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Streikpotential

Lokführer gegen Bahn: Der neue Tarifstreit kann auch ohne Weselsky wieder eskalieren

Das neue Jahr startet mit neuen Tarifverhandlungen zwischen Deutscher Bahn und Lokführergewerkschaft GDL. Die Tarifrunden der letzten Jahre scheiterten größtenteils. Und auch in diesem Jahr droht die Auseinandersetzung in einem Streik zu enden.

Claus Weselsky ist inzwischen Ehrenvorsitzender der Gewerkschaft der Lokführer. (IMAGO/Mauersberger)

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Neben den zahlreichen Schäden und Störungen an der deutschen Schieneninfrastruktur – und den vor diesem Hintergrund notwendigen Baustellen –, die zuletzt zu massiven Ausfällen und Verspätungen bei der Deutschen Bahn führten, werden Pendler und Reisende wohl schon bald die nächste Belastung zu spüren bekommen: Bevorstehende Streiks der Lokführer könnten die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs weiter verschlechtern.

Hintergrund ist der wieder aufflammende Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Ab heute verhandeln die Vertreter von DB und GDL erneut über höhere Löhne für die Beschäftigten. Die Erwartungen sind hoch: Die GDL fordert mindestens 3,5 Prozent mehr Lohn. Durch eine Neuordnung der Tarifstruktur erwartet man für die Belegschaft jedoch bis zu 8 Prozent mehr Einkommen.

Auf die letzte Verhandlung, die im Jahr 2024 gescheitert war, folgten im März massive, teils spontane Wellenstreiks. Sowohl der Fern- als auch der Regionalverkehr wurden dadurch erheblich beeinträchtigt. Das formulierte Ziel der Verhandlungen war laut dem damaligen Gewerkschaftschef Claus Weselsky die Einführung einer 35-Stunden-Woche für Schichtarbeiter bei vollem Lohn sowie zusätzliche Gehaltserhöhungen. Dem stimmt die Deutsche Bahn vorerst nicht zu.

Am Ende kam es jedoch zu einem „Waffenstillstand‟: Nach fünf Monaten wiederholter Streiks wurde ein Kompromiss zugunsten der Belegschaft erzielt. Dazu gehörte, wie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) verlauten ließ, „die schrittweise Absenkung der jeweils maßgeblichen Referenzarbeitszeit um drei Stunden von 2026 bis 2029 für Schichtarbeiter ohne anteilige Entgeltkürzung“. Zudem wurde eine allgemeine Erhöhung der Monatsentgelttabellen um einen Festbetrag in Höhe von 210 Euro zum 1. August 2024 sowie um weitere 210 Euro zum April 2025 vereinbart. Weselsky sprach in diesem Zusammenhang von einem „historischen Durchbruch“.

Die Hoffnungen sind groß, dass die Tarifverhandlungen dieses Mal ruhiger verlaufen könnten. Das liegt unter anderem daran, dass Claus Weselsky, der für seine harte Linie bekannt war und konsequent für die Interessen der Lokführer eintrat, nicht mehr an der Spitze der Gewerkschaft steht. Nach 16 Jahren räumte er 2024 den Posten und übergab das Amt an seinen Stellvertreter Mario Reiß, der nun die Führung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer übernommen hat.

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Reiß möchte die Angelegenheit harmonischer angehen und versucht zumindest, Streiks abzuwenden. „Wir gehen davon aus, dass wir der Bahn genug Zeit gegeben haben“, erklärte der neue GDL-Chef in einer Stellungnahme. Die Frage sei jedoch, ob die Bahn diese Chance nutze oder ob sie auf Zeit spiele. Gewissheit werde man laut Reiß voraussichtlich Ende Februar haben, dann ende die sogenannte „Friedenspflicht“.

Gleichzeitig zeigt sich Reiß optimistisch, bereits zuvor zu einem Ergebnis zu kommen. Bis März sind insgesamt 14 Verhandlungstage in fünf Runden angesetzt. „Deswegen rede ich momentan weder über Eskalation noch darüber, ob wir eventuell eine Urabstimmung planen.“ Dennoch gilt: Kommt es zu keiner Einigung, stehen ab März wohl Streiks ins Haus. Sollte bis dahin keine Lösung gefunden werden, habe die Bahn – und habe Deutschland – ein großes Problem, so Reiß.

Trotz der Bemühungen und des moderateren Ansatzes des neuen Gewerkschaftschefs spricht letztlich vieles dafür, dass auch die diesjährigen Verhandlungen in einem Streik enden könnten – insbesondere mit Blick auf die Historie der Konflikte zwischen der GDL und der Deutschen Bahn. Nahezu jede Tarifrunde der vergangenen Jahre scheiterte und mündete letztlich in Arbeitskämpfen. In den Jahren 2007, 2008, 2010, 2011, 2014 und zuletzt auch 2024 war dies der Fall.

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8 Kommentare

  • Die Gewerkschaften haben leider die Lage immer noch nicht begriffen – Verrückt !

    • Er tut wenigstens etwas für seine Lokführer, während das Managment Millionengehälter aus dem Unternehmen zieht für minderwertige Arbeit und Unfähigkeit. Weil die Politik immer ihre nutzlosen Wanzen in dem Unternehmen auf Führungsposten setzt, als Versorgungsanstalt.

  • Mal ehrlich:
    Gibt es was langweiligeres als einen pünktlichen Zug ?

    Den musste ich mal loswerden. Ist Eigenbau.

  • Geht soglangsam nicht der Druck verloren. Lokführer steigen und fahren nicht, ist aber doch schon Alltag!
    Wer kann sich noch auf die Bahn verlassen?
    — Ein Bekannter wollte nach Hause mit der Bahn fahren und die Bahn wahr gar nicht da! Ausgefallen kein Ersatz und kein Service.

  • Mal sehen wie gut mein lieber Klaus seinen Nachfolger ausgesucht hat…

  • Weselsky ist ein wirklicher Gewerkschafter. Die DGB ( Bahnpersonal betreffend ) vertretenen Schranzen sind der Gesangsverein der Regierung. Man erinner sich an die Causa Hansen

    • Sie meinen den Mann, der Bahnkunden den imaginären Mittelfinger gezeigt und mit seinem Dienstwagen fuhr, statt der Bahn? Oder den Mann, der Behinderte beleidigt hat?

  • Ganz ehrlich,dieser Gewerkschaftsheini und die Deutsche Bahn tun sich beide nichts.
    Gewerkschaften sind für mich eh schon gestorben.Die kümmern sich lieber Stimmung darum Stimmung zu machen gegen die AFD als sich für ihre Mitglieder einzusetzen.
    Ach ja,ich kann nur jedem empfehlen,man kann auch ohne Gewerkschaft über seinen Lohn verhandeln..und das geht sogar viel besser,weil beide Parteien viel offener miteinander umgehen,beide Seiten auch einen Kompromiss eingehen.
    Und nicht wie die Gewerkschaften…Bähmmm…erstmal hoch pokern und es eskalieren lassen….Streiken über Wochen,Monate…eine Minderheit,die nur an sich denkt und nicht an die vielen Menschen,die auf die Bahn angewiesen sind.
    Naja..und die Deutsche Bahn,brauche ich nicht mehr viel zu sagen,weil ich die Bahne zu 100% ablehne!

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