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Die Post-Trump-Ära ist da: Jetzt beginnt der heikle republikanische Erbfolgekrieg

Die Hochphase der Trump-Ära wurde durch die Wahlniederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen abrupt beendet. Der Erbfolgekrieg um Trumps Krone hat umgehend begonnen: Vance geht in die Offensive, Rubio hält sich bedeckt – und plötzlich ist da auch noch ein unerwarteter Thronanwärter.

Fotomontage (Imago / ZUMA Press / Newscom World / Avalon.red)

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Die Trump-Ära der amerikanischen Politik hat genauso plötzlich ihr Ende gefunden, wie sie angefangen hat: Am Dienstag, dem 3. November 2026, war sie mit einem Mal vorbei. Mit einer Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen hatten die meisten gerechnet – mit dem blauen Tsunami, der über das Land hinwegschwappte, dagegen kaum jemand. Trump wird für die nächsten zwei Jahre politisch gefesselt sein: Die dominanten Demokraten im US-Kongress werden seine Regierung jagen, das haben viele neu gewählte Abgeordnete bereits selbst angekündigt.

Die Republikaner müssen sich dagegen neu sammeln: Sie haben noch zwei Jahre Zeit, um einen würdigen Nachfolger für den bisherigen Beherrscher ihrer Partei zu finden, der aufgrund der Amtszeitbegrenzung für Präsidenten nicht erneut antreten kann. Am Tag nach der Abreibung meldete sich US-Vizepräsident JD Vance mit einer auf den ersten Blick unscheinbaren Wahlanalyse auf X zu Wort: Das Problem der Republikaner sei nicht die fehlende Mobilisierung, sondern dass viele enttäuschte Trump-Wähler die Demokraten gewählt hätten.

Es folgte einer der offensten Angriffe eines US-Vizepräsidenten auf die Politik seines Chefs: Man habe wegen des Iran-Kriegs verloren, wegen der hohen Lebenshaltungskosten und wegen Amerikas Freundschaft zu Israel. Noch während Vance diese Politik als Vizepräsident mitträgt, verurteilt er sie offen. Dieser erste scharfe Schuss im Erbfolgekrieg ist dabei vor allem durch zwei Dynamiken zu erklären: Nach dem Wahlsieg Trumps im November 2024 wurde Vance bereits von vielen als der legitime Thronfolger betrachtet – seine Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat 2028 galt als gesetzt.

Plötzlich spielt Vance nur noch die zweite Geige

Doch innerhalb der letzten Monate hat sich die Dynamik verändert: Außenminister Marco Rubio hat sich durch mehrere öffentliche Auftritte, etwa zuletzt mit seiner Rede zur westlichen Zivilisation in Athen, plötzlich als Konkurrent ins Gespräch gebracht. Vor allem seit Trump zu Beginn des laufenden Jahres seinen gesamten Fokus auf die Außenpolitik gelegt hat, spielt Vance im Weißen Haus und in der Öffentlichkeit unter Trumps Untergebenen nur noch die zweite Geige.

Die Fotos, die das Weiße Haus während der erfolgreichen Operationen gegen Venezuelas Diktator Nicolas Maduro und den iranischen Ajatollah Ali Chamenei veröffentlichte, sprachen Bände: Trump und Rubio im Operation Raum, Trump und Rubio im Gespräch mit anderen Regierungsmitgliedern, Trump und Rubio beobachten die neuesten Entwicklungen angespannt. Vance war beide Male nicht beim Präsidenten vor Ort.

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Einst sicherer Thronfolger, jetzt Trump-Zweifler: US-Vizepräsident JD Vance (Imago / AdMedia)

Auch öffentlich hat sich Trump zuletzt deutlich ambivalenter zur Nachfolgefrage geäußert als noch am Anfang seiner Amtszeit. Diese fehlende Rückendeckung durch Trump wird Vance möglicherweise motiviert haben, seine Strategie zu wechseln: Bei den republikanischen Vorwahlen 2028 könnte er plötzlich der implizite Anti-Trump-Kandidat werden.

