Werbung:

Werbung:

Binnen eines Tages

Vom „Königsweg“ über „inakzeptabel“ zu „gute Wirkung“: Merz fällt beim EU-Emissionshandel erneut um

Am Mittwoch schien Friedrich Merz vor Unternehmensvertretern noch für eine Abkehr vom EU-Emissionshandel ETS-1 zu plädieren. Schon am Tag darauf fällt er erneut um: Dass es mit dem ETS „natürlich teurer“ werde, sei „gewünscht“.

Friedrich Merz bei seinem Statement am Donnerstag – nun wieder für das Emissionshandelssystem. (IMAGO/dts Nachrichtenagentur)

Werbung

Es ist eine weitere Merz-Wende in kürzester Zeit: Am Mittwochabend räumte Bundeskanzler Friedrich Merz beim Europäischen Industrie-Gipfel in Antwerpen das EU-Emissionshandelssystem ETS ab, obwohl er die CO2-Bepreisung in der Vergangenheit noch als „Königsweg“ gelobt hatte. Doch nur wenige Stunden später folgte die abermalige Kehrtwende.

Auf dem „Informal EU leaders’ retreat 2026“ am Donnerstag auf einem Schloss in Belgisch-Limburg, einem Treffen europäischer Staats- und Regierungschefs, hörte sich der Kanzler dann nämlich schon wieder ganz anders an. Merz lobte bei der Pressekonferenz das ETS, das den CO2-Ausstoß mengenmäßig beschränkt, als gutes Instrument und bezeichnete Preissteigerungen als „gewünscht“.

Vor den Unternehmensführern am Mittwoch beim Industrie-Gipfel hatte Merz die „sehr starken Kommentare“ der Gegner des Emissionshandelssystems im Europäischen Rat anerkannt. Diese seien nicht nur „aus dem Osten, sondern auch aus den westlichen Teilen der Union“ gekommen. Wird die Menge an CO2-Emissionen beschränkt, verteuert sich Energie, und das Angebot wird künstlich verknappt.

Seine Antwort auf diese Bedenken und Einwände sei „ziemlich einfach“: Das ETS-1 solle keine Einnahmen generieren, sondern CO2-Emissionen mindern, führte Merz auf Englisch aus. Durch das System sollten Unternehmen befähigt werden, „zu emissionsfreien Fertigungslinien zu kommen“.

„Wenn dieses Ziel nicht erreicht werden kann und dies nicht das richtige Instrument ist, dann sollten wir sehr offen dafür sein, es zu überarbeiten oder wenigstens zu verschieben“, erklärte der Bundeskanzler, wobei er das Wort „wenigstens“ (englisch: „at least“) besonders betonte. Das habe man beim ETS-2, das sich an private Haushalte richtet, auch schon getan.

Lesen Sie auch:

Statt Subventionen für Investitionen bräuchten die Unternehmer geringere Betriebs- und Produktionskosten, so Merz. Das sei entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit. Alles, was die „Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie gefährde“, müsse vermieden werden. Merz bekannte, er sei für mehr Klimaschutz und die Suche nach den richtigen Maßnahmen.

Gingen Klimaschutzmaßnahmen jedoch „auf Kosten der Industrie und der Industriearbeitsplätze, ist das inakzeptabel!“, so der Bundeskanzler. Deswegen sei Merz laut eigener Aussage „auf einer Linie mit jedem, der sagt: Wenn das nicht das richtige Instrument ist, müssen wir darüber sprechen – und wir müssen es ändern, wenn es nicht funktioniert.“

Beim Treffen mit anderen europäischen Staats- und Regierungschefs klang der Bundeskanzler einen Tag später dann wieder völlig anders. Einige seiner Kollegen, so Merz, sähen den Emissionshandel „sehr kritisch“. Er allerdings teile „diese Kritik in dieser Form nicht“. Das ETS-System sorge als „wirksames Instrument“ dafür, dass „Wachstum möglich ist, ohne gleichzeitige CO2-Emissionen“. Seit dessen Einführung sei die Industrie um 70 Prozent gewachsen.

