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Kevin Dorow

„Jugend muss durch Jugend geführt werden“: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen AfD-Funktionär

Die Staatsanwaltschaft Gießen hat Anklage gegen den AfD-Politiker Kevin Dorow erhoben. Der 28-Jährige hatte bei der Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation erklärt: „Jugend muss durch Jugend geführt werden.“ Die Staatsanwaltschaft sieht darin eine Propagandaparole der Hitlerjugend.

Finanzbeauftragter der AfD-Jugendorganisation in Schleswig-Holstein: Kevin Dorow (IMAGO/Revierfoto)

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Die Staatsanwaltschaft Gießen hat Anklage gegen den schleswig-holsteinischen AfD-Politiker Kevin Dorow erhoben. Dem 28-Jährigen wird vorgeworfen, bei der Gründungsversammlung der neuen AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland eine Parole verwendet zu haben, die als Kennzeichen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation gewertet wird.

Konkret geht es um den Satz „Jugend muss durch Jugend geführt werden“, den Dorow während einer Bewerbungsrede für einen Vorstandsposten äußerte. Die Ermittler sehen darin einen Verstoß gegen Paragraf 86a des Strafgesetzbuches, der die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen unter Strafe stellt.

Der Vorfall ereignete sich beim Gründungskongress der Generation Deutschland, der am 29. November 2025 im hessischen Gießen stattfand. Dorow hatte sich dort um einen Platz im Bundesvorstand beworben und gegen Ende seiner Rede eine frühere Äußerung des Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke aufgegriffen. Wörtlich erklärte er: „Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat: Jugend muss durch Jugend geführt werden, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein.“

Nach Bekanntwerden der Äußerung leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein, die nun zur Anklageerhebung geführt haben. Demnach handele „es sich um eine von der Hitlerjugend während der Zeit des Nationalsozialismus allgemein bekannte Propaganda-Parole, die unter anderem von Adolf Hitler und Baldur von Schirach mehrfach zitiert wurde“, so die Staatsanwaltschaft Gießen.

Von Schirach war von 1931 bis 1940 Reichsjugendführer der NSDAP und spielte im Dritten Reich eine zentrale Rolle bei der nationalsozialistischen Erziehung und Indoktrination junger Menschen. Die Hitlerjugend entwickelte sich unter seiner Führung zu einer Massenorganisation, die Jugendliche im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie formen und auf den Dienst für das Regime vorbereiten sollte.

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Die Staatsanwaltschaft wertet den von Dorow verwendeten Satz vor diesem historischen Hintergrund als Kennzeichen einer nationalsozialistischen Organisation. Paragraf 86a des Strafgesetzbuches sieht für die öffentliche Verwendung entsprechender Kennzeichen grundsätzlich eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor.

Der Satz „Jugend muss durch Jugend geführt werden“ entstand allerdings nicht erst im Nationalsozialismus. Er wurde bereits in der bündischen Jugendbewegung und der Wandervogelbewegung verwendet, die sich im späten Kaiserreich und in der Weimarer Republik entwickelten.

In diesen Jugendbewegungen stand die Vorstellung im Mittelpunkt, dass junge Menschen ihre Gemeinschaften eigenständig organisieren und Verantwortung übernehmen sollten, anstatt ausschließlich von älteren Generationen angeleitet zu werden. Erst später griff die Hitlerjugend die Formel auf und verwendete sie ebenfalls als Leitspruch. Die Nationalsozialisten übernahmen damit einen bereits bestehenden Begriff aus der Jugendbewegung und integrierten ihn in ihre eigene Propaganda.

Auf genau diese Vorgeschichte beruft sich Dorow bei seiner Verteidigung. Nach Bekanntwerden der Ermittlungen erklärte der AfD-Politiker bereits Ende 2025, der Ausspruch stamme aus der Wandervogelbewegung und damit aus einer Zeit, in der die Hitlerjugend noch gar nicht existiert habe.

Er sehe deshalb keinen Anlass, sich von der Aussage zu distanzieren, die er inhaltlich für nicht verwerflich halte. Dorow bezeichnete den Spruch zudem als Teil des kulturellen Erbes Deutschlands und erklärte, er verstehe ihn als Ausdruck jugendlicher Autonomie gegenüber älteren Generationen (Apollo News berichtete).

