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Frankreich treibt „Endlager-Frage“ voran – Deutschland bleibt bei Standortsuche zurück

Frankreich baut seine Kernkraftkapazitäten aus, in Deutschland werden die letzten Reaktoren zerlegt. Die Bundesregierung peilt inzwischen eine Standortentscheidung bis 2050 an. Doch selbst dieses Ziel könnte sich als zu ambitioniert erweisen.

Frankreich treibt den Bau eines Endlagers für hochradioaktiven Atommüll voran. Deutschland sucht weiterhin nach einem geeigneten Standort. (IMAGO/SOPA Images)

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Während in Deutschland die letzten Atomkraftwerke zurückgebaut werden und die Endlager-Frage weiterhin unbeantwortet bleibt, treibt Frankreich nicht nur den Ausbau seiner Kernkraftkapazitäten voran, sondern will nun sogar sein erstes großes Endlager für hochradioaktive und langlebige mittelradioaktive Abfälle errichten.

Im ostfranzösischen Bure soll der radioaktive Abfall der französischen Reaktoren 500 Meter unter der Erde in einer stabilen geologischen Tonformation eingelagert werden. Die Kapazität soll sich auf rund 83.000 Kubikmeter belaufen. Die Baugenehmigung steht derzeit noch aus. Die französische Regierung könnte die Genehmigung Ende 2027 oder Anfang 2028 erteilen. Die Einlagerung erster Abfälle wird inzwischen für 2050 angepeilt. Aktuell wird erwartet, dass die Anlage rund 100 Jahre lang betrieben wird. Insgesamt werden die Kosten des Projekts auf 26,1 bis 37,5 Milliarden Euro zum Preisstand von 2012 geschätzt. Die Kosten sollen zu großen Teilen von den Verursachern der radioaktiven Abfälle selbst getragen werden.

Frankreich spielt im globalen Vergleich im Bereich der Kernenergie ganz vorne mit. Laut Daten der World Nuclear Association und der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) deckte das Land 2024 rund 67,3 Prozent seiner Stromerzeugung durch Kernenergie ab. Mit einer Stromerzeugung von 364,4 Terawattstunden (TWh) aus Kernkraft belegte Frankreich damit den ersten Platz in Europa und den dritten Platz weltweit. Nur China und die USA lagen mit 417,5 beziehungsweise 781,9 TWh mengenmäßig davor.

Auch in Zukunft will Frankreich – anders als Deutschland – den Ausbau seiner Kernkraftkapazitäten aktiv vorantreiben. So strebt die französische Regierung an, die Laufzeiten ihrer bestehenden Reaktoren auf 50 oder 60 Jahre und teilweise darüber hinaus zu verlängern. Die Verlängerungen hängen allerdings von Sicherheitsüberprüfungen ab. Außerdem ist die Errichtung von sechs neuen Reaktoren vorgesehen, von denen der erste bis 2038 ans Netz gehen könnte. Die Option, acht weitere Reaktoren zu errichten, will man sich in Paris offenhalten.

Frankreich ist Vorreiter einer europaweiten Renaissance der Kernkraft: Belgien hat seinen Atomausstieg gekippt, Polen plant sein erstes Kernkraftwerk und Tschechien verlängert die Laufzeiten seiner Reaktoren. Der Hintergrund für diesen Trendwechsel ist unter anderem, dass die EU-Kommission bestimmte Investitionen in Kernenergie seit 2023 unter strengen Voraussetzungen als nachhaltig einstuft.

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Dass Kernkraft zu den emissionsärmsten Quellen der Stromerzeugung gehört, lässt sich anhand ihrer Emissionsbilanz messen: Nach einer 2022 veröffentlichten Lebenszyklusanalyse der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) verursacht Kernenergie lediglich 5,1 bis 6,4 Gramm CO₂-Äquivalente pro Kilowattstunde – weniger als Windkraft und Photovoltaik, bei denen insbesondere die Herstellung der Anlagen in der vorgelagerten Produktionskette große Mengen an Emissionen verursacht.

Bei der Solarenergie liegen die Lebenszyklusemissionen laut der Untersuchung zwischen 27 und 122 Gramm CO₂-Äquivalenten pro Kilowattstunde für solarthermische Kraftwerke (CSP) und zwischen 8,0 und 83 Gramm für Photovoltaikanlagen. Bei der Windkraft bewegen sich die Werte zwischen 7,8 und 16 Gramm für Anlagen an Land sowie zwischen 12 und 23 Gramm CO₂-Äquivalenten pro Kilowattstunde für Offshore-Windkraftanlagen.

Deutschland hält am Atomausstieg fest

Und dennoch: Deutschland schließt sich der Renaissance der Kernkraft nicht an. Der im Jahr 2023 vollendete Ausstieg wird beibehalten. Anfang Oktober erhielt PreussenElektra die letzte Abbaugenehmigung für Isar 2, eines der leistungsstärksten Kernkraftwerke des Landes. Bundeskanzler Friedrich Merz ordnet den Ausstieg als „irreversibel“ ein.

