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Burgard-Affäre: Die zerstörerische Lust am Klatsch

Ein Welt-Chefredakteur verliert seinen Posten – angeblich wegen eines einvernehmlichen Kusses auf einer Weihnachtsparty. Prominente wie Anja Reschke und Medien wie Correctiv stürzen sich darauf wie auf einen Jahrhundertskandal – und offenbaren damit die eigene zerstörerische Lust am Klatsch.

Nach dem Rücktritt des Welt-Chefredakteurs Jan Philipp Burgard entfacht sich eine gewaltvolle Klatschkampagne (IMAGO/Eventpress)

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Anklagend, selbstgerecht, aggressiv. So lassen sich zahlreiche Prominente in einem aktuellen Video auf Instagram ablichten. Mit dabei: unter anderem Anja Reschke, Carolin Kebekus und Caren Miosga. Sie alle sagen nur ein Wort in die Kamera: „Kulturwandel“. Dazu werden Artikel von Correctiv und der New York Times eingeblendet. Der Bezug ist klar: Man will in den aktuellen Vorwürfen gegen den jüngst zurückgetretenen Welt-Chefredakteur Jan Philipp Burgard einen riesen Skandal sehen. Das bedeutungsschwer vorgetragene Wort „Kulturwandel“ soll an das Versprechen des Springer-Verlags erinnern, das er 2021 gab – im Versuch, sich damit unter dem internationalen Hass auf Reichelt und auf eine angeblich frauenfeindliche Kultur im Springer-Verlag wegzuducken.

Und auf eine Weise wiederholt sich 2021 tatsächlich. Jedoch nicht so, wie es Correctiv, New York Times und andere sehen wollen. Im Fall Burgard gibt es keinen Anhaltspunkt für Machtmissbrauch oder gar Belästigung. In verschiedenen Pressemitteilungen teilt der Springer-Verlag mit, dass ihm „keinerlei Beschwerden gegen Jan Philipp Burgard wegen Belästigung oder eines übergriffigen Verhaltens“ vorliegen. Alle Berichte, die in diese Richtung argumentieren, basieren auf Geraune und alten Geschichten.

Correctiv und die Süddeutsche Zeitung wärmen extra einen Fall aus dem Jahr 2020 auf. Damals hatte Burgard als stellvertretender Leiter des Washingtoner Büros der ARD gearbeitet, das vom WDR betrieben wird. Dieser Posten wurde ihm entzogen, nachdem sich Burgard einer ihm nicht unterstellten Mitarbeiterin nach einem gemeinsamen Abendessen mit anderen auf der Straße genähert hatte. Er habe versucht, sie zu küssen, heißt es. Burgard habe das später als Flirtversuch bezeichnet, die Mitarbeiterin aber hatte angegeben, sich von Burgard „bedrängt“ gefühlt zu haben.

Der WDR reagierte damals hart. In einem offiziellen Schreiben wandte man sich direkt an Burgard: „Infolge des Abends sind Sie bei der Verabschiedung körperlich übergriffig geworden. (…) Sie haben sich infolge für Ihr Verhalten in aller Form entschuldigt und versichert, dass sich ein solches Verhalten nicht mehr wiederholen wird. (…) Dennoch müssen wir Sie darauf hinweisen, dass ein solches Verhalten nicht akzeptabel ist.“

Nicht lang danach wechselte Burgard zu Springer, wo man laut Correctiv zunächst nichts von diesen Geschehnissen wusste. Erst als 2022 die Zeit einen Fragenkatalog zu den Ereignissen in Washington an Springer schickte, wurde der Vorfall zum Thema. Zur Veröffentlichung des geplanten Zeit-Artikels kam es damals jedoch nicht – nach Informationen von Correctiv allein deshalb, weil die betroffene Frau ihre Zustimmung für die Veröffentlichung verweigerte.

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Das muss hier einmal festgehalten werden: Die Frau, die sich von Burgard „bedrängt“ gefühlt haben soll, entschied sich dagegen, den Fall öffentlich zu machen. Und jene Frauen, die Burgard der aktuellen Berichterstattung zufolge auf der besagten Weihnachtsfeier geküsst haben soll, haben sich darüber nach Angaben von Springer nicht beschwert.

