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Tusks geheimes Manöver: Wie Polen trotz Präsidenten-Veto zur wichtigsten Militärmacht Europas werden will

Polen leiht sich 44 Milliarden Euro für seine Armee. Es ist ein historischer Schritt, den Ministerpräsident Donald Tusk geht und der Polens neue Rolle in der EU als Militärmacht festigen soll. Kritik kommt vom eigenen Präsidenten – den Tusk trickreich ausbootete.

Tusk will Polens Armee revolutionieren. Dafür muss Geld her. Ist ein Abkommen mit der EU sein Coup? (IMAGO/NurPhoto)

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Polens Ministerpräsident Donald Tusk steht vor dem größten politischen Drahtseilakt seiner Amtszeit. Polen ist seit gestern als erstes EU-Mitgliedsland Empfänger eines Milliardenkredits aus dem neuen Rüstungsprogramm der Europäischen Union. Am Freitag unterzeichneten der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz und Finanzminister Andrzej Domański in Warschau ein Abkommen im Umfang von fast 44 Milliarden Euro. Geld, das fast komplett in die polnische Armee fließen wird.

Es ist wohl die bisher größte Entscheidung des Premierministers: Hinter dem Abkommen steht das Programm „Security Action for Europe“ (SAFE), mit dem die EU-Kommission insgesamt 150 Milliarden Euro an zinsgünstigen Krediten zur Verfügung stellt. Diese können die EU-Mitgliedstaaten für ihre Verteidigungsfähigkeit ausgeben. Das Besondere dabei: Die Kommission nimmt das beantragte Geld zunächst selbst zu sehr günstigen Konditionen dank des EU-Ratings auf, um es dann an die Mitgliedstaaten weiterzureichen, die dadurch von den niedrigen Zinsen profitieren. Die Mittel sind zweckgebunden und dürfen für den Kauf von Waffen und Munition verwendet werden – Polen wird dabei vor allem in Polen selbst einkaufen, sodass auch die Rüstungswirtschaft mitverdient. Insgesamt fließen 43,7 Milliarden Euro, damit wird Polen der größte Nutznießer des Programms sein.

Das klare Ziel: Polens Armee soll die neue angestrebte Stellung Polens als zentraler östlicher Verteidigungsanker der EU untermauern. 89 Prozent der Mittel sollen daher laut Regierungsangaben in die polnische Armee fließen. Geplant sind dabei unter anderem massive Investitionen in das Programm „Ostschild“, mit dem sich Polen an der Grenze zu Russland und Belarus schützt. Auch Drohnenabwehrsysteme wie das moderne SAN-System sollen gekauft werden. Dazu kommen Ausgaben für moderne Luftverteidigung und Artillerie. Auch die militärisch kritische Verkehrsinfrastruktur soll massiv erneuert werden. Heimische Hersteller wie Huta Stalowa Wola profitieren besonders. So plant Polen den Bau modernster Schützenpanzer und Marineschiffe – all das in Polen selbst.

Damit treibt Tusk eine Modernisierung voran, die Polen mit großem Abstand zur militärischen Führungsmacht in Mittel- und Osteuropa machen kann. Schon jetzt liegt das polnische Verteidigungsbudget bei über 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit bei einem der höchsten Werte innerhalb der Nato. Mit dem SAFE-Kredit baut sich Polen noch mehr zu einer Militärmacht auf. Tusk selbst spricht von einem „Wendepunkt in der Geschichte Polens und der EU“.

Wie Tusk Nawrocki ausmanövrierte

Die Unterschrift am Freitag hat nicht nur für die Außen- und Sicherheitspolitik Polens große Bedeutung, auch innenpolitisch hat Tusk mit dem Deal ein einmaliges Manöver finalisiert.

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Denn der Kredit bei der EU war noch im März so gut wie vom Tisch. Staatspräsident Karol Nawrocki, der der konservativen Oppositionspartei PiS nahesteht, hatte gegen das ursprüngliche Umsetzungsgesetz sein Veto eingelegt. Das Gesetz hätte einen Sonderfonds zur Aufnahme der EU-Mittel etabliert; durch das Veto war es gescheitert. Das Vetorecht hat in Polen lange Tradition und große Bedeutung: Ein Veto des Präsidenten kann in Polen nur mit einer 3/5-Mehrheit des Sejm, dem polnischen Parlament, überstimmt werden. Eine solche Mehrheit hat Tusks Regierung im Parlament nicht.