Angesprochen auf seine Äußerungen in Antwerpen und den scheinbaren Sinneswandel antwortete der Kanzler, da habe „sich seine Meinung nicht geändert.“ ETS sei ein gutes Instrument, das „gute Wirkungen erzielt“ habe. Staats- und Regierungschefs, die das „grundsätzlich anders“ sähen, hätten wohl im Blick, dass in ihren Ländern „noch zum Teil Energieerzeugung mit sehr hohen Emissionen verbunden“ sei – so zumindest die „Vermutung“ von Merz.

Dass es dann „natürlich teurer“ werde, sei „gewünscht“ und „Mittel der Wahl“. Eine Überarbeitung des Systems durch die EU-Kommission stehe ohnehin an und sei „ein ganz normaler Vorgang“. Bei seinen Aussagen am Vortag in Antwerpen habe Merz laut eigener Aussage lediglich darauf hinweisen wollen, das System sei „nicht dazu gedacht, große Einnahmen zu erzeugen“, sondern „Innovationen zu befördern“.

Dieser wirtschaftliche Zweck müsse regelmäßig überprüft werden. „Haben wir den Zweck erreicht, können wir es besser machen? Genau das habe ich gestern gesagt und genau das hat auch die Kommission für die Zukunft zugesagt“, schloss der Bundeskanzler seine Ausführungen mit einem Schulterschluss mit seiner Parteifreundin Ursula von der Leyen.

Eigentlich hatte die CDU-Führung intern verabredet, im Sinne der asymmetrischen Mobilisierung vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 8. beziehungsweise 22. März keine kontroversen Positionen mehr zu beziehen oder Reformvorschläge zu veröffentlichen. Merz’ scheinbare Kursänderung in Sachen Emissionshandel dürfte daher zu einiger Unruhe in den wahlkämpfenden Landesverbänden geführt haben.

Besonders in Baden-Württemberg sind die regierenden Grünen eine wichtige Konkurrenz für die Union im Kampf um Wählerstimmen. Daher versuchen beide Parteien, in kontroversen politischen Streitfragen nicht wesentlich von ihrem Koalitionspartner abzuweichen. Die CO2-Bepreisung gilt beiden Parteien und vielen Wählern (mehr dazu hier) grundsätzlich als „Königsweg“, wie Friedrich Merz in der Vergangenheit formuliert hatte.

Click here to display content from Twitter.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von X.

Werbung

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

Ohne Account kommentierenKein gesicherter Name, von jedem frei wählbar

Mit Account kommentieren Ihr Nutzername für Sie gesichert & einmalig

Anmelden ›Kostenlos registrieren

160 Kommentare

  • Herr Merz hat noch nie gelogen.

    • ……………..und umgefallen ist er auch noch nie, er hat sich nur öfters um 360° gedreht.

    • mit zurückrudern kennt er sich auch nicht aus! Zwinker

    • Merz fällt noch um, wenn er auf dem Rücken liegt.

    • Merz aka „Das Soufflé“

    • Bitte als Satire kennzeichnen

  • Die CDU ist für mich gestorben.

    119
    • für mich sind alle Altparteien schon länger gestorben, seit schlau wählt Blau.

      • Geht’s um Zeit, dann nimm‘ „seit“.
        Ansonsten sei gescheit und wähle „seid“.

        • Korrekter Nickname…

          6
      • Deutsche Dummheit hat einen Namen.= Regierungsdarsteller Chef Pinocchio

    • Ich kenne die CDU seit ihren Anfängen.
      Seit Merkel nur noch ein Trümmerhaufen.
      Jeder weiß es, nur die Partei noch nicht.

    • Das fällt dir erst jetzt ein, warste die ganze Zeit im Winterschlaf?

    • Erst jetzt?

  • Herr Merz hebt den Begriff „Wendehals“ auf eine völlig neue Stufe.

    111
    • Habt ihr was anderes vom inkompetenten Pinocchio erwartet. Der muss endlich weg. Es ist unerträglich mit solchen Lügnern !!!

