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„Mutter aller Reformen“: Kann Melonis tiefgreifende Verfassungsänderung jetzt noch gelingen?

Giorgia Meloni plant eine tiefgreifende Verfassungsänderung in Italien. Melonis Herzensprojekt, das sie die „Mutter aller Reformen“ nennt, sieht die Wahl des Ministerpräsidenten durch das Volk vor. Das jüngste Justizreferendum war ein Probelauf, an dem sie scheiterte.

Möchte Italiens politisches System reformieren: Georgia Meloni (IMAGO/ZUMA Press)

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Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni durchlebt derzeit die schwierigste Woche ihrer politischen Karriere. Am Montag ließ sie die italienische Bevölkerung in einem Referendum über ihre umfassende Justizreform abstimmen. Trotz einer loyalen Kernwählerschaft scheiterte sie mit ihrem Vorhaben (mehr dazu hier).

Die gescheiterte Umkrempelung ist zwar ein Rückschlag für Melonis Regierungsprogramm. Das Referendum war jedoch auch ein Testlauf für ihr Herzensprojekt, die „Mutter aller Reformen“, die sie seit Beginn ihrer Amtszeit anstrebt. Meloni möchte nämlich eine tiefgreifende Verfassungsänderung durchsetzen und den Regierungschef direkt vom Volk wählen lassen, um die chronische politische Instabilität Italiens endgültig zu überwinden.

Italiens politische Instabilität ist europaweit bestens bekannt. Seit der Gründung der Republik 1946 hat das Land nahezu siebzig Regierungen erlebt – so viele wie kein anderes Land in Europa. Die sogenannte „erste Republik“, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der Abschaffung der Monarchie und der Einführung der parlamentarischen Republik begann, war von einer tiefgreifenden Zersplitterung des Parteiensystems und einer hohen Fluktuation von Regierungen geprägt.

Letztendlich zwang der weitreichende Tangentopoli-Skandal, der bis in die Mitte der 90er Jahre andauerte und ein tiefes Korruptionsnetz offenlegte, die damals wichtigsten politischen Parteien wie die Democrazia Cristiana und die sozialistische Partito Socialista Italiano in die Knie.

Der Zerfall der alten Massenparteien Anfang der 90er Jahre sorgte für den Aufstieg neuer und stärker polarisierter Parteien wie Silvio Berlusconis Forza Italia. Das stark proportionale Wahlsystem wollte man durch Wahlrechtsreformen wie die Mattarellum-Reform verändern. Parteien sollten dadurch vor der Wahl zu Bündnissen gezwungen werden, damit für die Wähler klarer wird, wer regieren soll.

Die Reformen brachten zwar nicht die erhoffte politische Stabilität – bis 2022 gab es insgesamt 18 Regierungen –, die Parteien banden sich jedoch stärker an politische Persönlichkeiten, etwa Silvio Berlusconi oder Matteo Renzi. Das Problem der politischen Instabilität blieb jedoch bestehen. Und genau hier setzt Meloni an.

Sie möchte mit diesem veralteten und überladenen System brechen und in diesem Sinne den Weg für eine sogenannte dritte Republik ebnen. Zunächst wollte sie dem Präsidenten mehr Macht verleihen und auf das Prinzip des „Presidenzialismo“, also der Direktwahl des Staatspräsidenten – ähnlich wie in Frankreich –, setzen, änderte später jedoch ihre Position.

Seit 2023 spricht sie vom sogenannten „Premierato“, dem Kern ihrer Verfassungsänderung. Sie möchte den Regierungschef direkt vom Volk wählen lassen – ein Modell, das in Europa einzigartig wäre. Dieser soll nach der Wahl ein Mandat von fünf Jahren erhalten. Zudem soll der Wahlsieger automatisch eine sichere Mehrheit im Parlament erhalten – ein sogenannter Mehrheitsbonus –, der der Partei oder Koalition des gewählten Ministerpräsidenten mindestens 55 Prozent der Sitze zusichert, selbst wenn sie weniger Stimmen erhalten hat. Das Ziel ist dabei klar: Italien soll eine stabile Regierung erhalten, die zumindest ein Mandat lang ohne Unterbrechungen regieren kann.

