Fordert Kompromisse
Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels fordert Abkehr von „CDU pur“ und ist gegen klare SPD-Abgrenzung
Dennis Radtke nutzt seine Wiederwahl als Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, um gegen die Vorstellung von „CDU pur“ Stimmung zu machen: „Die CDU ist eine Kompromissmaschine“ und nicht einseitig konservativ, sagt er – und ist klar gegen eine SPD-Abgrenzung.
Dennis Radtke ist als Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) mit deutlicher Mehrheit im Amt bestätigt worden und nutzt seine Wiederwahl für eine grundsätzliche Positionsbestimmung innerhalb der CDU. Der 46-Jährige erhielt auf der Bundestagung im hessischen Marburg 87 Prozent der Stimmen, ein Gegenkandidat trat nicht an. Radtke gehört dem CDA-Bundesvorstand bereits seit 2007 an und hat den Vorsitz seit 2024 inne.
Großen Anteil an seiner Rede hatte eine aus seiner Sicht verkürzte innerparteiliche Debatte über ein vermeintliches „CDU pur“. „Es hat sich die Sehnsucht nach allem breitgemacht, was pur ist. CDU pur, SPD pur. Das sind immer die gleichen Reflexe. Das kennen wir seit Jahren“, so Radtke. Bei ihm würden sich dabei die „Nackenhaare aufstellen“. Er erklärte: „Die CDU ist eine Kompromissmaschine, der Kompromiss ist CDU pur.“ Wer die Partei einseitig konservativ oder wirtschaftsliberal ausrichte, mache „auf einen Schlag viele in und außerhalb der Partei politisch heimatlos“. Damit stellt sich Radtke zugleich schützend vor den Kurs der Parteiführung und gegen Forderungen nach einer härteren Abgrenzung gegenüber dem Koalitionspartner SPD.
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Parallel dazu mahnte der CDA-Chef eine inhaltliche und kommunikative Neuaufstellung der Union an. Die Partei habe sich zuletzt unnötig angreifbar gemacht, eine verbesserte Kommunikation sei der „Dreh- und Angelpunkt“ für künftigen Erfolg. In der wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Debatte warnte er vor einer pauschalen Abwertung von Beschäftigten. Zwar könne man „ganz objektiv darüber reden, wie können wir die Produktivität in unserem Land erhöhen“ und auch diskutieren, welche Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitszeit denkbar seien. Problematisch werde es jedoch, wenn der Eindruck entstehe, „viele in unserem Land hätten einfach keinen Bock und würden sich einfach nicht anstrengen und gehen gar nicht mehr runter von der Couch“. Eine solche Zuspitzung sei „fatal“, weil sie die falschen Adressaten treffe und gesellschaftliche Spannungen verschärfe.
Radtke plädierte stattdessen für einen grundlegenden Kurswechsel in der politischen Ansprache. „Wenn wir auch als Union wieder erfolgreicher werden wollen, müssen wir mit schwarzmalerischer Rhetorik, mit angstmachender Rhetorik aufhören.“ Er forderte eine „positive christdemokratische Zukunftserzählung“, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit sozialer Verantwortung verbindet. Die CDA versteht sich traditionell als sozialpolitisches Korrektiv innerhalb der CDU. Zu ihren früheren Vorsitzenden zählen unter anderem Norbert Blüm und Karl-Josef Laumann, dessen Nachfolge Radtke angetreten hat.
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