Der offene Widerspruch zu Trump tritt nun zutage

Helfen wird ihm die zweite Dynamik innerhalb Trumps Amtszeit, die dem US-Präsidenten selbst plötzlich gefährlich werden könnte: In der Außenpolitik war Vance stets ein Isolationist – ganz im Gegensatz zu Trump, der immer als pragmatischer America-First-Realist auftrat. Zur America-First-Politik gehören dabei freilich militärische Schläge, wenn sie in amerikanischem Interesse sind: Das war im Falle der Bombardierung der Huthis im Jemen Anfang 2025 so, das war beim Schlag gegen Venezuela Anfang Januar so und es war zu Beginn des Schlags gegen den Iran Ende Februar so.

Vances außenpolitische Ansichten waren damit jedoch niemals vereinbar: Als The Atlantic im März 2025 Protokolle einer internen Chatgruppe zur Planung von Militärschlägen gegen die Huthis veröffentlichte, zeigte sich, dass Vance intern als Einziger in den hohen Rängen der Regierung gegen diese Schläge war. Mit seinem ersten Angriff gegen den Präsidenten nach der Niederlage bei den Zwischenwahlen reißt er den Gegensatz zwischen den beiden außenpolitischen Ansichten besonders offensichtlich weit auf: Den Krieg gegen die „Achse des Widerstands“, die antiamerikanische Allianz der Dritten Welt, möchte Vance beenden – die jahrzehntelange Allianz mit Israel aufkündigen.

Weiter steht Vance in der Sozialpolitik deutlich weiter links als sein Chef – auch das ließ er durch seine Kritik an den steigenden Lebenshaltungskosten deutlich durchscheinen. Vance ist Teil des aufsteigenden katholischen Flügels der Republikaner, der in Teilen an die katholische Soziallehre anknüpft und damit im Gegensatz zur evangelikal-protestantischen Prägung der Republikaner steht.

Ein unerwarteter Thronanwärter betritt die Bühne

Doch neben Vance ist plötzlich ein weiterer unerwarteter Thronanwärter aufgetaucht: Ron DeSantis. Mit mehreren Stellungnahmen und einem langen Interview kurz vor der Wahl ist der scheidende Gouverneur Floridas plötzlich auf die große Bühne zurückgekehrt. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2024 galt er als möglicher Präsidentschaftsanwärter – durch disziplinierte und konservative Politik hatte er den ehemaligen Swing State Florida in eine republikanische Hochburg transformiert. Bei den Vorwahlen 2024, bei denen er Trump herausforderte, war er jedoch ein überraschender Flop.

Doch nun endet DeSantis’ Amtszeit als Floridas Gouverneur aufgrund einer Amtszeitbegrenzung – bei der letzten Wahl in Florida während seiner Amtszeit konnte er jedoch nochmals triumphieren: Während die Republikaner im ganzen Land selbst in Gebieten verloren, die seit Jahrzehnten, teils sogar seit fast einem Jahrhundert, nur die Republikaner wählten, blieb Florida standhaft: Die Republikaner haben dort keinen einzigen Sitz im US-Repräsentantenhaus verloren und stellen auch in Zukunft den Gouverneur und beide Senatoren.

Ein unerwarteter Thronanwärter: Floridas scheidender Gouverneur Ron DeSantis (Imago / Newscom World)

Wie DeSantis nach der Wahl richtigerweise feststellte: Nach dem Desaster der Zwischenwahlen wird Florida der einzige der zehn bevölkerungsreichsten Bundesstaaten sein, der von einem Republikaner regiert wird. Unzweifelhaft liegt der Löwenanteil der Leistung dahinter bei DeSantis.

Anders als 2024, als er einen disziplinierten Konservatismus mit einer optimistischen Grundvision als sein Programm präsentierte, fährt DeSantis, ebenfalls Katholik, dieses Mal einen Kurs, der deutlich näher an Vances solidarisch-populistischem Konservatismus liegt: Er äußerte zuletzt Kritik an der Nähe der Republikaner zu Tech-Milliardären wie Elon Musk und Jeff Bezos und zeigte Verständnis für den linken Widerstand gegen den Bau von KI-Rechenzentren, der in den USA zu einer großen politischen Frage geworden ist.

