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Vom Westen ignoriert

Verurteilung von Jimmy Lai: Peking vollendet die Gleichschaltung Hongkongs

Der bekannte Demokratieaktivist und Medienunternehmer Jimmy Lai wurde nun zu 20 Jahren verurteilt – im Westen nimmt man das fast schon schulterzuckend zur Kenntnis. Doch mit dem Urteil vollendet die Volksrepublik die Gleichschaltung Hongkongs.

Am Montag zu 20 Jahren Haft verurteilt: Medienunternehmer Jimmy Lai im Jahr 2020 (IMAGO/Newscom / SCMP)

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2019 und 2020 unterwarf Xi Jinpings Volksrepublik die Sonderverwaltungszone Hongkong – mit brutalen Methoden schlug man die Pro-Demokratie-Protestbewegung nieder. Seit einigen Jahren gibt es in Hongkong nun praktisch keine unabhängigen Medien mehr, ebenso wenig wie eine politische Opposition – der langjährige Status der Stadt als demokratische Enklave innerhalb der kommunistischen Diktatur ist Geschichte.

Nun hat das kommunistische Regime mit einer drakonischen Verurteilung einen Schlussstrich unter die Demokratiebewegung in Hongkong gesetzt: Der Medienunternehmer Jimmy Lai war einer der führenden Köpfe der Demokratiebewegung – seit 2020 hat ihn die chinesische Justiz immer wieder drangsaliert und zuletzt für mehrere Jahre in Haft gesteckt. Nun wurde Lai am Montag von einem Hongkonger Gericht zu 20 Jahren Haft verurteilt – was angesichts Lais fortgeschrittenen Alters von 78 Jahren einem Urteil zu lebenslanger Haft gleichkommt.

Das Urteil gegen den Unternehmer ist das strengste Urteil wegen eines Verstoßes gegen das im Jahr 2020 eingeführte chinesische Sicherheitsgesetz für Hongkong. Darin werden unter anderem „Sezession“, „Subversion“ und „Absprache mit ausländischen Mächten“ unter Strafe gestellt. Lai wird Letzteres vorgeworfen – alle Bestimmungen des Gesetzes sind sehr vage gehalten und werden in der Praxis dazu genutzt, die Pro-Demokratie-Bewegung zu zerstören.

Lai gründete Mitte der 90er Jahre die Pro-Demokratie-Zeitung Apple Daily. In den Jahren nach ihrer Gründung stieg die Zeitung zu einem der meistgelesenen Medien in Hongkong auf. Nach der Übergabe Hongkongs an China durch Großbritannien, das die Stadt in den Jahrzehnten zuvor kolonial verwaltet hatte, konnten die dort lebenden Bürger aufgrund eines Sonderstatus zumindest teilweise Presse- und Meinungsfreiheit genießen.

Nachdem sich Lai über Jahrzehnte für die Demokratie in Hongkong eingesetzt hatte und zum Gesicht der Pro-Demokratie-Bewegung aufgestiegen war, engagierte er sich energisch bei der Demonstrationswelle 2019 und 2020 – so organisierte er Proteste und repräsentierte die Hongkonger Opposition gegenüber dem Ausland, etwa bei einem Treffen mit dem damaligen US-Vizepräsidenten Mike Pence.

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Mit der Verurteilung Lais steht die Pro-Demokratie-Bewegung in Hongkong vor ihrem endgültigen Ende – bereits Ende Dezember hat sich die größte Partei der Bewegung, die Demokratische Partei, selbst aufgelöst, weil sie nicht mehr zu Wahlen zugelassen wird. Nun werden durch die Verurteilung Lais auch die letzten Reste des Rechtsstaats in Hongkong zerstört – das meint auch der Sohn des verurteilten Aktivisten, Sebastien Lai. In einer Stellungnahme sagte er: „Die Verurteilung bedeutet die völlige Zerstörung des Hongkonger Rechtssystems und das Ende der Gerechtigkeit.“

Lais Gesundheitszustand hat sich in den letzten Jahren bereits deutlich verschlechtert – nicht nur sein fortgeschrittenes Alter, sondern auch eine Diabetes-Erkrankung machen ihm zu schaffen. Die meiste Zeit seiner Gefängnisstrafe verbringt er in Isolationshaft – er soll vollständig gebrochen werden.

