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LobbyControl-Analyse

Die Lobby-Union – Konzerne investieren Rekordsummen in Brüssel

Die Grenze zwischen Wirtschaft und politischen Entscheidungen verschwimmt in Brüssel zusehends. Eine aktuelle Auswertung zeigt, wie viel Geld die größten Konzerne inzwischen aufwenden, um die Gesetzgebung der Europäischen Union zu beeinflussen.

Symbolbild (IMAGO/NurPhoto)

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Politik und Wirtschaft innerhalb der Europäischen Union wachsen immer enger zusammen. Kritiker sind der Meinung, dass zunehmend ein Verhältnis entsteht, in dem finanzielle Interessen bei der Gesetzgebung mitbestimmen.

Wie weit dieser Prozess in den letzten Jahren fortgeschritten ist, zeigt eine Analyse, die von den Organisationen LobbyControl und Corporate Europe Observatory durchgeführt und am vergangenen Donnerstag veröffentlicht wurde. Demnach gaben die 173 EU-Unternehmen und Wirtschaftsverbände mit einem jährlichen Lobbybudget von jeweils mindestens einer Million Euro zusammen zuletzt 381,75 Millionen Euro jährlich aus, um EU-Institutionen zu beeinflussen. Das sind 50 Prozent mehr als im Jahr 2020.

Allein seit 2024 sei die Summe um 27 Millionen Euro beziehungsweise um sieben Prozent gestiegen. Auch die Zahl der registrierten Branchenorganisationen mit entsprechendem Ausgabenniveau – über einer Million Euro – ist zwischen 2020 und 2025 stark gestiegen, um fast 30 Prozent.

Den größten Posten stellt die Technologiebranche. Die führenden Tech-Konzerne kommen zusammen auf mindestens 73 Millionen Euro Lobbyausgaben im Jahr. Meta ist mit rund zehn Millionen Euro der größte Einzel-Lobbyist der EU, gefolgt von Microsoft, Google, Amazon und Apple. Allein die zehn größten Digitalkonzerne aus den USA geben zusammen etwa 27 Millionen Euro aus. Finanzunternehmen brachten zuletzt knapp 67 Millionen Euro für Lobbyismus auf EU-Ebene auf, Energiekonzerne 52 Millionen Euro. Chemiekonzerne und Branchenverbände investierten etwa 46,5 Millionen Euro.

Interessenvertretung gegenüber Gesetzgebern ist für sich genommen nicht verboten und in einer freien Marktwirtschaft üblich. Entscheidend ist aber das Verhältnis: Je größer die Geldmengen, die fließen, desto eher kippt der Austausch in eine einseitige Einflussnahme.

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Dass der Lobbyismus auf EU-Ebene in den vergangenen Jahren derart stark zugenommen hat, hat einen klaren Hintergrund. Es ist ein Symptom eines überdehnten Regulierungs- und Kontrollapparats innerhalb der EU-Kommission: Lobbyismus lohnt sich nur, weil die EU so viel Macht über so viele Bereiche an sich gezogen hat.

Von der Automobil- und Chemieindustrie über die Digitalwirtschaft und die Energiebranche bis hin zur Landwirtschaft – kaum ein wirtschaftlicher Bereich bleibt heute von EU-Gesetzgebung und dem überbordenden Regulierungswerk unberührt. Damit verschiebt sich auch das Kalkül der Unternehmen. Regeln, Vorgaben und Beschlüsse, die in Brüssel entschieden werden, lassen sich später in keinem Mitgliedstaat mehr korrigieren. Interessenvertreter, die sich nicht frühzeitig einbringen, tragen die Folgen über Jahre. Vor diesem Hintergrund ist das wachsende wirtschaftliche Engagement auf EU-Ebene nachvollziehbar.

Während Lobbyismus oft in ein schlechtes Licht gerückt wird, muss man ihn differenziert betrachten. Letztlich kann er sogar Vorteile bringen und die Wirtschaft festigen. Unternehmen, die sich etwa dafür einsetzen, den strengen Regulierungsapparat auf EU-Ebene aufzulockern, und für einen Abbau der überbordenden Bürokratie, eine Senkung von Steuern und Abgaben wie etwa der CO2-Steuer sowie die Abschaffung anderer Belastungen lobbyieren, tragen dazu bei, die schwere Last der Standortkosten für die heimische Wirtschaft zu senken.

Der Lobbyismus-Trend beschränkt sich letztlich nicht nur auf Brüssel. Auch in Deutschland nimmt die wirtschaftliche Einflussnahme auf die Politik seit Jahren zu. Das zum 1. Januar 2022 eingeführte Lobbyregister des Bundestages verzeichnete im September 2023 insgesamt 6.001 Lobbyorganisationen beziehungsweise Einzelpersonen. Mitte Juni dieses Jahres waren es bereits 6.233.

