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Preisschock

Benzin ist so teuer wie nie – auch weil die CO2-Bepreisung Raffinerien ruiniert

Die Spritpreise in Deutschland steigen auf Rekordniveau. Neben dem Iran-Konflikt verschärft ein strukturelles Problem die Lage: Europa fehlen Raffineriekapazitäten. Hohe Energiepreise, EU-Emissionshandel und steigende CO₂-Kosten setzen die Branche zusätzlich unter Druck.

Für viele deutsche Autofahrer sind die stetig steigenden Benzinpreise trauriger Alltag. (IMAGO/Rene Traut)

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Seit dem Auslaufen des Tankrabatts Ende Juni steigen die Spritpreise in Deutschland wieder nahezu ununterbrochen. Am 2. September kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt laut ADAC 2,215 Euro. Damit wurde sogar der bisherige Rekord vom 14. März 2022 übertroffen. Damals hatte der Liter E10 auf dem Höhepunkt des Preisschocks infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine 2,203 Euro gekostet.

In der vergangenen Woche setzte sich diese Entwicklung wie befürchtet fort. Am Sonntag lag der Preis für einen Liter Super im bundesweiten Durchschnitt sogar bei 2,32 Euro. Bereits der August war mit einem Monatsdurchschnitt von 2,145 Euro der teuerste Monat für E10 seit Beginn der Aufzeichnungen. Vieles deutet darauf hin, dass der September diesen Höchststand noch einmal übertreffen könnte.

Auch Diesel kostete am Sonntag im bundesweiten Durchschnitt 2,32 Euro je Liter. Damit liegt der Preis zwar noch unter dem bisherigen Allzeithoch von 2,446 Euro vom 7. April dieses Jahres, von Entspannung kann jedoch keine Rede sein. Das aktuelle Preisniveau liegt weiterhin deutlich über dem der vergangenen Jahre und auch klar über den Werten zu Jahresbeginn.

Für den jüngsten Preisschub, der besonders bei Super E10 ins Gewicht fällt, gibt es mehrere Ursachen. Eine davon ist der erneut eskalierte Konflikt mit dem Iran. Nach einer rund einmonatigen Phase relativer Ruhe griffen sich die USA und der Iran in der Nacht zum 31. August erstmals seit Ende Juli wieder gegenseitig an.

Das US-Militär bombardierte unter anderem Ausrüstung der iranischen Revolutionsgarden zum Verlegen von Seeminen an der Straße von Hormus. Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien. Am Wochenende verschärfte sich die Lage weiter: Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters setzte das US-Militär drei iranische Öltanker außer Gefecht.

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Die erneute Eskalation schlug sich rasch am Ölmarkt nieder. Seit dem 31. August verteuerte sich ein Barrel der europäischen Referenzsorte Brent um mehr als zehn Prozent und kostete am 7. September knapp 99,5 US-Dollar. Damit erreichte der Ölpreis den höchsten Stand seit Ende Juli. Der kräftige Anstieg machte sich in der Folge auch an den Tankstellen bemerkbar.

Wie deutlich sich der Konflikt auf die Spritpreise ausgewirkt hat, zeigt ein Vergleich mit dem Niveau vor Kriegsbeginn. Nach Angaben des ADAC kostete ein Liter Super E10 im Februar bundesweit durchschnittlich 1,760 Euro, Diesel lag im Mittel bei 1,722 Euro je Liter. Bis zum 6. September verteuerten sich damit beide Kraftstoffsorten um rund ein Drittel.

Der Mechanismus dahinter ist vergleichsweise einfach: Vor dem Krieg wurden rund 25 Prozent des weltweit auf dem Seeweg gehandelten Rohöls und etwa 20 Prozent des Flüssigerdgases (LNG) durch die Straße von Hormus transportiert. Seit der Sperrung der Meerenge ist der Schiffsverkehr dort drastisch eingebrochen. Zuletzt passierten weniger als hundert Schiffe pro Woche die Route, vor dem Krieg waren es noch rund 700. Das verknappte Angebot treibt die Öl- und Gaspreise auf dem Weltmarkt nach oben und schlägt damit auch auf die Spritpreise in Deutschland durch.

