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Influencer wird zerstört

Sky und Aldi canceln Jeremy Fragrance wegen Fotos mit AfD-Politikern: Der Kontaktschuld-Wahn

Weil er sich mit AfD-Vertretern fotografieren ließ, wird Internetfigur Jeremy Fragrance öffentlich vernichtet, verliert Kooperationen und Werbedeals. Ein Mechanismus, der an's finstere Mittelalter erinnert - und die Gesellschaft schwer beschädigt.

Jeremy Fragrance ist bekannt für seine skurrilen Auftritte. Manchmal, so denkt man, hängt der 34-Jährige irgendwo zwischen Koks-Problem und Psychose – das ist die Rolle, die Fragrance in der Öffentlichkeit spielt. Eine etwas seltsam anmutende Gestalt, die trotzdem, oder eher gerade deshalb, großer Beliebtheit im Netz erfreut.

Dass diese Kunstfigur nun gecancelt wird, hat aber einen simplen Grund: Er hat sich mit AfD-Politikern fotografieren lassen. Fragrance, der mit bürgerlichem Namen Daniel Schütz heißt, besuchte in New York eine Gala des „Young Republican Clubs“. Dort traf er auch auf diverse AfD-Politiker, unter anderem den Europawahl-Spitzenkandidaten Maximilian Krah und den Bundestagsabgeordneten Kay Gottschalk. Auch der Chefredakteur der faktischen Parteizeitung Deutschlandkurier wurde mit Fragrance fotografiert. Ein, zwei Fotos – und sofort beginnt die Maschine der Existenzvernichtung: Der Privatsender Sky cancelt eine Dokureihe mit dem Influencer, der Discounter Aldi distanziert sich, auch andere Kooperationspartner von Jeremy Fragrance springen ab. Und die deutsche Presse verbreitet einhellig, er habe sich mit „Rechtsextremen“ getroffen.

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Existenzvernichtung in Lichtgeschwindigkeit

So schnell kann es heute gehen: Ein Foto mit der falschen Person, und du bist weg vom Fenster. Und dabei handelte es sich nicht um eine Aufnahme mit einem Mörder, Schwerverbrecher oder Diktator, sondern mit einer Handvoll Politikern. Egal, wie streitbar oder radikal ihre Positionen sein mögen – diese krasse Überreaktion kann man in einer demokratischen Gesellschaft nicht rechtfertigen.

Man stelle sich vor, eine Person des öffentlichen Lebens würde sich entsprechend mit Grünen oder Linken ablichten lassen. Kaum einer würde sich daran stören, und schon gar nicht eine derartige Hatz lostreten. Doch es geht um die AfD – da droht die totale Existenzvernichtung in Lichtgeschwindigkeit. Politisch wie persönlich: Nicht lange ist es her, da wurde der bremische CDU-Chef Meyer-Heder innerhalb von Stunden erledigt, nachdem er die bloße Möglichkeit einer begrenzten AfD-Kooperation ins Spiel gebracht hatte. Für eine demokratische Gesellschaft ist das offensichtlich hochproblematisch. Es ist ein Mechanismus, der voraufklärerisch wirkt – ein Mechanismus des Mittelalters, der ironischerweise im Kampf gegen die angeblich „Ewiggestrigen“ seine Renaissance erlebt.

Sicher ist: Die AfD schwächt man so sicherlich nicht. Im Gegenteil. Immer mehr Menschen erkennen die hysterische Überreaktion als das, was sie ist. Und an Inquisition, völlig gleich welcher Art, nahm stets jede Gesellschaft schweren Schaden.

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