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Erst Explosion, dann Absturz – wie Geopolitik und Märkte den Ölpreis auf Achterbahnfahrt schicken

Die jüngsten Ereignisse im Iran schickten den Ölpreis auf eine regelrechte Achterbahnfahrt. Auf den panikartigen Anstieg folgte am Dienstag ein Absturz. Offensichtlich kalkulieren die Märkte mit einem absehbaren Ende des Konflikts.

Der Ölpreis unterliegt derzeit starken Schwankungen (Symbolbild) (IMAGO/ZUMA Press Wire)

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Der Ölmarkt ist ein Spiegel geopolitischer Verwerfungen und pendelt im Rhythmus täglicher Ereignisse. Seine geradezu erratische Reaktion auf die Sperrung der Straße von Hormus und die in Brand gesetzten Öldepots im Iran und im irakischen Grenzgebiet deutete am frühen Handel am Montag auf eine massive Eskalation des Iran‑Konflikts hin. Wer jedoch zeitgleich einen Blick auf die Terminkurve des WTI‑Kontrakts warf, konnte feststellen, dass die Märkte eine Dauer des Konflikts von nicht mehr als zwei Monaten einpreisten. 

Der rasche Anstieg von 93 Dollar je Barrel auf zeitweise über 110 Dollar spiegelte somit lediglich einen kurzfristig drohenden Lieferengpass wider (Apollo News berichtete). Die schlechten Nachrichten kulminierten: Zunächst kündigte der größte maritime Versicherer der Welt, Lloyds, gemeinsam mit dem Londoner Versicherungskonglomerat, die Beendigung der Versicherungen für wartende Öltanker und Gastanker im Golf von Hormus an – sowie weitreichende Überprüfungen der sogenannten War‑Risk‑Deckungen in Folge des Konflikts und der erhöhten Risiken in der Region.

Qatar Energy erklärte Force Majeure und meldete einen wochenlangen Produktions‑ und Lieferstopp. Die Lager sind zwar voll, doch der Transport ist nicht mehr möglich. Hauptleidtragende sind die Europäer, deren Ökonomien dringend auf die Lieferung von Energiebeständen aus dem Nahen Osten sowie den Vereinigten Staaten und Russland angewiesen sind.

Bereits am späten Handel am Montag setzte dann die Trendwende beim Ölpreis ein. Der Preis kollabierte bis zum Dienstagvormittag auf etwa 78 US‑Dollar pro Barrel – ein Rückgang von über 25 Prozent in wenigen Stunden. Vorausgegangen waren Nachrichten der G7‑Staatengruppe, die im Notfall auf die Freigabe strategischer Ölreserven ausweichen könnten, sollte es zu massiven Engpässen kommen.

In der Europäischen Union halten die Staaten traditionell Ölbestände für etwa drei Monate vorrätig. Damit wären sie in der Lage, diese Zeitspanne zu überbrücken, falls der Konflikt nach Plan der amerikanischen Regierung und Israels verläuft und nicht weiter eskaliert.

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Gleichzeitig preisten die Märkte die Bemühungen der US‑Regierung ein, das Versicherungsgeschäft kurzerhand selbst zu übernehmen – eine geopolitisch und strategisch sinnvolle Maßnahme sowie ein harter Schlag gegen die City of London. Deren virtuelle Macht bestand im Wesentlichen darin, maritimen Verkehr über Versicherungen sanktionieren zu können. Dieser Hebel fällt nun offenbar in die Hände der Amerikaner.

Zudem dürfte das amerikanische Verteidigungsministerium kurz vor der Entscheidung stehen, militärisches Geleit für Öl‑ und Gastankschiffe durch die Straße von Hormus zu organisieren. Die Tatsache, dass in den vergangenen Tagen die iranische Militärflotte massiv dezimiert wurde, deutet darauf hin, dass man sich auf diesen Einsatz vorbereitet. Energieimporteure sollten sich darauf einstellen, dass dieser Einsatz nicht zum Nulltarif zu haben sein wird. Auch hier gewinnen die Amerikaner schrittweise eine geopolitische Machtposition. Auffällig bleibt die Passivität der Europäer, deren Einfluss in der Region nun wie im Zeitraffer zu schwinden scheint.