Verschärft wurde die Entwicklung zusätzlich durch das Auslaufen des Tankrabatts Ende Juni. Auch dieser Effekt trug dazu bei, dass E10 inzwischen neue Höchststände erreicht und Diesel weiterhin auf außergewöhnlich hohem Niveau liegt.

Der Tankrabatt war die erste Maßnahme, mit der die Bundesregierung auf den Preisschock infolge des Iran-Konflikts reagierte. Vom 1. Mai bis zum 30. Juni wurde die Energiesteuer um 14,04 Cent je Liter gesenkt. Einschließlich der Umsatzsteuer entsprach das rechnerisch einer Entlastung von 16,7 Cent pro Liter. Tatsächlich kam davon jedoch nur ein Teil bei den Autofahrern an: Nach Berechnungen des ifo-Instituts lag die Entlastung im Mai bei Super E10 bei rund 15 Cent und bei Diesel bei etwa 12 Cent je Liter.

Der Tankrabatt verschaffte den Verbrauchern zwar kurzfristig etwas Entlastung. Doch schon am ersten Tag nach seinem Auslaufen zogen die Preise wieder deutlich an. Der Grund: Die Maßnahme senkte lediglich den Preis an der Zapfsäule, änderte aber nichts an den eigentlichen Ursachen des hohen Preisniveaus. Dazu zählen das knappe Rohölangebot, die angespannte Versorgung mit Kraftstoffen und fehlende Raffineriekapazitäten.

In Europa mangelt es inzwischen nicht nur an Rohöl, sondern zunehmend auch an Kapazitäten, dieses zu Benzin, Diesel und anderen Kraftstoffen weiterzuverarbeiten. Seit 2009 wurden rund 30 von damals etwa 100 europäischen Raffinerien geschlossen oder für andere Zwecke umgerüstet. Einer Erhebung von Transport & Environment (T&E) aus dem Jahr 2023 zufolge verfügte Europa 2010 noch über Raffineriekapazitäten von knapp 16 Millionen Barrel pro Tag.

Im darauffolgenden Jahrzehnt gingen davon fast zwei Millionen Barrel pro Tag verloren, rund 13 Prozent der damaligen Raffineriekapazitäten. Ausschlaggebend waren vor allem die zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Raffinerien sind äußerst energieintensiv und verursachen erhebliche CO₂-Emissionen. Der EU-Emissionshandel und die steigenden CO₂-Kosten erhöhen den finanziellen Druck zusätzlich und machen den Betrieb vieler Anlagen zunehmend unrentabel.

Dass die Einführung des Tankrabatts weitgehend ins Leere laufen würde, hatten Ökonomen bereits im März gesagt, als die ersten Forderungen nach einer Spritpreisbremse laut wurden. Ifo-Präsident Clemens Fuest erklärte damals im Gespräch mit der WELT, eine Senkung der Mineralölsteuer sei volkswirtschaftlich schädlich.

Ähnlich kläglich scheiterte der zweite Eingriff der Bundesregierung: die 12-Uhr-Regel nach österreichischem Vorbild. Die Regel, die seit dem 1. April existiert, besagt, dass Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich, um 12 Uhr, erhöhen dürfen. Die Regel begrenzt zwar die Anzahl der Preiserhöhungen, nicht aber deren Höhe.

Viele Tankstellen heben daher den Preis um 12 Uhr sehr stark an, um erwartete Kostenrisiken und mögliche spätere Anpassungen bereits für den restlichen Tag einzupreisen. Auch diese Maßnahme trug zum langfristigen Anstieg der Spritpreise bei und befeuerte vor allem die Übergewinne der Mineralölkonzerne. Die Zahlen belegen das: An jedem der sechs Tage nach dem Start der Regelung erreichte Diesel ein neues Allzeithoch.

