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ifo-Institut

Stimmung in der Chemieindustrie bricht ein – Unternehmen erwarten noch schlechtere Zukunft

Das Geschäftsklima in der deutschen Chemieindustrie ist im März deutlich eingebrochen. Auch die Aussichten werden extrem negativ bewertet. Neben dem Konflikt im Nahen Osten liegt das an strukturellen Problemen, die der Branche seit Jahren zusetzen.

Der Präsident des Verbands der Chemischen Industrie, Markus Steilemann, bei der Vorstellung der Chemieagende der Bundesregierung vor zwei Wochen. (IMAGO/Political-Moments)

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Die deutsche Industrie kommt nicht aus der Krise. Besonders in der Chemiebranche verschärft sich die Lage zunehmend: Hohe Energiekosten, die CO₂-Bepreisung auf EU-Ebene sowie der anhaltende Konflikt im Nahen Osten zählen zu den zentralen Belastungsfaktoren. Sollte sich diese Situation über Monate oder Jahre fortsetzen, steht der Industriezweig vor dem Aus.

Wie stark sich die Situation zuletzt tatsächlich verschlechtert hat, zeigen aktuelle Daten des Münchner ifo-Instituts. Das Barometer für das Geschäftsklima in der Chemieindustrie, das von den Forschern monatlich erhoben wird, fiel im März auf minus 25,0 Punkte – nach minus 16,7 Zählern im Februar. Negative Werte bedeuten, dass die meisten Unternehmen die Lage als schlecht einschätzen.

Die Unternehmen bewerteten ihre derzeitige Geschäftssituation mit minus 31,9 Punkten deutlich pessimistischer als noch im Vormonat, als der Wert bei minus 21,2 Punkten lag. Auch die Aussichten für die kommenden Monate verschlechterten sich spürbar: Der entsprechende Indikator fiel von minus 12,1 auf minus 17,9 Punkte.

„Die Folgen der Kriegshandlungen im Nahen Osten treffen die ohnehin angeschlagene Chemiebranche mit voller Wucht“, erklärte Anna Wolf, Branchenexpertin des ifo-Instituts. Rohöl, Rohstoffe und Energie haben sich infolge der anhaltenden Kriegshandlungen im Nahen Osten beziehungsweise aufgrund der Schließung der Straße von Hormus deutlich verteuert.

Erwähnenswert ist, dass die deutsche Chemiebranche bereits vor Kriegsbeginn Ende Februar unter erheblichen strukturellen Problemen litt. Die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit setzt die heimischen Unternehmen seit geraumer Zeit unter Druck. Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten spielt eher eine untergeordnete Rolle im Gesamtbild der tiefgreifenden strukturellen Krise.

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Einer der zentralen Belastungsfaktoren, die Chemieunternehmen in Deutschland seit Jahren in ihrer Wettbewerbsfähigkeit einschränken, sind die hohen Energiekosten – insbesondere die hohen Gaspreise. Seit dem Stopp russischer Gaslieferungen im Jahr 2022 und der Umstellung der Versorgung auf Flüssigerdgas (LNG) sind die Preise deutlich gestiegen. Zwar haben sich die Preise nach den Höchstständen der Energiekrise in den Jahren 2022/2023 wieder etwas reduziert, liegen jedoch weiterhin über dem Vorkrisenniveau – also über dem Niveau vor der Umstellung auf LNG.

Dies liegt vor allem daran, dass LNG in der Beschaffung deutlich teurer ist als herkömmliches Erdgas. Anders als russisches Gas, das direkt über Pipelines wie Nord Stream geliefert wurde, muss Erdgas im LNG-Verfahren zunächst verflüssigt werden. Anschließend wird es per Spezialtanker – etwa aus den USA – nach Deutschland transportiert und danach wieder in den gasförmigen Zustand zurückgeführt. Dieser Prozess ist aufwendig und kostenintensiv. Eine langfristige Umstellung auf LNG wirkt sich daher zwangsläufig auch auf die Endverbraucherpreise aus.

