Automobilkonzern
Stellenabbau und Löhne einfrieren: VW-Investitionskrise spitzt sich zu
Bei Volkswagen spitzt sich der Streit um den Sparkurs zu. Der Konzern will sein Investitionsbudget deutlich reduzieren, Zehntausende Stellen abbauen und die Gehälter einfrieren. Doch die dafür notwendige Fünfjahresplanung könnte erst verspätet verabschiedet werden. Im Extremfall droht eine vorübergehende Blockade neuer Investitionen.
Der Sparkurs bei Volkswagen nimmt immer weitreichendere Ausmaße an – nun steht auch die Fünfjahresplanung auf wackligen Beinen. 135 Milliarden Euro stehen in der aktuellen Planungsrunde zur Abstimmung, doch der Aufsichtsrat wird das Budget in diesem Jahr – anders als geplant – wohl nicht mehr verabschieden. Wenn bald keine Entscheidung getroffen wird, könnte ein Investitions-Shutdown drohen.
Nach Informationen des Handelsblatts gilt intern inzwischen Januar 2027 als Zieltermin. Im Normalfall legt das Gremium jeden Herbst fest, wie viel Geld in den kommenden fünf Jahren investiert werden soll – etwa in neue Modelle, die Belegung der gut 100 Werke oder Zukunftstechnologien.
Grund für die Verzögerung, die sich nun abzuzeichnen droht, ist, dass das Ende September vereinbarte Sparpaket bislang nur in Grundzügen steht. Vorgesehen sind bis 2030 Ergebnisverbesserungen in Höhe von 31 Milliarden Euro, die operative Marge soll von derzeit 3,8 auf dann neun Prozent steigen. Zwar steht fest, dass bis zum Ende des Jahrzehnts konzernweit 100.000 Stellen gestrichen werden sollen (mehr dazu hier), die Zukunft von vier deutschen Werken ist derzeit jedoch noch offen.
Außerdem liegen die Kapital- und die Arbeitnehmerseite derzeit bei Gehaltsfragen im Zank. Die IG Metall fordert rund fünf Prozent mehr Lohn – während der Vorstand die Gehälter der 660.000 Konzernbeschäftigten bis 2030 einfrieren will. Wie die IG Metall vor Kurzem bestätigte, hat der Konzernvorstand die Personalverantwortlichen weltweit angewiesen, „Nullrunden bis 2030“ umzusetzen. Einigt sich der Aufsichtsrat diesbezüglich nicht, kann Volkswagen im Extremfall vorübergehend keine größeren neuen Investitionen mehr freigeben – ein Investitions-Shutdown, vergleichbar mit einer Haushaltssperre beim Staat, droht.
Besonders bedrückend ist auch, dass der Investitionsrahmen von 135 Milliarden Euro, der für die kommenden fünf Jahre (2026 bis 2031) vorgesehen ist – ursprünglich waren 180 Milliarden Euro eingeplant –, erneut einen Rückgang darstellt.
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VW verschärft Sparkurs und kündigt fast alle Tarifverträge auf
Seit 2024 fährt Volkswagen einen eisernen Sparkurs, der jetzt noch verschärft wird: Der Konzern hat angekündigt, fast alle Tarifverträge zum Ende des Jahres aufzukündigen. Damit kommen harte Sparmaßnahmen auf die Beschäftigten zu.In den vergangenen Jahren waren die Budgets konstant gestiegen, bevor sie 2025 erstmals rückläufig waren. 150 Milliarden Euro waren für die Zeiträume 2020 bis 2024 beziehungsweise 2021 bis 2025 vorgesehen, 159 Milliarden Euro für 2022 bis 2026, schließlich 180 Milliarden Euro für 2023 bis 2027 und erneut dieselbe Summe für 2024 bis 2028. Seither geht es abwärts: 165 Milliarden Euro für 2025 bis 2029, für 2026 bis 2030 160 Milliarden Euro. Und jetzt sind es 135 Milliarden Euro.
Es stellt sich letztlich die Frage, warum die Forcierung der weitreichenden Einsparungen überhaupt nötig ist. Die Erklärung findet sich in den enttäuschenden Finanzkennzahlen der jüngsten Vergangenheit. Vor allem vor dem Hintergrund des stockenden Hochlaufs im Geschäft mit der Elektromobilität beziehungsweise des Absatzeinbruchs auf dem chinesischen Markt musste Volkswagen in den vergangenen Jahren finanziell erhebliche Rückschläge hinnehmen.
2025 fiel das operative Ergebnis um 53 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro. Auch die operative Marge brach ein. Sie ging um mehr als die Hälfte zurück und betrug 2025 nur noch 2,8 Prozent – nach 5,9 Prozent im Jahr 2024. Im ersten Halbjahr 2026 folgten weitere Einbrüche. Das operative Ergebnis sank erneut um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro.
Auch an der Börse ist die Krise längst sichtbar. Die VW-Aktie notiert nach Daten von TradingView derzeit bei gerade einmal rund 69 Euro (Stand: 20. Oktober 2026) – zuletzt hatte die Aktie im August 2010 auf einem derart niedrigen Niveau gelegen. Allein seit Jahresbeginn hat sie insgesamt 33,5 Prozent an Wert verloren. Um einmal mehr zu verdeutlichen, wie niedrig ein VW-Anteil derzeit gehandelt wird, lohnt sich ein Blick auf die Vergangenheit: Anfang 2021 kostete eine Aktie zeitweise mehr als 320 Euro.
Besonders bedrückend ist, dass die Einsparungen, die im VW-Konzern derzeit diskutiert beziehungsweise umgesetzt werden, keineswegs allein die Kernmarke betreffen. Auch die Tochterunternehmen müssen durchgreifen. Porsche hat bereits beschlossen, zusätzlich zu bestehenden Vereinbarungen 4.000 weitere Stellen zu streichen und zudem sämtliche Beteiligungen an Bugatti abzustoßen. Bei der Softwaretochter Cariad, die den Konzern zentral beim Hochlauf der Elektromobilität unterstützen sollte, könnten in naher Zukunft bis zu 1.400 Stellen wegfallen (mehr dazu erfahren Sie hier).
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