Letztlich konnten vor allem die Ölkonzerne von dem zweiten Markteingriff der Bundesregierung profitieren. Eine Kurzstudie des ZEW stellte nach Einführung der 12-Uhr-Regel steigende Benzinmargen und keine spürbaren Preissenkungen fest (mehr dazu hier).

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29 Kommentare

  • Passt gut zum Thema Landes- und Bundespolitik.
    Auch wenn das Bundesland keinen Einfluss darauf nehmen kann ob es die Fantasiesteuer auf Luft weiterhin gibt… ich wähle dennoch keine Partei die diese Abgabe legitimiert.
    Also gab es nur eine Wahlmöglichkeit.

    8
  • was trotzdem erwähnt werden sollte, Treibstoffe in Deutschland bestehen zu weit über die Hälfte aus Steuern und Abgaben.
    Ich tanke mit meinem zu knapp 50% besteuerten Geld, dann nimmt mir der Staat nochmals 60% an Steuern ab, die Mineralölfirmen, Raffinerien, Tankstellen machen Gewinne die wiederum vom Staat zu einem Höchstsatz besteuert werden. Unschwer zu erkennen wer der eigentliche Preistreiber ist – der Nimmersatt Staat!

    7
  • Ja ja, der Krieg macht den Treibstoff so teuer. Es hat ja auch nie Niemand nicht vor dem Preisschock gewarnt, wenn die Regierung ihre Steuerpläne durchzieht.
    Komisch, die Polen sind nicht vom Krieg betroffen. Vielleicht sind die hunderttausende Kilometer weit weg von Deutschland!?

    Polen;
    Der Literpreis für Benzin (Super 95) liegt in Polen aktuell bei durchschnittlich rund 1,50 bis 1,52 Euro, während Diesel etwa 1,67 bis 1,73 Euro kostet.

    Die polnische Regierung hat die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe vorübergehend von 23 auf 8 Prozent gesenkt, um Verbraucher zu entlasten.

    Zusätzlich legt das Energieministerium zeitweise tägliche Höchstpreise fest.
    Durch diese Maßnahmen ist das Tanken an vielen Stationen wieder spürbar günstiger als in Deutschland, was vermehrt zu Tanktourismus an der Grenze führt…

    1
    • Polen senkt die Steuern, Deutschland nicht. Deswegen ist Tanken in Polen billiger als in Deutschland. So weit, so klar. Aber wieso ist Polen jetzt nicht vom Iran-Usrael-Krieg betroffen?

      0
  • Wenn das mit der CO2 Bepreisung so weiter geht, und die CO2 Abgabe der EU kommt ja noch, werden wir in 2 Jahren einen Benzinpreis von 3 EUR haben. Ob das die Wirtschaft verkraften kann ?

    0
    • Unterinformierter Pimpf.

      0
  • Die US-Luftwaffe hat einen iranischen Öltanker angegriffen, der sich im Ankergebiet vor der Insel Chark befand, wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete.

    Ihren Angaben zufolge gab es keine Verletzten; die Besatzung wird evakuiert.
    https://t.me/tass_world/65729

    0
  • Bleibt der12 Zylinder halt stehen – lebbe wird weider gehen.

    2
  • In der ehemaligen DDR ist es wie folgt: 2,20€ kurz vor 12 und 2,50€ kurz nach 12 Uhr.

    -2
  • Diese dämliche 12 Uhr Regel verschärft das ganze ja noch. Vor allem ist genau falsch herum formuliert. Nur einmal am Tag reduzieren, so würde ein Schuh draus. Den Pächtern kann man auch nur mitleidig begegnen. Das Mittagsgeschäft, wenn viele dort getankt und Mittag gegessen haben, ist völlig weggebrochen. Um die Zeit ist Totentanz, kein Schwein fährt um die Zeit zur Tanke.