Nawrocki sprach damals einigen Polen aus dem Herzen: „Die Sicherheit Polens darf nicht von fremden Entscheidungen abhängen“, erklärte er zu seiner Absage. „Nur ein Volk, das es schafft, sich selbst um seine Sicherheit zu kümmern, bleibt wirklich frei.“ Er plädierte stattdessen für ein Projekt namens „Safe 0 Prozent“: Ein Rüstungsprogramm in vergleichbarer Größenordnung solle zinsfrei aus den Devisen- und Goldreserven der polnischen Nationalbank finanziert werden.

Statt den Ideen Nawrockis Beachtung zu schenken, umging Tusk nun das Veto auf historisch einzigartige Art und Weise: Statt per Gesetz wickelt seine Regierung die Kreditaufnahme jetzt über einen bereits bestehenden Mechanismus im Verteidigungsministerium ab. Konkret verabschiedete die Regierung eine Resolution zum Programm „Bewaffnetes Polen“, mit der Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz und Finanzminister Domański ermächtigt wurden, das SAFE-Abkommen im Namen der Regierung zu unterzeichnen. Ein Manöver, um das Veto des Präsidenten zu umgehen, das in Polen seinesgleichen sucht und verfassungsrechtlich umstritten ist.

Innenpolitischer Sprengstoff

Das Thema Verteidigung ist damit so heikel wie lange nicht mehr, Präsident und Premierminister sind so zerstritten wie selten. Doch nicht nur wegen des EU-Abkommens streiten sich Präsident Nawrocki und Premierminister Tusk: Während die Tinte unter dem SAFE-Kredit kaum trocken ist, hat sich nun auch wegen US-Präsident Donald Trump ein Konfliktfeld zwischen Tusk und Nawrocki aufgetan.

Hintergrund sind Trumps Äußerungen, die in Deutschland, Italien und Spanien stationierten US-Truppen abzuziehen. Ein neues Stationierungsziel könnte Polen sein, das zuletzt gute Kontakte zur Trump-Administration pflegte.

Tusk äußerte sich dazu zuletzt jedoch kritisch: Keiner sei so proamerikanisch wie er, ließ er verlauten. Dennoch sei die Angelegenheit „heikel“, sagte er am Montag mehreren polnischen Medien zu dem Truppenabzug. „Es gab öffentliche Ankündigungen oder Drohungen, amerikanische Truppen aus Deutschland, Italien und Spanien abzuziehen. Ich finde nicht, dass wir als Land stehlen sollten“, führte er aus. „Ich werde nicht zulassen, dass Polen in irgendeiner Weise dazu benutzt wird, die Solidarität oder Zusammenarbeit auf europäischer Ebene zu untergraben“, so Tusk.

Präsident Nawrocki schlug am Mittwoch öffentlich einen konträren Kurs ein. Bei einem Treffen mit dem litauischen Präsidenten Gitanas Nausėda erklärte er, Polen sei jederzeit bereit, von einem Abzug aus Deutschland betroffene US-Truppen aufzunehmen. „Es liegt im Interesse der Republik Polen, und ich als Präsident Polens setze mich für dieses Interesse ein, sowie im Interesse der Sicherheit der baltischen Staaten, Mitteleuropas und Osteuropas, dass die Präsenz amerikanischer Truppen so groß wie möglich ist“, sagte Nawrocki dort klar. „Sollte Präsident Donald Trump also aus irgendeinem Grund (…) beschließen, die amerikanische Militärkomponente in Deutschland zu reduzieren, sind wir in Polen bereit, amerikanische Truppen aufzunehmen; wir verfügen über die notwendige Infrastruktur dafür“, versprach Nawrocki.

So öffnet sich das Spannungsfeld in Polen: Beide Lager, ob Tusk oder Nawrocki, wollen Polen zu einem wichtigen geopolitischen Akteur werden lassen. Aber die Ideen über den Weg dorthin könnten konträrer nicht sein. Es wird sich zeigen, ob Tusk sich mit seiner Nähe zu Europa oder Nawrocki sich mit seiner Nähe zu Trump innenpolitisch durchsetzen kann. Mit dem SAFE-Kredit hat Tusk jetzt zunächst auf zwei Ebenen einen Erfolg für seine Art und Weise, Polen verteidigungsfähig zu machen, verbuchen können.

