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Öffentlich-Rechtliche

Tschechiens Parlament stimmt für Abschaffung der Rundfunkgebühren – Sendern drohen Kürzungen

Das tschechische Parlament hat in erster Lesung für die Abschaffung der Rundfunkgebühren gestimmt. Künftig sollen die öffentlich-rechtlichen Sender direkt aus dem Staatshaushalt finanziert werden – und 15 Prozent weniger Geld bekommen.

Von

Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babiš (IMAGO/CTK Photo)

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In Tschechien hat das Parlament den ersten Schritt zur Abschaffung der Rundfunkgebühren gemacht. Das Abgeordnetenhaus stimmte am Samstag in erster Lesung dafür, die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks umzustellen. Künftig sollen Fernsehen und Radio direkt aus dem Staatshaushalt finanziert werden. Gleichzeitig sieht der Gesetzentwurf für beide Sender rund 15 Prozent weniger Mittel ab 2027 vor.

Die Regierung von Ministerpräsident Andrej Babiš begründet die Reform mit einer Neuordnung der Rundfunkfinanzierung. Die Umstellung folge „einem europäischen Trend, mit einer wachsenden Zahl an Ländern, die sich von dem Prinzip der Beitragsfinanzierung abwenden“, heißt es in dem Gesetzentwurf. Die Regierung versichert, dass die redaktionelle Unabhängigkeit und die Programminhalte der Sender durch die neue Finanzierung nicht beeinträchtigt würden. Bislang zahlen Haushalte monatlich 205 tschechische Kronen (umgerechnet rund 8,43 Euro) für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Der Aufschrei aus dem Ausland ist laut. Sowohl die Europäische Rundfunkunion als auch die Europäische Journalisten-Föderation und Reporter ohne Grenzen warnen vor der Entwicklung. Mit der Umstellung auf staatliche Finanzierung könnte die Regierung mehr Einfluss auf die Sender gewinnen, meinen sie. Hinzu kommt, dass beide Sender künftig weniger Geld erhalten sollen. Die Regierung weist die Kritik zurück und bestreitet, dass die Reform die redaktionelle Unabhängigkeit beeinträchtigen werde.

Die tschechische Opposition kündigte an, rechtlich gegen das Vorhaben vorzugehen. Sie will eine Verfassungsklage einreichen. Bei der Abstimmung im Parlament versammelten sich mehrere Hundert Menschen zu einer Protestaktion vor dem Gebäude in Prag. Für Sonntag wurde eine weitere größere Demonstration angekündigt.

Auch die Beschäftigten der öffentlich-rechtlichen Medien kündigten Widerstand an. Mitarbeiter des Tschechischen Fernsehens und des Tschechischen Rundfunks wollen am Dienstag, dem 3. November, für einen Tag streiken. Vertreter der Initiative Veřejnoprávně erklärten, die geplante Finanzierung aus dem Staatshaushalt gefährde die Unabhängigkeit und Stabilität beider Sender und könne sich negativ auf die öffentlichen Finanzen auswirken.

Lesen Sie auch:

Auch in Deutschland bildet sich Widerstand gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Speerspitze ist dabei die AfD in Sachsen-Anhalt, wo die Partei schon bald in Regierungsverantwortung kommen könnte. Die Abschaffung des Rundfunkbeitrags war eines der zentralen Wahlkampfversprechen von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Im Falle einer Regierungsübernahme will er die Rundfunkstaatsverträge kündigen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch einen deutlich kleineren „Grundfunk“ ersetzen.

rs

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39 Kommentare

  • Eine Zwangsabgabe für den Konsum von Medien wirkt in der heutigen Zeit völlig überholt und anachronistisch. In einer Marktwirtschaft sollte der Kunde entscheiden wofür er zahlt.

    Eine solche Reform wäre auch in Deutschland wünschenswert.

    • …nicht wünschenswert sondern dringend erforderlich. Nur bräuchte es da was anderes als „unsere Demokratie.“

      • „Eine solche Reform wäre auch in Deutschland wünschenswert.“
        Seh ich bisserl anders:
        – Einerseits fänd ich die Abschaffung der Zwangsgebühren ok.
        -Andererseits ist die geplante Finanzierung aus dem Staatshaushalt gefährlich: Es würde staats-/Politiker-kritische Stimmen im ÖRR wohl vollständig verstummen lassen – aus Angst ums Geld.
        Nach dem Motto: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

        Für D würde ich daher eher zu einem frenwilligen Abo-Modell raten, das wäre dann tatsächlich Unabhängigkeit von Staat/Politik…

        • Haben Wir doch schon! Die Linken Staatsmedien und Linke NGOs.

          2
        • Durchaus richtig, weil auch der Staat sonst mit unseren Steuergeldern dafür aufkommt.

          1
    • Es ist schon klar, dass Steuern ebenfalls eine Zwangsfinanzierung sind, oder?

    • Sehr zurückhaltend formuliert.

    • Wir haben schon seit einiger Zeit keine freie Marktwirtschaft mehr. Die Finanzierung des Grunzfunks aus Zwangsgebühren ist da nur folgerichtig

  • Bravo!!
    Und Sachsen-Anhalt wird hier dann hoffentlich den Anfang machen.

  • Zur Nachahmung empfohlen!