Die Äußerung hatte bereits unmittelbar nach dem Gründungskongress zu erheblichen parteiinternen Auseinandersetzungen geführt. Die AfD-Führung drängte Dorow nach seiner Rede und wegen weiterer umstrittener Aussagen zum Rücktritt von seinen Parteiämtern.

Mit der Anklageerhebung steht noch nicht fest, dass Dorow tatsächlich vor Gericht erscheinen muss. Zunächst hat das zuständige Amtsgericht Gießen zu prüfen, ob die Anklage zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet wird. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind bislang keine Termine für eine mögliche Hauptverhandlung festgelegt worden.

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66 Kommentare

  • Hat Hitler nicht auch „Guten Morgen“ gesagt? Ich frage für einen Freund.

    • Dieser soll doch auch Vegetarier gewesen sein, sagte gerade mein Nachbar.

      • vor und nach 1933 hat man u.a. Begriffe wie Parteien, Politiker, (Auf)Rüstung und tausende andere benutzt…

        daher bitte erst einmal die o.g. verbieten, würden manche sagen

        • Na das ist mal eine neue Idee .
          Worte wie furzen oder kacken, wurden die nicht damals auch benutzt???

          2
      • Alle Vegetarier jetzt ins „Loch“ oder vor die Kanzlel?
        Was für ein Schmierentheater/Kindergarten!

    • Enthält „Nationalsozialismus“ nicht „Sozialismus“?

    • Er war auch islamophil.

    • Nein. Der hat „Guten Morrrgen“ gesagt. Das ist ein Unterschied. 🙂

    • Bestimmt nicht
      sonst wäre es bestimmt so verboten.

    • hast Du gerade Hitler geschrieben!? So hat der doch sein ganzes Leben fiese Sachen unterschrieben!

    • Ich möchte nicht wissen was der GröFaZ noch so alles gesagt hat. Wenn das unsere Spezialdemokraten alles wüßten würde wir rumrennen wie die Trappisten und Cluniazenser. Obwohl, wenn man es recht überlegt würde das manchem gut zu Gesichte stehen.

    • Zum Glück wurde er von einem Österreicher umgebracht.

  • Hitler hat bestimmt auch „Guten Morgen“ oder „Mahlzeit“ irgendwann mal gesagt. Verfolgt mich jetzt auch die Justiz? Selbst die Höcke zum Vorwurf gemachter Slogan mit „…Deutschland“ stammt ursprünglich aus dem Vorwärts, der SPD-Gazette in den 20ern. Es ist einfach nur noch frustrierend.

    • Der Spiegel hat eine verbotene Parole, für die Höcke verurteilt wurde, in seiner Ausgabe vom 09.09.2023 als Schlagzeile zur Beurteilung des Deutschlandpakts von Scholz veröffentlicht. Auflage um die 700.000. Da lief nicht mal ein Ermittlungsverfahren. Der Spiegel rühmt doch immer seine Dokumentationsabteilung, die jedes Wort prüfe. Und bevor jetzt das mit dem Kontext kommt, zitiere ich mal Herrn Prof. Dr. Thomas Fischer, früher Vorsitzender Richter des 2. Strafsenats am Bundesgerichtshof, der auch an den Universitäten Würzburg und Leipzig Strafrecht lehrte und damit wohl im Bereich Strafrecht renommiert ist, zum Tatbestandsmerkmal Kennzeichen verbreiten „Man darf sie weder affirmativ (bestätigend) noch ironisch, weder humoristisch noch kritisch, weder „ähnlich“ noch verfremdend verwenden, nicht zur Werbung für Wurst noch zur Promotion für Panzer.“ LTO vom 19.09.2023.
      Es kommt wohl doch mit darauf an, ob man von rechts oder links kommt.

    • Man sollte mal das Original Mein Kampf freigeben!

  • Da haben unsere „Demokraten“ wieder zugeschlagen.

  • Das wird ja hier angesammelt wie in der DDR…

    • Irgendwie werden Verherrlichungen des zweiten deutschen Unrechtsstaats juristisch nicht weiter orchestriert. Sind die dessen Kader schon wieder aktiv oder immer noch?