Nun schießt Burgard und dem Springer-Verlag blinde Wut entgegen. Man sieht sie in den Augen der Prominenten, die im eingangs erwähnten Video gegen Springer wettern, man liest sie aus jeder Zeile des Correctiv-Berichts heraus, der von der ehemaligen Welt-Mitarbeiterin Anette Dowideit verfasst wurde, die das Unternehmen verlassen haben soll, weil sie einen internen Machtkampf verloren hatte (mehr dazu hier). Und am erschreckendsten ist: Die Wut scheint auch mitten im Springer-Verlag selbst verbreitet zu sein. Alle Medien, die zu dem Fall Burgard recherchiert haben, beziehen sich auf mehrere Zeugenaussagen direkt aus dem Unternehmen.

In der Süddeutschen Zeitung finden sich Formulierungen wie diese hier: „Auch die SZ erreichten zahlreiche Hinweise zu der Weihnachtsfeier, viele Hinweisgeber hatten von dem gehört, was nun in der Times zu lesen war, es aber nicht selbst gesehen. Während ein Großteil der Partygäste weiter oben im Gebäude feierte, sei auf dem Technofloor eher ein junges Publikum gewesen, erinnert sich ein Mitarbeiter, schätzungsweise fünfzig Leute. Mittendrin: Chefredakteur Jan Philipp Burgard, 41.“

Hinzu kommen die direkten Leaks aus offensichtlich vertraulichen Gesprächen mit der Unternehmensspitze. In einem Medienunternehmen sollte schon allein nach gesundem Menschenverstand grundsätzlich kein Mitarbeiter, der sich nicht in der Führungsetage bewegt, darüber Bescheid wissen, was der Chefredakteur auf Nachfrage der Unternehmensführung über den betreffenden Abend zu sagen hatte. Es sollte nicht als Gerücht umhergehen, dass er „zu betrunken war, um sich zu erinnern“, wie es in verschiedenen Medienberichten heißt.

Wenn man solche Mitarbeiter hat, braucht man keine Feinde. Wie hasserfüllt muss man sein, um bei einer Weihnachtsfeier, bei der man seinen Chef beobachtet, wie er, getrieben vom Suff, womöglich etwas über die Stränge schlägt und sich mit Mitarbeiterinnen in einer Ecke verzieht, erst mal zu feindlich gesinnten Medien zu rennen und zu petzen. Natürlich anonym. Ohne Risiko für die eigene Karriere im doch ach so verhassten Hause Springer.

Die Weihnachtsfeier bei Springer klingt für sich genommen schon wie ein von Compliance-Regeln zurechtgestutztes, für Erwachsene eher peinliches Unterfangen. Aushänge sollen laut Medienberichten auf Kontaktmöglichkeiten hingewiesen haben, die man nutzen könne, wenn man sich bedrängt oder unwohl fühle. Spezielle Teams sollen im Einsatz gewesen sein, um für diesen Fall einen Ansprechpartner anzubieten. Seit Reichelt hat sich das Unternehmen einen neuen „Code of Conduct“ gegeben, heißt es in verschiedenen Medienberichten. Beziehungen innerhalb des Unternehmens sollen seitdem besonders kritisch beäugt werden, berichtet die SZ.

Vielleicht ist das die Kritik, die man an Burgard üben kann: dass er unter diesen Umständen nicht die Einsicht und Selbstkontrolle hatte, sich gerade dort nicht zu betrinken, gerade dort kühl zu bleiben. Dies ist jedoch eine Diskussion, die allein betriebsintern hätte geführt werden sollen.

Dass sie nun durch hasserfüllte Beiträge in nationalen und internationalen Medien mit ekligen Hörensagen-Geschichten und Klatsch-Geraune in kürzester Zeit zum medienpolitischen Eklat hochstilisiert wurde und Burgard statt eines unprofessionellen Kontrollverlusts geradezu eine missbräuchliche Charakterschwäche unterstellt wird, ist eine Ekelhaftigkeit, die letztendlich vor allem eines offenbart: dass sich Teile der Medien in ihrer Klatschsucht von jedem Maßstab des menschlichen Anstands verabschiedet haben – und sich selbst in einer moralisch überhöhten Position sehen, in der sie skrupellos und unbekümmert von den persönlichen Konsequenzen für den Betroffenen über Männer wie Burgard richten könnten. Die Härte der deutschen MeToo-Bewegung hat sich bei Reichelt in ihrer ganzen Gewalt offenbart – augenscheinlich hat sie die Medienwelt bis heute noch fest in der Hand.

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46 Kommentare

  • Die Prüderie erreicht amerikanische Verhältnisse.
    Willy Brandt hatte mehrere Liebschaften. War er deswegen ein schlechter Kanzler?