Ein wichtiger Gradmesser für geopolitische Unsicherheiten und möglicherweise eine Eskalation im Iran-Konflikt bleiben auch die Aktienmärkte. Diese bewegten sich nach einem ersten Abverkauf am Montag wieder langsam gen Norden. Stabilität vermittelte auch der Anleihenmarkt. Hier stiegen die Zinsen nur geringfügig, was darauf hinweist, dass Investoren nicht mit einem anhaltenden Inflationsschub rechnen. Dennoch ist man gut beraten, den Anleihenmarkt weiter genau zu beobachten. Er ist neben dem Rohstoffmarkt der wichtigste Indikator, um aus dem Marktverhalten eine Tendenz im Iran-Konflikt ableiten zu können.

Die jüngsten Entwicklungen im Irankonflikt weisen in jedem Falle darauf hin, dass die Preissetzungsmacht im so wichtigen Energiesektor zunehmend in die Hände der USA wandert. Steht die Welt damit möglicherweise vor einer tiefen Bifurkation der Energiemärkte mit relativ höheren Preisen für Konsumentenstaaten wie die Europäer und gleichzeitig deutlich günstigeren Energiepreisen für die produzierenden Staaten? Dies würde das Wohlstandsgefälle zwischen den USA und Europa weiter vertiefen und gleichzeitig den Druck auf die europäische Politik erhöhen, kooperative Lösungen mit potenziellen Energielieferanten anzustreben.

Es ist durchaus möglich, dass die panikartige Reaktion beim Ölpreis teilweise durch den zunehmenden algorithmischen Handel verursacht wurde und nun im umgekehrten Falle gesetzte massive Stop‑Loss‑Orders die Gegenbewegung beschleunigt haben. Mit Blick auf die globale Ökonomie sollte allerdings noch nicht Entwarnung gegeben werden. Grundsätzlich sind steigende Energiepreise Gift für die weltweite Konjunktur, das Transportgewerbe, für die Produktionskosten. 

Am Ende landet der Stress am Energiemarkt beim Endverbraucher, der vor allen Dingen in Europa bereits nach Jahren hoher Inflation, wachsender Arbeitslosigkeit und der anhaltenden Deindustrialisierung extrem unter Druck geraten ist.

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6 Kommentare

  • – Geopolitik und Märkte –
    oder Insider-Wissen der großen Hedge Funds, Banken und Andere!
    oder am Leid von Menschen haben sich schon viele bereichert!

  • Tatsächlich könnte die deutsche Marine helfen, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz, in den Gewässern von Dubai und Oman, zu sichern.
    Leider hat man hier damals Horst Köhler, den Bundespräsidenten, zum Rücktritt gezwungen, als er genau solche Einsätze vorschlug.
    Ein politisches Deutschland, daß sich weigert, seine Interessen zu schützen und international weiterhin das Modell des moralisch und ökologisch überlegenen Ponyhofs anstrebt ist mindestens zur Armut, wahrscheinlich aber ganz zum Scheitern verurteilt.

  • Je nachdem, wie lange der Krieg gegen den Iran dauert, könnte er für Europa verheerende Wirkung entfalten:
    Steigende Energiepreise, damit steigende Inflation und damit steigende Zinsen, also kollabierende Staatshaushalte in der Eurozone, besonders Italien und Frankreich.
    Die Unterstützung der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland werden dadurch immer teurer, wenn dann auch noch eine erneute Flüchtlingswelle dazu kommt, gute Nacht.
    Dazu die tendenzielle Aggressivität des Konflikts: Iran und Verbündete negieren das Existenzrecht Israels, das ist eine Ausgangsposition, die jede Verhandlung unmöglich macht.
    Umso bemerkenswerter die vollkommene Passivität der europäischen Politiker: niemand unternimmt irgendwas, sei es um den Konflikt zu irgendeinem Ende zu bringen, sei es, um die Folgen zu lindern.
    Mit jedem Tag den der Iran Krieg andauert, wird der Druck auf die EU und die Ukraine größer, mit Russland zu einer tragfähigen Lösung zu kommen.

  • Trumps neuer Boss für das Heimatschutzministerium, hier mal ein orwellischer Name, ist einer der aktivsten Wallstreet Anleger im Kongress und hält Aktien von ConocoPhillips und Chevron. Er ist einer der großen Verdiener am Krieg und typisch für den Trump-Sumpf.

    • Und die Monopolisierung des Fleischmarktes, der Ruin der Bauern, unter den Demokraten? Hillary Clinton hat viel Geld mit Cattle Futures verdient, Nancy Pelosi ist mit ihrem Aktien Portfolio auch „zu erfolgreich“…
      In Washington finden sie keine Unschuldigen.

  • Das ist keine Geopolitik wenn der korrupteste Präsident der je im weißen Haus war offen über seinen Insiderhandel redet.

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