Werbung:

Werbung:

Glättechaos

Frost, Unfälle, Verletzte – und die Berliner Politik lässt sich mit ihrem Tausalz-Gesetz alle Zeit der Welt

Frühestens Ende Februar wird das Berliner Abgeordnetenhaus über eine Lockerung des Streusalzverbots abstimmen – wenn Grüne und Linke nicht blockieren. Dabei könnte man deutlich schneller agieren, wenn man es mit dem Schutz seiner Bürger ernst meinen würde.

Werbung

Während die Hauptstadt im Schnee- und Glatteischaos versinkt, sich reihenweise Fußgänger die Knochen brechen und die Rettungsdienste kaum hinterherkommen, lässt sich die Berliner Politik alle Zeit der Welt: Die Lockerung des strikten Streusalzverbots, auf die sich die schwarz-rote Koalition erst nach massivem öffentlichen Druck einigen konnte, soll frühestens Ende Februar in die Tat umgesetzt werden. Und das wäre schon schnell, heißt es aus der CDU-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses. „Wenn sich die anderen Fraktionen im Ältestenrat querstellen und eine beschleunigte Behandlung in den Ausschüssen verhindern, wird es noch länger dauern.“

In Berlin gilt seit den 1980er Jahren ein absolutes Verbot für Auftaumittel auf Gehwegen. Damit sollen Straßenbäume geschützt werden, die unter dem Salz leiden. Doch während andere Städte, die ähnliche Verbote haben, Ausnahmen in besonders glatten Wintern zulassen, ist dies im Berliner Straßenreinigungsgesetz nicht vorgesehen. Das hat zuletzt noch einmal das Verwaltungsgericht Berlin klargestellt, das eine wegen der akuten Gefahrenlage erlassene Streusalz-Ausnahmegenehmigung des Senats wegen Rechtswidrigkeit kippte. Der Naturschutzbund (Nabu) war per Eilantrag dagegen vorgegangen.

Die CDU-Fraktion versucht nun, die Schuld dem Koalitionspartner zuzuschieben. Der christdemokratische Antrag für eine Gesetzesänderung liege seit dem 14. Januar bei der SPD, heißt es. Doch die Sozialdemokraten hätten die Lockerung des Streusalzverbots auf Gehwegen zunächst blockiert. Inzwischen wurde man sich einig. Der Antrag wurde von beiden Regierungsfraktionen gemeinsam eingebracht und soll am 12. Februar in der Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses behandelt werden.

Das ist die erste Lesung. Danach kommt der Antrag in die Ausschüsse des Landesparlaments und kann erst nach einer zweiten Lesung im Plenum beschlossen werden. Dies sei frühestens am 26. Februar möglich, allerdings nur, wenn alle mitspielen, heißt es aus der CDU-Fraktion. „Wenn sich die Grünen oder Linken querstellen, können sie das Gesetzgebungsverfahren in die Länge ziehen. Zum Beispiel, indem sie auf eine Expertenanhörung bestehen.“

Allerdings lassen sich Gesetze in Krisensituationen auch deutlich schneller beschließen. Die normalerweise geltenden Fristen können verkürzt werden. Auch Sondersitzungen sind möglich. Wenn man ernst nimmt, was CDU und SPD in der Begründung ihres Gesetzesantrags schreiben, wäre das der aktuellen Lage durchaus angemessen. „In außergewöhnlichen Witterungs- oder Gefahrenlagen, insbesondere bei Eisregen, Blitzeis oder langanhaltender extremer Glätte“, schreiben die Fraktionen darin, könne die strikte Anwendung des Streusalzverbots „dazu führen, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann“. In solchen Situationen könne „eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben“ bestehen. Genau das wäre auch die Begründung dafür, warum man die üblichen Spielregeln des Parlamentsbetriebs aufgibt und das Gesetz im Eiltempo durch das Abgeordnetenhaus bringt.

Lesen Sie auch:

Doch davon will in der Berliner Politik offenbar niemand etwas wissen. Man scheint eher darauf zu hoffen, dass der Frost bald vorüber ist und mit dem Tauwetter die nächste Sau durch die dann eisfreien Straßen getrieben wird. Ob sie den schwarz-roten Streusalzvorstoß unterstützen, wollte Apollo News von den Abgeordnetenhaus-Fraktionen der Linkspartei und der Grünen wissen. Doch beide ließen die Anfrage bisher unbeantwortet.

