzeugter Sozialist, der den Teutonen und der eingesetzten Troika aus Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und EU-Kommission Kontra gab – bis die Troika Syriza und Ministerpräsident Alexis Tsipras in die Knie gezwungen hatte.

Die Konsequenz: Austeritätspolitik. Massive Rentenkürzungen, Schließungen von Krankenhäusern – das Eindampfen des Sozialstaats. Die Griechen erlebten ihr sozialpolitisches Waterloo und schafften es seither, ihre Staatsschuldenquote vom Höhepunkt der Krise von etwa 180 Prozent auf 146 Prozent zu senken.

Chapeau! Den Griechen gebührt angesichts der laxen Haushaltspolitik ihrer europäischen Nachbarn jeder Respekt – sei es in Italien, Deutschland, Frankreich oder Spanien. Athen hält Kurs, wählt konservativ und quält sich durch diese schmerzhafte Anpassungsperiode.

Im Handelsblatt-Interview gibt sich Pierrakakis als fiskalpolitischer Hobbyphilosoph: Die Kosten des Nichtstuns seien für alle letztlich höher als die Kosten von Reformen. Die Lehre hat einen wahren Kern. Sie wird aber nicht dazu beitragen, dass sich die deutsche Regierungskoalition auch nur einen Millimeter auf den täglich wachsenden Berg notwendiger Reformen zubewegt.

Denn die Konsolidierung des in diesem Jahr mit 180 Milliarden Euro defizitären Chaos-Haushalts würde entsprechende Ausgabenkürzungen erfordern. Steuererhöhungen würgen die Wirtschaft ab – man müsste die Soziallasten für Ausländer reduzieren, die Entwicklungshilfe beenden, eine Sozialstaatsreform einleiten und sich ernsthafte Gedanken darüber machen, wie es mit dem Ukrainekrieg und der damit einhergehenden Aufrüstung weitergehen soll.

Den Deutschen steht der Austeritätsschmerz erst noch bevor. Ob dieser Schmerz über den Anleihenmarkt herbeigeführt wird oder durch harte Einschnitte einer Reformregierung, spielt letztlich keine Rolle. Pierrakakis’ Bemerkung, Deutschland habe ökonomisches Potenzial, wird in ihrer ironischen Schärfe nachhallen. Denn das Land hat seine Staatsfinanzen überdehnt und lebt nun auf Kredit – wie damals die Griechen.

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21 Kommentare

  • Bald tauschen Griechenland und Deutschland die Rollen:
    Dann muss ein EU-Schutzschirm Deutschland retten, und Griechenland ist Geberland

  • Wir sind inzwischen die größte Lachnummer in Europa….

  • Das Ende ist noch nicht erreicht. Sie haben einen Auftrag…
    Ihr werdet nichts besitzen, aber glücklich sein (Klaus Schwab)

  • SAntifaKlingbeil, der Vorsitzende der Linksextremisten.

  • Herrlich – ausgerechnet Athen! Dass der griechische Finanzminister und Euro-Gruppen-Chef Kyriakos Pierrakakis der deutschen Bundesrepublik eine Lehrstunde erteilt, ist bittere Realität und entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Während das Berliner Duo neue Rekordschulden anhäuft und sich in Grabenkämpfen verheddert, mahnt der einstige Pleitekandidat eisern Haushaltsdisziplin an. In Deutschland wird nicht gespart, hier wird auf Pump gelebt. Griechenland hat seine Krise genutzt, um zu reformieren, wir dagegen haben das ehrliche Haushalten schlicht verlernt. Ein bemerkenswerter Rollentausch, der unseren Schuldenkönigen schmerzhaft den Spiegel vorhält!

  • Klingbeil eine weitere Abrissbirne Deutschlands.

  • Auch hier wurde dank den Griechen gezeigt, dass es geht wenn man nur will. Soll nur jeder auch im Ausland wissen, wer diese Politiker der Altparteien sind, dass da keine ruhige Minute auch im Ausland mehr verbracht werden kann.

