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Glatteis, Pinguine und Luisa Neubauer in der Antarktis

In Berlin ist Glatteis und niemand streut, währenddessen besucht Luisa Neubauer die Antarktis und Pinguine flüchten in den Tod. Was hat das alles miteinander zutun?

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Das Glatteis in unserer schönen Hauptstadt lässt gerade jeden Berliner seine innere Katharina Witt entdecken. Die Berliner SPD entdeckt derweil ihre innere Jutta Müller, die ihre Schützlinge knallhart und um jeden Preis auf dem Eis halten will. Tausalz ist was für Verlierer! Doch anders als bei Jutta Müller finden sich ihre Schützlinge nicht auf dem Olympia-Treppchen, sondern in der Unfallklinik wieder. Krücke, Gips und Halskrause sind die Accessoires der Saison. 

Nachdem unser regierender oder unregierender Bürgermeister, wie ihn mein Kollege Daniel Gräber sehr treffend beschrieben hat, ganz souverän in den sozialen Medien nach einem Einlenken in der Tausalz-Frage gebettelt hat, soll es nun dann irgendwann kommen. Heißt es zumindest in einer Pressemitteilung der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. „Gemeinsam gegen Glatteis“ hieß es darin und dass die Senatsverwaltung „zentral die Steuerung zur Bekämpfung der extremen und anhaltenden Glatteis-Situation“ übernehmen werde. All das ist diese Art von PR-Sprech, bei der hier eine sehr frische Wunde von Politikversagen aufgekratzt wird, die wohl langsam Narben hinterlassen wird. 

Nur eine Stadt wie Berlin kann so wohlstandsverwahrlost sein, dass es ihr regelmäßig an den grundlegendsten Bedürfnissen fehlt, die man so zum Leben braucht. Doch das bisschen Eis, das wir hier auf dem Ku’damm erleben, ist natürlich noch nicht der Gipfel dessen, was möglich ist. Luisa Neubauer zeigt derweil, wie Winter wirklich geht: auf dem Segelboot in der Antarktis. Für ihre Reisefreude hat sie einst den zynischen Spitznamen der Langstrecken-Luise verpasst bekommen, doch Weltreisen und Klimaaktivismus müssen sich nicht widersprechen. Jedenfalls nicht, wenn man Zugang zu einem Privatsegelboot mit Solarpanels und ausgesprochen gutem Internetempfang hat.

Solche einmaligen Erlebnisse, die nur einigen wenigen besseren Menschen vorbehalten sind – aber natürlich unter dem Deckmantel des aufopferungsvollen Einsatzes für die Menschheit –, nennt sich dann „Antarctica Scientific Expedition 2026 – Global Warning“. Denn einfach nur davon zu sprechen, dass die Polkappen schmelzen, kann ja inzwischen jeder. Wer sich heute noch abgrenzen will, muss das selbst gesehen haben. Zwar schmelzen die im Sommer immer ein wenig, erklärt Luisa, doch wenn man weiß, dass sie jetzt wegen der Klimakrise noch mehr schmelzen, ist das Ganze natürlich noch viel eindrucksvoller. 

Dass es Luisa wirklich am liebsten wäre, wenn sie eine der ganz wenigen bleiben würde, die die Antarktis mit eigenen Augen sehen dürfen, hat sie in einem ihrer vielen Instagram-Filmchen zu ihrem Trip ziemlich deutlich gemacht. Da erklärte sie als „Fun Fact“ über die touristischen Kreuzfahrtschiff-Touren, dass die Organisatoren sich absprechen würden, um sich möglichst wenig zu begegnen. Denn den Touristen soll das Gefühl vermittelt werden, „sie seien die aller einzigsten hier in dieser spektakulären antarktischen Landschaft“. 

