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Weltkriegsdrohungen mit charmantem Akzent

Der russische Botschafter Netschajew gibt sich bei Ben Ungeskriptet nett und friedliebend – und droht beiläufig mit einem Atomkrieg. Seine Ausführungen sind bei näherer Betrachtung grotesk falsch. In Deutschland darf es keine Politik der Angst mehr geben.

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Mit beruhigender Stimme und charmantem Akzent erklärt der russische Beobachter bei Ben Ungeskriptet, dass Russland ja nur Frieden wolle und im Prinzip noch nie etwas Böses im Schilde geführt habe. Zwischendurch gleitet er in sanfte Drohungen ab – gütig gesteht er zu, dass die deutsche Reaktion auf die Sprengstoffdrohnen von Leipzig noch kein neuer Sender-Gleiwitz-Vorfall sei, also nicht der Vorabend zur Eröffnung des Zweiten Weltkriegs.

Gleichwohl weist er auf die russischen Nuklearkapazitäten hin, die man „noch“ nicht einsetze – um dann hinterherzuschieben, dass die russische Geduld „nicht grenzenlos“ sei. Weil Deutschland also das Russische Haus der Kulturen in Berlin und ein weiteres Konsulat geschlossen hat, wird mal eben mit dem Atomkrieg gedroht – das versteht Putins Russland wohl unter Diplomatie.

Der Botschafter behauptet, diese – nüchtern betrachtet völlig läppische – deutsche Reaktion sei der „Tiefpunkt“ der Beziehungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Mir fielen da die Kuba- und zwei Berlin-Krisen ein oder Dutzende von der Roten Armee und ihren Schergen beim Volksaufstand in der DDR erschossene Deutsche. Gebetsmühlenartig behauptet er, Russland würde überhaupt keine Angriffe auf die Zivilbevölkerung führen, während russische Drohnen tagtäglich Kiewer Wohngebäude treffen; der seit fast fünf Jahren tobende Krieg mit Hunderttausenden Toten bleibt eine militärische Spezialoperation, das von unzähligen unabhängigen Journalisten überprüfte Massaker von Butscha wird einfach geleugnet.

„Wir haben Deutschland nicht angerührt, in der gesamten Nachkriegsgeschichte haben wir uns bemüht eine gemeinsame Sprache zu sprechen“ erklärt Netschajew weiter. Ob Russland in Deutschland wirklich „nichts angerichtet“ hat, lässt sich angesichts von 40 Jahren blutiger Diktatur in Ostdeutschland bezweifeln – und angesichts von Tausenden Toten in den als sowjetische Speziallager weitergenutzten KZs Buchenwald und Sachsenhausen.

Auch der behauptete Versuch, eine gemeinsame Sprache zu etablieren, versehen mit dem impliziten Vorwurf, dies sei am fehlenden Willen der Deutschen gescheitert, entspricht nicht der historischen Realität. Jahrzehntelang taten deutsche Bundesregierungen alles dafür, um sich Russland anzunähern. Wladimir Putin durfte im Bundestag sprechen. Nord Stream und damit der Kauf von russischem Gas waren ein lagerübergreifender Konsens, Annäherung durch Handel war bundesrepublikanische Priorität. Mit Gerhard Schröder gab es einen Bundeskanzler, der sich nach seiner Amtszeit von Russland kaufen ließ. Ihm folgte mit Angela Merkel eine Bundeskanzlerin, die sogar der russischen Sprache mächtig war.

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In ihrer Amtszeit bewies Deutschland größtmögliche, wenn nicht unmögliche Geduld mit Putin. Die Annexion der Krim wurde ohne signifikante Konsequenzen hingenommen. Als Donald Trump in seiner ersten Amtszeit Waffen an die Ukraine lieferte, war Angela Merkel mit ihrer Regierung, wie auch in den Jahren zuvor, strikt dagegen. Man sprach so sehr die gleiche Sprache, dass selbst in den Tagen vor Kriegsbeginn in Deutschland die amerikanischen Warnungen nicht ernst genommen wurden.

Olaf Scholz war der ebenso festen wie falschen Überzeugung, Putin mit Diplomatie vom Krieg abhalten zu können. Und auch die deutsche Bevölkerung war völlig von Russland eingenommen, war im Jahr 2018 zum Beispiel zu drei Vierteln der Meinung, dass Trump gefährlicher als Putin sei. 83 Prozent gaben in einer Umfrage an, keine Angst vor Russland zu haben.