    • herr merz ist anderen verpflichtet als den deutschen buergern, ganz einfach.

      diiesbezueglich ist er absolut loyal und haelt sich an seine aufgaben.
      agenda 2030.

      und damit ihr nicht in einem halben jahr aus allen wolken fallt, und euch fragt, wer, warum und wie konnte das geschehen, hier ein weiterer punkt.

      die von uns mit stimmrecht ausgestatteten EU-parlamentarier gehorchen ebenfalls der agenda 2030.

      **EU-Parlament befürwortet digitalen Euro
      Mit diesem Entscheid stimmt das Europäische Parlament mit dem Europarat bezüglich einer online- und offlinefähigen digitalen Zentralbankwährung überein. Die Zustimmung des Parlaments ist unerlässlich für die Einführung eines digitalen Euros seitens der EZB.**

    • Oh jaaaaaaa

  • Ich möchte nur daran erinnern, daß bei Biden und Trump wegen zum Teil unbedeutender Vorkommnisse über ihre körperliche und geistige Gesundheit spekuliert wurde und sich viele berufen fühlten, Ferndiagnosen jedweder Art zu stellen.

  • Die Unternehmen werden die in Deutschland gewünschte emissonsfreie Produktion auf ihre Weise lösen. Die werden dann sukzessive abwandern, siehe BASF. Damit ist für sie das Problem gelöst und wir haben dann eine vorbildliche Luftqualität.

    • Und sind verarmt

      • Man kann als Politiker leicht höhere Energiepreise fordern, weil man selbst nicht zu den Kreisen gehört, in denen diese Belastungen spürbar sind.
        Aber dann sollte man auch nicht klagen, wenn die Wähler abhanden kommen.

  • Was Merz sagt, hängt natürlich davon ab, wem er es sagt.

  • F. Merz: „Was ich jetzt sage, ist eine Lüge.“

  • Ich frage mich immer wieder ob ich mir, nach allen Abgaben, von meiner Rente noch was zu essen kaufen kann, und ich habe wahrlich keine schlechte Rente. Wie mag es jenen gehen die sich jetzt schon kaum noch über Wasser halten können?

    • Es wird schlimm werden. Wie in einem Krieg ohne Bomben.
      Es ist ein emotionaler, psychischer und physischer Krieg, der hier stattfindet.

  • Ein Fähnchen im Wind ohne Kompass und Rückgrat….. Ein Merz halt

    101
    • Rückgradlosigkeit wird nun in Merz gemessen. Mal im Ernst, wer außer Julian Reichelt hat was anderes erwartet? In den letzten Tagen hat NIUS sich so bemüht, Merz als Macher hinzustellen – und der Absturz folgte sogleich.

      • Bei NIUS fielen mir die letzten Berichterstattungen und Videos unangenehm auf. Hier wurde viel Bashing gegen AfD gemacht, was ich missbillige.
        Es ist auffällig, wenn aus einer Maus ein Elefant gemacht wird, was im gleichen Kontext bei den anderen Parteien nicht passiert.
        Das ist mir sehr negativ aufgestoßen.
        Diese Videos habe ich dann nicht angehört, da ich solches framing nicht unterstützen möchte, die Headline (Überschrift) hat gereicht.
        Es bleibt ein Geschmäckle zurück und Achtsamkeit im Sinne von Vorsicht was NIUS berichtet.

      • Dass es gemessen wird, deutet auf Temperatur hin. Das erklärt das „grad“ in „Rückgradlosigkeit“.

    • Mein Gott. Was hat die Natur uns mit dem Kerl beschissen .

      • Sieht aus als ob der liebe Gott auch schwache Momente in seiner Schöpfungsgeschichte hat …

        • Ich persönlich glaube eher, dass der Satan den Narzissten erschaffen hat. Und uns als Plage schickt. Zumindest bekommt man im Buch der Sprüche das Gefühl, dass eindringlich davor gewarnt wird, sich mit Narzissten einzulassen.

          11
        • Dann soll er wenigstens so handeln wie bei Adam und ihm aus dem Paradies schmeißen.

          3
    • Die Lüge wird ständig der Situation angepaßt. Das Wort des Herrn Merz ist absolut nichts wert.

