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„Rotlichtbestrahlung“

DDR-Historiker Hubertus Knabe erklärt: So arbeiteten Politoffiziere wie Sven Hüber an der Berliner Mauer

Der DDR-Historiker Hubertus Knabe hat mit Apollo News über den Fall des früheren DDR-Politoffiziers Sven Hüber gesprochen. Er hält die Schilderungen des Grenzsoldaten Axel Krause für plausibel, der Hüber schwere Vorwürfe macht.

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In einer exklusiven Recherche von Apollo News erhebt der frühere DDR-Grenzsoldat Axel Krause schwere Vorwürfe gegen Sven Hüber, der in der DDR Politoffizier war und heute Funktionär der Gewerkschaft der Polizei ist. Der DDR-Historiker Hubertus Knabe ordnet die Zeitzeugenberichte für Apollo News ein. Dabei geht es unter anderem um eine konsequente Umsetzung des Schießbefehls, die Demütigung politischer Gegner und eine Degradierung fürs Danebenschießen (zur Video-Dokumentation).

Knabe beschreibt die Rolle der Politoffiziere in der DDR als „eine Art Gesinnungsoffizier“. Die Politoffiziere vertraten die Staatspartei SED in der Nationalen Volksarmee und sollten dafür sorgen, dass die Soldaten politisch auf Linie blieben. „In den DDR-Grenztruppen wurde, wie schon in der Roten Armee, getrennt zwischen der militärischen Führung und der politischen Führung.“

Die Politoffiziere seien in der DDR für die sogenannte „Rotlichtbestrahlung“ zuständig gewesen. Sie sollten, so beschreibt es der Historiker, die Grenzsoldaten so beeinflussen, dass sie „gnadenlos Maschinengewehrfeuer“ auf einen meist gleichaltrigen Flüchtling eröffneten.

Knabe verweist auf den früheren SED-Politiker Albert Norden, der für Agitation zuständig war und bereits 1963 festgestellt hatte, dass man im Umgang mit DDR-Flüchtlingen keine „menschliche Gnade“ üben solle, weil das „unmenschlich gegenüber dem eigenen Volk“ sei. So paraphrasiert Knabe Nordens Worte.

Norden hatte wörtlich gesagt: „Mit Verrätern muß man sehr ernst sprechen. Verrätern gegenüber menschliche Gnade zu üben, heißt unmenschlich am ganzen Volk handeln.“ So wird seine Rede vor Grenzsoldaten in der DDR-Zeitung „Volksarmee“, Nr. 41, wiedergegeben.

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Knabe betont, dass es Aufgabe der Politoffiziere gewesen sei, die Soldaten so zu indoktrinieren, dass sie bereit waren, einen Menschen umzubringen: „Der Todesschuss wird zur Friedenstat erklärt.“ Diese Indoktrination habe vor allem im sogenannten Politunterricht für die Grenzsoldaten stattgefunden.

Der Zeitzeuge Krause erzählt Apollo News, dass Sven Hüber auf der alten Formulierung des Schießbefehls bestanden habe. 1988 wurde die Formulierung, die die Soldaten täglich vor Dienstantritt zu hören bekamen, geändert. Anstatt „Grenzverletzer sind aufzuspüren, festzunehmen oder zu vernichten“ sollte es nun heißen: „Grenzverletzer sind aufzuspüren, festzunehmen oder ihr Grenzdurchbruch ist durch Anwendung der Schusswaffe zu verhindern.“

Hüber habe, so berichtet Krause aus seiner Erinnerung, mit den Soldaten darüber diskutiert. Hüber habe sich dafür ausgesprochen, weiterhin das Wort „vernichten“ zu verwenden, weil es seine Berechtigung habe. Denn die Formulierung „Anwendung der Schusswaffe“ sei missverständlich, weil sie sich auch auf einen Warnschuss beziehen könne. Er werde deshalb den alten Befehl weiterhin verlesen.

Gegenüber Apollo News bestätigt der Historiker Hubertus Knabe, dass es eine solche Änderung gab. Er könne sich gut vorstellen, „dass dann der Politoffizier gesagt hat, ja ,vernichten‘ ist eigentlich klarer als ,von der Schusswaffe Gebrauch machen‘. Denn das bedeutet ja, ich kann auch daneben schießen. Vernichten heißt Treffen.“

Auch eine andere Schilderung des Zeitzeugen hält Knabe für „sehr glaubwürdig“. Krause berichtet, wie Hüber einen Postenführer vor den Augen aller Soldaten, die gerade keinen Dienst hatten, degradiert habe. Denn der Postenführer hatte bei einem Grenzdurchbruch am 19. April 1988 danebengeschossen. Wie Stasi-Akten, die Apollo News vorliegen, zeigen, schätzte die Staatssicherheit den Vorfall so ein, dass der Grenzdurchbruch gelang, weil der Postenführer zu zögerlich geschossen habe.

Hüber habe dem Postenführer, so erinnert sich Krause, in Anwesenheit von rund 200 anderen Soldaten die Schulterstücke abgerissen und ihm die Schulterstücke eines einfachen Soldaten ausgehändigt. Hüber habe gesagt, dass der nun degradierte Soldat seiner Meinung nach bis zu fünf Jahre im Militärgefängnis in Schwedt verbringen könnte.

