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Deutscher Ökonom greift Milei an – doch seine Kritik am Kettensägen-Präsidenten läuft ins Leere

In einem Gastbeitrag für die Zeit kritisiert der Ökonom und Medienliebling Patrick Kaczmarczyk den wirtschaftspolitischen Kurs des argentinischen Kettensägen-Präsidenten Javier Milei. Doch seine selektive Argumentation führt auf die falsche Bahn.

Regiert seit Dezember 2023 in Argentinien: der Kettensägen-Präsident Javier Milei (IMAGO/ZUMA Press Wire)

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„Die Bilanz ist verheerend“, titelt die Zeit in einem Gastbeitrag des Ökonomen Patrick Kaczmarczyk über die bisherige Regierungszeit des argentinischen Präsidenten Javier Milei. Der ehemalige UN-Berater (Thema: „Finanzmarktstabilität im globalen Süden und wirtschaftliche Entwicklung in Ostafrika“) flüchtet sich angesichts des deutlichen Wirtschaftswachstums in Argentinien und sinkender Armutszahlen in eine unseriöse Detailkritik bezüglich der Industrie in dem Land.

Kaczmarczyk führt die zwischen 2023, an dessen Ende Milei erst ins Amt kam, und 2025 gesunkene Industrieproduktion ins Feld – um 7,9 Prozent ist sie in diesem Zeitraum geschrumpft. Tatsächlich nutzt die Industrie des Landes nur noch einen geringen Teil ihrer maximalen Kapazitäten. Auch die Zahl der Industrieunternehmen, die ihre Tore schließen mussten, führt der Ökonom als Negativbeispiel an.

Diese Daten reichen für den Gastautor, der auch regelmäßig bei den Öffentlich-Rechtlichen auftritt, um zu behaupten, Mileis liberale Versprechen seien als „Träumereien entlarvt“ worden.

Wie der Rückgang zustande kommt, erklärt Kaczmarczyk nicht ausführlich – lediglich kommt er zu dem Schluss: „Gleichzeitig zerstört Mileis Wirtschaftspolitik die verbliebene industrielle Basis.“ Dabei sind zum Teil auch globale Faktoren für den Einbruch verantwortlich – in Deutschland brach etwa, ähnlich wie in Argentinien, im Laufe des Jahres 2023 die Industrieproduktion deutlich ein. Zudem spielte sich dieser Einbruch größtenteils vor Mileis Amtszeit ab – Kaczmarczyks Kritik läuft also ins Leere.

Mileis Politik legt es durchaus darauf an, dass bestimmte Wirtschaftssektoren gegebenenfalls schrumpfen: Über Jahrzehnte verfolgten die linken Regierungen des Landes eine Politik massiver Subventionen ganzer Wirtschaftszweige. Gleichzeitig wurden hohe Importhürden geschaffen, um die heimische Produktion zu schützen.

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Hohe Staatsausgaben wurden von früheren Regierungen zur Stimulierung der Wirtschaft genutzt – eine massive Staatsverschuldung und Hyperinflation waren die Folge. Industriebranchen wuchsen, die ohne staatliche Hilfe gar nicht wirtschaftlich überleben würden. Der Protektionismus führte zur Fehlallokation von Ressourcen – diese korrigiert der Markt nun.

Diese künstlichen Wirtschaftszweige sind von Mileis neuer Politik hart getroffen. Der libertäre Präsident hat die großzügige Subventionspolitik eingestellt und die Staatsausgaben deutlich gesenkt. Die Vorteile, etwa ein deutliches Absinken der Inflation oder ein Staatshaushalt ohne Neuverschuldung, liegen auf der Hand. Dass unwirtschaftliche Wirtschaftszweige leiden, ist dabei eingepreist.

Unterdessen wachsen andere Sektoren stark – das gibt Kaczmarczyk selbst zu: Er tut diese als „wenige“ ab, die das angebliche Gesamtbild „verzerren“ würden: „Im vierten Quartal 2025 wuchs der Finanzsektor um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Landwirtschaft um 16 Prozent, der Bergbau um acht Prozent.“

Die bemerkenswerten Daten des Wirtschaftswachstums und des Inflationsrückgangs in Argentinien versucht der Politikberater unterdessen zu relativieren. Beides sei nur durch den Einbruch der Zahlen zu Anfang von Mileis Amtszeit möglich gewesen. Dass die Wirtschaftsleistung ebenso wie die Inflation in den ersten Monaten des Präsidenten nur dem Trend folgte, der unter der Vorgängerregierung begonnen hatte, lässt der Ökonom aus. Gleichzeitig zieht Kaczmarczyk die gesunkene Inflations- und Armutsrate in Zweifel – sie werde auf veraltete Weise berechnet. Der tatsächliche Rückgang sei deutlich geringer.

Was der Ökonom außer Acht lässt: Jahrzehnte linker Regierungen brachten Argentinien an den Rand einer monumentalen Wirtschaftskrise – als Reaktion darauf kam Milei ins Amt. Seitdem haben ihm sowohl die argentinischen Wähler (bei den Zwischenwahlen im Oktober) als auch die Aktienmärkte das Vertrauen ausgesprochen. Dass es ein einfacher, schneller Weg aus der wirtschaftlichen Misere werden würde, hatte Milei nie versprochen.

