Aufstieg und Fall eines amerikanischen Siegers
Trump lag fundamental richtig, die Verheißung seiner Marke war der Kern des notwendigen politischen Programms: Hauptsache Amerika gewinnt. Sein Fall liegt vor allem darin begründet, dass er längst als (schlechter) Verlierer erscheint, als feige, schwammig und sinnlos brutal.
„We’re going to win so much that you’re going to be sick and tired. You’re going to say, ‚Please, please, Mr. President, it’s too much winning.’“, lautet einer der legendären rhetorischen Momente von Donald Trump, als von seinem Namen für die westliche Rechte eine strahlende Hoffnung ausging. Man muss sich seine Antrittsrede als Präsident 2017 anschauen, um sich daran zu erinnern, warum es diese Ära Trump überhaupt gab. Seine Rede über alle Eltern, die für ihre Kinder träumen, und jedes Kind, das von seiner Zukunft träumt war nicht nur amerikanischer Politkitsch, sondern eine perfekte Inszenierung – ein rhetorisch perfekter, scharfer Trump, der das riesige Publikum auf seinen Veranstaltungen nicht nur zu Wut aufstacheln, sondern auch zum Lachen und zu Tränen rühren konnte.
Lange wurden alle Vorwürfe gegen Trump zum Bumerang, weil seine großen Momente gar nicht so doof waren, wie linke Medien meinten – etwa in seiner legendären improvisierten Rede über die erfolgte Ermordung von IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi und seinem Hinweis, er sei wie ein Hund gestorben. Trump, der Mann, der für Amerika so lange siegen wird, bis seine Anhänger ihn anbetteln, weil es zu viele Siege sind – und er siegt trotzdem immer weiter. Das war die Verheißung.
Trump setzte auf ein ganz einfaches Gefühl: Hauptsache, Amerika gewinnt. Diese Sehnsucht nach einem wieder großen Amerika war prinzipiell gesehen völlig richtig und der Wesenskern eines politischen Programms für die westliche Rechte.
Mit seiner verlorenen Präsidentschaftswahl 2020 wurde Trump vom Sieger zum schlechten Verlierer, und seine Marke und mit ihr seine rhetorische Frische brachen vor den Augen der Welt zusammen. Schon einmal war die Marke Trump toxisch geworden, in der eigenen Partei wurde er damals abgeschrieben. Doch der fahrige, unkonzentrierte und schwammig-brutale Trump riss sich noch einmal zusammen: Eine blutige Faust in den Himmel, der Donald bei McDonald’s und ein US-Präsident im Müllwagen. Das PR-Genie fuhr 2024 seinen größten, bezogen auf den US-Kongress praktisch totalen Triumph ein. Auch das war eine perfekte amerikanische Kitschgeschichte vom größten politischen Comeback aller Zeiten.
Das allerdings verkraftete Trump nicht. Sein hässlich goldenes Weißes Haus, sein Wahnsinn in Kanada, der absurde Hofstaat von operierten Operetten-Barbies, wo offenbar nur noch Loyalität und gar keine Qualität mehr zählt, sein Pseudo-Cäsarismus und seine sinnlose Brutalität – all das wirkt wenig überzeugend. Waren seine Angriffe etwa auf gegnerische Journalisten früher zwar überhart, aber immer noch schlagfertig, sind sie jetzt vielfach nur noch leere Beleidigungen mit der ästhetischen Halbwertszeit einer Honecker-Floskel.
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Doch gerade in der Außenpolitik wurde er zum Verlierer – seine Demütigungen von Selensky gingen einher mit dem wirkungslosen Umschleimen Putins. Gegen den nuklear aufrüstenden Iran hatte er den Mut zu handeln, aber nicht die Demut und die Fähigkeit und schließlich auch nicht den Mut zu gewinnen. Und einen verlierenden Trump will wirklich keiner sehen.
Die oberschlaue Riege linker Trump-Analysten kann in der Regel keinen Artikel formulieren, ohne auf den berühmten Trump-Satz zurückzukommen, wonach er einen Menschen auf der Fifth Avenue erschießen könne, ohne dass er auch nur einen einzigen Wähler verlieren würde. Was er ursprünglich mal 2016 als Scherz formuliert hat, hält sich bei linken Analysten, die sich für geistreich halten, als bewährter Kalauer der politischen Analyse. Gefragt, warum das denn so kommen konnte, hat man eher selten. Auch in Deutschland hört man dahingehend immer öfter, dass die AfD tun und lassen kann, was sie will, sie gewinnt sowieso. Auch in Deutschland ist das Problem, dass sie das ihre Wähler entschieden zu oft spüren lässt.
Die Ursache ist zweifelsohne von der Linken induziert: die hemmungslose Ausschlusspolitik, die Überkritik, sodass sowieso klar ist, dass Medien Donald Trump für jeden Satz, egal, was er macht, zerreißen und zum neuen Faschisten und Diktator erklären werden. Die Folge sind Abstumpfung und Immunisierung. Doch nach sechs Jahren als Präsident endet auch diese Immunität, und sie endet auch für die AfD auf ihrem Weg zur Macht.
Die historischen Ausmaße dieser Niederlage bei den Republikanern sollten ein Weckruf sein: 2016 ist vorbei. Die Dominanz der linken Ausschlusspolitik kann für die Rechte kein Argument mehr dafür sein, dass man tun und lassen könne, was man will. Es geht darum, dass die Rechte eigene feste Standards in Sachen Moral, Ästhetik, Personalqualität und Strategie – und damit eine Linie – halten muss. Das erfordert vor allem geistige Disziplin und die Auswahl von Persönlichkeiten nach Fähigkeiten, nicht nur nach Parteiloyalitäten. Trumps Geist von 2016 bleibt letztlich der Maßstab: Hauptsache, der Westen siegt wieder. Aber man muss es nicht nur in großen Reden beschwören – man muss es auch hinkriegen.
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