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Weshalb ein Ministerpräsident Siegmund nahezu unausweichlich ist

Nach dem AfD-Erdrutschsieg in Sachsen-Anhalt kündigt sich eine turbulente Regierungsbildung an – doch ein Blick auf den Ablauf der Wahl zeigt, dass die Chancen auf einen Ministerpräsidenten Siegmund sehr hoch stehen. Bereits ein Abweichler von BSW oder CDU würde reichen.

Bald Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt? AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (IMAGO/Revierfoto)

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Sachsen-Anhalt hat gewählt – wer der nächste Ministerpräsident des Landes wird, ist jedoch noch völlig offen: Wahlsieger Ulrich Siegmund braucht fremde Unterstützung im Landtag – realistisch gesehen aus der CDU oder dem BSW. Doch aus den beiden Parteien kommen völlig unklare Signale.

So erteilte die BSW-Co-Bundeschefin Amira Mohamed Ali gegenüber The Pioneer einer Kooperation mit der AfD jedweder Art eine Absage: „Eine Koalition oder Minderheitsregierung mit der AfD schließen wir aus – anderslautende Behauptungen in der Presse sind falsch.“ Unterdessen legte der Co-Landeschef des BSW Thomas Schulze kein klares Bekenntnis gegen eine AfD-Kooperation ab – er betonte kurz nach der Wahl: „Für uns existiert keine Brandmauer. Wir werden mit allen Parteien sprechen.“ Eine Koalition mit der AfD wollte er nicht ausschließen.

Auch aus der CDU kommen völlig unklare Signale: Als Partei verweigern sich die Christdemokraten zwar einer Unterstützung der AfD im Landtag, doch bereits im Vorfeld wurde über mögliche Überläufer oder Siegmund-Stützer spekuliert. Am Dienstag kam es dann zum ersten scheinbaren Fall dieser Art: Erst kündigte der CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Krull gegenüber dem RND an, nicht gegen Siegmund stimmen zu wollen, sondern sich zu enthalten. Nur kurze Zeit später machte Krull dann einen Rückzieher, kündigte doch ein Nein an und erklärte seine vorherigen Verlautbarungen zu einem „Büroversehen“.

Sowohl BSW als auch CDU scheinen die Initiative völlig aufgegeben zu haben: Noch-Ministerpräsident Sven Schulze sieht den Regierungsauftrag bei Siegmund, ist jedoch selbst zu keiner Kooperation bereit. Ali vom BSW hält unterdessen an der widersprüchlichen Position fest, dass man mit der AfD zwar nicht kooperiere, aber genauso wenig eine Regierung gegen die AfD bilden wolle. Faktisch sind das jedoch die einzigen beiden Möglichkeiten für das BSW – zumindest wenn man Neuwahlen verhindern wollte.

Der rechtliche Rahmen ist eindeutig

Rechtlich ist der Rahmen für die Wahl des Ministerpräsidenten nämlich eindeutig: Erst kommt es zu zwei Wahlgängen im Landtag, in denen es jeweils einer absoluten Mehrheit der Stimmen bedarf. Diese hätte Siegmund nach jetzigem Stand nicht. Nach zwei Wahlgängen entscheidet der Landtag über seine eigene vorzeitige Auflösung und damit einhergehende Neuwahlen. Lehnt der Landtag seine eigene Auflösung ab, folgt ein dritter Wahlgang, in dem bereits die „Mehrheit der abgegebenen Stimmen“ reichen würde, um zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden.

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Angesichts dessen lässt sich nicht seriös vorhersagen, wie eine Ministerpräsidentenwahl ausgehen würde – es dürfte jedoch mit nahezu an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu Chaos kommen: Bereits wenige Abweichler in CDU und BSW könnten Siegmund doch unverhofft das Amt verschaffen. Zusätzlich kündigte BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht noch vor wenigen Monaten im Interview mit Apollo News an, dass sich ihre Partei im dritten Wahlgang geschlossen enthalten würde.

Da sich das Anti-AfD-Lager aus CDU, SPD, Grünen und Linken auf der einen Seite und die AfD auf der anderen Seite mit exakt 39 zu 39 Sitzen in einem Patt befinden, hat dieses Versprechen weitreichende Folgen.

Steht das BSW nämlich dazu, würde das bedeuten, dass bereits ein Abweichler aus dem Anti-AfD-Block reichen würde, um das Patt zwischen den beiden Lagern aufzuheben und Ulrich Siegmund im dritten Wahlgang zum Ministerpräsidenten zu wählen. Nach den Erfahrungen mit früheren offenen Parlamentsabstimmungen sind solche Abweichler durchaus denkbar – man erinnere sich nur an den gescheiterten ersten Wahlgang bei der Kanzlerwahl des heutigen Amtsinhabers Friedrich Merz.

