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Bitcoin und Co.: Google präsentiert eigene Krypto-Infrastruktur für Banken

In den USA schreitet die Integration von Crypto Assets in das Finanzwesen voran. Am Mittwoch präsentierte Google eine neue Bankeninfrastruktur zur Verwahrung kryptografischer Schlüssel. Die Idee stammt aus dem Bitcoin-Umfeld: Die Kontrolle über private Schlüssel wird auf mehrere Parteien verteilt, um Diebstahl zu unterbinden.

Google will mit einer neuen Sicherheitsinfrastruktur Banken den Einstieg in die Verwahrung von Kryptowährungen erleichtern. (IMAGO/ZUMA Press)

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Es ist ein wenig still geworden um Bitcoin und Krypto-Assets wie Ethereum oder Solana. Am Ende eines Bärenmarktes, der im vergangenen Oktober begann und Bitcoin um rund 54 Prozent verbilligte, ist das kein Wunder. Doch gerade die stilleren Marktphasen, in denen nicht tagtäglich über diesen Zweig des Finanzwesens berichtet wird, sind entscheidend. Es sind Zeiten, in denen Wesentliches geschieht.

So haben sich beispielsweise Bitcoin-ETFs fest im Finanzsystem etabliert. Gemeinsam verwalten die von BlackRock und Fidelity angeführten Bitcoin-Fonds inzwischen rund 104 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommt: Großbanken wie JPMorgan bieten Dienstleistungen rund um digitale Vermögenswerte an. Wir befinden uns mitten im Prozess der Normalisierung und der Entzauberung des Neuen. Alte Bitcoin-Haudegen würden wohl sagen: Das Asset wird langweilig. Die kommerzielle Wall Street gibt jetzt den Ton an.

Das mag für jene stimmen, die sich nicht mit der eigenen Verwahrung der Token auf einer Cold Wallet herumschlagen möchten. Mit den Problemen rund um Coldcard und dem Lieferkettenproblem bei einem Ledger-Händler ging es in den vergangenen Monaten allerdings auch reichlich turbulent zu. Millionenvermögen gingen verloren, ein Vertrauensschaden ist entstanden. In dieses Sicherheitsvakuum stoßen die etablierten Geldhäuser vor: Banken bieten sich in Kooperation mit Kryptogrößen wie Coinbase als neue Verwahrorte von Krypto-Assets an – digitale Tresore, wenn man so will. Auch in Deutschland kommt Bewegung in die Sache: Zuletzt kündigten die Sparkassen an, ihren Kunden künftig verstärkt Bitcoin und einige größere Krypto-Assets anbieten zu wollen.

Google entwickelt neue Sicherheitslösung für Banken

Damit stehen die Banken vor dem Problem, ihren digitalen Tresor zu sichern und die Schlüssel, also den Zugang zu Token wie Bitcoin, so aufzubewahren, dass Hacks unterbunden werden. Die Lösung: eine sogenannte Multisig-Anwendung, wie sie in der Bitcoin-Szene entwickelt wurde. Eine Transaktion wird erst freigegeben, wenn mehrere unabhängige Schlüssel der Transaktion zustimmen. Gerät ein einzelner Schlüssel in falsche Hände, kann der Dieb allein nichts bewegen.

Aus Sicht der Banken stellt sich also ein technisches Problem, eine Frage des Sicherheitsdesigns. Google könnte darauf eine entscheidende erste Antwort gegeben haben. Auf dem MPC-Symposium von Google Cloud in New York am Mittwoch präsentierte die Firma das sogenannte MPC-Verfahren, die Multi-Party Computation, das einen ganz neuen Multisig-Ansatz verfolgt. Der Transaktionsschlüssel wird in mehrere Teile zerlegt, die auf mehrere Parteien verteilt werden und eine Signatur nur gemeinsam erzeugen.

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Noch befindet sich dieser in der Cloud angesiedelte Dienst in einer privaten Testphase, die von mehreren Finanzhäusern durchlaufen wird. Kommerziell soll die Infrastruktur bereits im kommenden Jahr bereitstehen.