  • Mittlerweile muß Mann sich gut überlegen, ob er noch zu einer Weihnachtsfeier oder zu einem Betriebsfest geht oder sich mit Frau ein Büro teilt oder allein mit einer Frau in den Aufzug steigt.

    • Auch nicht mit zwei Frauen, dann ist die „Zeugin“ gleich dabei ☝🏻

    • Wenn sich eine stark gealterte, peinliche Anja Reschke drauf stürzt, dann weiß man, wie die Häsin läuft. Bei echten Männern null Chance, da kann man halt nur rumheulen.

  • Klatsch?
    Das ist beinharte Cancel Culture gegen Konservative.

  • Er war betrunken (was ich bei einer Weihnachtsfeier in der Firma nicht machen würde)
    und alles war einvernehmlich? Und auch sonst gegen keine Regeln verstossen?
    Wo ist dann das Problem? Geht es darum das beide in der gleichen Firma arbeiten?

    • Es gibt kein Problem, es wird eins daraus gemacht. Vielleicht will man damit vom Günther ablenken.

      • Wie der Günther hat auch rumgeknutscht?
        Kleiner Scherz am Rande.
        Wie will man vom Günther ablenken, wenn der das Thema immer weiter am kochen hält?

  • Eine Republik von Gouvernanten und Drittklässlern.

    • Da haben einige männerfeindliche Frauen ihrem Hass freien Lauf gelassen.

  • Mir missfällt, dass es mittlerweile üblich ist, dass Spitzenpolitikerinnen bei der Begrüßung von Spitzenpolitikern immer geküßt werden.

    Mir als Frau würde es völlig mißfallen–von 10 Männern hintereinander abgeknutscht zu werden.

    Kann mir aber auch vorstellen, dass man sich nicht traut, auf einen Begrüßungskuss zu verzichten.

    Gerade nach Corona ist diese „Unsitte“ förmlich aufgeploppt.
    Vielleicht hat man nach der Abstandshalterei während Corona eine besondere Nähe vermisst.

    Dass sich unsere Feministinnen darüber nicht aufregen–erstaunt mich.

    • Die Männer knutschen sich doch auch gegenseitig ab; ist eine französische Angewohnheit. Händchen halten; Arm umlegen im Hüftbereich oder Schulter; spazieren gehen… Wie romantisch ist das denn.

    • Wer nicht will, einfach mit erhobenem Zeigefinger und „nein heisst nein“ die gespitzten Lippen kontern.
      Sollte kein Problem sein.

  • Kultur kommt vom lateinischen colere = bebauen, pflegen: Die videogene Pflege des eigenen überhöhten Selbstbildes als einzigen „kulturellen“ Inhalt auszugeben – mir fehlt da irgendwie etwas, so dass ich eher geneigt wäre, von „Kulturverfall“ als von „Kulturwandel“ zu sprechen…

  • Trägt er immer noch seinen Kommunionsanzug?

  • Ist es vor ein paar Jahren mit Julian Reichelt bei der Bild nicht ähnlich ergangen?

    Das Muster scheint immer wieder das gleiche zu sein, wenn man sich von einem Mitarbeiter trennen will und ihn anders nicht los wird.
    Fragt sich nur: was hat der linientreue Burgard wirklich verbrochen?

    Wir werden es vielleicht erfahren, wenn er irgendwann in einem alternativen Medium auftaucht. Schaumermal.

  • Kleinkarierter geht es wirklich nicht mehr. Trotzdem sollte Burghard ein Klage wegen Verleumdung, etc. ins Auge fassen, sowas darf man sich nicht gefallen lassen. Diese vier Frauen spielen sich als Inkuisitorinnen auf, sehr schlimm.

    • Alle Männer sollten solche Frauen links liegen lassen.

  • Frei nach Brecht: „Und auch der Kuß, ich hätt ihn längst vergessen, wenn nicht die Dowideit da gewesen wär“ 🙂

  • Ach je, was ich schon alles an vermeintlichen, tatsächlich dann aber doch völlig haltlosen Fällen sexueller Belästigung oder gar Missbrauchs mitbekommen habe. So richtig faschomäßig wird es aber erst, wenn es über ein konkretes Ereignis zwischen zwei Beteiligten hinaus populistisch zu völlig anderen Machtzwecken instrumentalisiert wird. Das Problem ist, dass sich der Vorwurf bei solch inhaltsleerem, gleichwohl inflationärem Gebrauch abnutzt, und ernsthafte Fälle so unter die Räder kommen.

