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EU-Richtlinien

Bauernproteste in Irland: Die Wut über die Agrarpolitik wächst

Landwirte in Irland gehen seit Monaten auf die Straße, doch in den vergangenen Tagen haben sich die Proteste deutlich zugespitzt. Viele sind unzufrieden mit der Regierung, der EU und sogar mit ihrem eigenen Interessenverband.

Irische Bauern gingen auch 2024 auf die Straßen (IMAGO/Cover-Images)

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Irische Landwirte gehen seit Wochen auf die Straße, um gegen steigende Spritkosten und das Mercosur-Abkommen zu protestieren. Bei den sogenannten Treibstoffprotesten geht es jedoch um weit mehr. In Irland wächst die Unzufriedenheit mit der Agrarpolitik der Regierung.

Irische Landwirte organisieren seit Monaten landesweit Protestaktionen, die sich seit dem Ausbruch des Nahostkriegs und den damit verbundenen explodierenden Spritpreisen weiter zugespitzt haben. Streit um Ausnahmeregelungen, das Mercosur-Abkommen und die Besetzung der Bord-Bia-Zentrale zeichnen ein kritisches Bild einer Gesellschaft, in der die Landwirtschaft eine zentrale Rolle spielt, wie The Journal unter anderem berichtet.

Die Regierung kündigte am Sonntagabend zwar ein Treibstoff-Hilfspaket an, um den steigenden Spritpreisen entgegenzuwirken. Die vorgesehenen 500 Millionen Euro stoßen bei vielen Bauern jedoch auf Skepsis und Unverständnis. Für zahlreiche Landwirte ist das angesichts der angespannten Lage zu wenig. Viele sehen in dem Paket lediglich einen Zwischenschritt, nicht aber eine echte Lösung. Zudem rechnen zahlreiche Betriebe mit weiteren Preisschocks, sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter zuspitzen.

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Allgemein wächst in der Branche die Unzufriedenheit darüber, wie die Regierung die Agrarpolitik handhabt – besonders im Zusammenhang mit dem europäischen Freihandelsabkommen Mercosur. Das zeigte sich bereits vor Wochen, als Bauern die staatliche Lebensmittelagentur Bord Bia besetzten und den Rücktritt des Vorsitzenden Larry Murrin erzwangen. Landwirte warfen ihm „Doppelmoral“ vor: Er gebe vor, sich für irische Bauern einzusetzen, importiere zugleich aber brasilianisches Rindfleisch.

Das Mercosur-Abkommen soll am 1. Mai in Kraft treten und sieht den umfassenden Abbau von Zöllen zwischen mehreren lateinamerikanischen Staaten und der Europäischen Union vor. Landwirte kritisieren seit Jahren, dass Agrarimporte aus Südamerika den Wettbewerb zulasten heimischer Betriebe verzerren würden. Strenge EU-Vorgaben für Pflanzenschutz, Tierhaltung und Dokumentation erschweren es irischen Bauern zusätzlich, mit günstigeren Importen zu konkurrieren; viele befürchten, der Markt könnte durch den Zollabbau mit billigen Importen überflutet werden. Besonders kleinere Bauern fürchten deshalb um ihre Existenz.

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Doch selbst in Irlands größter Interessenvertretung für Landwirte, der IFA, brodelt es. Dem Verband wird vorgeworfen, sich in den vergangenen Monaten zu regierungsnah und zu nachgiebig gezeigt zu haben. Dafür erntete er scharfe Kritik aus den eigenen Reihen. Der ehemalige Regierungsberater Gerald Howlin warnt sogar vor einem „Zusammenbruch“ des Ansehens der IFA. Statt ausreichend Druck auf Regierung und Behörden auszuüben, habe sich der Verband zu kompromissbereit gezeigt – gerade in Krisenzeiten erwarten viele Bauern jedoch eine konfrontativere Haltung. Zudem habe die IFA zu langsam und zu bürokratisch gehandelt und sich in der Vergangenheit nicht entschieden genug auf die Seite der Landwirte gestellt.

Daueraufreger ist zudem die EU-eigene Nitrat-Richtlinie, die Bauern vorschreibt, wie viel Stickstoff aus tierischem Dünger sie pro Hektar ausbringen dürfen. Irland hat dabei eine Sonderregelung, die es Landwirten ab einer bestimmten Größe erlaubt, mehr als normalerweise zugelassen auszubringen. Landwirte mussten sich eine Verlängerung der Ausnahmeregelung regelrecht erkämpfen, weshalb viele weiterhin skeptisch gegenüber der Regierung und dem Agrarministerium sind.