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Da „wäre es ja richtig blöd, wenn nebenan noch drei weitere Kreuzfahrtschiffe ankern würden und man irgendwie den Eindruck bekommen würde, es würde sich zum Beispiel hier I don’t know, um Kreuzfahrt-Massentourismus in einem fragilen und schützenswerten Ökosystem handeln“. Bei dieser Wortgewandtheit wird eindeutig, weshalb sie in dieser Crew mit sonst in erster Linie Meeresforschern ausgerechnet Luisa als Social-Media-Gesicht mitgenommen haben. Dieser Marketing-Trick, den sie da aufgedeckt hat, ist natürlich nichts Besonderes. Über die Ziege im Streichelzoo heißt es auch, dass sie sonst zu niemandem so zutraulich ist. Nur seltsam, dass Luisa das so überrascht, denn eigentlich müsste ihr der alte Schuh doch bekannt vorkommen. Die extremen Winter und extremen Sommer sind doch auch jede Saison aufs Neue ganz einzigartige Ausnahmesituationen. 

Ich weiß, ich weiß, Sie interessiert eigentlich gar nicht, wo Luisa gerade ist und was sie dort macht. Allerdings halte ich ihre Antarktis-Reise für ein Puzzlestück, das im öffentlichen Diskurs gerade gefehlt hat. Nein, nicht nur, weil sie ihren Lifestyle-Aktivismus so wunderbar selbst karikieren kann. Sondern weil das die Antwort auf den faustischen Pinguin ist. Wenn Sie das Social-Media-Phänomen des faustischen Pinguins verpasst haben: keine Sorge. Wozu liest man denn Kolumnen von Generation-Z-Autoren. Dabei handelt es sich um einen Ausschnitt aus der Dokumentation „Begegnungen am Ende der Welt“ von Werner Herzog. Er fing ein, wie ein einzelner Pinguin sich von seiner Herde trennt und nicht seinen Artgenossen ins Wasser folgt, sondern in Richtung der Berge watschelt. 

Dort, so heißt es in der Dokumentation, wartet der sichere Tod auf ihn, doch würde man ihn einfangen, würde er dennoch immer wieder zu den Bergen laufen. Die Interpretationsmöglichkeiten sind endlos; die Bezeichnung des faustischen Pinguins hat sich weitestgehend durchgesetzt. Von der AfD über Trump bis hin zur Bundesregierung wurde der Pinguin als politisches Symbol aufgegriffen. 

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„Aber warum?“, fragt die Stimme aus dem Off, während die Kamera den einzigen Pinguin aus der Ferne filmt. Hätte er sich umgedreht und gesehen, wer das gerade mit der Kamera im Selfie-Modus angeschippert kam – hätte er die Frage dann wohl immer noch gestellt? (Ja, ich weiß, dass die Dokumentation von 2007 ist, aber lassen Sie mir doch den Spaß.)

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4 Kommentare

  • Von den „Klimaexperten“ waren doch viele „Hitzetote“ wegen des Klimanotstand gemeldet, jetzt aber gibt es viele Schnee und Glatteisopfer. Der Tagesspiegel schreibt dazu; „Was wäre wenn die Fußgänger einfach auf die Straßen gehen würden“, weil diese gestreut werden. Die verrückte Klimadebatte nimmt satirische Formen an. Aber Neubauer könnte wenigstens dauerhaft in der Abtarktis bleiben und sich dort mit ihren Klimajüngern festkleben. Die Pinguine wären gerettet..

  • Schöne Gegend. Sollte dort bleiben.

  • So wie andere junge Frauen auf „Social Media“ ihr Geschäftsmodell in Sachen Kosmetikwerbung gefunden haben, so machen Miss Thunberg und Miss Neubauer in Sachen Klimaschutz – oder wahlweise irgendeinem anderen hippen Kontra-Thema, sagen wir, bspw. „Gaza“. Was eben gerade imagemäßig so angesagt ist. Zwischendurch auch mal irgendwas mit „Stadtbild“. Hauptsache man ist ein Mediengesicht. Konstruktive Problemlösungen? Dazu hab ich von denen noch nichts gehört. Und wo sind die jungen Männer? Die Wehrpflicht ruft!

  • Vielleicht sollte man die ganzen Kreuzfahrtpassagiere in einzelne Solar-Segelboote umfrachten. Mit ihren Handys würden sie dann den Klimawandel in der Arktis dokumentieren und auf Social Media posten. Aus dem Weg gehen könnten sie sich und Luisa Neubauer dann auch nicht mehr. Das Eis wäre weg – und durch Sebelboote ersetzt. So kommt dann auch kein Chinese mehr durch.

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