Hinzu kommen staatlich bedingte Nebenkosten wie Netzentgelte, Erdgassteuer und Konzessionsabgaben, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht wurden. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) machten nicht erstattungsfähige Steuern, Abgaben und Umlagen bei Gaspreisen für Nicht-Haushaltskunden mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 28 bis 278 Millionen kWh im ersten Halbjahr 2025 rund ein Viertel des Gesamtpreises aus.

Auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) findet hierzu deutliche Worte. In einem Positionspapier vom November 2025 heißt es: „Die Erdgaskosten der Industrie in Deutschland befinden sich auf einem untragbar hohen Niveau und gefährden die internationale Wettbewerbsfähigkeit.“

Weitere Belastungsfaktoren sind neben den hohen Gaskosten die Strompreise – die in den letzten Jahren ebenfalls stark gestiegen sind – die überbordende Bürokratie sowie die CO₂-Bepreisung. Die deutsche Chemieindustrie ist an den europäischen Emissionshandel (EU-ETS) angeschlossen. Dieses System erfasst Energieerzeuger und energieintensive Industrien innerhalb der Europäischen Union und verpflichtet sie dazu, für jede ausgestoßene Tonne CO₂ entsprechende Zertifikate zu erwerben. Unternehmen müssen diese Emissionsrechte also am Markt kaufen, um ihre Produktion aufrechterhalten zu können.

Feste Preise existieren dabei nicht. Vielmehr bestimmt der Markt – also das Verhältnis von Angebot und Nachfrage – den Preis. Gleichzeitig greift die EU regulierend ein, indem sie die Anzahl der verfügbaren Zertifikate schrittweise reduziert. Dadurch verknappt sich das Angebot, was die Preise weiter nach oben treibt.

In der Folge ist der Preis pro ausgestoßener Tonne CO₂ in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Wie stark, zeigt ebenfalls die aktuelle Gaspreisanalyse des BDEW. Laut dem Verband, der sich auf Daten der Energiebörse EEX stützt, ist der durchschnittliche CO₂-Preis pro Tonne von 66,46 Euro im Jahr 2024 auf inzwischen 88,52 Euro im Jahr 2026 gestiegen.

Die Kostenbelastungen führen letztlich dazu, dass die Margen geschmälert werden. Infolgedessen können deutsche Hersteller wie BASF, Evonik, Lanxess, aber auch kleine und mittelständische Betriebe keine wettbewerbsfähigen Preise auf dem Weltmarkt anbieten. Dies führt zu einem Nachfragerückgang, der Produktion, Umsätze und Gewinne gleichermaßen einbrechen lässt.

Wie aus der VCI-Jahresbilanz hervorgeht, lag die Kapazitätsauslastung der Chemieanlagen im Jahr 2025 im Jahresdurchschnitt nur noch bei 72,5 Prozent und damit deutlich unter der Rentabilitätsschwelle von 82 Prozent. Die Produktion in der Chemiebranche ging um 3,3 Prozent zurück, während der Gesamtumsatz sogar um 3,8 Prozent sank (mehr dazu hier).

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56 Kommentare

  • War es nicht der Chemieverband, der vor der AFD warnte, weil das schlecht für die Branche wäre? Noch schlechter als die Altparteien kann es doch kaum gemacht werden. Gebt der AFD eine Chance, bevor der Karren komplett versenkt ist…

    • Kann überhaupt noch eine Partei den Karren aus dem Dreck ziehen?

      • ….und was wäre die Alternative zur,,Alternative“?
        Kollektiver Suizid?

        • Sind doch grad beim „kollektiven Suizid“.

          18
      • @Tanzmusik: Die Bosse meinen, das können ausschließlich die, die ihn hineingezogen haben.

      • Noch ginge es.

      • Ja…kann !! Eine wäre da schon……

      • Nein – es wird naher in alle Ewigkeit weitergedünkelt. Hier änderst sich nichts mehr.Das liegt in den Genen.

        • Es braucht mal wieder denn Totalen Kollaps, die Bürger in DE sind halt ein Sadomasovolk!!