Gelingt Google die Etablierung der Sicherungsinfrastruktur für Banken, eröffnet das der Firma beziehungsweise ihrer Muttergesellschaft Alphabet einen First-Mover-Vorteil. Dann setzt sie den Standard und verankert eigene Dienstleistungen auf dem größten Bankenmarkt der Welt.

Was bedeutet der Google-Ansatz konkret in der Praxis? Beim klassischen Verfahren existiert irgendwo ein vollständiger Schlüssel. Gerät dieser in falsche Hände oder geht er verloren, ist der Zugang zu den Coins verloren. Bei MPC entstehen Teilsignaturen getrennt und ergeben erst zusammengesetzt die gültige Transaktion. Ein Angreifer müsste daher mehrere unabhängige Systeme gleichzeitig kompromittieren. Der Unterschied zum klassischen Multisig ist entscheidend: Dort existieren mehrere vollständige Schlüssel, bei MPC wird der vollständige Schlüssel nie erzeugt.

Aus der Sicht der Geldhäuser ist diese Entwicklung mehr als eine technische Raffinesse. Jede Bank haftet für die Kundeneinlagen; dies gilt auch für tokenisierte Assets oder Bitcoin. In Zeiten des Quantencomputings wird alles darauf ankommen, diesen technischen Angriffsvektor bereits im Vorfeld zu eliminieren. Solange das Damoklesschwert des Diebstahls digitaler Schlüssel über der Branche schwebt, kann sie ihr Nischendasein nicht abstreifen – und Krypto bleibt für Banken ein uninteressantes Geschäftsmodell.

US-Großbanken wittern Milliardengeschäft mit Kryptowährungen

Die Gästeliste des Google-Symposiums lässt ahnen, dass man an der Wall Street das große Geschäft wittert. Vertreter von Morgan Stanley, Citi und Wells Fargo, um nur die bekanntesten zu nennen, betraten die Bühne. Diese Banken sind alles andere als Bitcoin-Utopisten. Es handelt sich um Geldhäuser, die das Treiben der Bitcoin-Szene über lange Jahre hinweg äußerst kritisch verfolgten, nun aber auf den Zug der Zeit aufzuspringen scheinen.

Es gilt das Motto: Ist ein Business regulierbar, skalierbar und in die gegebenen Haftungsregeln einbindbar – wie es die Amerikaner mit dem Genius Act für Stablecoins vorexerziert haben –, lässt sich daraus ein Kredit- oder Bankengeschäft entwickeln.

Darauf deutet nicht zuletzt die Geschäftspolitik des größten Stablecoin-Anbieters der Welt, der Firma Tether, hin. Tether erwirbt neben kurzlaufenden US-Staatsanleihen und Gold vor allem große Bitcoin-Bestände, um seinen Stablecoin abzusichern. Bitcoin könnte sich zum wichtigsten Kollateral der digitalen Welt entwickeln. Hypothekenkredite gegen Bitcoin als Sicherheit sind bereits heute Realität in den Vereinigten Staaten, wo Schätzungen davon ausgehen, dass etwa 10 Prozent der erwachsenen Amerikaner Bitcoin besitzen. Ob als ETFs oder auf einer eigenen Cold Wallet, spielt dabei wohl nur noch eine untergeordnete Rolle.

Dass Banken nun mithilfe der Google-Technologie in den Kryptomarkt vordringen, dürfte auf lange Sicht das Legitimitätsproblem der Kryptos und die Berührungsängste vieler Menschen zerstreuen. Es ist paradox: Ausgerechnet die Banken, einst Todfeinde von Bitcoin, könnten nun die Brücke zur gesellschaftlichen Akzeptanz bauen und Bitcoin damit einen weiteren Impuls geben. Damit dürfte auch die Bitcoin-Kultur der souveränen Selbstverwahrung einen immensen Adaptionsschub erhalten.

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