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Merz bei ntv

Ein schmollender Kanzler fordert „mehr Leistung und Eigenverantwortung“ von den Bürgern ein

Bei ntv will Merz zwanghaft den Eindruck vermitteln, dass alles gut läuft. Auf die Einwände der Moderatorin reagiert er teils sichtbar beleidigt und verweigernd. Er verlangt mehr „Eigenverantwortung“ von den Bürgern und betont: Deutschland bleibe Einwanderungsland.

Von

IMAGO/Political-Moments

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Man habe schon jetzt „viel erreicht“ – diesen Eindruck versuchte Friedrich Merz am Montagabend als erster Gast in der neuen Talksendung von Moderatorin Pina Atalay bei ntv fast schon zwanghaft zu vermitteln. Er gab zwar zu, dass die Industrie „über die Belastungsgrenze hinaus“ sei, polterte aber gleichzeitig gegen „diese negative Stimmung“, der er auch mit seiner Rede am Tag der Deutschen Einheit etwas entgegensetzen wollte. 

Immer wieder konfrontierte Atalay Merz mit desaströsen Wirtschaftszahlen und Umfrageergebnissen, doch der Kanzler gab sich unberührt. Bürger etwa würden meinen, dass es dem Land nicht gut gehe und gleichzeitig sagen, dass es ihnen persönlich gut gehe – die schlechte Lage sei also – das scheint durch seine Verklausulierungen die Botschaft zu sein – nur „die Öffentliche Wahrnehmung“. Angesprochen auf eine frühere Aussage von ihm, dass die Menschen schon im Sommer eine Veränderung spüren sollen, sagt der Kanzler: „Wir können ja nicht jedes einzelne Lebensschicksal über Nacht verändern“.

Merz betont lieber die „umfassende Reformagenda“, die man schon beschlossen habe, und die große Steuerreform, die man angeblich erreicht habe. Was alles nicht gut laufe, sei also nicht seine Schuld? Das fragt Atalay in der Sendung. Merz spricht dann nur davon, dass die Koalition mit den Sozialdemokraten „nicht einfach“ sei, die Koalition müsse zusammenfinden, auch „menschlich“ – das sei aber gut gelungen. Die Moderatorin bemüht an dieser Stelle nochmal Bärbel Bas’ „Bullshit“-Aussage über den Kanzler. Merz wiegelt ab, er sei ja auch nicht „zimperlich“.

Merz lobt dann nochmals den Rückgang der Asylzahlen, der stärker sei, als er es selbst geglaubt habe. Er betont: „Wir sind immer noch ein Einwanderungsland, das bleiben wir auch“. Gleichzeitig würde man inzwischen auch Abschiebungen nach Afghanistan durchführen. Dafür spreche man mit „zwei Vertretern der Taliban hier in Deutschland“. „Vor allem die, die sich hier strafbar gemacht haben, werden jetzt schnell zurückgeführt“, so Merz.

Zur Wirtschaft sagt er noch, dass er „dieses sogenannte Verbrennerverbot in der Form nicht aufrechterhalten“ wolle, er setze auf Technologieoffenheit. Man fördere Verbrenner nicht, wolle sie aber weiter zulassen. Atalay konfrontiert Merz damit, dass seine vielen Pläne Geld voraussetzen. Der Kanzler entgegnet: „Wir brauchen Geld, deshalb wollen wir auch Anreize setzen, länger zu arbeiten“. Und das soll offenbar nur zunächst freiwillig sein.

Er sagt in diesem Zusammenhang nämlich: „Es ist wie mit dem Wehrdienst, ich möchte zunächst einmal versuchen mit guten Anreizen freiwillig gemeinsam das Richtige zu tun“. Daneben betont er, man werde „in Zukunft in unserem Land für die Altersversorgung, für die Krankenversicherung und für die Pflegevorsorge mehr aus eigener Kraft leisten müssen“. Man müsse die „Eigenverantwortung“ stärken und mit den Ressourcen des Gesundheitssystems sparsam umgehen.

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Merklich ungehalten wird der Kanzler, als die Moderatorin ihn auf die Umfrageergebnisse und die starken Werte der AfD anspricht. Er versucht zunächst, die Landtagswahlen in NRW als Erfolg anzuführen, doch Atalay wirft ein, dass die AfD auch dort ihr Ergebnis deutlich verbessert habe. Die Partei sei stärker geworden, entgegnet Merz, „dass die AfD hier in Deutschland den Durchmarsch macht, kann man nicht ernsthaft behaupten“. 