Die Bauernproteste in Irland sind damit längst mehr als eine Reaktion auf hohe Spritpreise. Sie stehen für einen grundlegenden Vertrauensverlust in die Agrarpolitik der Regierung, in staatliche Institutionen und teils auch in die eigenen Interessenvertreter. Der Streit um Mercosur, Nitratregeln und steigende Kosten zeigt, wie groß die Sorge vieler Landwirte um ihre wirtschaftliche Zukunft inzwischen ist.

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25 Kommentare

  • Nicht nur die Bauern protestieren in Irland. Da war in den letzten Tagen auch sonst viel los.

  • Der Preis von Kunstdünger wird auch kriegsbedingt steigen. Die Produktion ist sehr energieintensiv und viele Fabriken stehen in RU, der Ukraine, und den Golfstaaten. Zudem sind die Exportwege unsicher.

  • Ich denke mal, was man so den (ausländischen) Medien entnehmen konnte, geht es in Irland grade auch noch um andere Dinge.

  • Und da sagt Kubicki, dass es irre ist von der AfD sich gegen die EU zu stellen. Aha.
    Mal ehrlich, ich bin dankbar für jeden Bauern der seinen Job noch macht. Würde der Diesel fehlen, hätten wir in Europa sehr schnell eine Hungersnot. Ja wir importieren viel, aber man muss sich die Preisexplosion vorstellen. Jedes sozialistische Regime ist an der Ernährung gescheitert. Stalin hat Millionen verhungern lassen.
    Jetzt stellt euch mal vor, was das Verbrennerverbot auslösen wird. Es wäre praktisch das aus der Landwirtschaft. Diese gefährlichen Klimafanatiker und Linken werden Europa zerstören. Gegenwehr kommt erst, wenn es zu spät ist.

    • Und in Deutschland im Moment gar nicht. Es ist echt gespenstisch, wie bräsig die meisten sind.

      • Eine Nebenwirkung der „Impfung“?

  • Neulich an einer Scheune gelesen:
    no farmers – no food – no future

    • In welchem Land?

  • Sie gehen wenigstens auf die Straße, während die meisten, bräsigen schon länger hier Lebenden ihren Hintern nicht mal zum putzen lupfen. Sie bewegen sich nicht mal wenn die Benzinpreise die Decke durchschrauben.

  • Ich hoffe, dass Südamerika sich aus diesem Abkommen verabschiedet! Da ich nämlich genau dorthin flüchten möchte, weil mich die EUdSSR einfach nur noch nervt, möchte ich nicht, dass dort dann die gleichen, schwachsinnigen Regeln durch das Abkommen Einzug halten!

  • Im Vergleich zu Deutsch-Schand haben andere Länder und deren Bürger die Courage und Ar..in der Hose gegen die verkorkste Politik ihres Landes auf die Straßen zu gehen

    In Deutsch-Schand hingegen gibt es offenbar nur links-gesteuerte Proteste und deren mißbrauchte Werkzeuge wie Omas gegen Rechts

  • Da zeigt sich der Populismus wie unwissend und inkompetent er ist, aber auch wie kleinlich und zurückgeblieben. Irgendein dummes Gedönse von Apollo was von „Freiheit“ zu quatschen hört halt auch da auf, wo Stammtischbauer eine Extrabehandlung haben will.

  • Bravo Irland, auch dass ihr Euch gegen das faschistische Israel positioniert zeigt dass ihr aufrechte Menschen seid die die Unterdrückung durch die englischen Kolonialherren nicht vergessen habt!

    -12
    • Israel Hasser sind bei der TAZ besser aufgehoben. Hier bei AN kommentieren Demokraten. Und Tschüss.

      • Der Kommentarbereich von AN ist voll von Israel-Hassern.

    • Ich glaube Sie verwechseln da etwas. Es waren die Araber, die sich mit den Nazi’s gegen die Juden zusammen geschlossen haben und jetzt geht es wieder los. Die neuen Nazis ( Linke und Konsorten) haben sich wieder mit den Arabern gegen die Juden zusammen geschlossen. Aber wer halt keine Bildung hat, kann das natürlich nicht wissen.

      • tja, so ändern sich die Zeiten und Iran kämpft auf einmal für unsere Freiheit.

        • Hust, hust

          0
    • Wo steht das mit dem fasch. Israel positioniert? Satire?

      • „Es ist echt gespenstisch, wie bräsig die meisten sind.“

        keine weiteren fragen.

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