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Kostendruck

„Kein Stabilisierungsjahr“: 46 Gewinnwarnungen in sechs Monaten bei börsennotierten Unternehmen

Die anhaltende Krise der deutschen Wirtschaft schlägt immer deutlicher auf die großen börsennotierten Unternehmen durch. Allein im ersten Halbjahr mussten diese Unternehmen 46 Mal ihre Gewinn- oder Umsatzprognosen kassieren. Vor allem geopolitische Verwerfungen, hohe Zinsen sowie Arbeitskosten machen den heimischen Börsenunternehmen zu schaffen.

Börsennotierte deutsche Unternehmen mussten im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 46 Mal ihre eigenen Gewinn- oder Umsatzprognosen kassieren. (imago images/Pressefoto Kraufmann&Kraufmann)

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Die deutsche Wirtschaft steht branchenübergreifend unter anhaltendem finanziellem Druck – vor allem die Rahmenbedingungen des Standorts mit ihren hohen Energie-, Arbeits- und Abgabenkosten zehren an Gewinnen und Margen, während zugleich die Erlöse wegbrechen. Hinzu kommen die verschlechterten Finanzierungsbedingungen der vergangenen Jahre und geopolitische Unsicherheiten, die für zusätzliche wirtschaftliche Probleme sorgen.

Wie aus einer aktuellen Analyse von EY-Parthenon hervorgeht, sind Börsenunternehmen besonders stark von finanziellen Schwierigkeiten betroffen. Demnach mussten börsennotierte deutsche Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 46 Mal ihre eigenen Gewinn- oder Umsatzprognosen kassieren. Dies wiegt schwer, denn im ersten Halbjahr 2025 zählten die Berater nur 41 Gewinnwarnungen, im ersten Halbjahr 2024 waren es 43. Das laufende Jahr beginnt damit schwächer als die beiden ohnehin schon schwachen Vorjahre.

Dass die Zahl der Warnungen im ersten Halbjahr 2026 über den Vorjahreswerten liegt, deutet auf mehr als eine Momentaufnahme hin – es ist ein Signal für den weiteren Jahresverlauf, der vergleichbar schlecht verlaufen könnte. Eine Zunahme von Stellenstreichungen und Sparprogrammen sowie möglicherweise sogar Insolvenzen bei börsennotierten Unternehmen ist damit vorprogrammiert. „2026 wird für viele Unternehmen nicht zum erhofften Stabilisierungsjahr werden“, erklärte Andreas Warner, Leiter des europäischen Restrukturierungsteams von EY-Parthenon, kürzlich in einer Stellungnahme.

Zur Einordnung: Eine Gewinnwarnung ist kein freiwilliges Eingeständnis, sondern eine Pflicht. Börsennotierte Unternehmen müssen den Kapitalmarkt per Ad-hoc-Mitteilung informieren, sobald absehbar ist, dass sie ihre kommunizierten Ziele deutlich verfehlen.

Hochinteressant sind die Hintergründe, die EY-Parthenon aufführt. In 63 Prozent aller Fälle begründeten die Unternehmen ihre Warnung mit Umsatzrückgängen – der höchste Wert im Beobachtungszeitraum seit 2022. Mehr als 40 Prozent dieser Meldungen verweisen auf geopolitische Unsicherheiten, insbesondere auf den Konflikt im Nahen Osten: Verbraucher halten sich zurück, Geschäftskunden verschieben Investitionsentscheidungen.

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An zweiter Stelle der Hauptursachen stehen mit 20 Prozent die Finanzierungskosten. In den vergangenen Jahren hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen stark angehoben. Nach der Nullzinsphase, in der der Leitzins über sechs Jahre bei null Prozent lag – von März 2016 bis Juli 2022 –, folgten geradezu radikale Zinsschritte, um die eskalierende Teuerung zu stoppen.

Binnen 14 Monaten – von Juli 2022 bis September 2023 – hob die EZB den Hauptrefinanzierungssatz (Leitzins) in insgesamt zehn Schritten auf 4,5 Prozent beziehungsweise um 450 Basispunkte an. Der radikale Sprung hat die deutsche Wirtschaft tiefgreifend strukturell geschädigt und die Konjunktur in eine lang anhaltende Stagnation gestürzt, die bis heute anhält. Daran änderte auch die Zinswende im September 2023 wenig, mit der der Leitzins wieder schrittweise abgesenkt wurde – bis Juli 2025 auf 2,15 Prozent. Aktuell liegt der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent.

Unter anderem ist auch der Insolvenzboom der vergangenen Jahre auf den starken Zinsschub der EZB zwischen 2022 und 2023 zurückzuführen. Viele Unternehmen hatten sich während der Nullzinsphase günstig verschuldet. Bei der Refinanzierung trafen dann die gestiegenen Zinsen auf schrumpfende Gewinnmargen. Für viele Unternehmen bedeutete das den Todesstoß. Besonders stark traf es die Baubranche, weil indirekt auch die Bauzinsen anstiegen. Dass die Auswirkungen erst in den vergangenen zwei Jahren voll durchschlugen, liegt auch daran, dass es historisch betrachtet etwa ein bis anderthalb Jahre dauert, bis ein Zinsgipfel – der im September 2023 bei 4,50 Prozent erreicht wurde – seine maximale Bremswirkung entfaltet.