International blieb der Protest gegen die Verurteilung Lais gering: Das US-Außenministerium verurteilte die Haftstrafe – das sei „ein ungerechter und tragischer Abschluss dieses Falles“. Weiter heißt es: „Es zeigt der Welt, dass Peking vor nichts zurückschreckt, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die sich für die Grundfreiheiten in Hongkong einsetzen.“

Auch die britische Regierung – Lai ist britischer Staatsangehöriger – hat das Vorgehen des Hongkonger Gerichts verurteilt und immerhin das Visa-Programm für Bürger Hongkongs ausgebaut – als ehemalige Kolonie haben viele in der Stadt auch die britische Staatsangehörigkeit; auch ihre Kinder dürfen durch das Programm unter bestimmten Bedingungen nach Großbritannien auswandern.

Doch die britische Regierung blieb ansonsten weitgehend passiv: Erst vor wenigen Wochen hat Premierminister Keir Starmer die Volksrepublik besucht – dabei auch noch mehrere Export-Deals geschlossen und die neue Mega-Botschaft der Chinesen in London genehmigt. Lais Fall soll der Premierminister nach Angaben der britischen Regierung lediglich angesprochen haben – Druckmittel, um einen britischen Staatsangehörigen freizubekommen, hat er jedoch nicht eingesetzt.

Im Westen hat man offenbar Hongkongs Pro-Demokratie-Bewegung komplett aufgegeben – in Großbritannien und Europa herrscht sogar aufgrund von Streitigkeiten mit US-Präsident Donald Trump mittlerweile eine gewisse Affinität zur Volksrepublik als antiamerikanische Großmachtalternative, wie man auch beim neuesten WEF in Davos sehen konnte, wo etwa Frankreichs Emmanuel Macron bei seiner Rede China enthusiastisch in den europäischen Wirtschaftsraum einlud.

Dass die Volksrepublik mit drakonischen Mitteln jegliche Opposition im Land zerschlägt, wie man bei Lai erneut sehen konnte, ist den westeuropäischen Anführern offenbar egal – da ist es auch wenig überraschend, dass man die Kritik der US-Regierung am Zustand der Meinungsfreiheit in der EU für unverschämt hält.

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22 Kommentare

  • Ein Vorbild für unsere Demokratie?

    • Ja, das Vorgehen und die Anklagen kommen einem vage bekannt vor.

    • Lobte nicht Habeck seinerzeit das chinesische Modell von Demokratie live im Fernsehen? Da dürften doch jetzt die Sektkorken knallen. Lass krachen Xi Habeckping.

    • Nun, es gibt schon politische Gefangene unserer Demokratie, z.B. Michael Ballweg, Prinz Reuß und durch die EU jüngst Jacques Baud.

      Die Strafen sind noch keine 20 Jahre Bau, aber auf dem Weg dorthin.

    • Sie haben wohl ins Schwarze getroffen.

  • Gleich und gleich gesellt sich gerne.

  • Für solche Menschen war das Asylrecht des GG gedacht.
    Aber das interessiert unsere politische Elite nicht. Allenfalls beneidet sie die Diktatur um deren Möglichkeiten.

  • Den Genossen im Westen gefällt das.

  • Ob sich Starmer aus der Deckung getraut?

  • In Sachen China traue ich übrigens Donald Trump nicht wirklich: At Davos, US President Donald Trump declared he had “always had a very good relationship with President Xi” Jinping, calling the Chinese leader “an incredible man”, “highly respected by everybody”. Quelle: South China Morning Post

  • Man wusste es vor 1997
    man sah es nach 1997.

    Ergo was hat der Westen erwartet???

    Agenda 2049 sagt obendrein noch viel mehr und lässt wenig Spielraum für „Überraschungen“. (und deren Politiker setzen um was sie sagen)

    Außerdem braucht der Westen nicht auf andere mit dem Finger zeigen, wenn man die Geschehen bis heute und auch geplante Restriktionen gegen eigene Bevölkerungen sieht.

    • Nach 1989

      • nahm mit 1997 Bezug speziell auf die Kronkolonie.

        1989 mit den „Tiananmen Square protests“ ist auch gegen Kritiker gewesen, daher gab es ja Bedenken ob man 1997 Hongkong gem. Pachtvertrag übergeben soll.