Aber sie haben die Union überholt, kontert die Moderatorin. „Nein, nein“, sagt Merz fast beleidigt. Die Umfragen würden ihn „herzlich wenig beeindrucken“. Und von dieser Haltung war das ganze Gespräch geprägt: einer weitgehenden Realitätsverweigerung.

ps

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119 Kommentare

  • Migration, Rezession, Deindustriealisierung, Massenentlassungen, Abwanderung von Arbeitsplätzen, Wohlstandsverlust.
    Keines dieser Probleme wurde gelöst.
    Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

    • Kaputte Infrastruktur, Bildungsmisere, Mietexplosion, Inflation, Ukrainekrieg, Nahostkoflikt, Energiepreise, Rentnerarmut, Krise des ÖRR, Fachkräftemangel, Pflegenotstand, Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft, demographische Probleme, Verkehrswende, marode Bundeswehr, kaputtes Gesundheitswesen, Erziehernotstand, fehlende Kindergartenplätze, Lehrermangel, steigende Gewaltkriminalität; und vor allem die nach wie vor unkontrollierte Einwanderung mit all ihren Folgen:
      Mieten, Infrastruktur, soziale Probleme, Demographie usw.
      Bitte ergänzt was ich an Problemen noch vergessen hab.

      • Den Kindermangel. Seit fünf Jahrzehnten auf ca. sieben Lebengeburten eine ‚unterbrochene‘ Schwangerschaft, wie man auf bestimmten Seiten sagt. Jedes Jahr verschwindet 1/8 des Jahrgangs. Im Jahr 100.000, im Jahrzehnt 1 Million, in fünf Jahrzehnten 5 Millionen, nicht mitgerechnet die Kindeskinder, die nicht haben entstehen können.
        *Dieses* Problem wird ständig vergessen.

        29
      • @ Doublebass Da war jemand schneller als ich. Danke dafür.

        9
      • @Tedesci
        Ich rechne auch damit, dass das tatsächliche Verhältnis < 7:1 ist. Auf alle Fälle ist es ein hausgemachtes Problem und die Mutter vieler anderer Probleme.

        0
      • @Blaubärenautomat
        (7 Lebendgeburten auf 1 Abbruch)
        Dieses Verhältnis bezieht sich auf alle Geburten in DE.
        Interessant und vermutlich noch schlimmer wäre mal das Verhältnis der autochthonen Lebendgeburten/Abbrüchen zu erfahren.
        Ich vermute aber , dass selbst 7:1 bei allen Geburten geschönt ist, da nicht alle Abbrüche bekannt sein dürfen oder gemeldet werden.

        0
      • Alles sch…egal! Hauptsache das Bild – welches ich eingangs nur schwer ertragen konnte – kann weiter fleißig seine ehedem stolze Partei belehren sensible Antifanten nicht zu kritisieren weil sie sich sonst in den Schlaf heulen müssen.

        3
    • Die Regierung ist am Ende, sie leugnet jedoch die Wahrheit. Jeder Tag mit Bürzel und dem Sensibelchen Lars an der Spitze macht den irgendwann einsetzenden Neuanfang noch schwieriger.

    • Ihre Aufzählung zeigt, wohin man wollte und will und ist dabei zusammen mit der eu auf einem sehr guten Weg. Habt nix und seid glücklich, läuft! Nur das Nörgeln muss weniger werden, da ist noch Nachholbedarf.
      Der Zug in Richtung Struktur, Bildung, Gesundheit und Wohlstand ist in die entgegengesetzte Richtung schon lange abgefahren, von den sieht man schon lange die Schlusslichter nicht mehr.

      • für das Nörgeln gibt’s bestimmt bald ne Impfung 🙂 🙂 🙂

        0
    • Energiepreise zu hoch, Renten zu niedrig und doch zu teuer,
      Gesundheitssystem am Limit, Infrastruktur kaputt, Bildungssystem am Limit,
      Gewaltkriminalität, Messer- und Terroranschläge, Verrohung der Gesellschaft…
      Wollen wir weiter machen?

    • Man kann sie nicht von Gegenteil überzeugen denn es ist so. Für mich hat in vielen Sparten Hoffnungslosigkeit um sich gegriffen. Und wer trägt die Verantwortung?

    • nicht nur „nicht gelöst“, was angesichts der enormen Schieflage auch kaum zu schaffen ist

      aber es wurde ja noch nicht mal damit begonnen bzw es wurde und wird weiter munter in die falsche Richtung gesteuert..

      Thema Migration:
      da wird von Einwanderungsland fabuliert, lustig munter findet die Massen -Migration nur homöopathisch gebremst statt, es wird völlig übersehen, dass diese Menschen hier niemals unterm Strich wertschöpfende Beitragszahlungen leisten können und selbst die, die es zu was bringen:
      in zig Jahren halten die AUCH die Hand auf wg. Rente.
      das ganze“ wir brauchen zuwanderung“ ist ein Schneeballsystem.