          5
    • All die Warner und Mahner spekulieren zuvor noch auf Staatssubventionen, bevor sie ihre Zelte endgültig abbrechen, und sich auf grünere Weiden aufmachen.

    • Die AfD warnt vor einem Chemieverbot in Schland, welches Zehntausende arbeitsloslos machen würde.

  • Der Chemieindustrie geht es schlecht und Schuld ist die AfD die nicht regiert. Das ist mal Logik!

    • Deswegen durfte in Ludwigshafen kein AfD-Kandidat antreten.

  • …Aber sie warnen vor der AfD, die zwar noch nie in Regierungsverantwortung war, aber der man trotzdem die Schuld an der katastrophalen wirtschaftlichen Lage Deutschland in die Schuhe schiebt.

  • Die Industriebosse haben jahrelang im Gleichklang mit den Gewerkschaften die grüne Politik unterstützt, jetzt kommandiert Erntezeit, leider alles auf dem Rücken der Arbeiter und Angestellten.

    • Die „Industriebosse“ arbeiten auf Zeit und sind idR. danach sehr zufrieden mit ihrer Vergütung. Bestenfalls heulen die aktuellen ein bisschen oder die alten empfinden begrenzt Mitleid mit diesem Land. Der Rest schiebt die Schuld am Ende des Tages sicher Ihnen zu.

  • Putins billiges Gas war die künstliche Lebensverlängerung aller energieintensiven Branchen wie auch der Chemie. Jetzt ist es halt weg, gewollt. Auch von den Unternehmensführungen selbst, wenn man ihrem grünen Anbiederungsgerede glauben darf. Wer möchte denn die Geschäfte mit Putin wieder aufnehmen?
    Ah, die AfD, wäre ja total schlecht für die Chemieindustrie. Logisch.
    Kann man sich nicht ausdenken, was die deutschen Wähler alles glauben, um den eigenen Untergang voranzutreiben.

  • „Die deutsche Industrie kommt nicht aus der Krise. Besonders in der Chemiebranche verschärft sich die Lage zunehmend.“ Man hat ja nicht zufällig und ohne Grund erst vor ein paar Tagen wieder vor der AfD gewarnt.

  • Wer hat denn was von der Chemieindustrie gesagt?
    Wir retten das Klima und nicht das Geschäftsklima.

  • Dieser Branche geht es vor allem wegen der Klimaideologie so schlecht. Und ich glaube, dass deren Protagonisten das auch wissen. Aber das sind schlaue Leute, die werden einen Teufel tun das öffentlich zu sagen. Denen ist, wie den meisten Menschen, das eigene Hemd näher als der Rock. Ich weiß nicht, ob ich sie dafür verurteilen möchte.

  • War doch alles zu erwarten.
    In einem anderen Artikel wurde berichtet, dass ein „Chemiechef“ gegen die AfD wetterte.
    Somit soll sich keiner aufregen. Alles wird so in die Wege geleitet. Alles ist Absicht. Stück für Stück, wie die bekannte Salamitaktik.
    Es gibt oder gab doch kaum Unternehmer, welche mal richtig Ramba Zamba in der Öffentlichkeit gegen diese Altparteien, welche ALLES was hier passiert verursacht haben, gemacht haben.
    Die AfD ist doch, ganz neutral betrachtet, die EINZIGE Partei, die sich für die Deutschen in Deutschland und das Wohl für Deutschland einsetzt. Sie können leider nur sehr wenig durchsetzen, da alle anderen Parteien immer dagegen stimmten. Und deshalb läuft die Vernichtung dieses einst mal schönen Landes immer weiter.
    Eine weg gezogenen Industrie oder ein insolventes Unternehmen kann man mal nicht eben so wieder schnell aufbauen oder ersetzen.
    Alles was geschieht ist ruinös.
    Natürlich in letzter Konsequenz auch für jeden Einzelnen, außer Staatsdiener.