Meloni wird dabei höchstwahrscheinlich erneut den steinigen Weg eines Referendums gehen müssen. Der Gesetzentwurf wurde 2024 im Senat in erster Lesung verabschiedet und danach an die Abgeordnetenkammer weitergeleitet. Dort liegt die Reform Stand heute in der Kommission, wo über den Entwurf weiterhin beraten wird. Der Prozess zieht sich. Eine Verfassungsreform ist in Italien erst dann parlamentarisch abgeschlossen, wenn beide Kammern sie in einem langwierigen Abstimmungsverfahren zweimal beschlossen haben.

Ohnehin wird es für Meloni fast unmöglich, das Gesetz durch das Parlament zu bringen. Die linke Opposition lehnt den Vorschlag strikt ab, und Meloni benötigt in beiden Kammern eine Zweidrittelmehrheit. Sollte die Reform im Parlament scheitern, kann Melonis Partei erneut ein Referendum beantragen, was sich jedoch – wie zuletzt bei der Justizreform – als schwierig erweisen könnte. Insbesondere, da Melonis Herzensprojekt noch umstrittener ist als ihre bereits gescheiterte Justizreform.

Meloni geht mit der geplanten Verfassungsänderung voll ins Risiko: Genauso wie ihre Vorgänger Matteo Renzi und Silvio Berlusconi hat sie sich tiefgreifende Reformen durch Referenden vorgenommen. Ebenso wie die beiden könnte sie damit scheitern und am Ende auf ein Vermächtnis des weitestgehenden Stillstands zurückblicken. Die italienische Ministerpräsidentin genießt aber immerhin weiterhin einen starken Rückhalt unter ihrer Wählerbasis, und ihre Partei Fratelli d’Italia hat seit ihrem Wahlsieg 2022 in Umfragen kaum an Zustimmung verloren, sondern teilweise sogar hinzugewonnen.

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29 Kommentare

  • Ich mit 67 Lenzen gesegnet und mein Freund und Figaro ein waschechter italienischer Patriot der meine Haare seit 52 Jahren schneidet.

    Wird es schäumend zur Kenntnis nehmen und dabei Forza, Forza, Forza Giorgia rufen.
    Sie wird ihren Weg machen und im Moment kommt kein italienischer Politiker an Meloni vorbei.

  • Vor Meloni haben italienische Regierungen ca. ein halbes Jahr gehalten.
    Mario Draghi ist seinerzeit von Goldmann Sachs zum EZB-Chef geworden und dann von Februar 2021 bis Oktober 2022 Premierminister Italiens gewesen – vermutlich hat er eher die Geldgeber vertreten als die Wähler.

  • Man hat`s nicht leicht, aber leicht hat`s einen….

    Das Ziel ihrer Reformbemühungen ist auf jeden Fall ehrenhaft und im Gemeinwohlinteresse, nicht aber unbedingt im Interesse der mafiösen Seilschaften im Politikbetrieb.

    Man kann ihr nur viel Glück und Erfolg wünschen.

  • Sie und auch andere europäische Politiker haben gegen die linken Netzwerke, und die der Lobbyisten, kaum eine Chance.

    • Jedenfalls nicht, wenn sie denen nicht das Geld wegnehmen. Besonders den Philanthropen wie Soros, Gates, Adelson, Frau gut geschieden Bezos…

  • Warum den Wählerwillen verfälschen, indem der Nr. 1 automatisch 55% gegeben werden?

    Gegen eine linksradikale, übergriffige Justiz müßte man in der Tat vorgehen, nicht nur in I. Hat leider KNAPP (46:54%) nicht geklappt.

    M.a.W. – so sehr mich die Beschränkung der Justizmacht gefreut hätte – die nun angestrebten Änderungen überzeugen nicht.

    Im übrigen wurde ja nicht jedesmal neu gewählt, sondern lediglich innerhalb des bestehenden Parlaments neu sortiert. Was ist daran schlecht?

    • Karl Drall „Das jüngste Justizreferendum war ein Probelauf, an dem sie scheiterte.“
      Klar, hier hat man dies natürlich für das Bundesverfassungsgericht anders gemacht. Dafür hat man eine im Dezember 2024 beschlossene Grundgesetzänderung durchgezogen. Wie war noch die Begründung? Ach ja „Künftig werden die Regeln für die Richter im Grundgesetz festgeschrieben. So sollen sie vor politischer Einflussnahme geschützt sein.“

      Man schützt hier Richter, die durch politische Einflussnahme Richter werden vor politischer Einflussnahme, damit sie ungestört politische Einflussnahme ausüben können.