  • Jede Meldung über Merz ist Verschwendung unserer Lebenszeit. 7 Uhr berichtet um 8 Uhr schon wieder hinfällig 🙈😂💙

  • Den doppelten Merz-Salto rückwärts mit 8facher rechtsseitiger Drehung und abschließendem Doppelhopser hat er jedenfalls drauf. Da macht ihm keiner was vor. Respekt 👍

  • Ich habe nicht den Eindruck, dass dieser Kanzler weiß, was er für das Land, das er führen möchte, will.

    • Ooooh, der weiß, was er tut. Da machen Sie sich mal keine Sorgen.

    • Nachhaltige Zerstörung der Existenzgrundlagen der Deutschen, das will er, wie alle Altparteien! Sein Handeln ist seit Monaten sch(merz)licher Beweis genug!

  • Ich mag diese felsenfesten unverrückbaren Menschen, die heute dies und morgen das sagen. Diese Verlässlichkeit macht jemanden zum bacon of hope. Guten Appetit.

    • Ich weiß nicht was die ganzen negativen Kommentare sollen, die sich über unseren Bundeskanzler beschweren.
      Ich finde, er ist absolut gradlinig und verläßlich glaubwürdig.
      Warum? Weil immer, aber auch immer, genau das Gegenteil von dem passiert, was Friedrich Merz von sich gibt.
      Das ist kalkulierbar. Besser kann man doch nicht voraussehen …….

  • „Im Leben stehen einem anständigen Charakter so und so viele Wegen offen, um vorwärts zu kommen. Einem Schuft stehen bei gleicher Intelligenz und Tatkraft auf dem gleichen Platz diese Wege auch alle offen. Daneben aber auch noch andere, die ein anständiger Kerl nicht geht. Er hat daher mehr Chancen, vorwärts zu kommen, und infolge dieser negativen charakterlichen Auslese findet eine Anreicherung der höheren Gesellschaftsschichten mit Schurken statt.“

    (Prof. Dr. Hermann Oberth, 25.06.1894 – 28.12.1989)

  • Er traut seinen Worten selbst nicht mehr.

  • Dieser Mann ist mein Held!

    -32
    • Leute, ich hätte nie geglaubt, dass man die Wahnsinnsironie nicht sofort erkennen muss.

    • Warum ??

      Was sagt das über SIE aus ??…..

    • Arme 🐖

    • Sind sie Masochist?

    • Sehr lustiger und ironischer Kommentar! Offensichtlich ist die Demenz bei Ihnen noch nicht so weit fortgeschritten wie bei anderen Opas.

  • Einfacher wäre es jeden Tag für eine Rede eines Politikers den Phrasen- und Schwurbelgenerator der KI anzuwerfen.
    Dann wäre wenigstens inhaltliche Konstanz vorhanden und nicht Heute so und Morgen ganz anders.

  • Ende März = Ende Merz.

    • Schön wär’s!

  • Warum sollte er auch ausgerechnet da *nicht* „umfallen“?

  • was wollt ihr nur? Das ist doch mittlerweile sein Markenzeichen!
    Ich wär‘ enttäuscht, wenn’s anders wär‘.

  • Morgen kann er wieder was völlig anderes erzählen.

  • War doch klar. Was erwartet man noch von diesem Mann?

    • Genau da muss ich auch staunen, wie viel da immer noch etwas erwarten, ist das kognitive Dissonanz?

      • Eher Narzissmus. Wenn er Gegenwind bekommt flüchtet er in Gaslighting damit er sich weiter vormachen kann der Supertyp zu sein. Kritik können Narzissten nicht ab da es ihren größenwahsinnigen Selbstbild nicht entspricht.
        Oder er ist ganz schlicht eine Marionette die nur so lange tanzen darf wie ihre Erschaffer es möchten. Tanzt er aus der Reihe hat er zu befürchten wieder abgesäbelt zu werden.

  • Merz: „Ich kam, sah — und wendete mich.“

  • Merz setzt offenbar auf strategische Unberechenbarkeit. Wenn keiner weiß wofür er steht, kann ihm auch keiner etwas ans Zeug flicken. Als Politiker ist er da immer auf der sicheren Seite

  • Seine tagesaktuelle Meinung erfahren Sie stets frisch auf dem Kanal von F. Merz.

Werbung