All das, während die Endlagerfrage, anders als in Frankreich, weiterhin ungeklärt bleibt. Dabei bräuchte Deutschland dringend eine Lösung für die Entsorgung radioaktiver Abfälle. Nach Angaben der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) müssen in Deutschland weiterhin rund 27.000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle mit erheblicher Wärmeentwicklung dauerhaft eingelagert werden. Ein Export nach Frankreich scheidet aus, da die Kapazitäten des geplanten Endlagers in Bure ausschließlich für französische Abfälle vorgesehen sind.

Aktuell wird die Lösung des Endlagerproblems von der Großen Koalition nach Ansicht von Kritikern nicht mit dem nötigen Nachdruck vorangetrieben. Die ursprünglich für 2031 angestrebte Standortentscheidung ist nicht mehr erreichbar. Stattdessen dürfte sie erst deutlich später fallen.

Im Sommer setzte das Bundesumweltministerium das Zieldatum für die Standortfestlegung auf spätestens 2050 fest. Doch auch dieses Ziel steht auf wackeligen Beinen.

Als Gutachter im Auftrag des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung vor zwei Jahren berechneten, wie lange die Standortsuche dauern könnte, kamen sie auf das Jahr 2074. „Mit Genehmigung und Bau sind wir dann im nächsten Jahrhundert“, erklärte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) im Juli im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

Finnland erhält weltweit erste Betriebsgenehmigung

Abgesehen von Frankreich ist auch Finnland ein Vorbild für Deutschland. Die Regierung in Helsinki erteilte der Betreibergesellschaft Posiva am 22. Oktober die weltweit erste Betriebsgenehmigung für ein Endlager abgebrannter Brennelemente. Vor dem Beginn der Einlagerung stehen allerdings noch abschließende Prüfungen aus.

Die Anlage Onkalo auf der Halbinsel Olkiluoto liegt rund 430 Meter tief in 1,9 Milliarden Jahre altem Kristallingestein und soll bis zu 6.500 Tonnen Uran aus allen fünf finnischen Reaktoren aufnehmen. Die abgebrannten Brennelemente werden zunächst in einer Oberflächenanlage getrocknet und anschließend in dickwandige Kupfer- und Gusseisenbehälter luftdicht eingekapselt. So soll das radioaktive Material langfristig sicher von der Biosphäre abgeschirmt werden.

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10 Kommentare

  • Mit schnellen Reaktoren kann das Endlagerproblem gelöst werden, beispielsweise mit dem Dual-Fluid-Reaktor oder dem BN600. Auch diese Technologie will Deutschland nicht, sondern geht lieber mit Wind- und Solarenergie unter. Deutschland ist halt so irre schlau…

  • Deutschland ist rein politisch maximal zurückgeblieben wenn mans auf den Punkt bringt.

  • Ein Endlager soll nicht gefunden werden. Das Thema muss ungelöst und maximale Kosten produzieren. Damit wird Kernenergie teuer. Vom Volumen her passt der gesamte deutsche Abfall in eine Halle der Größe von 3 Fußballfelder.

  • Deutschland könnte schon einmal nach Endlagern für seine „Windmühlen“ sorgen…

    • Lieber für Rentner…

      • @Carpinus Nautilus, meinen Sie das wirklich ernst? Menschen entsorgen?

  • Die Kernreaktoren der aktuellen Generation können das Endlagerproblem sicher noch nicht komplett lösen, sind aber auf einem guten Weg dahin. In zehn, fünfzig oder einhundert Jahren sieht es sicher noch viel besser aus. Weltweit wird daran gearbeitet.
    Deutschlands Atompolitik bassiert dagegen aber auf dem industriellen und wissenschaftlichen Wissensstand von 1970 – 1980 (über vierzig Jahre alt). Schuld daran ist die Partei, die immer noch mit diesen, mittlerweile total überholten und widerlegten wissenschaftlichen Erkenntnissen, argumentiert und leider trotzdem noch Anhänger für ihre wirtschaftsfeindliche Politik findet. BÜNDNIS90 DIE GRÜNEN!

  • Endlager? Kein Problem. Das wird in Hamas Tunnel im Gaza eingelagert. Die dortigen Tunnel wurden ja mit Steuergeld bezahlt.

  • Spielt doch keine Rolle mehr…seit mindestens zwei Dekaden wird Deutschland systematisch zerstört…katastrophal daß die Verbrecher unseres Untergangs nie belangt werden!!!

  • Für den in Deutschland tonangebenen kulturell-suizidalen Wahn muss man eine völlig neue Begrifflichkeit pägen, denn er ist m. E. ein historisches Novum:

    Ich schlage „Selbstvergurkung“ vor.

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