Sollte es wider Erwarten doch zu einer reinen Entscheidung nach Lagern kommen – und das Patt damit nicht aufgehoben werden, drohen dem Land zwei weniger wahrscheinliche Szenarien: Entweder löst sich der Landtag auf und es folgen Neuwahlen – ein Vorgang, der wohl für alle AfD-Verhinderer nachteilig wäre und Siegmund nur Munition für den folgenden Wahlkampf liefern würde – oder die Regierung von Noch-Ministerpräsident Schulze würde weiter geschäftsführend regieren – ohne parlamentarische Unterstützung und unter rechtlich fragwürdigen Umständen. Der AfD würde dann bei der kommenden Landtagswahl wohl eine absolute Mehrheit blühen.

Wahrscheinlicher ist da als Alternative zu einem Ministerpräsidenten Siegmund dann doch der vom BSW vorgeschlagene „Magdeburger Weg“: Ein überparteilicher Ministerpräsident, wohl ohne Unterstützung der AfD, wird durch den Anti-AfD-Block und das BSW gewählt. Er könnte sich auf eine mehrheitliche Unterstützung des Landtags verlassen. Viel durchsetzen könnte er dabei wohl kaum: Politisch wären bei den fünf Parteien, die ihn stützen würden, Einigungen kaum möglich – vielmehr würde der überparteiliche Ministerpräsident den Stillstand verwalten (mehr dazu hier).

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12 Kommentare

  • Ich bin für Neuwahlen. Von der Situation, wie sie ist, kann sich keine Seite etwas kaufen.

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  • Sollte er nicht werden, werden viele Bürger/Wähler in sich gehen und fragen : Was stimmt mit unserer Demokratie nicht?

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  • OK, hoffentlich wird sich da Jemand mit einem gesunden Menschenverstand finden!!!

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  • Viel Spekulation, wenig Konkretes. Und Herr Cherny scheint wie sicher davon auszugehen, daß es Überläufer nur aus den Altparteien geben könne. Und was, wenn die AfD-Fraktion nicht geschlossen auftritt? Bei einer geheimen Wahl ist alles möglich: alte Rechnungen, neue Gewissensbisse, Verfassungsschutz-Maulwürfe unter den AfD-Abgeordneten, Abgeordnetenbestechung.
    Ich will nicht sagen, daß etwas von all diesem eintritt. Ich weiß es nicht. Ich will nur sagen, daß all dies eintreten könnte. Es wäre nicht das erste Mal, daß eine geheime Wahl im Parlament durch einen fremden Geheimdienst gesteuert wird. Die Älteren unter uns erinnern sich an 1972 und das Mißtrauensvotum Barzel gegen Brandt. Die Stasi hat damals für das „richtige“ Ergebnis gesorgt.

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    • Es ist leider davon auszugehen, dass etwaige AfD-Abtrünnige mit lukrativen „Anschlussverwendungen“ rechnen können werden.

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  • NEUWAHLEN!

    So lange Links-Grüne-Idioten im Landtag die Mehrheit haben, wird sich nichts bessern.

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    • Ich hoffe auf die absolute Mehrheit für die AfD.
      Das Ergebnis der Neuauszählung einiger Wahlkreise soll angeblich Freitag um 10 Uhr bekannt gegeben werden.

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  • Es geht doch gar nicht darum, einen Ministerpräsident zu wählen. Er braucht eine dauerhaftstabile Mehrheit von 3-5 Stimmen, um regieren zu können und Gesetzesvorhaben durchzubringen. Wenn er das nicht hat, läuft er nur auf. Es wird Neuwahl geben. Oder die CDU splittet sich auf, und es gibt eine Fraktion, die ihn unterstützt.

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  • Eine wie auch immer geartete Kooperation mit dem BSW oder mit Abweichlern aus der CDU ist in meinen Augen irgendwann zum Scheitern verurteilt und würde Ulrich Siegmund – sollte er sich mit deren Stimmen zum MP wählen lassen – und der AfD den Makel anheften, dass sie es halt doch nicht können. Daher sind Neuwahlen m.E. der einzig vernünftige Weg.

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  • Ich hoffe auf die absolute Mehrheit für die AfD.
    Das Ergebnis der Neuauszählung einiger Wahlkreise soll angeblich Freitag um 10 Uhr bekannt gegeben werden.

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  • Uli ist nicht doof: sich von einer Gruppe von SEDlern – das „BSW“ ist keine Partei – abhängig zu machen, kommt für ihn nicht in Frage. Entweder treten einige CDU über, was eher unwahrscheinlich ist, oder es wird Neuwahlen wollen.

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    • Die Hauptsache ist doch erstmal, sich als MP wählen zu lassen und es auch zu werden. Wenn die Bürger dann sehen, das den Wahlversprechungen nachgegangen wird und es sich positive Veränderungen durch das Regieren der AFD abzeichnen, kommt der sogenannte Dominoeffekt zum Vorschein und es werden noch einige mehr überlaufen!

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