  • Und tägliche ploppen neue, der Allgemeinheit weder heute noch früher als besondere politische Slogans bekannte Redenwendungen auf, deren geschichtliche Herleitung als explizit nationalsozialistisch mühevoll konstruiert worden zu sein scheint, um die Opposition gängeln und verfolgen zu können. Man müsste zur transparenten Ausgestaltung der Rechtsnorm inzwischen ein Wörterbuch herausgeben, welche Begriffe und Redewendungen politisch noch unbedenklich sind. Das dürfte bald überschaubarer ausfallen als das der verbotenen Redewendungen. Oder gleich die deutsche Sprache verbieten und durch einen ideologisch genehmen Neusprech austauschen…

    • Türkdeutsch …..

  • Heute weiß man nicht einmal mehr, was man überhaupt noch sagen darf und was nicht.
    Diese Wortklauberei tut schon weh.

    • @Elbmatrose: Genau das ist doch beabsichtigt! Man nimmt dem Volk seine Sprache, damit es mundtot gemacht wird: Totale Verunsicherung und damit Unterdrückung, weil es keine Rechtsicherheit mehr gibt.

  • Wer soll noch diese Staatsorgane ernst nehmen.
    Der lange Marsch durch die Institutionrn ist fast schon abgeschlossen.

    • Achtung, der lange Marsch wurde von Mao benutzt. Nicht, dass sie da verklagt werden. Ach ne, Mao war ja links. Sorry für den Fehlalarm.

  • Die Vorliebe von Herrn Dorov für diese militaristische Sprache kann ich nicht nachvollziehen. Insofern ist es erwartbar, dass Ermittlungsbehörden auf solche Sätze sensibel reagieren, wenn sie vermuten, dass Herr Dorov einem hierarchischen Führerprinzip das Wort redet. Wenn der aufstrebende junge Mann darauf verwiesen hätte, dass ein Jugendverband auch durch junge Menschen verantwortlich geleitet werden sollte, die noch den unmittelbaren Bezug zur Lebenswelt der Mitglieder haben, hätte niemand daran Anstoß genommen.

  • Immer wieder schön zu lesen, wo deutsche Staatsanwaltschaften Prioritäten setzen.
    Aber um wirkliche, schwere Straftaten zu verfolgen, dazu hat man keine Zeit und es fehlt das Personal.
    Angeblich fehlen 2.000 Staatsanwälte und Strafrichter. Vielleicht mal einen der Damen und Herren, die diese Stellen besetzen, von solchem Pille Palle abziehen?

  • Unter den Juristen kann man sich dem einstigen Fanatismus in der Verfolgung Oppositioneller auch kaum entziehen.

  • Die SPD in Sachsen Anhalt wirbt mit NS Parolen „Wir sind der Deich“. Wo ist das Problem?

    • Ein Deich! Ein Kolk! Ein Prieler!

  • Woher wissen die eigentlich so genau, was damals von irgendeinem Nazi gesagt wurde? Außerdem ist doch entscheidend, was gesagt wurde und nicht vom wem. Ich wäre jedenfalls froh, wenn sich unsere Politiker wenigstens an die Wahlversprechen erinnern würden, die sie vor 2 Jahren gemacht haben.

  • Am Besten wir verbieten die Deutsche Sprache und das Alphabet, schließlich wurde vor 90 Jahren deutsch gesprochen und das Alphabet benutzt.
    Unstreitig ist, das im dritten Reich vieles was vorher da war übernommen wurde.
    So wie bei ‚Ultima Thule‘ ein Begriff aus vor christlicher Zeit und nur weil es im dritten Reich verwendet wurde, Tabu.

    • Das wollte Merkel, deshalb die jetzigen Zustände, man ist schon zum Teil Gast im eigenen Land, nur ohne Zuwendungen wie die Goldstücke.

  • Wann werden endlich die Staatsanwaltschaften dem Zugriff der Parteien entzogen.
    Parteiengeführte Staatsanwaltschaften und Demokratie passen überhaupt nicht zusammen.