Gleichzeitig warf DeSantis der Trump-Regierung vor, bei der Migrationswende nicht konsequent genug aufzutreten. Damit bringt er sich in die Poleposition als Kandidat des aufsteigenden rechten Lagers der Trump-Republikaner: Im Gegensatz zu Vance hat Ron DeSantis durch erfolgreiche Regierungsarbeit und deutliche Wahlsiege bereits sein Können bewiesen. Durch seine Kandidatur 2024 gegen Trump ist er ebenso glaubwürdiger als Vance.

Ohnehin kokettierte der rechte Flügel der Trump-Republikaner schon immer mit dem eigentlich diszipliniert auftretenden DeSantis, während Vance von ihnen wegen seiner harschen Kritik an der (vor allem weißen) Arbeiterklasse seiner Heimatregion, den Appalachen, in seinen Memoiren stets mit Argwohn betrachtet wurde.

An Trump führt immer noch kein Weg vorbei

Bei der Formulierung „Anti-Trump-Kandidat“ sollen jedoch keine Missverständnisse aufkommen: Ein Nachfolger auf Trumps Republikaner-Thron kann mit dem amtierenden Präsidenten nicht offen brechen – zu groß ist sein Einfluss. Nach der katastrophalen Niederlage bei den Zwischenwahlen öffnet sich jedoch ein kleines Fenster für mögliche Präsidentschaftsanwärter, sich von Trump politisch zu emanzipieren.

Zu offen sind die Günstlingspolitik und die Küngeleien an Trumps Hof geworden, zu allgegenwärtig der Exzess und die Realitätsferne, als dass eine vorsichtige und implizite Distanzierung von Trumps Regierungszeit nicht politisch geboten schiene. Vielleicht wird die Thronfolge nicht mehr durch die Gnade des Herrschers, sondern im offenen Feldkampf geregelt werden.

Hält sich bislang bedeckt: US-Außenminister Marco Rubio (Imago / ABACAPRESS)

Bedeckt hält sich aktuell noch Marco Rubio – Gerüchte in Washington D.C., über die The Independent berichtet, besagen, er könnte von seinem Ministerposten zurücktreten, um eine eigene Präsidentschaftskandidatur vorzubereiten. Dann würde er sich automatisch besonders deutlich von Trumps Regierung distanzieren – und das, obwohl er die Regierungspolitik maßgeblich mitgeprägt hat. Viel eher könnte er sich weiter um Unterstützung durch Trump bemühen.

Denn am Ende könnte doch, wie immer im vergangenen Jahrzehnt bei den Republikanern, an Trump kein Weg vorbeiführen: Dass er widerstandslos seinen Anspruch auf die Nominierung eines legitimen Nachfolgers aufgibt, ist zu bezweifeln. Schließlich bedeutete seine Unterstützung vor diesen Zwischenwahlen immer faktisch eine Vorentscheidung für jeden republikanischen Kandidaten – es könnte sich herausstellen, dass das auch für die kommenden Präsidentschaftsvorwahlen gilt.

Bis dahin ist bei den Republikanern seit Mittwoch alle Zurückhaltung bei Ränkespielen und Intrigen gefallen. Es geht schließlich um die Nachfolge einer der prägendsten politischen Figuren der amerikanischen Geschichte und unzweifelhaft des faszinierendsten amerikanischen Politikers des 21. Jahrhunderts.

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5 Kommentare

  • Jeder dieser 3 ist besser als die Dems zusammen.

    • Ron de Santis ist leider auch ein eingekaufter Agent Israels, genau wie Rubio übrigens…

      • Was findest du an Israel schlecht?
        Hättest du lieber die Islamisten der Dems?

  • ‚Man habe wegen des Iran-Kriegs verloren, wegen der hohen Lebenshaltungskosten und wegen Amerikas Freundschaft zu Israel.‘
    Stimmt so nicht, es ging nie um Freundschaft sondern darum nicht Israel first sondern America first zu praktizieren, d.h. die Interessen der USA über diejenigen Israels zu stellen.
    Er sagte auch Netanjahu hätte komplett Unrecht gehabt!

    • Dazu hätte ich gerne einen Link.
      Danke!

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