  • Hat man denn die Leute gefragt, warum sie dagegen gestimmt haben?

  • Die Gefahr besteht, siehe gescheiterte Justizreform, dass die von mir sehr geschätzte Giorgio Meloni ihren Einfluss überschätzt.

    Sie genießt zwar in der italienischen Bevölkerung sehr hohe Sympathiewerte. Sicher höher, als mancher Regierungschef vor ihr.

    Aber, die Italiener scharen sich seit Mussolini nicht mehr geeint hinter einer Person oder einer Partei. Der politische Individualismus ist sehr groß – eben einer guten Demokratie ensprechend -, einige mögen eindeutig rechts oder links verortet sein, eine große Anzahl an Wählern wechselt die Fronten.

    Seit Jahrzehnten ist es ja auch nicht ungewöhnlich, dass es manchmal die seltsamsten politischen Zusammenarbeiten gibt, über Blockgrenzen hinaus – was vielleicht manchen Deutschen irritiert.

    Und, die Italiener sind es gewohnt und behalten auch die Nerven, wenn sie mal gerade „nicht“ regiert werden.

    Man kann Meloni mögen, ihre grundsätzliche Politik unterstützen, einen weiteren Machtausbau der Regierung gleichzeitig verhindern.

  • Ich fuehle mich diskriminiert! 🙂 Eben hatte ich eine kurzzeitige Internetunterbrechung (Neue IP-Vergabe, Wartung oder so, nix besonderes) waehrend ich ein Däumchen rauf/runter drueckte. Zwar war ersichtlich, dass das nicht funktionierte, ABER ich kann nun, nachdem das Internet wieder da ist, trotzdem nicht die Wertung abgeben, die ich wollte weil das Script so tut als ob ich schon eine abgegeben haette.
    Was ausserdem schon laenger nicht korrekt funktioniert: Man kann z. B. einen Daumen hoch geben und dann steigt es meinetwegen von 10 auf 11. Nun kann ich nur noch einen Daumen runter geben, wodurch es wieder von 11 auf 10 faellt. Ich kann aber nicht wirklich auf 9 korrigieren, angenommen ich haette das urspruenglich gewollt. Es geht dann nur wieder die „Korrektur“ hoch auf 11.
    Komisch Zeuch da!

    • Die Einrichtung der Kommentarfunktion scheint mir von Anfang an, einem „versierten“ Praktikanten seines Faches anvertraut worden zu sein. Für kleine Verbesserungen braucht die „Fachkraft“ Monate. Aber das mit der chronologischen Reihenfolge der Antworten kriegt sie wohl nie mehr hin. In einem Antwortstrang von sagen wir 8 Antworten, darf man selber raten u. puzzeln, welche Antwort auf welche Antwort gegeben wurde. Eine solche Kommentarfunktion wie bei AN, ist mir noch nie begegnet – nicht mal auf rein privaten Blogs.

  • Das Foto der Georgia Meloni sieht aus wie KI-bearbeitet.
    Grimassen bekommt die KI einfach nicht hin; sie hat keine Ahnung von den Gesichtsmuskeln, der Haut und dem Gewebe darunter.

  • Ich fuehle mich diskriminiert! 🙂 Eben hatte ich eine kurzzeitige Internetunterbrechung (Neue IP-Vergabe, Wartung oder so, nix besonderes) waehrend ich ein Däumchen rauf/runter drueckte. Zwar war ersichtlich, dass das nicht funktionierte, ABER ich kann nun, nachdem das Internet wieder da ist, trotzdem nicht die Wertung abgeben, die ich wollte weil das Script so tut als ob ich schon eine abgegeben haette.
    Was ausserdem schon laenger nicht korrekt funktioniert: Man kann z. B. einen Daumen hoch geben und dann steigt es meinetwegen von 10 auf 11. Nun kann ich nur noch einen Daumen runter geben, wodurch es wieder von 11 auf 10 faellt. Ich kann aber nicht wirklich auf 9 korrigieren, angenommen ich haette das urspruenglich gewollt. Es geht dann nur wieder die „Korrektur“ hoch auf 11.
    Komisch Zeuch da!

