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Schon wieder offene Feldschlacht: Nach Reiches Brief schaltet Bärbel Bas auf Angriff

Bärbel Bas wird aus der Union kritisiert – als Reaktion legt sie geeinte Projekte wieder auf Eis. Schon wieder kleinlicher Streit: Die Sommerpause hat am Kabinettskindergarten nichts verändert.

IMAGO/Bernd Elmenthaler

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Es sind scharfe Worte, die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche an das Finanzministerium von Lars Klingbeil richtet. „Die aktuelle Bundesregierung wäre die erste Bundesregierung seit 2015, die keinen vollständigen Abbau der kalten Progression gesetzlich veranlasst“, bemängelt ihr Staatssekretär in seinem Brief an die Wilhelmstraße. Die Regierung – Klingbeil – müsse hier umsteuern.

Gut gebrüllt – aber nicht gesprungen. Die öffentlichkeitswirksam inszenierte Empörung sollte offenbar vor allem das sein: öffentlich inszeniert. Nicht einmal einen Kabinettsvorbehalt legte Reiche ein – so hätte sie die sogenannte Steuerreform, die sie kritisiert, auch tatsächlich verhindern können.

Das ist nicht passiert. Dennoch erscheint das Tischtuch in dieser Koalition schon wieder zerschnitten. Das Tischtuch, das das Kabinett in seiner Sommerklausur auf Schloss Neuhardenberg mühsam wieder geflickt haben wollte. Reiches Angriff ist ein Affront gegen Klingbeil, aber natürlich auch gegen den Bundeskanzler, der sich dieser sogenannten Steuerreform aus dem Hause des SPD-Vorsitzenden gebeugt hatte.

Und die SPD? Die reagiert in Person von Klingbeils Co-Chefin Bärbel Bas. Die wird regelrecht giftig, als sie auf Kritik an ihrer Politik aus CDU-Reihen angesprochen wird. JU-Chef Johannes Winkel warf Bas vor, sie würde getroffene Beschlüsse wieder zur Debatte stellen. Und sie tritt direkt den Beweis an, dass er recht habe.

Auf Winkels Vorwurf angesprochen, sagt Bas zu Bild: „Also erstmal schöne Grüße an die Union; die machen auch immer Dinge auf“. Dann spricht sie Reiches Brief an wie einen Vorwand, um selbst wieder von Positionen abzurücken. „Ich will eine Renten-Reform“, sagt Bas. „Natürlich gibt es Gesprächsbedarf über das eine oder andere Element“. Dann erklärt sie: „Das ist ein Kommissionsbeschluss, keine politische Einigung.“

Zwar warnt Bas ausdrücklich davor, das „ganze Paket“ wieder „aufzuschnüren“. Dennoch macht sie klar: Wir haben wieder Gesprächsbedarf. Bas schaltet direkt auf Angriff. Aus Prinzip und als Reaktion auf Äußerungen aus der Union, so könnte man meinen.

Vor ein paar Monaten noch war es dieselbe Bärbel Bas, die das Dossier der Rentenkommission als ein „Gesamtkunstwerk“ bezeichnete. Botschaft: Dieses Paket wird nicht aufgeschnürt. Das war auch die Botschaft des Bundeskanzlers, ja eigentlich der gesamten Bundesregierung.

Diese Position wird von Bas nun durchlöchert: Jetzt kündigt die Ministerin vor der Presse genau diese Regierungsvereinbarung im Grunde auf. Und das nicht aus Sachgründen, sondern im Kontext eines Streits mit der CDU. Bas will dem Partner-Gegner einfach nur einen mitgeben: Das ist „Ätsch-Bätsch“ als Regierungsprinzip. Das Kabinett gleicht einem Kindergarten.

Auch bei manch anderer gemeinsam vertretenen Position der Regierung stänkert Bas plötzlich – auch wenn sie in der einzelnen Sachfrage nicht falsch liegen mag. So stellte die Ministerin in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe vergangene Woche die von der Koalition beschlossene „Krankschreibung ab Tag eins“ infrage: „Ich bin koalitionstreu, aber wir sollten uns schon nochmal fragen, ob das sinnvoll ist“, sagte Bas.