Außenpolitisch rückt Polen durch den Kredit in die Position eines Vorreiters in der EU. Innenpolitisch hat Tusk gezeigt, dass Nawrocki ihn trotz des Vetos nicht zwingen kann, seine Projekte aufzugeben. Dieser Triumph hat seinen Preis: Die offen ausgetragene Konfrontation mit Nawrocki dürfte Polen spalten – mit unsicherem Ausgang für seine Regierung. Eine funktionale, moderne Armee könnte allerdings ein wichtiges Argument für seine Politik sein.

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45 Kommentare

  • Die Militarisierung der EU wird uns allen das Genick brechen.

    • Und Apollo News feiert den Militarismus.
      Mäxchen ist aber immernoch nicht an
      der Ostfront. Es mag halt doch lieber
      frische Hemden u. saubere Hände.

      -10
  • Tusk = VdL
    Die interessieren sich nicht für die Demokratie.

  • Wollte Merz mit die Bundeswehr zur stärksten Armee Europas machen?

    • …doch, und Tusk die polnische.
      Da freuen sich die Amis, wenn die
      Europäer sich u. Rußland schwächen.
      Denn Waffen kann man nicht essen,
      kosten aber eine Menge Geld u. Energie –
      unter Druck in den USA zu Wucherpreisen
      zu kaufen.

      Derweil können die USA weiterhin einzige
      Großmacht spielen und per Irankrieg
      Chinas Wirtschaft schwächen.

      „China als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hat im vergangenen Jahr nach Angaben der Analysefirma Kepler trotz internationaler Sanktionen gegen Iran 80 Prozent des iranischen Öls gekauft. Für China macht das Öl aus Iran etwa zwölf Prozent seiner Ölimporte aus.“
      (tagesschau.de)

      Die USA haben das Großprojekt
      Neue Seidenstraße zerstört:
      https://www.tagesschau.de/ausland/asien/china-usa-panama-vorwuerfe-100.html

  • Polen leiht sich 44 Milliarden… Haben die denn kein Sondervermögen? Oder sind die schon soweit aufgerüstet, dass die 44 reichen um an die deutsche Billion ranzukommen? Und wer leiht denen das? Die Bundesbank oder die EZB?

  • Né, né, lieber Herr Tusk. Die Deutschen haben sich eher angemeldet, um wieder die stärkste Armee Europas zu werden. Stellen Sie sich bitte hinten an.

  • Wenn Frieden unlukrativ wird …

  • Und wenn 2029 die Russen nicht kommen?
    Und wenn die vdL-Polen ihr Gerät nicht ungenutzt herumstehen lassen wollen?

    • Dann wird Königsberg befreit.

      • …von wem – von den Deutschen
        oder den Polen? Bekanntlich wollen
        die polnischen Hardliner ebenfalls
        Königsberg (Lembeg sowieso) haben.
        https://t1p.de/pcmf1

        Polen benennt „Kaliningrad“ um:
        Królewiec, 11.05.2023

        Tatsächlich trug Kaliningrad in seiner langen Geschichte auch schon andere Namen. Die ursprüngliche Siedlung der baltischen Prußen hieß Twangste. Sie wurde 1255 vom Deutschen Orden erobert, gemäß einer neuen Festung in Königsberg umbenannt und von Deutschen besiedelt. Dies blieb so über Jahrhunderte, Königsberg war das Zentrum Ostpreußens im Herzogtum, Königreich und Freistaat Preußen – bis 1945.

  • Vielleicht sollte Herr Tusk sich stärker darum bemühen, den Lebensstandard seiner polnischen Mitbürger anzuheben, anstatt massive Rüstung zu betreiben.
    Wenn zu viel Geld ins Militär fließt, dann wächst die Versuchung dieses Militär auch einzusetzen, auch dann, wenn andere Möglichkeiten denkbar wären.
    Das wäre in jedem Fall ein Katastrophe und weder in Polens noch Deutschlands langfristigem Interesse.

    • Ernsthafte Frage: was weißt du über Polens und Deutschlands langfristige Interessen? Was sind die?

      • Z.B. Frieden in Europa…

  • „Die Sicherheit Polens darf nicht von fremden Entscheidungen abhängen“

    Danke. Habe sehr gelacht.

    • Ich habe sonst nichts zu lachen, AN Kommentare sind mein einziger Lebensinhalt!

      • Du bist Pole. =P

        • Bist du Schizophren?