Die höchsten Ausgaben meldete (Stand Juni 2025) der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft mit mindestens 15,1 Millionen Euro, gefolgt vom Verband der Chemischen Industrie mit 9,2 Millionen Euro. Den personell größten Apparat unterhielt 2025 der Digitalverband Bitkom mit rund 210 gemeldeten Interessenvertretern.

Besonders deutlich wird die Verflechtung beim sogenannten Drehtüreffekt, dem Wechsel von Mandatsträgern direkt in die Lobbyarbeit. Nach Recherchen des ZDF sind zwischen 2020 und 2025 mindestens 73 ehemalige Bundestagsabgeordnete zu Interessenvertretern geworden.

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17 Kommentare

  • „mindestens 73 ehemalige Bundestagsabgeordnete sind zu Interessenvertretern von Lobbygruppen geworden“ Genau das ist das Wechselspiel, das in Brüssel die Korruption fördert. Zuerst setzen Abgeordnete in ihrer Mandatszeit Lobbyinteressen durch, um danach mit ihrem Einfluss auf Politische Entscheidungen von diesen Lobbygruppen für eine hohe Entlohnung weiter Lobbyinteressen durchzusetzen. Dies nennt man Käuflichkeit auch Korruption genannt.

    • Ich habe es lieber dass die Lobbyinteressen von Konzernen durchgesetzt werden als die ideologischen Politiken von Parteien.

      • Aus Brüssel bekommen wir immer beides. Nehmen wir z.b den Pfitzer-Skandal von VDL oder den Links-Ideologischen „Green-Deal“ von VDL . Nehmen wir z.B. auch die Aserbeidschan-Connection der CDU. Brüssel ist der Hort für Bürokratie und Korruption. Lobbyinteressen hört sich da ziemlich beschönigend an.

  • Was schmieren Sie sich so auf die Semmel: „Konfitüre“? „Fruchtaufstrich“? Oder doch lieber Marmelade? Diese darf ab heute ganz offiziell wieder so heißen.
    Rund 53 Jahre war das anders – den Briten zuliebe.
    Der Grund:
    ein Verhandlungserfolg der Briten, bei denen Marmelade traditionell nur aus Zitrusfrüchten hergestellt wird – sonst wäre es „Jam“. Mit ihrem Eintritt in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft 1973 hatten die Engländer daher durchgesetzt, dass nur Marmelade aus Zitrusfrüchten Marmelade heißen dürfe.
    aus https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/warum-marmelade-jetzt-wieder-marmelade-heissen-darf,VMV3ymk

    • Und das ist jetzt was genau? Dein Beispiel für den großen Regulierungswahn?

  • Geld regiert die Welt, Deutschland der Sozialismus.

    • Der Sozialismus wird nur dem deutschen Volk aufgezwungen. Kartellparteien und Großkapital bereichern sich an der immer größer werdenden Armut der Deutschen.

  • Gleiches nennen wir selbst überall in der Welt Korruption!

    Schluss mit der Selbstbedienung!

    • Erstens tun wir das nicht, weil das Konzept von Korruption in nur wenigen Teilen der Welt überhaupt existiert. Und zweitens ist Lobbyarbeit ja eben keine „Selbstbedienung“, sondern kostet die Konzerne viel Geld, damit sie ihre Gesetze durchgebracht kriegen. Du willst doch bloß über irgendwas aufgeregt werden, was nicht mal so existiert wie du glauben willst.

  • Lobby = Da werden Leute geschmiert. Als wenn es etwas umsonst gibt.

  • Korruption nannte man es früher und auch früher wurde es geahndet.

    Heute nennt man es Lobby und man „lobt“ es.
    Ob nun Geld, geldwerte Vorteile oder wirtschaftliche Vorteile inkl. Macht, es ist und bleibt Korruption mit dem Hauptsitz in Brüssel.

  • Klüngel total. Köln ist eine Lachnummer dagegen.

  • Korruption kostet nun mal viel Geld.

  • Die Dümmsten beschweren sich gerne, die EU sei „sozialistisch“ und sehen die große Tyrannei in ein paar Umweltverordnungen, aber sie verstehen nicht, dass die EU ein Instrument für vorrangig deutsche Konzerne ist. Die EU ist ihr Mittel Profite zu erzwingen und Reformen durchzusetzen bei denen viele Andere unter die Räder kommen.

  • Alle die sich hier über „Korruption“ aufregen wollen: Wollt ihr lieber echte Ideologiepolitik? Oder wollt ihr einen Politiker, den man sich stattdessen einfach kaufen kann? Entweder seid ihr dumm, arm, oder beides.

    • Weder noch. Ein wenig Integrität ist nicht zu viel verlangt.
      Aber wer seinen Selbsterhaltungstrieb an der Garderobe abgegeben hat, sieht das vermutlich anders.

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