  • Dorow kenne ich nicht und Höcke finde ich, obwohl ich AfD-Wähler bin, einfach nur schrecklich, aber davon abgesehen wird es wirklich immer alberner und lächerlicher mit diesem staatsanwaltlichen Herumgesuche, was wer vor 90 Jahren mal wie gesagt hat oder wie ideologisch gemeint haben könnte und wer es wagt, so etwas oder etwas Ähnliches heute (übrigens vor einem ganz anderen politischen Hintergrund!) zu sagen. Mann, Mann, Mann.

  • hoffentlich finden die nicht raus dass die Parole „wie wäre es mit einer Tasse Kaffee“ bei der SA weite Verbreitung fand.

  • Der Satz „Jugend muß durch Jugend geführt werden“ hat einen anderen Charakter als der Satz „Alles für Deutschland“. Während der zweite Satz Deutsch ist, wie es auch heute noch gesprochen wird, und einen Allerweltssatz darstellt, der nicht originär der SA zuzuschreiben ist, auch wenn sie ihn verwendet hat, so ist doch der erste Satz ein charakteristischer Satz der national-sozialistischen Bewegung. Auch wenn seine Ursprünge älter sind und in der Jugendbewegung vor 1933 liegen, so ist er doch von Adolf Hitler und Baldur von Schirach prägend verwendet worden. Es ist auch extrem unwahrscheinlich, daß jemand im heutigen Sprachgebrauch den Satz „Jugend muß durch Jugend geführt werden“ spontan bildet, während „Alles für Deutschland“ von jedem Fußballfan, der mit dem National-Sozialismus auch gar nichts am Hut hat, gesagt werden könnte. Natürlich hat Herr Dorow seinen Satz mit voller Absicht und in Kenntnis seines Hintergrundes verwendet. Er fand das vielleicht lustig und wollte provozieren.

    • Ich will noch klarstellen, daß ich dennoch dagegen bin, Leute wegen Worten, Begriffen, Parolen oder Verwendens irgendwelcher Kennzeichen gerichtlich zu belangen. Das ist eine Verirrung des deutschen Justizsystems, die keine andere Demokratie kennt. In Amerika kann jeder ein Hakenkreuz zeichnen und wird deshalb nicht vor Gericht gestellt. Wenn jemand ein Hakenkreuz verwendet, um in bestätigender und verherrlichender Absicht den National-Sozialismus zu propagieren, dann sollte so etwas nicht vor Gericht, sondern im öffentlichen Diskurs bekämpft werden.

      • Allein der Versuch, hier reflexartig einen Kontext zu erzeugen, scheitert an der mangelden Glaubwürdigkeit. Porsche und VW sind unproblematisch, SED-Programme werden übernommen, Wahlbetrugsversuche, Verunglimpfungen und Demokratiebeugungen sind an der Tagesordnung, das wird ignoriert.
        Aber so ein Satz lässt plötzlich „alle Alarmglocken“ der Staatsanwaltschaft Gießen schrillen…

  • Sollten mal zum Bezug des Remmo Clans und weiteren ermitteln!

  • Kranker „Rechtsstaat“!
    Bestes Beispiel sind die 5 Jahre U-Haft von Prinz Reuß.

  • Unsere Staatsanwaltschaften machen sich durch solche Anklagen einfach nur noch lächerlich!

  • Die „Staatsanwaltschaft Gießen“…, soso…
    klingt für mich wie „Experten warnen“…
    Wer genau?
    Was genau meint man, da „herausgehört“ zu haben?

  • Bildungslücken überall! Den Staatsanwalt, der unterschrieben hat plus seine Vorgesetzten und Weisungsberechtigten in Nachhilfe schicken! Peinlich.

  • Hat die Deutsche Staatsanwaltschaft nichts wirklich wichtigeres zu tun als Zeit mit AFD Hetzte zu verbringen? Diebstähle, Einbrüche, Prügeln auf einzelne Personen mit mehreren und Vergewaltigungen werden in den Hintergrund gedrängt, um eine AFD zu Diskreditieren? Ziemlich Armseelig.

  • Der Satz stammt aus der Jugendbewegung um 1900. Und nun soll also jeder heutige Zeitgenosse darin eine Verherrlichung der Nazis sehen? Das ist eine Spinnerei linker Staatsanwälte und pure Willkür.

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