    • Das sind die ganzen Probleme, die wir nicht hätten….ja WENN man ab ca 1998 aufgewacht wäre und anders gewählt hätte. Und, ja wir wissen es doch alle….Die VERURSACHER werden diese von ihnen selbst „erzeugten“ Probleme NIEMALS lösen.
      Cducsuspdgruenelinkefdp und sonstige völlig unnötige Kleinstparteien.

  • Mehr Eigenverantwortung? Sehr gerne, wenn ich dafür von sämtlichen Sozialbeiträgen freigestellt werde!!!!!

    • Wozu brauchen wir diese Sozialsysteme, sind sowieso größtenteils nicht für uns arbeitende Deutsche, kommt alles den „Bürgergeldempfängern“ zugute, da diese zur Hälfte in unserem System hängen und auf unsere Kosten leben, weil sie nicht einzahlen.

    • GEZ bitte auch….diese ewige Abofalle 🙂 🙂 🙂

  • Man schaue sich nur diesen Gesichtsausdruck an. Ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte…

    • Eine Verdeutlichung von „larmoryant und weinerlich“

    • Der Appel fällt nicht weit vom Stamm.
      Die merkelinischen Hängemundwinkel sind erblich.

      • es fehlt noch die klassische Raute….bitte Fritze….BITTE…Raute! 🙂 🙂 🙂

        1
  • „Eigenverantwortung“
    Der Countdown läuft:
    Zwischen Oktober und November 2025 stimmt das EU-Parlament über die wohl umstrittenste Reformen für den Führerschein seit Jahren ab.
    Für Millionen Autofahrer in Deutschland wird es ernst – die Unsicherheit ist groß, denn die neuen Regeln könnten den Alltag vieler radikal verändern. Müssen Senioren bald zum Arzt, um weiter fahren zu dürfen? Kommt für Camper die Extra-Prüfung?
    Die geplanten Änderungen, die in wenigen Wochen ihre finale Form annehmen sollen, bringen neue Pflichten und hitzige Debatten.
    https://www.fr.de/verbraucher/eu-fuehrerscheinreform-vor-eu-abstimmung-das-aendert-sich-2025-93969239.html

  • …genau mein Humor…

  • Dahinter steckt, daß Merz nichts ändern kann oder will. Die steuerpflichtigen Bürger sollen noch mehr abgeben, damit nicht gespart werden muß. Dieses Land hat offenbar keinen Reformwillen. Sonst hätte NRW nicht gerade für ein „weiter so“ gestimmt.

  • Ich habe mit meinem Chef gewettet, daß Merz zum Ende des Jahres nicht mehr Kanzler einer schwarz-roten Koalition sein wird. Mit jedem Tag, mit jedem Interview, mit jedem Auftritt, mit jeder Rede im Bundestag werde ich sicherer, daß ich gewinne…

    • Zwei Jahre wird er wohl machen, die Extrapension lässt er sich nicht entgehen. Auch Larsensibel nicht!

  • Irgendwie erinnert mich Herr Merz an Herrn Honecker im Oktober 1989.

    • Mir fällt da eher Mielke ein, „ich liebe euch doch alle…“.

  • Der Staat, an dessen Spitze er steht, hat eine Daseinsfürsorgepflicht für seine Bürger.

    • Da haben die sogar einen Eid drauf geschworen…Ist denen aber egal….

  • Ich hab NULL Problem mit Eigenverantwortung.
    Der Staat ist es, der mir diese Eigenverantwortung unmöglich macht und mir immer härtere Vorschriften macht wie ich zu leben habe.
    Und immer mehr Abgaben, die mir meinen Spielraum zur Eigenverantwortung weg nehmen.

  • Fritze möchte mehr Eigenverantwortung?
    Bravo! Gleich mal den Beamtenapparat um 90 % eindampfen und alle Zahlungen an Ausländer, die in D nie eingezahlt haben auf 0 drehen! Mal schauen!

    • Jaja, die Beamten sind wirklich dankbare Boxsäcke. Dann weinen Sie aber auch nicht, wenn die Lehrer streiken und Ihre Kinder Sie daheim nerven, weil sie anderweitig nicht betreut sind. 😇

      -28
      • Wo bitte sind erzieher verbeamtet?
        Es geht doch nicht um Lehrer und Polizisten. Aber diesen ineffizienten Verwaltungsapparat der außer zufriedene „Deutsche demokratische Mitte“ Wähler keinen Nutzen hat.