Was haben das jahrzehntelange Vertrauen, Entgegenkommen, Verhandeln und Rechtfertigen gebracht? Es bleibt der nach wie vor von Russland mit aller Macht betriebene blutigste Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Deutschen und die Russen, sie haben auf so vielen Ebenen über so lange Zeit eine gemeinsame Sprache gesprochen. Aufgekündigt wurde sie von Putin.

Jeder Mord hat eine Vorgeschichte

All das wäre für eine Friedensdiplomatie heute egal, allerdings ist es der Botschafter, der unentwegt von der „Vorgeschichte“ des Konflikts spricht. In diesem Kontext interessieren diese Teile der Vorgeschichte aber offenbar auch nicht. Genauso wenig wie, sagen wir, der Holodomor, bei dem Stalin Millionen Ukrainer elend verhungern ließ und ermordete, oder die jahrzehntelange Unterdrückung der ukrainischen Identität in der Sowjetunion. Oder die Tatsache, dass die Ukraine als immerhin zwischenzeitlich nominell drittgrößte Atommacht der Erde in den 90er-Jahren freiwillig ihre Atomwaffen an Russland übergab, im Gegenzug für die Garantie, dass ihre territoriale Integrität nicht angetastet werden dürfe. Oder dass auch in den russischsprachigen Gebieten der Ostukraine und im Donbas beim freien Referendum 1991 über 80 Prozent für die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion stimmten; selbst auf der Krim fand sich eine eindeutige Mehrheit. Jeder Mord hat eine Vorgeschichte, jeder Vergewaltiger hatte eine schwere Kindheit – wer so argumentiert, wird nie zu einem Ergebnis kommen.

Deutschland wolle man natürlich nichts Böses, erklärt der Botschafter zwischen seinen nuklearen Drohungen. Im russischen Staatsfernsehen hört sich das irgendwie anders an – da hört man gerne Sprüche wie „Berlin wird brennen“ oder „Wir werden euch alle töten“. Donald Trump hat mehr als genug Angebote gemacht und Friedensgespräche angesetzt, ein ums andere Mal schlug Putin sie aus. Russland wollte nur einen Siegfrieden, das wurde immer wieder klargemacht.

Jetzt, wo sich die militärische Lage in der Ukraine in den vergangenen Monaten für Russland deutlich verschlechtert hat, versucht man ein Rezept, das wir nur zu gut aus der Corona-Politik kennen: das totale Argument der Angst. Wer von Atomwaffen redet, will sein Gegenüber in Panik versetzen, die ihn unter Aufgabe seiner Überzeugungen in die Knie zwingt. Auf Basis dieser Panik aber darf in Deutschland nie wieder Politik gemacht werden – ein ernsthaftes Land zu sein, bedeutet auch, die Ruhe zu bewahren.

Auch wenn die Klaviatur der Angst hierzulande von vielen Politikern bespielt wird, muss man bei nüchternem Verstand bleiben: Eine Drohne, zwei gefundene Waffen, ein geschlossenes Konsulat – all das ist noch sehr weit von einem Weltenbrand entfernt. Der Weltkrieg ist ein Schreckensgespenst, das verschiedene politische Richtungen in erster Linie taktisch einsetzen, weil es jede Vernunft ausschalten kann.

Ein Gutes hat dieses Gespräch aber auch: Während in Russland jede kriegskritische Opposition ausgeschaltet und jede unabhängige Presse ausradiert wurde, darf der Botschafter in Deutschland, frei und gänzlich unkritisch befragt, vor einem Millionenpublikum sprechen. Da kann man sich wohl nicht beschweren – zumal die Ausführungen des Botschafters über das Niveau der DDR-Propaganda nicht hinauskommen.

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29 Kommentare

  • Der Botschafter hat frei heraus und auch korrekt über die guten Beziehungen in allen Bereichen zwischen Russland und Deutschland seit dem 2. Weltkrieg gesprochen, die Ergebnis einer gewaltigen Versöhnungsanstrengung seitens Russland sind, die im 2. Weltkrieg 27 Mio Menschen verloren haben. Diese Beziehungen hat Deutschland einseitig zerstört, zuletzt durch die Schließungen von Konsulaten und dem Russischen Haus – auf Grund eines Verdachts russischer Aggression – mit sehr engen Fristen. Diese Aktionen stoßen richtigerweise auf großes Unverständnis bei den Russen. Das Interview sollten viele hören – es ist geeignet, sich selbst ein umfangreiches Bild zu machen.