    • Ausserdem zaehlt es die Kommentaranzahl nicht sofort hoch obwohl der Kommentar offenbar nicht in einer Freischaltung oder sowas steckt. Deshalb mein Kommentar da oben doppelt, weil vor und nach dem Absenden immer noch eine 16 da stand und erst nach dem Neuabruf der kompletten Seite eine 18 – Sorry…

      • Nicht ärgern, nur wundern.
        Das alles muss mit dem Zeitgeist erklärt werden.
        Datumsangaben, wann etwas stattgefunden hat, spielen auch keine große Rolle mehr. Muss man ja auch nicht wissen, hauptsache der Autor hat es irgendwo gelesen. Die neue Generation des Journalismus hat ihr kleines ABC eben neu erfunden. Nachvollziehbare Informationen sind eben old scool und können weg.

  • Ist das Bild echt ? Ist es KI? Man muss nicht so schlicht mir ungünstigen Aufnahmen „rahmen“, oder?

    • Das Bild passt schon. Verzweiflung über dumme Bürger und den dreisten Netzwerken.

    • Ja, die von persönlichen Gefühlen geleitete Bildauswahl, fällt bisweilen auch mal unglücklich aus. Ich hätte dieses Clowns-Bild auch nicht gewählt, aber zur Mitarbeitermotivation sind solche Spielräume wohl unumgänglich.

  • Warum nicht 50%? Dann ginge auch kein irres Vorhaben durch, das von manchen Kollegen nicht getragen werden will, solange die Opposition auch dagegen stimmt.

    Ich halte es zunehmend für eine gute Idee, denn gerade in Wokistan blockiert man sich in jedem Punkt gegenseitig und verspielt aus Rücksichtnahme auf jede Nichtigkeit das Wohl des Volkes.
    Deshalb ist es wichtig, effizient zu handeln und Pläne zur Gänze durchzuziehen, und nicht nur mit dutzenden Ausnahmen und Sonderregelungen, die nur mehr Bürokratie schaffen.
    Parteien unterlassen Ränkespiele, keiner muss sich wem anbiedern. Jeder sieht das Ergebnis der Legislatur und wählt bei Missfallen anders.

    Im gleichen Zug müssen jedoch Geldflüsse an alle Medien/(N)GOs unterbunden werden und Regierungsausgaben transparent einsehbar sein, denn die Medienwelt basiert nur auf Hyperbolismus, Lügen und Panikmache, die die Wähler beeinflussen.

    Ach ja, kein Straferlass für vorsätzlich falsch handelnde oder korrupte Politiker und volle Transparenz!

  • Italien konnte einst mal gute Spottwagen bauen und Pasta + Pizza.
    Politik regelte die Mafia.

    • ja mit meinem Alpha Spider habe ich mich damals dem Spott ausgesetzt.

  • Ganz ehrlich: in dieser Form hätte ich auch mit „Nein“ gestimmt! Dass das Volk ganz direkt den Regierungschef wählt halte ich generell für Lichtjahre überfällig, aber Mehrheiten im Parlament muss man sich eben auch verdienen. Und mehr Souveränität in der Justiz gegenüber der EU hätte sie erreichen können, indem sie VdL nicht in den A%$& gekrochen, sondern reingetreten hätte.

    Ohne den Mehrheitsbonus wäre das Referendum durchgegangen; da bin ich mir sicher.

  • Melonie hats sichs wegen ihres Kuschelkurses mit Netanjahu mit dem italienischen Volk verscherzt. Hier gehts nicht mehr um Sachfragen.

    -15
    • @Iron Clown Hast du deine Einschätzung über das Italienische Volk aus der gleichen Orban Hetzer Ecke? Oder liest du einfach zu viel EU Propaganda?

      • wieso? Das Italienische Volk ist ein sehr liebenswertes weil es Sinn für Gerechtigkeit hat. Also von welcher „Hetze“ fabulieren sie hier!

      • Klar Löffelchen, wenn Du wirklich aus Bern bist versteh ich dass Du nicht der schnellste (beim denken) bist.

        -13
        • Der Typ ist nicht aus Bern. Das ist ein bundesdeutscher Wutrentner.

          -6
    • Welch ein unfundierter pers. Wunschgedanke.
      Vielleicht fragen Sie einfach mal die Italienier, bevor Sie ihnen solche Gedanken andichten.

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