  • England hätte Hongkong nie zurückgeben dürfen. Für uns Chinesisch-Studenten war schon damals klar, was passiert. Die Eu und die USA sollten jeglichen Handel einstellen, wenn man es denn ernst meint mit dem“Völkerrecht“

    • Natürlich war es klar. Das Problem ist nur: Die New Territories (mit 6/7 der Fläche und mehr als der Hälfte der Einwohner) waren nie britischer Besitz, sondern von vornherein nur für 99 Jahre gepachtet. Man hätte natürlich den kleinen Rest behalten können – aber es wäre mehr als schwierig geworden, alle Einwohner dort unterzubringen. Und die New Territories nicht zurückzugeben, wäre einer widerrechtlichen Annexion gleichgekommen, mit entsprechenden diplomatischen Konsequenzen. Eine wirklich gute Lösung gab es nicht. Vielleicht hätte man eine Verlängerung des Pachtvertrags aushandeln sollen. Aber ich glaube eher nicht, dass die VR China sich darauf eingelassen hätte.

      • Ja, Daniel, da haben Sie jetzt aber ein deutsches Überbewusstsein aka ‚Markus fft‘ zerpflückt. Ob er das ‚für uns Chinesisch-Studenten‘ überlebt? Da das ernstzunehmende Faktum nicht von Markus kommt, sondern von Ihnen, halte ich ersteren für einen Student-Hochstapler.

  • Die Linken wünschen sich doch, sie könnten in Deutschland genau so verfahren!

  • Was heißt hier „Gleichschaltung“. Hongkong war eine chinesische Hafenstadt bevor sie nach den Optiumkriegen ab 1939 von den Briten gewaltsam erobert und anschließend über 150 Jahre lang besetzt und erst 1997 an China wieder zurückgegeben wurde. Erstaunlich wie die Realität immer wieder in den sogenannten deutschen Medien verdreht wird.

    • Gemeint ist wohl 1839, nicht 1939, aber auch das ist falsch. Nach dem 1. Opiumkrieg erhielt das Vereinigte Königreich gemäß dem Vertrag von Nanking das „ewige Besitzrecht“ an Hong Kong Island. Kowloon wurde 1860 nach dem 2. Opiumkrieg gemäß der Pekinger Konvention abgetreten. Diese Gebiete waren unzweifelhaft britischer Besitz. Nur die New Territories waren lediglich gepachtet – ab 1898 für 99 Jahre.

  • Hongkong ist von den Briten ausgeliefert worden an die rote Revolutionsregierung. Denselben Briten von denen Enkeldarsteller Apollo Max sagt man müsse sich an denen orientieren, was nicht durch solche Beispiele völlig absurd gemacht wird. Es ist aber trotzdem bequemer die Demokratie am anderen Ende des Erdballs zu beklagen anstatt die Demokratie welche quasi neben an von dem Neosowjetischen Ambitionen eines alternden Diktators seit vier Jahren angegriffen wird.
    Apollo eben.

  • Rot-Grün war über die drakonischen Massnahmen gegen die Musel-Uiguren extrem erbost. Trampolina u.a. sprach von Völkermord. Was ist wirklich passiert ?
    Dass es zuvor ständig , auch tödliche ,Bombenanschläge gegen die „ungläubigen Chinesen „gab, wurde von Rot-Grün verschwiegen..
    Für Mörder und Terroristen gab es Todesurteile, es gibt Umerziehungslager, damit der Islam nicht wie hier, wie ein Krebsgeschwür das Land befällt. Bekämpfung des terroristischen Islam, nicht fein un schön, aber effektiv, die harte Linie hat gewirkt, es herrscht Ruhe in der Gegend, kein öffentliches Gebet an Allah ,kein Mullah hetzt gegen die Ungläubigen in den Moscheen ,die sind jetzt Museen.
    Hongkong ist ein anderer Fall , freier Kapitalismus, da brennen bei der Rotfront alle Sicherungen durch, da muss der Klassenfeind bekämpft werden, weil die gleichgeschalteten Chinesen noch auf falsche Gedanken kommen könnten.
    Die Übergabe durch GB an China war eine Farce, die Versprechen von China eine Lüge von Anfang an.

    • China ist übrigens der größte weiltweite Produzent und Exporteur von Folter Instrumenten. Siehe u.a. Folterstuhl China „Tiger Chairs“.

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