Da mag die Ministerin in der Sache recht haben – politisch ist es trotzdem eine Aufkündigung gemeinsam vertretener Positionen. Und es scheint vor allem ein politisches Spiel darzustellen, keine Auseinandersetzung in Sachfragen. Die SPD-Vorsitzende kündigte an, keinen Vorschlag zur Umsetzung zu machen – jedenfalls nicht, solange Gesundheitsminister Carsten Linnemann keine weiteren Regelungen zur Termingarantie bei Ärzten und zur Schlaganfallvorsorge vorlege.

Das sei als Vereinbarung gekoppelt worden, behauptete Bas. In der Tat war beides als Kompromiss vereinbart worden – dennoch bedingt das eine nicht das andere. Die Botschaft von Bärbel Bas ist damit jedenfalls eindeutig: Das Vertrauen in dieser Koalition ist auch nach der Sommerpause auf dem Nullpunkt.

Zuletzt war Bas viel Kritik aus der Union ausgesetzt – nicht nur vom JU-Chef und Rentenkommissionsmitglied Winkel. Öffentlich war die Ministerin etwa von Unionspolitikern attackiert worden, weil ihr Ministerium die Umsetzung des Sozialhilfeentzugs für Straftäter verzögere – so jedenfalls die Darstellung der CDU. Der mächtige Bundestagsabgeordnete Günter Krings echauffierte sich öffentlich: Nach wie vor würden per Haftbefehl gesuchte Menschen in Deutschland Grundsicherung kassieren.

Diesen absurden Umstand wollte die Koalition eigentlich ändern – doch Bärbel Bas ist zuständig. „Im Juli sollte Frau Bas dazu einen Plan vorlegen. Nichts davon ist passiert“, kritisierte Krings. Kritik, die die SPD-Ministerin offenbar zunehmend irritiert – Bas ist ganz offensichtlich beleidigt. Das hat direkte Folgen für die Regierungszusammenarbeit in einem Kabinett, das zunehmend wie ein Kindergarten daherkommt.

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21 Kommentare

  • Ein Bild sagt mehr als es tausende Worte ausdrücken könnten.

    12
    • Jeder bekommt irgendwann das Gesicht, das er verdient.

      2
    • Auf das besten Deutschland, das wir je hatten mit „Unserer Demokratie“ können die letzten Regierungen und Regierungschefenden mal so richtig stolz sein.
      Was für ein erbärmliches Schauspiel und minderwertige Akteure und Dummschwätzer.

      3
  • Bitte keine Bilder mehr von die Bärbel, ich erschrecke mich dann immer bis in die Knochen und die Kinder fangen an zu weinen …..

    32
    • Ich bekomme dann immer Appetit auf Pfannkuchen 🥞

      3
    • Babsi! Mir graut’s vor dir.

      2
  • Frau Bas, welcher Nutzen hat diese Person bisher für die deutsche Solidargemeinschaft erbracht?

    Für Bürgergeldempfänger und Migranten ist ja bekanntlich in der ersten Reihe dabei, unser Geld unter die Leute zu bringen.

    11
  • Willkommen im Berliner Regierungs-Kindergarten. Während das Land wirtschaftlich vor dem Abgrund steht, spielen SPD und Union lieber „Ätsch-Bätsch“ auf Staatskosten. Ministerinnen kündigen Verträge per Medien-Interview auf und blockieren wichtige Reformen, nur weil jemand beleidigt ist. Sogar die Streichung von Sozialhilfe für gesuchte Straftäter wird verschleppt, weil das Ego der zuständigen Ministerin wichtiger ist als Recht und Ordnung. Dieses unwürdige Postengerangel zeigt schmerzhaft, dass diese Altparteien-Koalition völlig am Ende ist. Wer echte Opposition und professionelle Politik für das eigene Land will, dem bleibt längst nur noch eine einzige Alternative.