Kaczmarczyk möchte mit seinem Text Überzeugungsarbeit in Politik und Wirtschaft gegen wirtschaftlichen Liberalismus leisten und Milei-Unterstützer eines Besseren belehren. Doch mit der äußerst selektiven Auswahl der Zahlen entlarvt er nur seine interventionistische, industriepolitisch motivierte Agenda. Mit Wissenschaft oder einer distanzierten Betrachtung der empirischen Lage in Argentinien hat das nichts zu tun.

Selbst bei Kaczmarczyks Hauptargument, der vermeintlich zerstörten Industrie, ist Widerspruch angebracht, denn die Lage ist nicht eindeutig: So ist etwa die Zahl der Beschäftigten in der Industrie in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Die Trendwende bei Inflation, Armut, Wirtschaftsleistung, Haushaltslage und auch den Währungsreserven hat bei vielen Menschen einen echten Schub bewirkt.

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41 Kommentare

  • In der UN sind leider eine Menge linke Ideologen untergekommen. Und sie mögen es nicht, wenn bewiesen wird, dass staatlicher Interventionismus nicht benötigt wird – dass es ohne eigentlich viel besser geht.

  • Herr Patrick Kaczmarczyk sitzt im Wirtschaftsforum der SPD. Ausgerechnet dort siniert er immer noch über die Transformation der Deutschen Wirtschaft. Seine Aussagen sollte man nicht zu ernst nehmen.

    • Wenn Sie das Wort „zu“ weggelassen hätten, würde ich ihnen zu-stimmen!

    • Die einzige Wirtschaft die Sozialdemokraten halbwegs verstehen, ist die Kneipe um die Ecke! Wenn sie später rauskommen ist auch das wenige noch weg!

  • Gut, ist schon verständlich. Ich nehme an, die Kritik ist nur gut gemeint, aus Sicht eines Deutschlands, welches mit der breiten Brust von einem Wirtschaftswachstum knapp über dem Gefrierpunkt und auch ansonsten beeindruckenden ökonomischen Zahlen auftritt.

  • Wie grotesk und absurd: der wirtschaftlich Erfolgreiche wird von einem Verteter des wirtschaftlichen Abstiegs und Desasters kritisiert…

  • Warum kommt von diesem Ökonom keine Analyse über die deutsche Wirtschaft ?
    Da hätte er wohl sehr viel zu tun, vor allem mit dem zu erwarteten Shitstorm.

  • Milei und dessen Beamtenapparat dürften eng mit dem IWF zusammenarbeiten.

    • Gerade das nicht

      • Meine Recherche mit Quellenlage ist leider unerbittlich: Vllt. keine Zusammenarbeit, aber dieselben Einsichten und Handlungsgrundlagen mit anschließender politischer Handlung.

    • Annette bitte nochmal einen neuen Denkversuch wagen, ich weiß das ist ein Risiko!

  • der sozialismus und kommunismus in D. wird auf brutale hart und weise herbeigeschrieben, herbeigesehnt und erzwungen

  • „Der ehemalige UN-Berater (Thema: „Finanzmarktstabilität im globalen Süden und wirtschaftliche Entwicklung in Ostafrika“) flüchtet sich angesichts des deutlichen Wirtschaftswachstums in Argentinien und sinkender Armutszahlen in eine unseriöse Detailkritik bezüglich der Industrie in dem Land.“

    Sozialisten bzw. Sozialismus befürwortende Zeitgenossen, also leider knapp 80% des deutschen Wahlvolkes sind ökonomisch strunzdumm. Dass die je eine Schule oder Uni mit Abschluss verlassen durften, zeigt wie runtergekommen anforderungslos die Bildung hierzulande geworden ist.

    • sorry für die polemischen Worte. Aber mittlerweile bin ich es leid, diese Tatsache nett zu umschreiben.

      • Franz, Sie haben doch recht! Und immer, wenn man einem Tabu begegnet (…bloß keine polemischen Worte…) soll das Tabu eine unangenehme Diskussion verhindern.
        Und ich frage mich sowieso, WAS das für Volkswirte waren, die die letzten 40 Jahre Wirtschaftsgeschichte (quasi) beamtet und feige zugeschaut haben. Der Abstand zu unseren Gesellschafts’wissenschaften‘ war nie groß.

  • Ein über Jahrzehnte verfetteter Adipöser wird auf Muskeltraining gesetzt und die tägliche Sahnetorte gestrichen. Nach zwei Wochen ist er noch immer kein schlanker Spitzensportler und hat Muskelkater. Linke Sportwissenschaftler sind sich sicher, dass nur mehr Kuchen und strikte Bettruhe zu mehr Leistungsfähigkeit führen, weil kein Muskelkater auftritt.

  • Ein Linker eben….

  • Wenn man der „tagesschau“ einen Lügendetektor vorschaltet, erscheint nur noch ein schwarzer Bildschirm, oder der Lügendetektor explodiert!

  • Milei in 2,5 Jahren:
    Armut runter.
    Inflation runter.
    Subventionen runter.