    • Ähhhh, nein! Nicht gelesen? Wird jetzt steuerfinanziert.
      GANZ ABSCHAFFEN die öffentliche Finanzierung!
      Also, SO KEIN Vorbild für D.
      Statt dessen einfach den Dauerauftrag löschen, ganz einfach! Rest wird im Internet erklärt.
      Und natürlich richtig wählen!

      • Richtig. Weg damit, der ÖR Propagandafunk ist nicht reformierbar. Sollen sich selbst finanzieren.

      • Ganz weg wird er nicht kommen, aber wenn diese Zwangsgebühren wegfallen würden wäre schon viel geholfen! Der Staat wird auch sicher keine 10 Milliarden für den ÖRR ausgeben und somit würde es auf nur einen mit Steuergeld finanzierten ÖRR Sender hinauslaufen! Auch das wäre eine Segen !

      • Jou, stimmt. Nicht zu Ende gelesen…

  • Vorbildlich, Staatspropaganda ist Gift für wahre Demokratie!!!

    • Auch in Deutschland sollte der Rundfunkbeitrag abgeschafft werden. Weniger Geld und Finanzierung aus Steuergeldern entlastet Geringverdiener.
      https://cna343.wordpress.com

  • Auf geht’s, mit der AfD könnte das hier auch gelingen.

  • Haben Hayali und Böhmermann schon eine Sammelaktion für das tschechische Fernsehen gestartet?

  • Ich möchte mich einigen wenigen Kommentaren hier anschließen:
    ob die ÖRRs ihre Finanzierung aus der GEZ oder dem Steuerhaushalt kriegen, wird m.E. nichts signifikantes ändern.
    Gut, es wäre gerechter verteilt, wenn Gutverdiener mehr zahlen, das sollte man anerkennen.
    Die einzige Lösung die ich sehe: Abomodelle, der Konsument zahlt

  • Statt um 15% sollte auf 15% gekürzt werden.

  • Der Aufschrei zeigt doch nur, dass weitgreifendere Reformen durch das Parlament nötig sind

  • Gutes Vorbild!

  • Wer hätte das beim Ende des Kommunismus geahnt? Die Länder im Osten werden langsam unsere Vorbilder!

  • Wurde das Abstimmungsergebnis schon durch Ursula von der Leyen abgenickt?

  • Das Einzige, was sich praktisch für den Tschechen ändert, ist, daß er nunmehr einkommensabhängig für den Staatsfunk geschröpft wird.
    Sonst NIX.

  • Dann ist Tschechien jetzt ja kein demokratisches Land mehr, oder?

  • und 15 Prozent weniger Geld bekommen.??? Nur 15% weniger ? Insgesamt 15% wäre noch großzügig bemessen. Außerdem wird die Regierung die „Rundfunkgebühren“ durch irgendwelche dubiosen Steuern vom Steuerzahler eintreiben. Ändern wird sich dadurch nichts… Ob die Zwangsbeiträge durch die „GEZ“ oder durch Zwangssteuern erpresst werden, kommt auf das Selbe heraus.

  • Fadenscheinig. Als ob es einen großen Unterschied macht, ob der Bürger nun als Gebühren- oder Steuerzahler für den Staatsfunk auskommen muß.

  • Bravo Tschechien!!!!

  • „Auch die Beschäftigten der öffentlich-rechtlichen Medien kündigten Widerstand an. Mitarbeiter des Tschechischen Fernsehens und des Tschechischen Rundfunks wollen am Dienstag, dem 3. November, für einen Tag streiken. Vertreter der Initiative Veřejnoprávně erklärten, die geplante Finanzierung aus dem Staatshaushalt gefährde die Unabhängigkeit und Stabilität beider Sender und könne sich negativ auf die öffentlichen Finanzen auswirken.“

    Bei uns müssen wir es zwangsweise zahlen, obwohl die Sender nicht unabhängig berichten, sondern Regierungstreu.

  • Dann ist der ÖRR aber immer noch von der Regierung abhängig und wird in ihrem Sinne berichten. Also nach wie vor ein Machtinstrument das „eigentlich“ eine Kontrollfunktion gegenüber der Regierung haben sollte. Und eben KEINE Abhängigkeit von steuerlich erhobenen Subventionen oder Zwangsabgaben haben sollte sondern eine Abhängigkeit von der Zufriedenheit der Kunden und ihrem Willen für das Informationsangebot zu bezahlen

  • Nein!!! DOCH!!!! OHHHH!!!

  • Ab 5.45 Uhr aus allen Lautsprechern des ÖRR und und politischen Anteilsmitinhabern von Medien, warum das eine Irrweg ist, für Deutschland nicht in Frage kommt und Forderung nach Gegenmaßnahmen der EU, die Tschechien aus dem umliegenden EU-Ländern zwangsbeschallen wird ( s. Sender im Kalten Krieg).

  • Das wäre eine Maßnahme für Deutschland nur das der ÖRR 50 % weniger Geld bekommen und dich massiv verkleinern müsste ! Ein Sender genügt , man brauch kein ARD und ZDF

  • Nichts schmerzt mir mehr als der vierteljährliche Zwangsbeitrag an diesen widerlichen ÖRR

  • Ein fantastisches Signal an alle die verstanden haben, dass der Staatsfunk mächtig in Schieflage geraten ist.
    Allerhöchste Zeit es den Tschechen gleichzutun.

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