    3
    • Nur einmal am tag den Preis festlegen wäre in dem Fall die Lösung.
      Aber was weiß ich schon. Habe nicht studiert.

      0
  • Stadtrat: Kartellparteien planen nächsten Rechtsbruch!

    Am morgigen Mittwoch (9. September 2026) tritt der Chemnitzer Stadtrat zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Und die Kartellparteien haben bereits einen neuen Rechtsbruch ausgeheckt, der sich ausgerechnet gegen den Vater von Martin Kohlmann richten soll.

    Außerdem befinden sich auf der Tagesordnung zwei Anträge der Ratsfraktion PRO Chemnitz / Freie Sachsen, die wohl schon im Vorfeld der Sitzung für Aufregung bei der Verwaltung sorgten, so dass der Stadt kein Argument zu schwach scheint, den anderen Parteien eine Ablehnung zu empfehlen.

    Martin Kohlmann fasst zusammen, worum es morgen im Stadtrat gehen wird. Sehenswert!

    Ratsfraktion PRO Chemnitz / Freie Sachsen:
    https://t.me/freiesachsen/13203

    -2
  • Die Merkelregierung braucht jedes Geld, muss ja Ukraine und Asylanten bezahlen und diese ganzen NGOs, dass kostet Geld.

    0
    • Bot. Du bist in der falschen Zeit.

      -1
  • „Iran-Konflikt“, zum totlachen. Das war Max Mannharts Held Donald Trump.

    0
    • Das muss man so schreiben. Zur Unterscheidung. Sonst müssten alle Konflikte in der Welt USA-Konflikt heißen.

      -1
      • Da liegst du absolut falsch. „Trump-War“ ist der richtige Begriff.

        -2
        • „Da liegst du absolut falsch. „Trump-War“ ist der richtige Begriff.“

          Ihr Textverstehen ist nicht sehr ausgeprägt, kann das sein?

          1
  • Donald Trump toppt euch alle.

    -2
  • Nur eine Frage. Wer hat eigentlich diese rote, grüne, und schwarze Bagage im bunten Bundestag gewählt? Die Eskimos auf Grönland vielleicht, die Pinguine vom Südpol oder war es doch eher das verblödete deutsche Pack. Der Sprit müsste noch viel teurer werden. Die Lebensmittelpreise sollten regelrecht explodieren und die Mieten unbezahlbar werden. Ihr verdient es nicht anders. Hört auf zu jammern, 80% wollten das so?

    0
    • Ich jammere weil ich nicht jeden Wähler beeinflussen kann.
      In Sachsen-Anhalt ist es mir und meines gleichen jedoch gut gelungen.
      Habe ca. 5 leute an die Urne gebracht.

      Also ich darf jammern.

      1
      • “ Habe ca. 5 leute an die Urne gebracht.“

        Bestatter haben da eine bessere Bilanz.

        1
  • Haben Politiker was an ihren Murmeln?

    Eine unnötige, dreckige Luft- (Lust-) Steuer um für wen auch immer zur Finanzierung erkoren.

    Werden wir von Idioten regiert/gezüchtigt?

    0
    • „Werden wir von Idioten regiert/gezüchtigt?“

      Eher sind wohl wir die Idioten.

      3
  • „Das US-Militär bombardierte unter anderem Ausrüstung der iranischen Revolutionsgarden zum Verlegen von Seeminen an der Straße von Hormus.“

    Der Gag war so gut das ich mich totlachen musste.

    -3
  • Ich saga ja nicht das die Mullahs gute Menschen sind. Ich sage nur das ihr euch alle ohne Seife waschen würdet, wenn es keine Perser gäbe.

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    • Ich benutze seifenfreie Waschlotion.

      1
    • Das war die Aila, schon vor 30tsd. Jahren. Schon mal was von „Saponaria officinalis“ gehört oder gelesen? Aber Spaß bei Seite: Sie wären sicher nicht der Hersteller der „Sonnenscheibe von Nebra“ gewesen oder hätten das Rad erfunden,-)

      0

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