Übergriffige EU-Regulierung
Kampf für den Plastikstrohhalm: Capri-Sun scheitert mit Petition gegen Verbot
Weil Trinkhalme aus Papier unpraktisch und unbeliebt sind, kämpft der deutsche Softdrinkhersteller Capri-Sun für eine Rückkehr zum Plastikröhrchen. Dazu muss das von der EU erlassene Verbot fallen. Doch eine Petition ist vorerst gescheitert.
Eine wachsende Zahl von Unternehmen setzt sich gegen übergriffige EU-Regulierungen zur Wehr. Eines dieser Unternehmen ist der deutsche Softdrinkhersteller Capri-Sun. Das Unternehmen mit Sitz in Eppelheim bei Heidelberg kämpft seit 2024 darum, von der EU eine Ausnahme vom Verbot bestimmter Einwegplastikprodukte zu erhalten, um den Plastikstrohhalm zurückzubringen. Dazu hatte das Unternehmen zuletzt sogar eine Petition gestartet. Diese ist nun jedoch weitgehend gescheitert. Insgesamt wollte Capri-Sun online eine Million Unterstützer sammeln. Es konnten jedoch nur rund 170.000 erreicht werden.
„Die Petition war schlecht gemacht und falsch“, sagte Hans-Peter Wild, Präsident des Verwaltungsrats der Capri Sun Group Holding AG, im Gespräch mit der Rhein-Neckar-Zeitung. „Aber in der Sache macht die Forderung nach Papier-Trinkhalmen absolut keinen Sinn.“
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Dass Capri-Sun wieder auf den Plastikstrohhalm setzen möchte, ist unter anderem auf Verbraucherbeschwerden zurückzuführen, die seit der Umstellung auf Papierhalme im Jahr 2021 nicht abreißen. Kunden berichten, der Papierstrohhalm lasse sich schlechter in den Beutel einstechen, knicke beim Versuch um, werde nach kurzem Kontakt mit dem Saft weich und hinterlasse einen störenden Papiergeschmack im Getränk.
Auch in Zahlen lassen sich die entstehenden Probleme belegen. Eine Untersuchung der North Carolina State University kam zu dem Ergebnis, dass Papierhalme nach 30 Minuten Kontakt mit Flüssigkeit zwischen 70 und 90 Prozent ihrer Druckfestigkeit verlieren. Die Menge der vom Halm aufgenommenen Flüssigkeit betrug nach derselben Zeit rund 30 Prozent des Halmgewichts.
Capri-Sun nimmt die Kritik ernst, denn das beeinträchtigte Konsumerlebnis führt letztlich dazu, dass Verbraucher immer seltener zu den Trinkbeuteln des Unternehmens greifen und stattdessen auf alternative Getränke ausweichen.
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Doch nicht nur Capri-Sun wird durch die strenge Regulierung auf EU-Ebene unter Druck gesetzt. Das Verbot von Einwegkunststoffprodukten, das seit 2021 in Kraft ist, konfrontiert zahlreiche Unternehmen mit Herausforderungen – von der Gastronomie über Caterer bis hin zu Veranstaltungsdienstleistern und Verpackungsherstellern.
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Doch damit ist es noch nicht getan, denn die regulatorische Belastung nimmt kontinuierlich weiter zu. Mit der neuen EU-Verpackungsverordnung, die 2025 in Kraft trat, kommen ab dem 12. Februar 2027 zusätzliche Wiederbefüllungspflichten für Gastronomiebetriebe hinzu. Ab dem 12. Februar 2028 gilt zudem eine Minimierungspflicht für Umverpackungen. Außerdem müssen ab diesem Zeitpunkt Aufkleber auf Obst und Gemüse sowie Teebeutel und durchlässige Beutel für andere Getränke, die zusammen mit dem Produkt verwendet und entsorgt werden, kompostierbar sein. Ab 2030 werden weitere Einwegverpackungen eingeschränkt. Unter anderem gilt dann für Transportverpackungen und Verpackungen im elektronischen Handel eine Begrenzung auf maximal 50 Prozent.
Kleine und mittlere Unternehmen treffen diese Anforderungen besonders hart, da ihnen im Gegensatz zu großen Konzernen häufig die personellen, finanziellen und technischen Kapazitäten fehlen, um Alternativen schnell und kosteneffizient zu entwickeln und einzuführen.
Kritiker bemängeln die zunehmende Einschränkung von Plastikprodukten im Alltag. In ihrer Argumentation stützen sie sich dabei auf rationale Befunde, die die behauptete ökologische Überlegenheit von Papierprodukten infrage stellen.
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Eine britische Studie kam bereits 2006 zu dem Ergebnis, dass eine Papiertüte aus Frischfasern in der Herstellung viermal so viel Wasser und 3,3-mal so viele CO₂-Äquivalente verbraucht wie eine Plastiktüte. Auch Erhebungen aus Deutschland stützen die Annahme, dass Papierverpackungen keineswegs automatisch umweltfreundlicher sind. Der NABU berechnete, dass eine Papiertüte mindestens dreimal so häufig genutzt werden müsste wie ihr Pendant aus Kunststoff, damit die Ökobilanz ausgeglichen ist. In der Praxis geschieht dies jedoch nur selten. Häufig werden Papiertüten bereits nach der ersten Nutzung entsorgt.
Für besonders großes Aufsehen sorgt, vor allem im Zusammenhang mit dem Capri-Sun-Fall, eine Studie der Universität Antwerpen aus dem Jahr 2023, die Trinkhalme von 39 in Belgien erhältlichen Marken untersuchte. Das Ergebnis: In 18 von 20 getesteten Papierhalmen wurden PFAS nachgewiesen – künstlich hergestellte Industriechemikalien, die als besonders umweltbelastend gelten.
Studienleiter Thimo Groffen von der Universität Antwerpen fasste die Ergebnisse damals wie folgt zusammen: Papier- und Bambushalme würden häufig als nachhaltigere Alternative zu Kunststoffhalmen beworben. Das Vorhandensein von PFAS zeige jedoch, dass dies nicht zwangsläufig der Fall sei.
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