Der Streit um das Streusalz ist in Berlin auch nicht neu. Wie das Archiv des Landesparlaments zeigt, wird er seit Jahrzehnten immer dann geführt, wenn der Winter mal wieder hart war. Als konsequente Salzgegner haben sich dabei von Anfang an die Grünen, damals noch als „Alternative Liste“ (AL), hervorgetan. So fragte etwa die AL-Abgeordnete Luise Preisler-Holl den Senat im Januar 1986 anklagend: „Trifft es zu, daß entgegen den Vorschriften des Berliner Straßen- und Naturschutzgesetzes Streusalze und andere Auftaumittel auf den Gehwegen und Grundstücken verwendet werden?“ Es ging um bestimmte öffentliche Flächen in Charlottenburg. „Die Behauptung trifft nicht zu“, lautete die Antwort. „Als abstumpfendes Mittel wird nur Sand bzw. Schlacke auf die Gehwege gestreut.“

Im April desselben Jahres – der Winter 1985/’86 scheint streng gewesen zu sein – zog der Berliner Senat rückblickend Bilanz und berichtete, dass sich „die Zahl der Ordnungswidrigkeitsanzeigen
wegen verbotswidriger Verwendung von Auftaumittel – trotz der besonderen Witterungsumstände – im letzten Winter erheblich verringert“ habe. „Der Senat führt den Rückgang dieser Anzeigen auf die gezielte Aufklärungsarbeit in den vergangenen Jahren zurück.“

Werbung

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

33 Kommentare

  • Ich betrachte das Ganze inzwischen mit einer Mischung aus Verbitterung und Amüsement. Ein teuflisches Lachen entfleucht meinem Mund.

    • Berlin ist ein Drecksloch. Wie auch Bremen, Köln, Gelsenkirchen, Duisburg usw usw. Bald wird das auf ganz Deutschland zutreffen. Aber viele Wähler wollen es ja so. Abschaum wählt eben Abschaum…

      • BRAVO. Ich hätte es nicht treffender beschreiben können!!! 👍👍👍

      • Sie haben Recht! Ich lebe in der Nähe von Bremen und das kleine loch ist inzwischen schon die nächste Ganovenstadt geworden! Wer dagegen vorgeht muss mit Repressalien rechnen.

  • Im Evangelium nach Luther lesen wir in Markus 2, 23-28:

    Und es begab sich, daß er bei Schnee und Eis durch die Stadt ging; und seine Jünger fingen an, da sie rutschten, die Wege mit Salz zu streuen.

    Und die Naturfreunde sprachen zu ihm: Siehe, warum tun deine Jünger auf den Wegen, das nicht recht ist?

    Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Glätte hatte und ihn schleuderte und die bei ihm waren?

    Wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjathars, des Hohenpriesters, und nahm das Salz, das niemand streuen darf denn die Priester allein, und gab auch denen, die bei ihm waren?

    Und er sprach zu ihnen: Das Gesetz ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Gesetzes willen.

    So ist des Menschen Sohn ein Herr auch über das Gesetz.

  • Da muss man umgehend eine paritätisch besetze Arbeitsgruppe einberufen, die einen Arbeitskreis zur Erarbeitung einer Gesetzesänderung vorbereitet…
    Im Sommer gibt es dann den ersten Ortstermin. Dann wird festgestellt, dass man das mit der Glätte jetzt leider nicht mehr nachvollziehnen kann… Und um nichts falsch zu machen wird das Ganze dann zur einem Expertenrat weitergeleitet…

  • Man wartet bis der Winter vorbei ist und hofft auf den viel beschworenen Klimawandel, dass er doch endlich im nächsten Winter zuschlägt und diese Jahrzehnte alte Diskussion sich erübrigt. Schnee, Eis und Frost sollte es ja eigentlich schon jetzt gar nicht mehr geben und bald kommt auch wieder die Ansage, dass der Januar wieder so furchtbar warm war.
    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sich darüber köstlich amüsieren.

  • Ich streue Salz! Die meisten meiner Nachbarn auch. Nicht erlaubt eigentlich, aber ich habe noch nicht gehört, dass die Gemeinde dagegen vorgegangen sei. Was soll man auch sonst gegen Glatteis machen? Im nächsten Baumarkt hier ist Streusalz übrigens ausverkauft.

  • Die Sonne schickt doch angeblich keine Rechnung…..
    Könnte man nicht Wärmepumpen im Garten aufstellen um damit Gehwege rund um die Uhr fossilfrei umweltunschädlich eisfrei zu pusten?

  • Womöglich könnte es Strafanzeigen bzw. Klagen gegen Hausbesitzer hageln., die mutmaßlich die Streu-und Räumpflicht vernachlässigt haben.

    Viele NGOs werden schon in den Startlöchern sitzen–um kostenlos–steuerfinanziert–Hilfe beim Formulieren der Strafanzeigen zu leisten.

    Es könnte schwer werden, Gesetzesveränderungen zum Vorteil von Hausbesitzern in Berlin durchzubekommen.

  • Das Geld für diese Einsparungen geht zugunsten der Ukraine in neue Raketen und Drohnen! Also alles genau so, wie der Bürger es gewählt hat. Wenn er etwas ändern will, sollte er beim nächsten Mal überlegen wen er wählt!

  • Von den Senioren- oder Behindertenverbänden, hört man gar nichts…
    Angst vor den Reaktionen toleranter Umweltschützer? Oder einfach nur Desinteresse? Oder wird nichts berichtet?