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      • Nicht alle Lehrer sind verbeamtet 🙂 und nebenbei… meine Kinder nerven nicht, Ihre etwa? Ist da etwas schief gelaufen? Gab es vielleicht besondere Vorkommnisse? Möchten Sie berichten? Vielleicht können wir ja helfen 🙂 🙂 🙂

        0
      • Was würde sich zu heute ändern?

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  • Sieht nicht gut aus.

  • Er soll sich mal fragen, wär seine letzte Gehaltserhöhung bezahlt. Da wäre doch z.B. Bescheidenheit angebracht, Herr Kanzler!

  • Wann war Herr Merz das letzte Mal in der Innenstadt einer deutschen Großstadt?

  • Ich lebe mein Leben in Eigenverantwortung, aber die Politik will immer mehr in mein Leben reinregieren und mir Vorschriften machen. Also Herr Merz, halten Sie sich zurück und aus meinem Leben raus.

  • Wir können gerne eigenverantwortlich sein, Leute: Unsere Steuern behalten wir und bestimmen selbst, was wir damit fördern wollen. Ich denke, dass wir damit unsere Gemeinden viel besser stützen können, oder? Also „Steuer-Stopp!“ und selbstgehandelt!

  • Merz sollte einfach anfangen seine Wahlversprechen, mit denen er sich ins Kanzleramt geschlichen hat, wahrmachen oder falls er Kanzler nicht kann, den Weg für Neuwahlen freimachen.

  • Wie gut Eigenverantwortung in unserem Staat bisher ankam, sah man ganz deutlich in der Zeit der „ Coronakrise“.

  • Das ist ja schön, dass ihn Umfragewerte nicht beeindrucken.
    Wahlergebnisse bestreitet er und einen „Durchmarsch“ der AFD kann er nicht sehen. Nun denn, möchte er überrascht werden. Weitere Einschätzungen möchte ich nicht abgeben.

  • Will der Bunteskanzler einen auf Habeck machen und durch möglichst viele Talkshows tingeln? Ich meine, so ganz normal ist das nicht mehr…

    • Seine Berater gehen davon aus, je öfter zu sehen / hören, umso beliebter!

      • Natürlich nicht, man bekommt eine starke Abneigung, wenn man ihn hört und sieht. Er erzeugt keinerlei Sympathie, ausgehend von der Körperhaltung, Gesichtsausdruck, diese Arroganz und Selbstgefälligkeit. Dieser Kanzler der 2. Wahl stürzt immer mehr in seinen Sympathiewerten ab. Um so mehr er vor die Kameras tritt um so mehr schalte ich ab oder gehe raus um ihn nicht ertragen zu müssen.

        15
  • Nennt sich Kollusion. Wenn die Sehnsüchtigen nach einem Weihnachtsmann dem vermeintlichen Weihnachtsmann vorwerfen, er würde sich nicht um sie kümmern.

    Denn beide Rollen existieren aufgrund der Schwäche des Anderen.

    Kann jeder selbst überprüfen. Wenn die vermeintlichen Weihnachtsmänner interviewt werden und beide Seiten um ihre jeweilige Rolle kämpfen.

    Die aktuelle Epoche Aufklärung kann die Sehnsucht nach einem Weihnachtsmann nicht abbauen, denn der Verstand führt nicht zur Vernunft – Myside Bias.

    • Kennst Dich gut aus … so als Weihnachtsmann …

    • Sie haben einen one-side bias. Immer das gleiche Gesülze

  • ich rede mir die welt wiediewiediewie sie mir gefällt. dieser mann leidet für mich offensichtlich unter realitätsverlust.
    geld geld geld…..von wem……von uns, den bürgern. sollen diese bürger ruhig bis 70 arbeiten und immer mehr steuern und beiträge abdrücken. ich erinnere, die steuereinnahmen 2024 betrugen nahezu 1 billion euro!!!!! doch sie kommen nicht damit aus. immer mehr und mehr muss es sein. wir wissen doch alle, je mehr geld zur verfügung steht desto mehr wird benötigt. das nennt man auch GIER.. bitte nicht vergessen: die staatsgewalt geht vom volk aus (=demokratie). arbeiten sie also bitte für das volk und nicht dagegen.

  • Also innerhalb von Parteipolitik ist Merz bundes-präsidentaler als der Bundespräsident. Bei dieser Einschätzung endet meine Sympathie nicht letztlich.

  • Ich habe es mir gerade angeschaut, das Interview. Pampig fand ich Friedrich Merz nicht, Frau Atalay hat es ihm tatsächlich nicht leicht gemacht. Ihr gebührt Respekt dafür, dass sie kein Gefälligkeits-Interview macht, so wie es die ÖRR-Damen für Erika, ähem Angela immer getan haben.

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