    22
    • Man kann sich immer darauf verlassen, dass Russenstusser stolz auf ihre Ungebildetheit und emotionale Symbol-Faktoids sind.

      -20
      • Ist die schon aufgefallen, wie dämlich du bist?

        2
      • Man kann sich immer darauf verlassen, daß die Störtrolle absolut nichts Brauchbares zur Diskussion beitragen. Ist ja auch nicht ihr Zweck, sie sollen schließlich nur stören.

        0
  • Wie immer Ben 100 Punkte, super Arbeit.

    Frage mich immer mehr warum gibt es noch ein ÖRR, wer schaut noch diese Propaganda, wahrscheinlich die Systemlinge die auch TAZ, Spiegel und Zeit lesen um sich ihre Kriegspropaganda total eingeordnet abzuholen. Selber denken können ja diese Leute nicht.

    5
    • Es können immer nur die selbst denken, die die Quellen meiner
      Wahl bevorzugen und meiner Meinung sind?
      Ist doch auch nur Quark

      1
    • Man kann sich immer darauf verlassen, dass wenn man einen auf dumm macht wie Ben, dass man immer noch Leute findet die ein bisschen dümmer sind, und die glauben einem dann wirklich alles, während Ben die Werbeeinnahmen einsteckt.

      -8
  • Die Wiedervereinigung Deutschlands war an die Unterlassungung der NATO Osterweiterung geknüpft.
    2014 wurde versucht die NATO direkt vor die russische Haustür zu holen. Dann hätten atomar bestückte Hyperschallwaffen nur noch wenige Minuten bis Moskau gebraucht.
    Was viele leider nicht mehr klar sehen können: Russen denken in langen Zeiträumen, über Jahrhunderte, und sie können Schach spielen. Wenn man die Wiedervereinigung strategisch mit einem geopferten Läufer gleichsetzt um dafür wirtschaftliche Zusammenarbeit zu ermöglichen – dann wird klar, dass Kasparow so einen Läufer nicht vergisst.
    Wer meint, das übergehen zu können, irrt sich.
    Ansonsten gilt: Wie in jedem Land möchte die große Mehrheit in Frieden leben. Und kulturell möchte ich Tschaikowsky und Rachmaninow nicht missen.

    2
  • Ich weiß nicht, was das Hetzen gen Russland hier soll. Russland hat KEIN Interesse an einen Krieg gegen die Nato, dass hat selbst Trump deutlich gemacht. Wenn die Aggressionen aber nicht aufhören, wird sich Russland auch zu wehren wissen.

    0
  • Sagen wir mal so – Transatlantische Interessen werden Biden stets aus diesen Betrachtungen heraushalten, wie auch hier wieder. Doch die Trans-Brücke war, ist und wird niemals im Interesse Deutschlands agieren. Darum – diese Geschichte hat ein grässlich verlogenes Vorspiel gehabt, dass zu grossen Teilen mit Nato und USA unter Obama zu tun hatte! Nicht jener, der zur Waffe greift ist immer der Aggressor, sondern der, der dem anderen die Situation aufzwingt! Und Butscha – da denke ich anders – auch oft von vielen Stellen gänzlich klar bewiesen. Nein – ich bin kein Putintroll, ABER ich bin auch kein USA-Verliebter Transatlantiker.

    1
  • Das Interview zeigt das Deutschland unter Scholz keine Diplomatie mehr betreibt, ok Analenchen kannte ja das Wort nicht und lieber das eigene Land gegen die Wand fährt.

    1
    • >Analenchen

      Wer war Botschafter unter Scholz in Moskau?

      0
  • Mannhart, der Bandera-Freund.

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    • Dummes Gequatsche.
      Wenn dem so wäre, würde AN nicht so bekämpft.

      0
    • Wenn Mannhart ein „Bandera-Freund“ wäre, dann wäre das eine Position für deutsche Interessen, die hier nie bezogen wird. Bandera ist nur durch russische Propaganda negativ behaftet doch für Deutschland und KuK ist Bandera ein historischer Logikschluss in Osteuropa. Aber was weißt du schon von Deutschland.

      -1
  • Der russische Botschafter hat das übliche BlaBla abgesondert, das auf ahistorische Deppen abzielt. Russische Propaganda funktioniert so, dass sie zweifellos wahre Begebenheiten aufnimmt und dann maßlos aufbläst und übertreibt, entweder nach oben oder nach unten.
    Gleichwohl stimmt allerdings leider auch, das Apollo News sich dem Russenfressen verschrieben zu haben scheint. Speziell Benedikt Brechtken dreht auf X ja völlig frei.