  • Am 20. September sind Wahlen.
    Und was werde die Berliner mehrheitlich wählen?
    Genau, ihr wollt es doch (wieder) nicht anders.
    Ich rege mich nicht mehr auf.

  • Heiße Debatten um Eis & Schnee und Glätte in Berlin. Und was machen eigentlich die Leiter der 12 Ordnungsämter im Winter, da sie befugt und gesetzlich sicher bis zu 10.000 € Bußgelder verhängen könnten? Gucken die auch hier bei Apollo hinein? Oder machen die Kasse?

  • Das Übliche in der sog Hauptstadt (in Wahrheit nur ReGierungssitz)

    Endlose Debatten und Verschieben des aktuellen Problems anstatt den Bürgern WIRKLICHE Hilfe bzw. Rechtsicherheit betr Streusalzgebrauch zu geben

    Als besondere Frechheit: Die Verschiebung auf FRÜHESTENS Ende Febr Wo sich dann jahreszeitlich bedingt die Sache für den Winter 2025-2026 eh erledigt hat

    Der Berliner Senat kümmert sich einen Dreck um seine Bürger und lässt sie buchstäblich im (Eis)Regen stehen

    UND sich obendrein von Umweltlobbyisten welche die menschenverachtende Doktrie vertreten

    „Straßenbäume sind wichtiger als die Gesundheit der Menschen“

    an die Wand spielen

    Das ist die Hauptstadt der Schande der Rückgratlosigkeit und des Versagens!

    • Bürlün Hauptstadt der Schande.
      👍👍👍👍👍

  • In ein paar Wochen ist das Problem sowieso verschwunden, Wiedervorlage dann im nächsten Winter.

  • Dieses Land spricht davon »Krieg gegen Russland« zu führen, die größte Atommacht.
    Keine Pointe.

  • “ Dabei könnte man deutlich schneller agieren, wenn man es mit dem Schutz seiner Bürger ernst meinen würde.“
    Warum sollte man? Der Berliner Bürger will es genau so. Von wenigen Promille abgesehen.

  • Mir tun die Berliner kein Stück Leid, im Gegenteil. Ihr habt diese Versager gewählt, jetzt beschwert euch nicht.

    • Und sie werden es im September wieder tun. Kein Mitleid.

  • einfach Art20(4) aktivieren als Bewohner Berlins (auch wenn man nicht unbedingt die von Parteien großzügige Geste bräuchte)

    (4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

    Hier ist eine unbedeutende Clique in menschenverachtender Mission unterwegs und macht sich willige Justizvertreter und unwillig handelnde Politik gegen den Mehrheitswillen zunutze.

    • Die neue Bademäntel-Frühjahrskollektion kommt bald.. schnell zuschlagen, ehe der Staat zuschlägt… Und immer den Kaffeevorrat im Auge behalten. Du willst doch beim gemeinsamen Frühstück um 6 Uhr nicht enntäuschen 😉

      Nee, mal ernsthaft… ich wäre da an deiner Stelle ein wenig vorsichtiger… Nur so als gut gemeinter Rat… 🙂

  • Soll man das noch ernst nehmen? Wieder einmal mehr entscheidet die Politik gegen die Bürger. Leute, wir bezahlen diese Typen, die uns alles verbieten und uns Schaden, nicht umgekehrt. Geht das mal in die Köpfe der Deutschen rein? Und wenn die Damen und Herren Politiker ihr eigenes Spiel spielen und nicht für uns und unser Land arbeiten, dann müssen sie weg von diesen Positionen. Warum lassen wir die uns und unser Land kaputt machen,? Nicht mehr zu begreifen!

  • Ich wünsche diesen „Schlafschafen“ in Kalkutta an der Spree, das sie endlich aufwachen! Wie kann man nur ein solches Parteienkartell immer wieder und wieder wählen??

  • Erst wenn sich ein linksgrüner Politiker oder einer der SAntifa die Haxen bricht, wird gehandelt.

    • …wäre es doch endlich nur einmal so!!!

  • Die Reichskloake..

    Eine Schande!!!!!!!!

  • Na? Wo bleibt der unvermeidliche Spruch „wie gewählt, so geliefert“?
    Weder einfallsreich, noch witzig oder geistreich. Aber man muss halt irgendetwas absondern.

    -14
    • Wie gewählt, so geliefert. Unabhängig davon … es ist bereits Wahlk(r)ampf. Da ist der Schutz der Bevölkerung definitiv zweitrangig. Wie sonst auch, aber jetzt fällt es halt deutlich auf.

    • Naja, du selbst hast ihn doch gerade geschrieben… Das war allerdings nicht einfallsreich, witzig oder geistreich von dir 😀

    • Ja…gebt mir ruhig Downvotes! Die intellektuelle Limbo-Stange liegt hier bei den Kommentatoren praktisch auf dem Boden…

      • Ebenfalls nicht einfallsreich, witzig oder geistreich 😀

Werbung