    8
  • Merz versteht nicht, dass er ein Ass im Ärmel hat. Die SPD tanzt ihm auf der Nase herum und will ihn provozieren, die Koalition zu verlassen, damit die SPD den Lager-Wahlkampf ausrufen kann. „Sehr her, jetzt ist es so weit! Wir haben es immer gewusst! Jetzt geht die CDU mit den Nazis zusammen!“

    Merz könnte nach so einer Nummer aber auch einfach mal Bas als Ministerin entlassen. Wenn Klingbeil dann seinerseits die Koalition aufkündigt, ist seine gesamte Kommunikationsstrategie im Eimer.

    1
  • Alle haben Angst vor dem Machtverlust und das Handeln wird noch irrationaler als sonst. Weiter so, weckt die Schlafschafe damit auf…

    3
  • Die teuersten Laienschauspieler der Welt 🎭

    3
  • Weg mit ihr.
    Wenn ich an Merz denke, höre ich Trapattoni…
    Flasche leer…

    7
  • Das eigentliche Problem ist die Brandmauer. Normal wäre es, wenn wir ein rechtes Lager mit Union, FDP, AfD und ein linkes Lager mit SPD, Grünen, Linken hätten.

    Wenn die Rechten schlecht regieren oder zu rechts werden, dann werden nächstes Mal die Linken gewinnen. Umgekehrt genauso. Es wäre wie eine Waage, die mal in die eine, mal in die andere Richtung ausschlägt, aber im Großen und Ganzen recht stabil bleibt.

    Durch die Brandmauer ist das System aber gestört: Die AfD auf der einen Seite, alle anderen Parteien auf der anderen Seite. Das muss fast zwangsläufig dazu führen, dass die AfD irgendwann alleine eine absolute Mehrheit bekommt – vorausgesetzt, sie wird nicht zu extrem rechts, sondern vertritt Positionen, die auch in der Mitte anschlussfähig sind.

    6
  • Pack. Ordinäres Pack

    9
  • Dieses „Kasperletheater“ ist nicht mehr zu ertragen.

    3
  • Jetzt neu! Zwei in eins! Koalition und Opposition in einem Paket, das gibt es nur in Berlin!

    3
  • Die Umfragewerte der Union sind katastrophal.
    Und das sind sie völlig zu Recht. Eine Union, die nun wirklich keinerlei eigenen, konservativen Werte mehr besitzt oder vertritt, sondern nur noch vor Wahlen früherer Werte vorlügt und simuliert, die darf sich auch nicht wundern, das sie von einem personellen Hort an Hardcore-Kommunisten als Flachzangen, nein Flachzang*Innen durch die Manege gezogen wird!

    Die Union verfügt nicht einmal mehr über den Rest an würde, sich von einer sterbenden Splitterpartei zu trennen, mit der inhaltlich -und das war programmatisch von Beginn an klar- die von Kanzler Merz vor der Wahl erlogenen Luftschlösser auch nur ansatzweise umzusetzen.

    Mann will nur Macht und Posten, koste es dieses heruntergewirtschaftete Land was es wolle!

    Die Union zieht die Brandmauer zur falschen Seite und damit wird sie zu Recht von der SPD nach Strich und Faden „verarscht“ und der Lächerlichkeit preisgegeben!

    8
  • Mannomann.
    Harley Babs strickt sich – typisch spezialdemokatisch – ihre eigene Zweirad-StVO.
    Wenn das funktioniert, dann sicherlich auch in der Regierung; denkt sie sich …
    Obwohl, wie sagte schon der große Alfred Tetzlaff – „Der Sozi ist nicht grundsätzlich dumm, er hat nur sehr viel Pech beim Nachdenken“.
    Andererseits – bei Sozi und Denken, blinkt die Oxymoron-Warnleuchte wie wild …

    2
  • Die muss sich zumindest an Karneval nicht verkleiden.

    2
  • Lasst doch mal dat Bärbel in Ruh’…! 🥳

    2
  • Ist euch schon mal aufgefallen, dass unsere Bärbel immer nur dann in den Nachrichten ist, wenn sie (mal wieder) ordentlich Bullshit abliefert?

    6

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