  • Die Griechen mussten sich damals vom deutschen Besserwisser belehren lassen.
    Sie haben jetzt aber tatsächlich eine Besserung hinbekommen und dürfen jetzt auch den Lars belehren. Allein, helfen wird das Nichts.

  • Politik der verbrannten Erde.

  • „Jetzt belehren sogar die Griechen die Schuldenkönige Merz und Klingbeil in Sachen Haushalt“

    Und womit? Mit Recht!

  • Die Griechen haben gelernt, verstanden und ihre Hausaufgaben gemacht. Unsere Regierung ist noch weit weit weg vom lernen davor kommt nämlich die Einsicht über die Realität.
    Merz muss nicht mehr lernen oder verstehen, der wird gegangen.
    Klingbeil hält seine SPD Ideologie für Lehre und merkt nicht wie die wirkt.

    • Ah, noch so ein Wunschträumer, der statt Vorsatz Unfähigkeit unterstellt.

  • Es gibt, was den Umgang mit Geld betrifft, zwei Sorten von Menschen: Leute die geben stets mehr aus als sie einnehmen und Leute, die halten das Geld zusammen, sparen, wirtschaften und haben jeden Monat ein bißchen übrig. Irgendwann reicht das bißchen für das eigene Haus oder die eigene Wohnung.
    So, zu welcher Sorte gehören die Sozis? Die Linken? Die grünen? Herr Merz und sein Klingbeil? 16 Milliarden jährlich für eine verkrokste Energiewende, im Winter sind wir abhängig davon dass andere Atomstrom liefern und im Sommer zahlen wir dafür dass die unsere Überschüsse abnehmen. 80 000 Euro pro Funkgerät bei der Bundeswehr und das passt dann nicht überall rein.,.. von Ausgaben für mit Haftbefehl gesuchte llegale, Gender- Klima- Sozialschwätz fangen wir mal gar nicht erst an, sonst graut es mir..

    • Leider gehören sie zu keinen…

      Denn es gibt eine weitere Sorte

      Leute, die geben stets mehr aus WAS ANDERE erarbeiteten und gestohlen bekamen.

  • Mal sehen ob Griechenland den Deutschen hilft wenn wir pleite sind ? Wohl kaum

  • Das ist überhaupt keine vergleichbare Situation weil Griechenland keine Wirtschaft besitzt während deutsche Bonds am Markt immer gekauft werden.

    Apollo stellt sich wieder auf die Seite von Ausländern gegen Deutschland, weil Apollo in erster Linie ein antideutsches Portal ist.

  • Die Griechen hatten sich durch Bilanzfâlschung in die EU gemogelt.

  • Griechenland hat unter Druck der Geldgeber eine konsequent digitale Finanzverwaltung aufgebaut. So wird heute in allen(!) Geschäften jeder einzelne Umsatz direkt online an das Finanzamt gemeldet, um Umsatzsteuerbetrug zu vermeiden. Alle Mietverträge müssen über ein Webportal (TAXISnet) an die Unabhängige Behörde für öffentliche Einnahmen (AADE) gemeldet werden. Alle Sozialkassen (Kranken-, Renten-, Pflege- und Zusatzkassen) wurden zur komplett digitalisierten Einheitskasse e-EFKA zusammen geschlossen und über deren Webportal gov.gr mit dem KI-Assistenten mAigov werden sämtliche staatliche Leistungen einschließlich Sozialhilfe verwaltet, wobei die Daten aus den Meldeämtern, Finanzämtern (Gehalt, Mietvertrag) und der e-EFKA schon digital gespeichert sind.

    Diese Veränderungen wurden in den letzten 15 Jahren mit brachialer Gewalt durchgesetzt. Allein aus den berühmten Datenschutzgründen würde das in Deutschland nie eingeführt werden.

    • Sie meinen: jeder Umsatz der in die offizielle Kasse eingegeben wird…..

  • Weiß vielleicht irgendwer, ob unsere Wirtschaft schon auf Kriegswirtschaft umgestellt wurde? Man hört auch schon so einiges über Betriebe, wo bis vor kurzem noch Waschmaschinen gefertigt wurden usw. Ich meine, die Leute haben Arbeit und Lohn…

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