  • Spaltung, Spaltung, Spaltung! Mann gegen Frau, schwarz gegen weiß, rechts gegen links, Kinder gegen Eltern, geimpft gegen ungeimpft usw. ! Leute, merkt ihr was? Während wir mit uns selbst beschäftigt sind, können die wahren Drahtzieher ungestört weiter ihrem bösen Werk nachgehen.
    Jesaja 29;15 Wehe denen, die [ihren] Plan vor dem Herrn tief verbergen, damit ihre Werke im Finstern geschehen, die sprechen: Wer sieht uns, und wer kennt uns?

  • Man sollte geschlechtlich, getrennte Feierlichkeiten einrichten. Im Islam ist es doch auch so. Warum sich zieren?

  • War das nicht der Typ mit dem tollen AfD Interview?!
    Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

    • Auch mies, irgendwie.

    • Genau der; immer auf die AfD einschlagend. Sommergrillen…

  • Weihnachtsfeier bei Springer 😂 Da würde ich lieber auf der Parkbank Dosenbier saufen.

    • Danach ein Schläfchen machen und mit einer Bild zudecken? 🙂
      Ich könnte mir vorstellen, dass sie bei Springer lecker Essen auffahren.
      Dazu ein Alkoholfreies.

  • Herr Burgardt von der Welt? Echt jetzt????

    • Ja, schade, er ist
      eigentlich der Inbegriff von Seriosität. Dumm gelaufen, in der Position ist man total gefährdet.

  • Tratschen, framen, flamen & ideologisch anschwärzeln & pampen! – Das ist der staatlich abgesicherte & bezuschusste „als-Ob-Journalismus!

  • Da haben wir also den Beweis das es eine Lüge ist und jetzt schlagen wir den Bogen zurück zu Herrn Reichelt und: Aha…. waren es damals etwa auch alles Lügen… Vermutlich ja…. Weil bis heute haben wir von allen hübschen nius Moderatorinnen noch nicht gehört ob sie belästigt wurden von Herrn Reichelt…. So und jetzt kommt’s… Wenn das alles schon gelogen war… Was ist dann erst von der Aussage von Herrn Lanz…. zu halten 🤣…. PS: Schade ich hatte gehofft das es doch der Trans Praktikant war…. Der Sauer ist das er nicht geküsst wurde auf der Weihnachtsfeier Party…. Und sich rächen wollte mit der Veröffentlichung der Geschichte…. Die haben Rumge knutscht na und… ist doch denen ihre Sache….

  • »Mit dabei: unter anderem Anja Reschke, Carolin Kebekus und Caren Miosga.«
    Einfach nur widerlich, diese Weiber!!!!!
    Hat denn niemand aus der Gelbhaar-Geschichte gelernt?
    Ich (selbst Frau) könnte im Strahl vomieren!

  • Diese Weiber wie Miosga, Reschke, …sind ja wahrscheinlich nur neidisch, dass sie nicht geküsst werden, so wie die aussehen zu recht.

    • Also wie Amann Poschardt in High Moon angehimmelt hat….in den ersten Minuten.

  • Die genannten Protagonistinnen schreiben fleißig am „Handbuch Faschismus 21“ mit, bis dass die Tastatur kracht. Hass und Hetze in Reinform.
    Nun ja.
    Auf dass es möglichst bald Nürnberger Prozesse 2.0 geben wird.

  • Wo sind die Berichte vom WEF?
    AN ist wieder zu feige dazu und hat Angst sich die Finger zu verbrennen.
    Armselig.

    • Linker Parolenwerfer

    • Wollen Sie ablenken? Oder auch nur beleidigen; diskreditieren?

  • „Medien in ihrer Klatschsucht von jedem Maßstab des menschlichen Anstands verabschiedet haben – und sich selbst in einer moralisch überhöhten Position sehen, in der sie skrupellos und unbekümmert von den persönlichen Konsequenzen für den Betroffenen über Männer wie Burgard richten könnten“

    Wenn man sich klarmacht, dass ausgerechnet unterirdische Mainstreamweiber wie Miosga, Reschke und Kebekus – Brechreiz ist garantiert – zur Speerspitze der Empörung machen, bleiben eigentlich keine Fragen mehr offen.

  • Das Canceln und Denunzieren ist eine linke Krankheit.
    Ihnen fehlen jegliche Argumente, um ihre Ziele durchzusetzen, daher arbeiten sie immer mit unsauberen und auch demokratiefeindlichen Methoden.
    Diese Leute sind moralisch verkommen und bilden den asozialen Teil der Gesellschaft ab.

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