    Jetzt räumt Mannhart die Vorgeschichte des Konflikts mal eben mit ein paar flotten Sprüchen ab. Prinzipiell hat er ja Recht, aber es ist schon furchtbar unterkomplex, der Sache nicht angemessen und letztendlich auch gefährlich, die Amerikaner so dermaßen leicht vom Haken zu lassen, die uns das alles eingebrockt haben. Dass das Stat Department im großen Stil in der Ukraine unterwegs war, dass die Ukraine DIE geopolitische Schachfigur der Amerikaner in Europa war, ist inzwischen ja nun wirklich weder ein Geheimnis, geschweige denn eine Verschwörungstheorie.

    0
  • Ich hab keine Angst vor Russland. Ich weiß eben, dass sich die Russen einen atomar geführten Krieg nicht leisten könnten.
    Das macht die Russen-Trolle immer ganz besonders wild, denn jeder der nicht nach russischer Pfeife tanzt, soll sich gefälligst vor den Russen in die Hosen machen.
    Andererseits bestehen sie darauf, dass Russland kein Aggressor, kein Kriegstreiber, also ein Lammfrommes Opfer sei.
    Alles in allem einfach nur lächerlich.
    Die große russische Schnauze wird ihren Dämpfer schon noch erhalten.
    Russland hat sich unter Putin maximal vom Westen distanziert. Da wird es in 50 Jahren noch keine Wiederannährung geben. Allein was uns die Schäden in der Ukraine kosten werden – da können die russ. Omas aber lange stricken.

    0
    • „Russland“ konnte sich nicht mal den Krieg in der Ukraine leisten und trotzdem war das eine Entscheidung die im Kreml getroffen wurde einzumarschieren.

      -4
  • Transatlantisches Gelaber eines Faschistenenkelkindes…

    0
  • „Der Weltkrieg ist ein Schreckensgespenst, das verschiedene politische Richtungen in erster Linie taktisch einsetzen, weil es jede Vernunft ausschalten kann.“

    Aber der kleinere Iran und seine angebliche Bombe sollen dann ein Schreckgespenst sein.

    Was Geopolitik betrifft ist Apollo ganz auf der Seite des linksgrünversifften Mainstream!

    -2
  • Was man von Russen immer hört: Jammern und Drohen!
    Und das seit Jahrhunderten ….

    -10
    • Und das Lügen nicht vergessen.

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    • „Was man von Russen immer hört: Jammern und Drohen!“

      Vielleicht identifiziert sich der AfD Wähler ja genau deshalb so mit denen. Ressentiments und Rachefantasien aus dem Plattenbau.

      -16
  • Wahrscheinlich noch nie in der linguistischen Geschichte hat jemand einen russischen Akzent als „charmant“ bezeichnet. Russischer Akzent steht für Randzivilisation, Kommunismus, Mafia, chronische Armut, aber irgendein Zuckerstück muss Max der Schülerblogger seinem zu 95% Russenstusser Publikum ja hinwerfen.
    Übermorgen gibt es dann wieder russische Propaganda von Gasnotstand und Deutschland am Rand des Unterganges. Schon doof wenn man sich so in die Nesseln gefahren hat.

    -14
    • Ich weiß ja nicht welchen Artikel du gelesen hast, aber dieser hier, von DM, ist maximal kritisch. Das wird bereits im „Klappentext“ deutlich.

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      • Zyk hat nur die Überschrift gelesen, den Rest hat er sich aufgrund seiner „hohen Bildung“ selbst zusammen gereimt.

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        • Wer so stolz auf seine Dummheit ist wie du braucht nicht mutmaßen was ich lese und was nicht.

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      • Das was Max macht „maximal kritisch“ zu nennen ist entweder ein Wortspiel alleine, oder du bist selbst so unbelesen, dass du nie was deutlicheres als so einen Limited Hangout gelesen hast. Bei denen fängt Geschichte immer erst im zweiten Weltkrieg an.
        Das geht alles nicht weit genug.

        -4
    • Naja, vielleicht hätte er schreiben sollen: „bemüht charmant“.
      Für westliche Ohren klingt russ. Akzent selbstverfreilich nach tiefster Subkultur.
      Obwohl, man muss auch zugestehen, bei Putin klingt er weniger befremdlich.
      Mir pers. klingt alles aus Osteuropa zu milieuhaft. Das mag an den ersten Kontakten liegen, da wurde man konditioniert.

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