    Den nationalen Sozialisten (EIGEN-Darstellung Perons) behagt das natürlich so wenig wie anderen linken. Man muß aber nicht jedem VWL-HiWi mit Pseudo-Doc „Ph.D.“ eine Bühne bieten.

    • Klar doch. Milei bekam von der Trump-Regierung ca. 40 Mrd. Dollar, auch von internationalen Organisationen gab es Finanzpakete in Höhe von ca. 42 Mrd. Dollar, darunter 20 Mrd. vom IWF.

      • Geld gibt man nun mal jemandem, einem System, einem Geschäftsmodell, einem Unternehmen dem man vertraut. Dem man zutraut es zurückzuzahlen und selbst einen Vorteil wie Zins, Rendite oder zukünftig einen lukrativen Geschäftspartner zu erhalten.
        Warum wohl haben seine Vorgänger KEINES bekommen?
        Das ist doch die entscheidende Frage-oder wie sehen sie das?
        Wie legen denn sie ihr Geld an? In ein Verlustgeschäft oder in eine Renditechance? Haben sie schon mal Geld verliehen oder verschenken sie es lieber gleich weil sie wissen, daß sie es eh nicht mehr zurückbekommen?
        Das müssten doch sogar sie verstehen wenn sie darüber nachdenken.

      • Das BIP Argentiniens beträgt 680 Mrd. (statista 254319).
        Was wollen Sie uns genau sagen?

        Wie würden Sie Merz/Klingbeils Neuverschuldung/Sondervermögen ( man redet von 1000 Mrd.) kommentieren?

  • Kaczmarczyk, der Name spricht für sich. Wenn ein Halbschuh einem Erwachsenen das Leben erklären möchte. Peinlicher Vogel.

  • ……irgendwie hat der Autor hier die 40 Mrd. $ aus den USA in seinem Artikel ‚vergessen‘.

    Warten wir doch mal einfach ab, wo ARG am Ende des Jahres steht.

    -15
    • Das war lediglich ein Swap. Sie wissen, was das ist?

      • Ich nix wissen – kenne aber Netflix

        -20
        • Kenne ich auch – ich zahle dafür aber nicht – linker Dreck

          5
    • … irgendwie haben Sie den Unterschied zwischen Kredit und Geschenk nicht so ganz klar. Ist übrigens schon zurückgezahlt (wenn Ihnen wiki nicht zu links ist):

      https://en.wikipedia.org/wiki/2025_United_StatesArgentina_currency_swap
      Zitat: „On 9 January 2026 Scott Bessent said that Argentina had fully repaid the currency swap …“

      Auch am Ende dieses Jahres wird ARG besser dastehen als im Jahr davor – wie auch D weiter abstürzt.

    • ….das hier ist mal wieder typisch Apollo News.

      Zum einen lassen sie es zu, dass andere unter meinem ’nickname‘ irgendwelche geistigen Ergüsse von sich geben, zum andern ergötzen sich die Uninformierten an herbei fantasierten Wahrheiten.

      „Wenn’s Spaß macht……….“

      • Das mit dem Nickname passiert mir jetzt auch ständig. Macht ja nix. Einfach in Zukunft jedes Mal einen anderen Nickname nutzen. Werde ich ab jetzt so machen. Kommt ja auch auf die Inhalte an, oder? Da spielt der Nick keine Rolle.

    • Ohne diese Dollars wäre Milei schon weg. Die Armutsquote wird von Milei hemmungslos nach unten manipuliert, weil der Warenkorb auf Daten des Jahres 2004 beruht. Mit diesen Zahlen wird auch die Entwicklung der Inflation berechnet.
      Wer wohl von seiner Kettensäge profitiert?

      -16
      • Die Stimmung der Argentinier ist entsprechend. Sie kehren in die Heimat zurück und gründen Geschäfte. In Deutschland ist es andersherum.

      • Du hast deine Infos auch nur aus der Tagesschau und vom Starökonom Fratscher was

      • Darum wurde er auch gewählt , oder? Der Argentinier kann doch nicht so viel VWL-Kenntnisse haben wie ein Deutscher😂

  • Ein Ökonom? Wohl eher ein sozialistisches Mietmaul.

  • Ein deutscher „Ökonom der Kaynesianischen Wirtschaftsleere“ greift Milei an.
    Mit dem würde Milei sich die Schuhe zubinden. Ich lach mich schlapp

    • Richtig. Milei hat in seinen Auftritten schon jedes erdenkliche Argument zerlegt. Er ist theoriesicher und die Praxis spricht für sich. Ich habe mir zwei arg. Aktien gekauft: plus 80% und die Perspektive ist positiv.

      • Mercadolibre ist ein gutes Unternehmen aber ja eigentlich nicht so sehr von der argentinischen Wirtschaftsentwicklung abhängig. Das andere kann ich nicht erraten. Ich hätte gern einen ETF aber der einzige den ich gefunden hab ist bei meiner Bank leider nicht handelbar. Mercadolibre ist mir vom KGV zu teuer.

    • Du bist doch schon lange schlapp.

      • Ich finde er hat recht.

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