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„Großer Fehler“

ZDF-Korrespondent: TV-Duell hätte vor 16 Uhr stattfinden müssen, als Biden noch „arbeitsfähig“ war

Elmar Theveßen ist US-Korrespondent für das ZDF - und muss bei Markus Lanz jetzt Bidens Schwächen einräumen. Trotzdem war es aus seiner Sicht ein „großer Fehler“, dass das TV-Duell nicht vor 16 Uhr stattfand, als Biden noch „arbeitsfähig“ war.

Theveßen im April bei „Maischberger“.

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„Es gibt fast kein anderes Thema“, eröffnet Elmar Theveßen bei Markus Lanz am Mittwochabend. Er ist Amerika-Korrespondent für das ZDF in Washington D.C. – und trägt in dem Ton des Kenners und Experten vor, für den das alles keine Überraschung sei. Die Menschen seien „erschüttert“ und würden auch an seinem „geistigen Zustand“ zweifeln. Nun würden sich die Stimmen mehren, die Bidens erneute Kandidatur für eine schlechte Idee halten und den greisen Präsidenten zum Rücktritt auffordern.

Das Problem sei aber nicht Bidens Zustand – da ist sich Theveßen mit Lanz einig – sondern der Umstand, dass Biden so spät abends auftrat. Insider sagen, der Präsident sei nur zwischen 10 und 16 Uhr voll arbeitsfähig – dann hätte man den Termin halt nicht auf 21 Uhr setzen dürfen, sind sich die Journalisten einig. „Großer Fehler von dem Team“, weiß der Korrespondent. Er sei „oft genug“ auf der Höhe des Jobs, „in diesem Fall“ aber nicht. Jetzt sei die Frage: „War das nur ein Ausreißer oder war das ein Zustand?“

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Wie Theveßen das Offensichtliche nicht sehen wollte

Der große Amerika-Experte Theveßen stellt eine Frage, die längst beantwortet ist. Das weiß auch Lanz. „Sorry, Elmar“, sagt der Talkmaster -, „aber die Frage, ob das Aussetzer oder ein Zustand ist, ist in meinen Augen hinreichend beantwortet.“ Der Präsident habe doch eindeutig ein „kognitives Thema“. Theveßen wiederholt: Oft sei Biden voll fit. Aber das werde „übertüncht“ von dem, was „jetzt offenbar sichtbar geworden ist letzte Woche – dass die Geschwindigkeit dieses Amtes so sehr ihm zusetzt“.

Er muss einräumen: Biden ist nicht mehr fit genug für das politisch höchste Amt der Vereinigten Staaten. Dabei hatte er selbst monatelang das Gegenteil behauptet: Bis zuletzt tourte Theveßen durch die Talkshows und Vortragsabende, um die offensichtlich schlechten Zustand Bidens wegzureden.

Noch im November erklärte er im Fernsehen aus der Rolle des US-Experten heraus, Biden sei „geistig voll in der Lage, dieses Amt auszuführen“. Da waren die zahlreichen Aussetzer des alten Mannes Biden schon informierten Normalbürgern wohlbekannt – und hätten gerade einem US-Korrespondenten auffallen müssen. Scheinbar aber nicht einem Theveßen – der behauptete monatelang als Journalist öffentlich das Gegenteil dessen, was die ganze Welt in zahlreichen Clips mit ihren eigenen Augen sah.

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Im Januar erklärte er, Joe Biden sei „zwar gebrechlich, aber geistig topfit“ und halte „die Fäden seiner Partei in der Hand“. Es ist die Partei, in der ihn immer mehr jetzt mit aller Macht absägen wollen – die Fäden scheinen durchtrennt. Und im April? Da erklärte Theveßen auf einem Vortragsabend, der US-Wahlsieger könne eigentlich nur Joe Biden heißen.

Aktuell liegt Trump in Umfragen sehr deutlich vor Biden. Schaut man auf diese Bilanz der absoluten Fehleinschätzungen, könnte man meinen: Der Titel „Experte“ setze beim ZDF voraus, sich mit möglichst breiter Brust möglichst oft zu irren.

Theveßen ist kein unbekannter: Als US-Korrespondent des ZDF war er auch schon während der Trump-Präsidentschaft mit unterirdischen Beiträgen unterwegs. Auf seinem damaligen Twitter-Account teilte er beispielsweise ein Bild von Nationalgardisten, die das Lincoln Memorial in Washington D.C. vor gewalttätigen „Black Lives Matter“-Mobs schützten. Über diese Mobs verlor Theveßen kein böses Wort. Stattdessen warf er Trump ob des Anblicks von uniformierten Truppen vor, eine „Militärdiktatur“ errichten zu wollen.

„Was ist das? Eine Militärdiktatur?“ fragt Elmar Theveßen, der es eigentlich besser wissen müsste.

Er hätte als US-Korrespondent natürlich wissen müssen: Die Nationalgarde wird regelmäßig bei schweren Unruhen im Inland eingesetzt. Während der „Black-Lives-Matter“-Ausschreitungen setzte fast jeder Bundesstaat die Nationalgarde zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ein. Nationalgardisten wurden etwa auch an das US-Kapitol beordert, um die gewalttätigen Trump-Demonstranten aus dem Gebäude zu entfernen und das Kongressgelände zu sichern. Die Truppen auf dem Bild waren darüber hinaus offensichtlich nicht einmal militärisch bewaffnet. Aber egal: Für einen irreführenden, populistischen Beitrag des großen Amerikakenners Theveßen reichte es.

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