„Diese Situation, jemandem demonstrativ die Schulterstücke abzureißen“ sei „fast wie in einem Roman, filmreif“, meint Knabe. Viele Soldaten der Nationalen Volksarmee hätten auch berichtet, dass ihnen mit dem Militärgefängnis Schwedt gedroht worden sei, wenn sie nicht gespurt hätten. Innerhalb von Sekunden hätten sich Soldaten im Falle eines Fluchtversuchs entscheiden müssen, ob sie den Flüchtling erschießen oder danebenschießen – und dann habe die Frage im Raum gestanden, was mit ihnen selbst passiere. „Das ist eine ganz üble Angelegenheit gewesen.“

mra

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20 Kommentare

  • Das Schweigen von Dobrindt irrititiert mich.
    Faeser/Merkel/Halenwang anklagen

    • Dobrindt schweigt.
      Das sagt alles über seine Gesinnung aus.

      • Was genau? Erläutern Sie bitte.

    • Merkel und Gauck haben alle Dreck am Stecken

    • Der muss erst beim großen China-Virus-Diktator aus Bayern nachfragen, ob er sich äußern darf. Und der hält sich noch bedeckt! Braucht er doch die GdP auf seiner Seite, sollte er noch eimal solche Aktionen wie zur China-Virus-Diktatur planen.

      Anders sah das bei der Sache mit dem zweiten Wetterhahn in Bayern aus, dem Aiwanger. Da war er gleich mit dabei!

  • Man kann den Mut von Herrn Knabe nur bewundern.
    In einer freien und rechtstaatlichen Demokratie wäre er Alltag und eine Selbstverständlichkeit.

    Wenn man sich erinnerert wie verlogen die vom rbb inszenierte Kampagne war ihn aus der Stasigedenkstätte rauszuekeln, wundert man sich im nachhinein nicht mehr darüber… auch nicht darüber das eine angeblich bürgerbewegte Marianne Birthler sich nicht zu schade war…. einmal links immer links mit Hüber, Birthler…. Vorwärts und nicht vergessen…

    Kämpft weiter und dokumentiert was die Speicher hergeben….. ein drittes mal “ ich hab von nix gewusst“ wird es in D nicht geben.

  • Danke Herr Knabe für Ihre Arbeit und Ihren Mut. Es muss noch viel mehr aufgeklärt werden, da anscheinend noch alte Seilschaften arbeiten und funktionieren.
    Hoffentlich melden sich noch mehr solcher Zeitzeugen.

  • Und auch hier gilt: wer die Wahrheit erzählt braucht ein schnelles Pferd.

    Umso mehr in Absurdistan in den Weiten der sozialistischen Steppen!!!

  • Wer hat Hüber zu diesem Job verholfen?
    Gibts dazu Informationen?

    • der muss eweig durch die Roste gerutsch sein
      denn nach der Wende wurde eigentlich jeder der im öffentlichen Dienst aus dem Osten kam genau überprüft

  • Die unermüdliche Arbeit von Herrn Knabe -trotz ständigem Gegenwind- ist mit Gold nicht zu bezahlen.
    Hut ab vor seiner Lebenleistung!

  • der Politoffizier hatte sogar den Soldaten die einen Flüchtling erschossen hatten
    einen Sonder Urlaub gegeben
    das man wenn man nicht getroffen hatte als Soldat dafür 5 Jahre nach Schwedt im Knast kam entspricht nicht der Wahrheit,
    wer nach Schwedt kam musste vorher vor einem Militärstatsanwalt verurteilt werden,
    ich war von 05/1978-11/1979 bei der NVA und habe alles Live erlebt

  • Aber ganz schlimm war, dass ein Aiwanger, heute zweiter Wetterhahn in Bayern, in seiner Jugend irgendwann einmal angeblich ein Flugblatt verfasst haben sollte!
    Da stand die Republik auf dem Kopf, alle Programme wurden geändert und sämtliche „wichtige“ Politiker hielten ihren Nasen in die Kameras, um Aiwanger zu verurteilen

    Und bei einem Schießbefehl? Bei Pistolen im Mund?
    Nichts!
    Kein Aufschrei!
    Keine Sondersendung!
    Alles läuft weiter!

    Mich widert dieses Land nur noch an!

    • Dass in Deutschland bei der Beurteilung der Taten von „Links“ und „Rechts“ mit zweierlei Maß gemessen wird, ist doch nun wirklich nichts Neues. Selbst wenn Hüber persönlich Flüchtlinge an der Mauer erschossen hätte, wäre das kein Thema für die Mainstream-Medien.

  • Überall haben die Politniks so gearbeitet. Dafür waren sie ausgebildet. Ob bei den Grenztruppen oder in der NVA. Da die ganze Truppe den kommunistischen Klamauk ablehnte und bestenfalls belächelt hat, musste in jeder Truppe, bestrahlt werden. Es gab Politniks, die Dienst nach Vorschrift machten. Es gab aber auch Sadisten, wie Genosse Hüber.

  • Ich hoffe es kommt was ins rollen, danke an Apollo und die Mutigen, die sich dazu äußern und Zeitzeugen waren.

    • Hut ab vor Knabe und Krause.
      Bundesverdienstkreuz wäre angemessen

      • Aber nicht von dem jetzigen BP überreicht…

  • Bin schon sehr gespannt, wann und wie das Regime zurückschlägt. Es lässt ganz sicher seine „Helden“, wie dieses …., nicht im Stich.

  • Das dieser Hüber IMMER NOCH in Amt und Würden ist, zeigt das Denken unserer Regierenden. Und deckt die Machenschaften der GdP und der gesamten Polizei auf .
    DoofRind und sein Innenministerium schützt Chefideologen des DDR-Regimes
    WARUM????

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