          1
  • Auch hier hilft der Podcast – Tacheles mit Röper und Stein – Röper erklärt wie die Polen zur mächtigsten Armee aufgebaut werden soll und ganz wichtig – wer bezahlt diese Choze

  • Der US-Militärkomplex baut mit Polen den nächsten Militätvasallen auf, der gegen Russland in den Krieg geschickt werden soll.

  • Deutschlands Steuergeld rüstet Polen und die Ukraine auf.
    Sind das unsere Freunde?
    Auch in Zukunft?
    Je gewesen?

    • Oha, schießen Sie wieder zurück um 05.45 Uhr?

    • Mit den Polen eher nicht, aber mit Banderas Bande waren die Deutschen eine Zeit lang ganz dicke. Gleich und gleich gesellt sich halt gern.

  • Polen, das Land in welchem vor nicht allzu langer Zeit die Hungersnot ausbrach und von Russland und Europa gerettet werden mußte -macht jetzt auf dicke Hose und wird zunehmend zur Gefahr für Deutschland und den Frieden in Europa.
    Da wünscht man sich doch CCCP zurück.

  • Und schon ist Polen eben doch verloren. Sollen sie uns mit ihrem Revanchismus gegen Russland in Ruhe lassen. Russland ist unser Freund. Polen leider unser Nachbar und den kann man sich ja leider nicht aussuchen.

  • Ich kann mir vorstellen, wo die Amis ihre +5000 Soldaten stationieren werden. Blühende Landschaften werden entstehen. Krater werden in Deutschland nach bleiben. Ist halt so, kann man nichts machen.

  • Wieso muß ich jetzt die ganze Zeit an Churchill denken, obwohl der Spruch, der mir im Kopf herumgeistert, vielleicht doch gar nicht von ihm kommt?

    Vielleicht, weil es ein so passender Spruch ist, der gerade gar so prächtig paßt?

    „Operation Ostschild“… da fehlen einem die Worte. Aber wer für ein paar EU-Münzen freudestrahlend die Erinnerung an Wolhynia in die Tonne kloppt und „Slava Ukraini“ johlt, der schreckt wohl vor garnichts zurück.

  • Hinsetzen, ungenügend! Denn:

    Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg
    wurden – zum Teil in verklärender Weise –
    als die „gute alte Zeit“ bezeichnet.

  • Die Polen haben es zu jedem Zeitpunkt verstanden viel Geld, über Jahre sogar das meiste Geld aus der EU herauszuziehen. Gleichzeitig stellten sie sich hin und erklärten, dass ihnen die Amerikaner lieber als die Europäer sind und sie es vorziehen mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten. Das war auch unter der PIS nicht anders. Es gab zwar einige freundliche Scheingefechte in der Zeit, aber letztendlich hat sich die EU von den Polen auf der Nase herumtanzen lassen.

  • Sieht wohl so aus das Deutschland doch noch Zahlungen an die Polen leisten muß wegen WW2. Das Militär bekommen die demnächst um die Forderung durchzusetzen. Und unsere blöden Regierungen haben das ganze auch noch finanziert und das Geld fließt immer noch dahin, dank der EU.

  • Gut so!!! Damit wenigstens noch ein Land in der EU, das sich dem linksgrünversifften Multikultiwahn widersetzt, gegen die Brüsseler Diktatur auch verteidigen kann!

    • Mit Geld, daß sie sich bei der Brüsseler Diktatur geliehen haben? Sie legen sich erst in Ketten, um anschließend einen heroischen Freiheitskampf gegen die Ketten zu beginnen?

      • Was wäre daran falsch?

  • Der Pole will offenbar wieder einen Angriff auf Deutschland starten. Hat Anno 39 nicht gereicht?

  • Wer einen Blick in die Geschichte des 19. und 20. Jarhunderts wirft, wird schnell feststellen, daß Polackien das kriegsgeilste Volk Europas war und ist. TROTZ Hitler und Stalin hat es seinen Grund, das dieses Land zeitweise komplett von der Landkarte verschwunden war. Und WEM wir den 2.Weltkrieg zu verdanken haben, der zunächst als regionaler Konflikt begann, ist auch nochmal eine andere Frage. Jetzt hätte Polackien gerne, daß der doofe Deutsche für seine Aufrüstung bezahlt. Die Aufrüstung, mit der Polackien uns dann in absehbarer Zeit angreifen wird.

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