Kritiker bemängeln das Vorgehen der EZB daher stark. Um einen derartigen Schock zu verhindern, hätte früher auf die Teuerung reagiert werden müssen. Bereits seit Januar 2022 lag die Inflation konstant über der Fünf-Prozent-Marke, seit August 2021 durchgängig über drei Prozent. Bereits damals hätte man schrittweise Zinserhöhungen in moderatem Tempo umsetzen können.

Doch nicht nur die gestiegenen Zinsen setzen die deutschen börsennotierten Unternehmen unter Druck und sorgen für finanzielle Probleme. Laut der aktuellen EY-Parthenon-Umfrage begründen rund 13 Prozent ihre Umsatzrückgänge mit gestiegenen Material- und Personalkosten.

Der deutsche Standort ist zu teuer – das ist keine Übertreibung, sondern ein Fakt. Deutsche Unternehmen produzieren mit Industriestrom, der teilweise um ein Vielfaches teurer ist als an Konkurrenzstandorten. Die Unternehmen des produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungsbereichs zahlten im Jahr 2025 im Schnitt 45 Euro für eine Arbeitsstunde. Verglichen mit dem EU-Durchschnitt von 34,90 Euro zahlten deutsche Firmen damit rund 29 Prozent mehr für eine Stunde Arbeit.

Die Umsatzkrise, die sich aus geopolitischen Verwerfungen, veränderten Finanzierungsbedingungen und hohen Standortkosten zusammensetzt, ist für die Unternehmen eine besonders gefährliche Konstellation. Denn um profitabel zu bleiben, bleibt den Unternehmen neben Einsparungen beim Personal letztlich kaum etwas anderes übrig, als die Preise für ihre Kunden anzuheben. Die Folgen sind verheerend: Steigen die Preise, wenden sich die Verbraucher der Konkurrenz zu – was am Ende wiederum zu Auftragsmangel führt bzw. Gewinn- und Umsatzrückgänge verstärkt. Vor allem Unternehmen aus Fernost, insbesondere aus China, Indien oder Südkorea, können Produkte inzwischen branchenübergreifend deutlich günstiger anbieten als deutsche Anbieter. 

Ökonomen fordern vor diesem Hintergrund unter anderem dazu auf, auf anderweitige Sparmaßnahmen zurückzugreifen und etwa die tariflich festgelegte Wochenarbeitszeit in einzelnen Industriesparten anzuheben. Aktuell steht der Wegfall der 35-Stunden-Woche in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) zur Diskussion. Mehr dazu erfahren Sie hier: „Können wir uns nicht mehr leisten“: Jetzt wackelt die 35-Stunden-Woche

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4 Kommentare

  • 46 Gewinnwarnungen in sechs Monaten – aber bestimmt steht der große Wirtschaftsaufschwung gleich hinter der nächsten Ecke.

    Schwache Nachfrage, hohe Energie- und Finanzierungskosten und immer mehr Unternehmen unter Druck. Aber keine Sorge: Mit noch etwas mehr Bürokratie, Regulierung und politischen „Transformationsprojekten“ bekommen wir den Standort bestimmt endgültig flott.

    Deutschland schafft sich sein Wirtschaftswunder inzwischen einfach selbst – nur diesmal rückwärts.

    Aber Hauptsache, die Haltung stimmt, wenn irgendwann das Licht in der Werkshalle ausgeht.

  • Das ist schon alles richtig und mahnt zur Vorsicht. Aber das ist nicht erst seit heute bekannt und der Dax steht am Allzeithoch. Theoretisch hat der Ausbruch über 25500 ein vorläufiges charttechnisches Kursziel bei 27600 freigeschaltet.
    Wobei Charttechnik natürlich nichts in Stein meißelt sondern nur eine höhere Wahrscheinlichkeit darstellt die sich aus früheren Marktphasen ableitet.
    Ein Rücksetzer auf 25500 mit nachfolgend höheren Kursen würde auch noch ins saisonale Muster passen.

  • Ellenlangen Blabla, welches eh kein normaler Mensch versteht?
    Leute, lernt ein ehrbares Handwerk, macht euch selbstständig! Z.B. in Ungarn oder Polen.

  • Es gibt allerdings noch einen dreckigen Markt von Gewinnmaximierung und dafür steht eine Industrie mit ihren Waffenherstellungen !

    Schaut was in Europa los ist:

    https://youtu.be/ACN0O_M7oPQ

    Vermietertagebuch – Alexander Raue vom 14.08.2026

    „Rüstungsfirmen & Öl-Terminals in Europa explodiert: Russland bezieht eindeutig Stellung!
    Der Ukrainekrieg hat eine dramatische Wendung genommen und jetzt trifft es Europa! Mehrere Rüstungsfirmen & Öl-Terminals in Eu-Länder sind explodiert & Russland hat eindeutig Stellung bezogen. Schauen wir uns diese heftigen Nachrichten an, weil jetzt geht es auch bei uns los!“

    Muss Russland erst dafür sorgen, das politische Flachnasen in EU und hier zum umdenken gezwungen werden?
    Die große Mehrheit der Deutschen will keinen Krieg mit Russland und das ist dort auch bekannt !
    Es sind einzig und allein die vielen Kriegsbesoffenen i.d. Politik, die wohl möglich sich
    eine goldene Nase durch eigene Zeichungen von Rüstungsindustrie-Aktien schaffen !

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