  • Komisch, die AFD ist doch gar nicht in Regierungsverantwortung…hieß es doch neulich, dass hier alles schlimmer wird, wenn die blauen dran kämen. Hm muss ich wohl was falsch verstanden haben…

  • Ja die AfD ist schuld, wissen wir

  • Sie lassen den wirtschaftlichen Untergang dieses Landes nicht einfach nur geschehen, sie verschlimmern ihn täglich mit neuen Einschränkungen, strengeren Regulierungen und vor allem hohen Energiekosten für teure und nicht zuverlässige Importe von LNG, statt endlich unsere eigenen Gasvorkommen zu nutzen und die noch wiederaufbaufähigen AKWs wieder in Betrieb zu nehmen. siehe auch AN Interview mit F. Vahrenholt.
    https://www.youtube.com/watch?v=hLamJtQoZkQ
    Man muss sich wirklich fragen, ob hinter diesem Desaster nicht doch ein Plan steckt. 😉 Keine Regierung kann den Ruin ihres Landes wirklich wollen, es sei denn……..

  • Alles hausgemachte Probleme der deutschen Politik, aber vor der AFD warnen, finde den Fehler.

  • Hatten nicht grade diese Chemie „Bosse“ vor der AFD bei den Landtagswahlen in MP und SA gewarnt!? Schon seltsam von diesen „Bossen“, die AFD ist oder war doch bis jetzt in keiner Regierung!! Schon SEHR SELTSAM!!

  • Eine weitere Branche in den Abgrund getrieben, bravo europäische von der Leyen Regierung.

  • Ich habe die Lösung: Nochmals nachdrücklich vor derAfD warnen, dann umgehend Antifa, DGB, Kirchen, Omas gegen Rechts und alle knalllinken NGO‘s auf die Straße für eine Demo gegen Rechts treiben. Das hilft zwar nicht, aber das linke Gewissen ist beruhigt.Und wenn die Branche dann völlig tot und abgewandert ist, Demo gegen Rechts. Und bei der nächsten Wahl schön linksgrün wählen. Dann wird alles besser.

  • Ooch………das SCHLIMMSTE ist doch die AfD, haben sie doch gesagt, quasi der Teufel mit den drei Buchstaben.

    Also kann der REST vom REST so schlimm dann auch wieder nicht sein, trotz allen Geheuls !

  • Das kommt davon, wenn man unqualifizierte Grüne wirtschaften lässt.
    Es war alles vorauszusehen. Deutschland soll ja industrialisiert werden, das ist doch das Ziel. Und jetzt wird rumgejammert.
    Sollte nicht langsam mal ein Umdenken stattfinden und der AFD die Chance gegeben werden, den Karren aus dem Dreck zu holen?!

    • ….ich meinte, Deutschland soll ja deindustrialisert werden, das ist doch das Ziel.

  • Mission accomplished, das Altparteienkartell ist fast am Ziel und die AfD ist schuld. Bitte jetzt nix ändern, Chemie braucht eh kein Mensch und ist ganz viel bäh.

  • „Nieten in Nadelstreifen“ – NIE war dieser Spruch so wertvoll und richtig wie heute!

  • War gestern hier nicht ein Artikel wonach die Chemiebranche vor der AfD gewarnt hat weil diese wirtschaftlich schlecht für die Chemiebranche wäre? Also, Klappe halten und die gute Politik von Union, SPD und Grünen genießen! Heult woanders!

    • Danke. 💐

  • Wenn man erst jetzt eine „schlechtere Zukunft“ erwartet, zeigt es nur die ganze Dummheit der Manager und wie wenig Weitblick sie haben!

  • Dann fehlt ja eigentlich nur noch die Warnung nicht die AfD zu wählen und die Produktion ins Ausland zu verlagern.

  • Schmierentheater. Dass die Deindustrialisierung der BRD politisches Endziel ist, weiß der aufgeklärte Untertan.

  • Der bieder Produktionsfaktor Energie wird nun gar überraschend von betriebswirtschaftlichen Lustmördern dem jungfräulichem Medien-Publikum als der wahre Sittenstrolch präsentiert.

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